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Filmkritik: Die Insel der besonderen Kinder

© Twentieth Century Fox Film Corporation
Story: Als Jake (Asa Butterfield) verschiedene Hinweise findet, die Realität und Zeit auf rätselhafte Weise auf den Kopf zu stellen scheinen, entdeckt er einen geheimen Zufluchtsort, Miss Pergerines Home for Peculiar Children. Je mehr Jake über die Bewohner der Insel und über ihre aussergewöhnlichen Fähigkeiten erfährt, desto mehr wird ihm bewusst, dass Sicherheit nur eine Illusion ist und dass Gefahr in Gestalt von übermächtigen, unsichtbaren Feinden überall lauert.

Kritik:  Tim Burton wird ja gerne mal vorgeworfen, dass er sich irgendwo in der Belanglosigkeit verloren hat. Wer davon fest überzeugt ist, der wird sich vermutlich auch mit "Die Insel der besonderen Kinder" bestätigt sehen. Denn hier gibt es eine schräge Geschichte mit schrulligen Figuren und eine gute Dosis Abenteuer. Typisches Burton Material. Doch in Verbindung mit der Romanvorlage von Ransom Riggs entsteht eine Geschichte, die zu berühren weiss.
 © Twentieth Century Fox Film Corporation

Jake als Identifikationsfigur ist eine zugängliche Wahl. Er ist einer dieser Außenseitertypen, für die Burton sich seit jeher begeistern kann. Und er findet sich rasend schnell in einem Abenteuer wieder, welches eigentlich viel zu groß für ihn ist. Dass besagtes Abenteuer gleichzeitig eine Geschichte über das komplizierte Erwachsenwerden zwischen erster Liebe und notwendiger Abnabelung von den Eltern ist, ateht ganz im Zeichen von Burtons großen Werken wie "Big Fish".

Doch natürlich laufen hier einige Dinge anders. Mit den Hollowghasts gibt es eine ernsthafte Bedrohung, die auch visuell unberuhigend wirkt. Dem stehen die besonderen Kinder mit ihren jeweiligen Aufpasserinnen gegenüber. Hier glänzt vor allem Eva Green, die als Miss Peregrine ganz wunderbar in diesen Film passt. Was Burton und die Geschichte ihr an Spleens abverlangen liefert sie mühelos. Gleichzeitig wirkt sie, wie beinahe immer, ein wenig entrückt und nicht von dieser Welt. Mit Ella Purnell bekommt Asa Butterfield eine tragische Love Interest zur Seite gestellt, die beiden harmonieren aber gut, die zaghaft aufkeimende Liebe nimmt man ihnen ab. Die restlichen Kinder bleiben leider etwas auf der Strecke. Besonders über Enoch hätte ich persönlich noch mehr erfahren, da seine Fähigkeit durchaus auch Stoff für moralische Konflikte bietet.
© Twentieth Century Fox Film Corporation
Was den Film spannend macht ist dann am Ende auch die Art der Inszenierung. An einigen Stellen kommt Stop Motion Technik zum Einsatz. Farblich abgesetzte Rückblenden lockern die Erzählstruktur auf, oftmals wirkt es, als wäre ein Abenteuerbuch zum Leben erweckt worden. Der geheimnisvolle, stellenweise fröhliche und auch mal bedrückende Soundtrack leistet ebenfalls seinen Beitrag zu einem rundum stimmigen Werk, dem man die eine oder andere Logikpause gern verzeihen mag.

Fazit: Mit Tim Burton und Ransom Riggs haben sich zwei gesucht und gefunden. Die  Verfilmung des außergewöhnlichen Debütromans ist im positivsten Sinne des Wortes sonderbar, auch wenn der Film eher konventionellen Regeln folgt als es das Buch macht. Für Fans von Burtons Stil, Verehrer von Eva Green und Anhängern der anhaltenden Welle an Young Adult Geschichten ist "Die Insel der besonderen Kinder" jedenfalls eine willkommene Flucht aus dem tristen Alltag.

Infos zum Film

Originaltitel: Miss Peregrines Home for Peculiar Children
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Fantasy, Abenteuer
FSK: 12
Laufzeit: 127 Minuten
Regie: Tim Burton
Drehbuch: Jane Goldman
Darsteller: Eva Green, Asa Butterfield, Ella Purnell, Samuel L. Jackson, Chris O'Dowd, Judi Dench  u.a.

Trailer


Wer ist eigentlich... Tim Burton?


Tim Burton 

Anlässlich der Ausstellung "The World of Tim Burton" in Brühl bei Köln (hier geht's zum Vorabbericht) dachte ich mir, ich versorge euch mal mit einem Special zu meinem vermutlich liebsten lebenden Regisseur. Tim Burton begleitet mich seit der Kindheit, und wie das so oft ist: Dinge, die man als Kind mochte bleiben bei einem. Sein etwas makabrer Stil, die vielen Monster die das Herz trotzdem am rechten Fleck hatten, sie alle waren ein wichtiger Bestandteil meiner Kindheit und Jugend. Auf neue Filme von ihm freue ich mich schon ewig und drei Tage im Voraus, "The Nightmare before Christmas" ist jedes Jahr zum Winterbeginn Pflichtprogramm. Auf nur einen Punkt könnte ich mich gar nicht festlegen. Seine Filme haben für mich immer auch mit Gefühlen zu tun. Das Gefühl verstanden zu werden. Das wundervolle Gefühl, in eine völlig andere Welt abtauchen zu können. Das abenteuerliche Gefühl, in jedem einzelnen Bild etwas Neues entdecken zu können. Dazu kommt dann noch die wundervolle, märchenhafte Musik. Weniger schöne Erinnerungen gibt es natürlich auch. So saß ich pünktlich zu meinem 12. Geburtstag im Kino, um Sleepy Hollow zu sehen. Irgendwas lief damals falsch, denn der Film ist ja eigentlich ab 16. Ich kam völlig fertig aus dem Saal, hatte eine Woche lang Angst vor Monstern unter meinem Bett und verließ noch Jahre später den Raum, wenn Christopher Walken irgendwo zu sehen war (mittlerweile mag ich ihn wieder). Höchste Zeit also, dem guten Mann hier mal ein Denkmal zu setzen. 

Biografie

Timothy "Tim" Walter Burton erblickte am 25.8.1959 in Burbank, Kalifornien das Licht der Welt. Schon in der Grundschule war er von Horror und Sci-Fi fasziniert, hier drehte er auch seinen ersten Super-8 Film. Von 1977 bis 1979 besuchte er das California Institute of the Arts und ließ sich zum Trickfilmzeichner ausbilden. Sein Abschlussprojekt trug den Namen "The Stalk of the Celery Monster". Danach nahm er einen Job bei Disney an. 

Dort arbeitete er an "Cap und Capper" mit. Sämtliche anderen Disneyprojekte mit seiner Beteiligung wurden allerdings nie fertig gestellt. In diesen vier Jahren bei Disney produzierte er weiterhin auch eigene Filme, darunter die Kurzfilme "Vincent" und "Frankenweenie". Nachdem er Disney verließ drehte er seinen ersten Film, "Pee-wees irres Abenteuer". Der Grundstein für die spätere Karriere war gelegt, es folgten Filme wie "Beetlejuice" (1988) und "Edward mit den Scherenhänden" (1990), der erste seiner Filme in denen Johnny Depp mitspielte. 

Oft gewannen seine Filme den Oscar für Szenenbilder, beispielsweise für "Sleepy Hollow" (1999) oder "Sweeney Todd" (2007). Ebenfalls 2007 wurde ihm bei den Filmfestspielen von Venedig der Goldenen Löwe für sein Lebenswerk verliehen. 2009 eröffnete im New Yorker Museum of Modern Arts die Ausstellung "The World of Tim Burton", in der tausende seiner gezeichneten Bilder erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Für Disney dreht er 2010 "Alice im Wunderland", der Oscars für die besten Kostüme und das beste Szenenbild einfährt. Obwohl der erste in 3D gedrehte Film von Tim Burton als weltweit erst fünfter Film die Grenze von einer Milliarde US-Dollar überschreitet, findet er bei Kritikern wenig Anklang. 2016 startet die Fortsetzung im Kino, allerdings nicht unter der Regie von Tim Burton. Sein letzter Film, "Big Eyes" (2014) beschäftigte sich mit der Künstlerin Margaret Keane, von der er selbst einige Bilder besitzt. Für Disney arbeitet er momentan an der Realverfilmung von "Dumbo", die für 2017 geplant ist. Inwieweit sich sein ganz eigener Stil auch hier durchsetzen wird bleibt abzuwarten.

 

Filmografie

2017: Dumbo
2016: Miss Peregrin's Home for peculiar Children
2014: Big Eyes
2012: Frankenweenie
          Dark Shadows
2010: Alice im Wunderland
2007: Sweeney Todd 
2005: Charlie und die Schokoladenfabrik
          Corpse Bride
2003: Big Fish
2001: Planet der Affen
1999: Sleepy Hollow
1996: Mars Attacks
1994: Ed Wood
1992: Batmans Rückkehr
1989: Batman
1988: Beetlejuice
1985: Pee-wees irres Abenteuer
1984: Frankenweenie (Kurzfilm)
1982: Hansel and Gretel
          Luau
          Vincent
1979: Stalk of the Celery Monster

Filmkritik: Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche

© Warner Bros.
Mit "Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche" arbeitet Regisseur Tim Burton bereits zum fünften Mal mit Johnny Depp zusammen. Auch seine damalige Ehefrau Helena Bonham Carter ist hier mit an Bord, ebenso hat Christopher Lee eine kleine Rolle. Der Film, der auf einem alten russischen Folkloremärchen basiert ist darüber hinaus Burtons erste eigene Regiearbeit im Stop-Motion Verfahren. Bei diesem Verfahren, welches seit mehr als 100 Jahren verwendet wird (unter anderem von Georges Méliès), werden Objekte animiert, indem sie für jedes Bild im fertigen Film nur unwesentlich verändert werden. So entsteht der Eindruck, es handle sich um ein tatsächlich bewegtes Bild mit flüssigen Abläufen. Mittlerweile werden auch hier Computer eingesetzt. "A Nightmare before Christmas" wurde zwar von Tim Burton produziert und vor "Corpse Bride" veröffentlicht, allerdings führte er dort nicht Regie. "Corpse Bride" war 2006 in der Kategorie "bester Animationsfilm" für einen Oscar nominiert. Gedreht wurde der Film von Tim Burton und Mike Johnson, wobei Burton zeitgleich mit den Dreharbeiten zu "Charlie und die Schokoladenfabrik" beschäftigt war und hier eher einem persönlichen Hobby nachging.

Story: Im viktorianischen Zeitalter des 19. Jahrhunderts steht der schüchterne, aus ärmlichen Verhältnissen stammende Victor Van Dort kurz vor der Vermählung mit der reichen und anmutigen Victoria Everglot. Als er jedoch durch Zufall eine geheimnisvolle Leichenbraut zum Leben erweckt und diese sich prompt in ihn verliebt, steht Victor vor einer schweren Wahl. Entweder ein Leben in der grauen und tristen Welt der Lebenden oder ein Dasein voller Spaß und Frohsinn im unerwartet bunten Totenreich. Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu Victoria und seiner Treue zur modrigen Leichenbraut Emily, muss Victor letztendlich eine Entscheidung treffen...
© Warner Bros.
Kritik: Auf den ersten Blick klingt "Corpse Bride" nach absolut typischem Burton-Material. Und der Eindruck trügt nicht, denn knappe 70 Minuten gibt es einen grotesken, musikalischen und bunten Ausflug in die Unterwelt. Wer "Nightmare before Christmas" mochte kann theoretisch jetzt aufhören zu lesen, denn er oder sie dürfte auch hier Spaß haben. Egal ob es schräge Gesangsnummern, Stop-Motion Technik in auf den ersten Blick düsterer Kulisse sind, die Parallelen sind vorhanden. Auch der für Burton typische Hund hat eine Rolle. So weit ist alles beim alten im Hause Burton.

Und doch hat sich einiges getan, vor allem im technischen Bereich. Die Effekte sind ausgereifter, die Figuren wirken wunderbar lebendig, auch wenn die meisten von ihnen lange tot sind. So fällt es nicht schwer, sich sofort in die Figuren zu verlieben und mit ihnen mitzufühlen. Leider sind neben Victor, Victoria und der Leichenbraut die Nebencharaktere kaum mit Eigenheiten ausgestattet, weswegen viele von ihnen im Verlauf des Films zu schablonenhaften Karikaturen verkommen. Da wäre mehr drin gewesen. Doch die drei Hauptfiguren sind wirklich gelungen, und man findet sich schnell im gleichen Dilemma wie Victor wieder: welcher der beiden Bräute, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich dabei doch so ähnlich sind, wünscht man die Ehe mit dem schusseligen aber gutherzigen Victor? Und ehe man sich versieht fiebert man mit, wünscht sich ein gerechtes Ende für die Protagonisten.

Das liegt zu einem großen Teil auch an den Synchronsprechern. Victor ist auch optisch an Johnny Depp angelehnt, und der beweist ja immer wieder, dass er auch als Synchronsprecher einen wirklich guten Job macht. Wer noch skeptisch ist, der möge sich "Rango" ansehen. Victor kommt schüchtern, aber nuanciert herüber, blüht im Verlauf des Films auf. Helena Bonham Carter ist wie gewohnt souverän, so auch als untote Braut mit unschöner Vergangenheit. In einer Nebenrolle ist Christopher Lee zu hören, dessen Stimme immer eine Wohltat für die Ohren ist. 
© Warner Bros.
In typischer Burton-Manier wird nicht lange bei dem eigentlichen Thema verweilt, stattdessen ist der Zuschauer eingeladen auf Entdeckungsreise zu gehen. Die einzelnen Sets platzen vor Details, die man unmöglich beim ersten Anschauen alle aufnehmen kann. Die blasse viktorianische Oberwelt wirkt kühl und abschreckend, während die Unterwelt eine wahre Farbexplosion bietet. Dementsprechend passt sich die Musik von Danny Elfman an, der die Unterwelt in furiose Jazzklänge tauchen lässt, bei denen man nur schwerlich die Füße ruhighalten kann. Dass hier und da die Logik mal eine kurze Pause macht fällt dann auch weniger auf, denn mit seinen 70 Minuten ist der Film beinahe so schnell vorbei wie er angefangen hat. Durchaus könnte man ab und an den Eindruck bekommen dass Burton mehr mit seinen Bildern anzufangen weiß und Figuren und Geschichte nur Transportmittel sind, um andere an diesen Bildern teilhaben zu lassen. Aber wer würde ihm das vorwerfen wollen, wenn die Bilder so atemberaubend und schön anzusehen sind?

Fazit: "Corpse Bride" versprüht seinen burtonesken Charme und seine Bildgewaltigkeit auf überaus liebenswerte Weise. Die schwarzweisse, triste Welt der Lebenden ist ein krasser Kontrast zur bunten, lauten und enorm fröhlichen Unterwelt. Kleinere und größere Schwächen innerhalb der Erzählung kommen vor und auch die Figuren hätten in ihrer Gesamtheit ein wenig detaillierter ausfallen dürfen. Diese verzeiht man allerdings als Fan von Burtons Arbeit sowieso, denn es gibt unendlich viel zu entdecken. Wer bisher mit dem Trio Infernale aus Burton, Depp und Bonham Carter nichts anfangen konnte, wird allerdings auch hier seine Probleme haben. Dennoch entführt der Film für knappe 70 Minuten in andere Welten und lädt nicht zuletzt auch wegen der facettenreichen Musik von Haus- und Hofkomponist Danny Elfman zum träumen und verweilen ein.

Infos zum Film

Originaltitel: Corpse Bride
Genre: Musical, Fantasy, Animation
FSK: 6
Laufzeit: 77 Minuten
Regie: Tim Burton, Mike Johnson
Darsteller: Johnny Depp,Helena Bonham Carter, Emily Watson, Christopher Lee, Albert Finney
Trailer

Media Monday #216


Schon wieder ist Sonntag Abend. Ich hatte eine geschäftige Woche, da ich auf Heimatbesuch bin. Am Freitag ging dann ein ganz persönlicher Traum in Erfüllung und ich durfte Tim Burton an einer Pressekonferenz sehen, nachdem ich seine Ausstellung drüben in Brühl vorab ansehen durfte. Ich kann mein Glück immernoch nicht so ganz fassen. Einen Bericht findet ihr hier, ein ausgiebigen Special zu Tim Burton kommt nach meinem nächsten Urlaub. Momentan sitze ich schon wieder auf gepackten Koffern weil es morgen für 5 Tage nach Madrid geht. Ich bin schon ganz aufgeregt. Aber vorher kommen natürlich die sieben Fragen von Wulf an die Reihe.

1. Kein Anspruch, kein Niveau, kein gar nix; trotzdem finde ich ja "Shoot em up" richtig klasse, denn muss ich das ernsthaft begründen? Clive Owen hat einfach so dermaßen viel Style, dem könnt ich stundenlang beim Karotten kauen zusehen.

2. "Denn sie wissen nicht, was sie tun" ist einer dieser zeitlosen Klassiker, schließlich ist er einer von nur drei Filmen, in denen James Dean mitspielte. Und WIE er mitspielte. Eindringlich, jede Sekunde nimmt man ihm einfach alles ab. Ein Film, den ich erst vor kurzem entdeckt habe, der sich aber auf direktem Weg in mein Herz gebrannt hat. 

3. Aus der Figur des ewigen und flachen Sidekicks in allen Filmen könnte man eigentlich viel mehr machen wie ich finde, denn oftmals böte er die ideale Projektionsfläche um den Hauptcharakter für den Zuschauer zugänglicher zu machen. Bleibt aber oft ungenutzt, dieses Potential.

4. ____ konnte meine Erwartungen leider überhaupt nicht erfüllen, weil ____ . Ok, ich schätze niemand will die fünfzigste Runde "Sandra macht "Jurassic World" fertig" hören. Obwohl er das mächtig verdient hat. Ich teile stattdessen erneut gegen "Pixels" aus. Ich hatte ja schon keine hohen Erwartungen, aber selbst die wurden noch drastisch unterboten. Ich ärgere mich über die zwei Stunden und gelobe feierlich mir nie wieder etwas anzusehen, an dem Adam Sandler beteiligt war.

5. Aus einem Animations- einen Realfilm zu machen oder anders herum kann gutgehen, kann aber auch in die Hose gehen. Schätze ich. Mir fällt jetzt echt kein einziges Beispiel ein.

6. Bernard Cornwell schreibt eigentlich durchweg großartige Bücher, bei denen ich immer sofort das Gefühl hab, mitten im Geschehen zu sein. Ich bin schon gespannt ob die Serienumsetzung seiner Uhtred-Saga das gleiche schaffen wird. Falls ihr richtig gute historische Romane wollt und nicht so ein billiges Nutten-und-Nonnen Geschisse wie es so oft auf den Grabbeltischen in der Buchhandlung liegt: versucht Bernard Cornwell. 

7. Zuletzt habe ich unanständig viele Filme gekauft und das war extrem befriedigend, aber auch lustig , weil die noch recht junge Verkäuferin an der Kasse meinen Personalausweis sehen wollte, wegen Altersnachweis. Ich böses Mädchen hab nämlich mit 28 versucht, Filme ab 18 zu kaufen. Sie hat dann bemerkt wie alt ich bin, hat sich entschuldigt, und angemerkt dass es auch schwer wäre, denn ich hätte ja gar keine Falten im Gesicht, und normalerweise würde man mit Ende 20 ja schon auch danach aussehen. Ich hab mich dann bedankt und mich insgeheim gefragt, ob ich mich nun freuen soll oder nicht :D 

Filmkritik: Edward mit den Scherenhänden

© 20th Century Fox
1990 veröffentliche Tim Burton seinen vierten Spielfilm. Nach seiner Ausbildung in Kalifornien und vier unfruchtbaren Jahren bei Disney konnte er für "Beetlejuice" einen Oscar für das Beste Make-Up mit nach Hause nehmen. Danach wandte er sich mit "Batman" dem comichaften zu und erschuf mit Jack Nicholsons Joker und Michael Keatons Version des beliebten DC Helden wahre Leinwandikonen. Doch 1990 sollte es viel, viel persönlicher werden. Burton, der sich selbst schon früh als missverstandenen Außenseiter sah, lieferte mit "Edward mit den Scherenhänden" ein düsteres Märchen ab, das auch den Auftakt der Zusammenarbeit zwischen Tim Burton und Johnny Depp markierte. Werfen wir also einen Blick auf die frühe Arbeit eines Regisseurs, der für seine unendliche Fantasie bekannt wurde, den Blick auf die Andersartigen inner- und außerhalb der Gesellschaft aber niemals verloren hat.




Story: Peg kommt aus dem Staunen kaum heraus. Als Kosmetikberaterin hat sie sich zu dem geheimnisvollen Schloss aufgemacht, das über dem pastellfarbenen Kleinstädchen thront. Dort findet sie Edward, einsam und verlassen. Statt Händen besitzt er Scheren, und er war das letzte Experiment des ansässigen Forschers. Der verstarb, bevor er Edward fertigstellen konnte. Peg nimmt das Wesen mit in die Stadt und will ihn in die Gesellschaft integrieren, doch das ist leichter gesagt als getan. Als Edward sich dann in ihre Tochter Kim verliebt ist das Chaos perfekt.
© 20th Century Fox
Kritik: "Edward mit den Scherenhänden" ist eines der frühesten Werke von Tim Burton, doch es destilliert die Essenz seines Schaffens nahezu kristallklar heraus. Edward wurde erschaffen und allein gelassen, es liegt an ihm selbst, seinen Platz in der Welt zu finden. Dass er keine Hände, sondern Scheren an deren Stelle besitzt, erschwert den ganzen Prozess natürlich. Dass sein Erschaffer schon längst das zeitliche gesegnet hat ist ein weiteres Problem. Und so scheitert Edward an den banalsten Dingen. Doch auch er besitzt einzigartige Talente, die Heckenskulpturen im Schlossgarten sind der eindeutigste Beweis dafür. Wenn man so will, dann hält er sich in einer sicheren Welt auf, gut geschützt vor den Menschen da draußen. 

Doch als Peg in diese Luftblase hereinbricht und Edward aus seinem gewohnten Leben herausreisst offenbaren sich menschliche Abgründe. In der pastellfarbenen Welt der geordneten Vorgärten, dem vorstädtischen Alptraum offenbart sich das Gesicht der Menschenherde. Edward gilt als Kuriosität, als etwas das zum bestaunen da ist. So richtig hinsehen will aber niemand, und das vernarbte Gesicht lädt ja auch kaum dazu ein. Aber Hecken schneiden, das darf er. Immerhin ist er dann auch abgelenkt, damit weiter über ihn gelästert werden darf. So offenbart sich nach dem märchenhaft-schaurigen Anfang des Films das wahre Drama um einen Außenseiter. Und auch um einen Jugendlichen, der sich in einer Welt voller Erwachsener zurecht finden muss, der seinen Platz finden will. 

Doch dies kann nicht gelingen. Edward, der Hybrid aus Mensch und Maschine ist ein herzensguter Kerl, der anderen hilft und keine schlechten Gedanken kennt. Doch das macht seine Umwelt mehr als nur wett. Das anfängliche Interesse legt sich, und die volle Gewalt der amerikanischen Vorstadt bricht auf ihn herein. Ablehnung, offener Hass dem andersartigen Gegenüber: es sind Themen, die niemals aus der Mode kommen werden. Das streben nach Anerkennung in einer Gesellschaft, die sich nur darin auskennt diese Anerkennung zu verweigern führt zum zerbrechen, rennt auf das unvermeidliche zu. Auch hier spiegelt sich das komplexe Thema des Erwachsenwerdens, das zurechtfinden in einer völlig fremden Welt. Diese Momente sind dann auch die stärksten des Films, der stellenweise dann doch ein klein wenig zu althergebracht wirkt mit seinem drohend erhobenen Zeigefinger in Richtung Gesellschaft. Doch die Nachricht an sich ist richtig und wichtig. 
© 20th Century Fox
Johnny Depp brilliert in der Rolle des beinahe wortlosen Edward. All der Schmerz der Welt, das Leid des Erwachsenwerdens liegt in seinen Augen. Er haucht diesem nahezu leblosen Wesen eine Seele ein, drückt der Figur seinen eigenen Stempel auf. Es ist kein Wunder, dass Darsteller und Regisseur später noch oft zusammen arbeiteten, denn die beiden passen zusammen wie Topf und Deckel. Winona Ryder ist das nette Mädchen aus der Nachbarschaft, und die beiden harmonieren gut miteinander. In seinen wenigen Szenen ist Vincent Price natürlich beeindruckend. Auch der Soundtrack von Danny Elfman, der später ebenfalls zu einem regelmäßigen Gast in Burtons buntem Zirkuszelt der Skurrilitäten werden sollte weiß zu begeistern. Der musikalisch ausgedrückten Tragik stehen dabei stets aufmunternde, hoffnungsvolle Töne zur Seite, die einen dann doch irgendwie an das Gute im Menschen glauben lassen. Oder wenigstens an das Gute im Außenseiter, der so viel Ablehnung erfahren musste. 

Und auch visuell weiß der Film zu begeistern. Das düstere Schloss thront bedrohlich über der freundlichen, pastelligen Vorstadt, doch die Bedrohung kommt von der hellen Seite. Die Rückblenden auf den Erschaffer und seine Arbeiten sind herrlich skurril und der Stil, der später als "burtonesk" seinen Weg ins Allgemeinwissen fand, ist deutlich zu erkennen. Gebündelt wird all dies in einem stimmigen Gesamtpaket, dessen Magie man sich nur schwer entziehen kann.

Fazit: Man merkt sicher an der ein oder anderen Stelle, dass "Edward mit den Scherenhänden" eher ein Sammelsurium an Eigenheiten ist, und weniger eine wirklich zu 100% durchstrukturierte Geschichte. Doch das macht überhaupt nichts. Fantasy-Story im einen Moment, Drama im nächsten, und dann wieder Gesellschaftskritik: Durch alle Genres tanzt der Film nahezu unbeschwert, wie die Schneeflocken am Ende. Und so fühlt er sich auch an: fragil, sensibel, wunderschön schimmernd und doch so zerbrechlich. Es handelt sich um einen der persönlichsten Filme für Burton, der sich selbst mit den Außenseitern in seinen Werken am meisten identifizieren kann. Diese Liebe und Hingabe zu Edward ist in jeder Minute spürbar, atmet dem Film sein Leben ein und hebt ihn aus den starren Fesseln eines Märchens auf eine viel privatere und gleichzeitig doch größere Bühne. Abgerundet durch den herzerweichenden Soundtrack von Danny Elfman und überbordend mit der Kreativität seines Erschaffers durchzogen ist "Edward mit den Scherenhänden" ein Klassiker, der niemals wirklich altern wird. Ein im wahrsten Sinne des Wortes fantastisches Drama, welches man immer wieder neu entdecken kann.


Infos zum Film


Originaltitel: Edward Scissorhands
Genre: Drama, Fantasy
FSK: 6
Laufzeit: 101 Minuten
Regie: Tim Burton
Darsteller: Johnny Depp, Winona Ryder, Dianne Wiest, Vincent Price, Alan Arkin, Kathy Baker, Anthony Michael Hall
 
Trailer
 
 

Veranstaltungstipp: "The World of Tim Burton" in Brühl bei Köln

Das Plakat zur Ausstellung © Max Ernst Museum, Brühl
Am Sonntag wird in Brühl, das liegt zwischen Köln und Bonn, die Ausstellung "The World of Tim Burton" eröffnet. Soweit, so spannend. Ich durfte vorab zur Pressekonferenz und die Ausstellung schon mal besichtigen, und darüber würde ich euch gerne ein wenig erzählen. Außerdem erfahrt ihr, welcher meiner ganz persönlichen Träume an diesem Tag wahr geworden ist. 

Brühl ist ja eher ein beschaulicher Ort. Klar, das Phantasialand ist in der Nähe, und das Schloss ist auch eine recht hübsche Location. Die Innenstadt ist auch klein, aber fein. Doch es gibt ja noch das Max Ernst Museum, und dort wird sich in den kommenden Wochen und Monaten Großes ereignen. 

Vom 16.8.2015 bis zum 3.1.2016 findet im Museum die Ausstellung "The World of Tim Burton" statt. Jetzt sind wir ja hier auf einem Filmblog, die meisten von euch dürften Tim Burton als Regisseur also kennen. So oder so, die Tage wird noch ein Special über ihn online gehen, haltet also die Augen offen. 

Doch Burton ist nicht nur Regisseur, er zeichnet auch sehr gerne. Zahlreiche seiner Werke waren zunächst unter gleichem Namen im Museum of Modern Arts in New York ausgestellt, bevor ausgewählte Stücke dann auf Weltreise gingen. Nach Paris, Prag, Tokyo und Osaka ist nun Brühl an der Reihe. Präsentiert werden dem Besucher etwas mehr als 500 Ausstellungsstücke: Gemälde, Storyboards, Puppen aus Filmen und Zeichnungen auf Notizzetteln und Servietten sind zusammengekommen. 

Die Bandbreite reicht dabei von seinen Filmfiguren über bisher ungezeigtes Material aus seiner kurzen Zeit bei Disney. Auseinandersetzungen mit Feiertagen sind vertreten, und Besucher können einen exklusiven Blick auf die Bücher werfen, die Burton jeweils neben seinen Filmen entwickelt und danach an Cast und Crew verschenkt. Einen 30 Sekunden langen Werbefilm hat das Max Ernst Museum ebenfalls designed: 
© Max Ernst Museum, Brühl

All diese Dinge erfuhr man natürlich auf der Pressekonferenz. Auch über das Rahmenprogramm wurde informiert. So veranstaltet das Filmhauskino in Köln eine Filmreihe mit ausgewählten Werken von Burton, darunter "Beetlejuice" und "Edward mit den Scherenhänden". Für Kindergartengruppen und Schulklassen kann man Workshops buchen, in denen die Kinder (und Erwachsene) lernen wie man einen Stop Motion Film macht oder seine eigene Filmfigur erschafft. Auch Führungen durch die Ausstellung kann man buchen. Überhaupt, man ging kreativ an die Sache heran. Zur Eröffnung der Ausstellung wurden Goldene Tickets verlost, ganz ähnlich wie bei "Charlie und die Schokoladenfabrik".

Aber ich kann euch ja viel erzählen, und sicher wollt ihr wissen wie die Ausstellung überhaupt ist. Leider darf ich euch keine Fotos zeigen, auch keine selbst gemachten, denn das gäbe unter Umständen Probleme mit dem Urheberrecht. Deswegen erzähle ich einfach mal ein bisschen. 

Wie schon gesagt, besteht die Ausstellung hauptsächlich aus Zeichnungen, die Tim Burton in über 40 Jahren selbst angefertigt hat. Zunächst wird man mit einigen Kreaturen konfrontiert, danach lernt man etwas über die Einflüsse von Burton. Im Untergeschoss des Museums wird es dann richtig interessant. 

Einen großen Teil nehmen nicht verwirklichte Projekte ein. In einem kleinen Nebenraum findet man riesige Polaroid-Bilder, bei denen sich genaueres Hinschauen wirklich lohnt. Besonders präsent sind natürlich auch Figuren aus verschiedenen Filmen, die man hier als Modelle, Konzeptzeichnungen oder Skizzen wiedertrifft. Eine zentrale Rolle nimmt hierbei die Figur des missverstandenen Außenseiters ein, die in seinen Filmen immer wieder anzutreffen ist. Erfreulicherweise sind die Bilder nicht mit Infos zugekleistert, stattdessen bekommt man ein kompaktes Heftchen zum Eintritt, in dem sich alle Bilder (mit Nummern versehen) wiederfinden. So kann man sich voll und ganz auf die großen und kleinen Kunstwerke konzentrieren. 
Die Verantwortlichen und Tim Burton bei der Konferenz © Sandra Scholz
Ja, und dann hatte ich ja davon gesprochen, dass sich ein persönlicher Traum für mich erfüllt hat. Ihr seid sicher schon drauf gekommen: Tim Burton war bei der Pressekonferenz anwesend und hat sich tapfer den zahlreichen Fragen der Pressevertreter gestellt. Ich saß in unmittelbarer Nähe zu meinem vermutlich liebsten (lebenden) Regisseur und konnte mein Glück kaum fassen. So erfuhr man, dass sein Lieblingausstellungsstück eindeutig der Ausgang sei. Wie auch der Namensgeber des Museums, Max Ernst, will er sich niemals so richtig selbst finden, stattdessen in Bewegung bleiben und immer Neues entdecken. Monster findet er nicht furchteinflößend, sagt er. Dann schon eher das richtige Leben. Mit der Rolle des missverstandenen Außenseiters kann er sich identifizieren, und auch Hunde scheinen ihm sympathischer als Katzen, die er als "a completely different thing" bezeichnet. 

Aber er findet auch ernste Worte, beispielsweise als er nach Christopher Lee und Vincent Price gefragt wird. Mit beiden verbindet ihn vieles, und er erzählt einige Anekdoten über einen von irgendeinem Kollegen schon vor Jahren als tot erklärten Christopher Lee, der auf wundersame Weise noch "acht Star Wars Filme und neun Herr der Ringe Teile drehte". Oder als er gefragt wird, wie er zu der Ausstellung steht: "Es ist irgendwie erschreckend. So, als würde man seinen Schrank aufmachen und alle Leute sehen deine dreckige Wäsche". Wunderbare, skurrile Wäsche, die in jedem Monster noch eine Spur Menschlichkeit entdeckt. Wenn ihr also bis Ende des Jahres die Gelegenheit habt, besucht die Ausstellung. Sie bietet einen wunderbaren, intimen Eindruck in das Schaffen eines Regisseurs und Künstlers, der das Groteske menschlich macht. Und der, das muss ich jetzt so loswerden, ein verdammt sympathischer Typ zu sein scheint. 

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Infos zur Ausstellung
Eintritt: Erwachsene 9,50€ / ermäßigt 5,50€ (bis 18 Jahre ist der Eintritt frei)
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr, Montags, Heiligabend und 1. Weihnachtstag sind Ruhetage
Anreise: am besten mit der Bahn, Parkplätze sind rar gesät. Der Bahnhof ist nur 2 Minuten Fußweg vom Museum entfernt
Alle Infos findet ihr auch auf der Homepage des Museums.

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