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Recap: Game of Thrones 7.5: Eastwatch

© HBO
Nach der ziemlich heftigen Episode der letzten Woche präsentiert sich "Eastwatch" fast schon als ruhige Episode, zumindest gibt es hier keine großen Gefechte. Doch mit Wendungen, Überraschungen und dergleichen wird trotzdem nicht gespart, und so rücken all die einzelnen Puzzleteile weiter zusammen.

Recap: Game of Thrones 7.4: The Spoils of War

© HBO

Nachdem die vierte Episode vor allem durch einen vorzeitigen Leak ihre Wellen im Internet schlug, ist es nun an der Zeit, den knackig-knusprigen Fünfzigminüter (ist das ein Wort? Gelebter Sprachwandel, liebe Leute!) gebührend zu besprechen. Aber reden wir zuvor noch über den Leak und unsere teilweise fehlende Geduld.

So wie es aussieht, wurde HBO in der vergangenen Woche gehackt und bis zu 1,5 Terabyte an Daten sind entwendet worden. Darunter auch Scripts zu weiteren Folgen. Der Leak der vierten Episode scheint damit aber nicht zusammenzuhängen, stattdessen wird eine undichte Stelle bei "Star India" dafür verantwortlich gemacht. Der Sender kümmert sich um die Ausstrahlung der Serie in ... na, dreimal dürft ihr raten. Und scheinbar klappt das nicht so gut, wie es sollte. Die Qualität des Leaks selbst ist allerdings unterirdisch gewesen und ich wage zu behaupten, dass zwei Tage warten in diesem Fall die klügere Entscheidung waren. So schick, wie Thrones aussieht, wäre es eine Schande, es nicht in voller Pracht zu genießen. Aber in Zeiten in denen alles immer schneller und am besten sofort und auf einmal verfügbar sein muss, ist Geduld ein rares Gut geworden, wie mir scheint. Aber genug davon, kehren wir zunächst zurück nach Winterfell.

Recap: Game of Thrones 7.3: The Queen's Justice

© HBO
Zehn Folgen. Das ist alles, was uns von "Game of Thrones" insgesamt noch erwartet. Dementsprechend bleibt das Tempo irgendwo auf Lichtgeschwindigkeitsniveau und es passieren unendlich viele und unendlich große, wichtige Dinge. "The Queen's Justice" verschwendet keine Zeit und gönnt dem Zuschauer keine Sekunde zum Durchatmen.

Auffällig ist vor allem, wie sich die Serie in Bezug auf den Geschwindigkeitsfaktor entwickelt hat. Als sie noch dichter an die Buchvorlage geknüpft war, verliefen die einzelnen Geschichtsstränge langsamer. Da konnte schon mal eine Figur zwei Staffeln lang im wahrsten Sinne des Wortes in der Wüste herumstehen. Mittlerweile ist Zeit kein Faktor mehr, der eine Rolle spielt. Die Geschichten entwickeln sich allesamt so, dass die Hauptstory nicht zum Erliegen kommt. Das ist ungewohnt, war Thrones doch bisher eine eher zähfließende Serie. Nun geht es im gestreckten Galopp Richtung Ziellinie. Einige Ereignisse fallen so zwar irgendwie unter den Tisch, doch im Ganzen macht es die Serie konzentrierter, was so kurz vor dem Ziel sicher keine schlechte Idee ist.

Recap: Game of Thrones 7.2: Stormborn

© HBO

Da sind wir also wieder, dieses Mal mit der zweiten Episode von "Game of Thrones" mit dem verheißungsvollen Namen "Stormborn", oder "Sturmgeborene" in der deutschen Fassung. Gemeint ist damit natürlich Daenerys. In vielerlei Hinsicht ist die Folge aber einfach eine logische Fortsetzung der letzten Woche. Dort wurden uns die verbliebenen Mitspieler vorgestellt. In dieser Woche müssen sie alle wichtige Entscheidungen über ihre weiteren Schritte auf der Landkarte treffen. Einige davon erscheinen sinnvoll, andere wirken auf den ersten Blick etwas überhastet. Aber der Reihe nach.

Recap: Game of Thrones 7.1: Dragonstone

© HBO
Willkommen zurück, falls ihr bisher schon treu mitgelesen habt. Und willkommen an Bord, falls ihr diesen Blog erst im letzten Jahr entdeckt habt und euch bisher der akute "Game of Thrones" Wahnsinn, der sich hier abspielt, entgangen ist. Offensichtlich ist alles, was nach diesem kleinen Absatz steht, voller Spoiler. Falls ihr die Episode also noch nicht gesehen habt und eine Allergie gegen besagte Spoiler habt: Husch husch mit euch, weg von hier. Alle anderen: nehmt euch ein gutes Glas Wein (keine Angst, wir servieren heute einen guten, dornischen Tropfen) und lasst den Staffelauftakt nochmals Revue passieren.

Recap: Game of Thrones 6.10: The Winds of Winter

Winter is here. © HBO
Okay, Leute. Tief durchatmen, die Krokodilstränen trocknen und nach vorne schauen. Wir haben eine weitere Staffel "Game of Thrones" durchgestanden, und ohne hier irgendwie voreilig ein Fazit ziehen....ach komm. Beste Staffel ever. There, I said it. Klar, die Euphorie ist groß, das Adrenalin kursiert durchs Blut wie irre, aber sind wir mal ehrlich, das war schon großes Kino. Schauen wir uns also ein letztes Mal für dieses Jahr gemeinsam an, was eigentlich passiert ist. 

Recap: Game of Thrones 6.9: Battle of the Bastards


© HBO
Wir sind in der vorletzten Folge angekommen, und mittlerweile steht auch so ziemlich sicher fest, dass die beiden nächsten Staffeln a) das Finale bilden und b) jeweils nur sieben Folgen haben werden. Zeit also, schreiend im Kreis zu laufen. Aber bevor ihr losrennt quatschen wir noch ein bisschen über "Battle of the Bastards", Generationenprobleme, fähige und unfähige Herrscher und natürlich über Haustiere.

Recap: Game of Thrones 6.8: No One

Selbstgefälliges Fressbrett auf 12 Uhr. © HBO
Noch einmal kurz inne halten und Luft holen vor dem (hoffentlich) großen Finale: "No One" bringt die letzten Figuren auf dem Schachbrett in Position, meuchelt nebenbei ein paar Fan-Theorien und verläuft überraschenderweise sowohl ruhig als auch größtenteils vorhersehbar. Also füllt euer Glas mit "The Imp's Delight" und lasst die Folge noch einmal Revue passieren.

Recap: Game of Thrones 6.7: The Broken Man

© Steven Depolo
Ihr fragt euch sicher, was es mit dieser zuckersüßen Zimtschnecke dort oben auf sich hat. Aber keine Panik, ihr seid am richtigen Fleck, hier gibt es das Recap / Review zur aktuellen Folge "Game of Thrones", dieses Mal wundervoll betitelt mit "The Broken Man". Was leckeres skandinavisches Gebäck mit der Serie zu tun hat erfahrt ihr nach dem Jump Break. 

Recap: Game of Thrones 6.6: Blood of my Blood

Es ist kein Spoiler wenn es ein Flashback ist! © HBO
Und da sind wir schon wieder, nun offiziell im zweiten Teil der sechsten Staffel von "Game of Thrones". Wie ihr am Bild oben unschwer erkennen könnt gibt es auch hier wieder Flashbacks. Ich will ja nichts sagen, aber ich habe bei dieser Episode ein paar Mal vor Freude rumgejault wie ein räudiger Straßenköter. etwas lauter gejubelt. Ähm....also. Nach der fulminanten letzten Episode kommen die Dinge wieder ein wenig zur Ruhe, jedenfalls für einen kurzen Moment. Doch dann läuft unsere liebste Serie mal wieder zur Höchstform auf. Wenn es darum geht, so viel Chaos wie möglich vorzubereiten. Und einige lang vermisste Mitstreiter tauchen wieder auf der Bildfläche auf. Alles beim Alten, sozusagen. Wie immer geht es nach dem Jump Break weiter, ihr kennt das ja mittlerweile. 

Recap: Game of Thrones 6.5: The Door

Aus jeder guten Tragödie wird mal eine Komödie auf der Bühne © HBO
Ja, ich bin diese Woche etwas später dran, ich weiß. Aber die aktuelle Folge war nur schwer zu verdauen, und ich bin mir beim schreiben dieses Intros auch noch nicht ganz sicher, ob ich überhaupt bis zum Ende komme. Und am Wochenanfang lag ich noch krank im Bett. Optimal gelaufen, würd ich sagen. Wir werden sehen. Auch diese Episode war randvoll mit heftigen Ereignissen, krassen Offenbarungen und jeder Menge Drama. Wie immer geht es mit einem Klick auf "weiterlesen" zum ganzen Text, wir wollen ja niemanden spoilern. 

Recap: Game of Thrones 6.4: Book of the Stranger

Na wenn das nicht Littlefinger höchstpersönlich ist! © HBO
"Game of Thrones" zeigt in der aktuellen Staffel eine Seite der Serie, die bisher deutlich zu kurz kam. Auch in "Book of the Stranger" passieren zahlreiche Dinge, die, besonders im Rahmen der Serie, richtigen Anlass zur Freude bringen. Ist nun deshalb in Essos und Westeros wieder alles in Butter? Mitnichten. Kommt also mit auf eine Reise in die vierte Folge der sechsten Staffel und lasst die Episode noch einmal Revue passieren. Wie immer geht es nach dem Jump Break weiter, es soll ja niemand gespoilert werden. 

Recap: Game of Thrones 6.3: Oathbreaker

© HBO

Auch die dritte Episode, passend mit "Oathbreaker" betitelt, hält das bisher erfreulich hohe Niveau der sechsten Staffel. Zwischen Flashbacks, Wiederkehrern, alten Bekannten und neuen Gesichtern ereignete sich in dieser Woche so einiges. Verlieren wir also keine Zeit und steigen direkt in die Episode ein. Weiter geht es wie immer mit heftigen Spoilern nach dem Jump Break. 

Recap: Game of Thrones 6.2: Home

© HBO
Die Zeit rast, und wir hatten bereits das Vergnügen mit der zweiten von insgesamt zehn Episoden "Game of Thrones". Erneut haben wir es mit einer extrem kurzweiligen Episode zu tun, in der so einiges passiert ist. Zur detaillierten Besprechung gelangt ihr aus Spoiler-Gründen mit einem Klick unten links in dieser Vorschau. Das ganze Recap wartet dann nach dem Jump Break auf euch. 

Recap: Game of Thrones 6.1: The Red Woman

© HBO
Ja, die Recap-Sektion in diesem Blog liegt furchtbar brach. Und ja, mir tut das in der Seele weh. Aber welcher Zeitpunkt bietet sich besser für eine Reaktivierung an, als der Start der neuen Staffel "Game of Thrones"? Eben. Also, ohne große Umschweife legen wir einfach direkt los, denn es gibt eine Menge zu besprechen. Für alle Neulinge, die bisher immer nur Filmkritiken hier gelesen haben: 

Dieser Beitrag ist schrecklich dunkel und randvoll mit Spoilern! Falls ihr Episode eins der sechsten Staffel noch nicht gesehen habt, dann husch husch, ab mit euch! Danach dürft ihr gerne wiederkommen und den Austausch suchen. 

Alle anderen: setzt euch, nehmt euch ein Glas dornischen Wein. Es hat sich nichts am Aufbau verändert, niemand muss sich umgewöhnen. Also, los gehts. Damit niemand beim drüberlesen gespoilert wird gibt es einen schicken, kleinen Jump Break. Also, bitte einmal klicken.

Review: True Detective 2.8: Omega Station

© HBO
Und da wären wir auch schon durch mit der zweiten Staffel "True Detective". Und weil Abschiede ja so schön sind bekommen wir gleich 90 Minuten serviert. Die, soviel kann man direkt festhalten, absolut nicht nötig gewesen wären. Schauen wir zunächst mal, was in der Folge passiert ist und diskutieren dann, ob man dafür wirklich 90 verdammte Minuten gebraucht hätte.

Frank hat nach seinem Ein-Mann-Aufräumkommando der letzten Woche schon vorgesorgt. Mit seinem letzten verbliebenen Angestellten, Nails, will er Jordan schonmal nach Venezuela schicken. Denn die Dame muss in Sicherheit gebracht werden. Letzte Zweifel an Jordans Loyalität werden gemeinsam mit dem Ehering aus dem Fenster geworfen. Jordan ist übrigens auch nicht schwanger, wie man nach der letzte Woche durchaus annehmen konnte. Die Gute bricht also nach Venezuela auf, nachdem sich noch ein bisschen über das erste Treffen (weiße Kleider und rote Rosen, Romantik pur) unterhalten wurde. Sehr süß.

Ray und Ani tauschen derweil postkoitale Geschichten aus, bis sie auf die Idee kommen mal bei Paul anzurufen. Da geht aber Burris ans Telefon und übermittelt die Nachricht von Pauls Ableben. Irgendwie schaffen es die beiden dann, nach diesem Anruf den restlichen Fall zusammenzupuzzeln. Natürlich waren es die beiden Waisenkinder des Raubüberfalls, die sich nun rächen wollen. Aber auf diese Tatsache kommt man nicht mittels anständiger Detektivarbeit, sondern die Erleuchtung kommt einfach so. Man reist also fix zum Haus der Geschwister. Dort finden sie Laura (vorgestellt wurde sie als Erica) an den Kamin angekettet vor. Ihr Bruder Lenny ist schon unterwegs, um den Polizeichef umzubringen. Lenny befindet sich nämlich mitten in seinem eigenen, kleinen Rachefeldzug. Falls ihr euch wundert: die Geschwister waren zuletzt in der dritten Folge zu sehen, ist also eine Weile her. Ani verfrachtet Laura in den nächstbesten Bus, Ray bricht zum Treffpunkt von Lenny und Holloway auf.
© HBO
Am Bahnhof angekommen sieht es zunächst auch ganz gut aus. Wir erfahren dass Casperes Leiche einmal durch die Stadt kutschiert wurde, weil "es lustig war". Wieso man ihm die Augen verätzte und ihn nachträglich kastriert hat? Spielt keine Rolle mehr. Schätze, Lenny war echt wütend. Doch natürlich hält die Ruhe nicht lange an, und am Ende sterben Lenny und Holloway, Burris (der sich irgendwie im Bahnhof aufhielt, Ray aber nicht entdeckt hat) kassiert einen Streifschuss. Ray kann entkommen. Lenny rastet übrigens aus, weil Holloway erzählt dass Laura die uneheliche Tochter von Caspere war.

Nun befinden sich theoretisch alle auf der Flucht. Wie gut und praktisch dass die Barkeeperin in der Stammkneipe nebenbei Menschen aus dem Land schleust. Nachdem wir aus heiterem Himmel ihre Hintergrundgeschichte erfahren sitzt Ani auch schon mit ihr in einem Boot und cruist in den Sonnenuntergang. Vorher ist sie noch bei Doktor Pitlor eingebrochen, um mehr Beweise zu sammeln, aber der Doktor lebt schon nicht mehr. Ohne Frage wurde er ermordet, doch der Mörder lies es nach Selbstmord aussehen. Ray findet ganz ähnliche Verhältnisse in der Villa der Chessanis vor, dort treibt der Bürgermeister tot im Pool umher. Seine verstörte und verwirrte Frau verdächtigt ihren Sohn, der vor fünf Folgen mal kurz durchs Bild gehuscht ist.

Frank und Ray verhindern dann noch eine Geldübergabe, deren genauere Abläufe wir an dieser Stelle nicht hinterfragen wollen. Danach gehen die beiden getrennte Wege. Frank wird auf dem Weg nach Venezuela von einer Bande abgefangen, über deren Herkunft ich jetzt auch nichts weiter zu berichten habe. In der Wüste wird er dann stilecht hingerichtet, geht aber mit seinen Illusionen noch ein wenig in der Wüste spazieren. Hätte er den Anzug mit den Diamanten drin mal besser rausgerückt. Als dann Jordan in ihrem weißen Kleid auftaucht ging das ganze Spiel auch schon ein paar Minuten zu lang, und wir erfahren dass Frank schon eine ganze Weile tot in der Wüste lag. Drama, Baby, Drama.

Ray wird ebenfalls verfolgt, ihm hat sich Burris an die Fersen geheftet. Doch als echter Vater (wie wir später erfahren) verabschiedet er sich noch von seinem Sohn. Jeder aufmerksame Zuschauer weiß spätestens an dieser Stelle, dass Ray die Folge nicht überleben wird. Und so stirbt Ray wenig später im Kugelhagel im Wald. Die letzte Nachricht an seinen Sohn konnte sein Handy nicht mehr hochladen, und die daran anknüpfende Montage zeigt uns, dass die Bösen gewonnen haben. Die Bahnstrecke wird gebaut, Chessani Junior ist Bürgermeister.

Doch irgendwo in Venezuela haben sich Jordan und Ani gefunden. Ani hat aus der kurzen Affäre mit Ray sogar ein Kind als Souvenir mitnehmen dürfen. Und sie hat all ihre gesammelten Dokumente und Beweise gesammelt und dem Journalisten übergeben, den Ray in der ersten Folge zusammengeschlagen hat. Way to go!
© HBO
Und das war es auch schon. Angereichert wurde das Finale mit zahlreichen Hintergrundgeschichten zu Figuren, die bisher kaum zu sehen waren. Zahlreiche angeschnittene Themen wurden unterwegs fallen gelassen wie heisse Kartoffeln. Die Detektivarbeit bestand hauptsächlich daraus, dass Paul auf Akten gestarrt hat, in Zimmern verschwunden ist und so auf Lösungen kam. Oder es erfolgte eine göttliche Eingebung. Jordan und Ani überleben am Ende, und im ersten Moment bin ich durchaus gewillt das als Reaktion auf die Kritik nach Staffel 1 durchgehen zu lassen. Dort kamen die weiblichen Figuren ja deutlich schlechter weg. Und doch missfällt mir, dass Ani einfach so in Sicherheit gebracht wird. Über die ganze Staffel hinweg hat sie gute Leistungen gezeigt, was ist da naheliegender als sie auf ein Schiff zu verfrachten und wegzuschaffen? Davon dass Jordan als Figur völlig verschenktes Potential war will ich gar nicht erst anfangen.

Auch der Fall war am Ende einfach zu verworren. So sehr ich das Neo-Noir Genre schätze, und so sehr ich für eine gute Mystery-Story zu begeistern bin: hier wurde zu dick aufgetragen. Ich setze mich gerne mit einem Film oder einer Serie hin und sammle Versatzstücke, um mir meine eigene Theorie zurecht zu legen. Doch dafür braucht man vor allem Puzzelteile. Und die gab es hier nicht, man musste sie sich in acht mühsamen Folgen aus Nebendialogen zusammensuchen, um am Ende festzustellen dass 3/4 der gesammelten Teile eh wertlos war.

Auch zu den Figuren konnte man eher schlecht eine Bindung aufbauen. Stattfindende Entwicklung wurde mit dem Tod von drei Hauptfiguren unterbrochen, und sind wir mal ehrlich, bis auf Pauls Ableben war nichts davon irgendwie nachvollziehbar. Ray verabschiedet sich, weil er seinen Sohn noch einmal sehen will. Anfängerfehler. Frank stirbt, weil er irgendeine verdammte Bande nicht entschädigt hat. Viel zu konstruiert. Charaktere einfach sterben zu lassen ist immer die Billigstmögliche Effekthascherei, und hier wurde damit übertrieben. Wären die Figuren einem noch irgendwie ans Herz gewachsen, dann hätte man hier noch irgendeine Form von emotionalem Gewicht gespürt. Doch nach acht Folgen in denen jede kleinste Handlung zehn Minuten lang besprochen und erklärt werden musste damit man sie einordnen konnte zieht das nicht.

Dabei ist anzumerken dass es auf keinen Fall an den Schauspielern liegt. Ausnahmslos alle Hauptdarsteller liefern gute bis sehr gute Arbeit ab, aber nur weil man einen Misthaufen vergoldet wird er nicht wertvoll. Die Lovestory zwischen Ani und Ray wirkt konstruiert, und dass die traumatisierte Männerhasserin nur mal geschwängert werden muss und dann zur liebenden Mutter mutiert, die nachträglich den Namen ihrer großen One-Night-Stand Liebe klären will...einfach nein.

Ich könnte jetzt noch ein paar Zeilen über Symbolik in dieser Folge schreiben, darüber dass es um Vergebung und Wiedergutmachung geht, dass viele Figuren so aussehen als wären sie beim letzten Gebet in der Kirche. Aber ehrlich, mir fehlt die Lust dazu. Die Grundaussage der Staffel, dass das politische System hochgradig abartig und zerstört ist, ist sicher lobenswert. Visuell wusste die Staffel ebenfalls zu überzeugen, keine Frage. Doch das Gesamtbild ist dann doch zu matschig, um mich zu begeistern. Ich werde die Staffel sicher ein zweites Mal ansehen und hoffentlich ein bisschen zufriedener sein, aber bis dahin wird es wohl noch eine Weile dauern.

Letzte Notizen bevor die Akte geschlossen wird:
  • Nails zeigt echt Engagement: sicher bezahlen ihn Ani und Jordan so viele Monate später nicht mehr, aber er bleibt trotzdem da. 
  • Paul hat also einen Memorial Highway bekommen. Wie schön. 
  • Asoziale, mobbende Kinder mobben also den Jungen, den sie immer gemobbt haben, auf einmal nicht mehr, weil er eine Polizeimarke mit sich herumträgt?  
  • Bittere Ironie das Holloway am Ende vermutlich nicht stirbt weil Leonard auf ihn eingestochen hat, sondern weil seine eigenen Männer ihm ins Herz geschossen haben. 
  • Am Ende macht auch der Titelsong Sinn, er erzählt quasi Anis Geschichte nach. 
  • Jordan stellt fest, dass Frank ein schrecklicher Schauspieler ist. Meine Theorie, dass Frank also innerhalb seiner Figur den Harten markieren wollte, fühlt sich bestätigt. Geben wir bitte Vince Vaughn einen Award für Awesomeness. 
  • Wie immer an dieser Stelle: vielen Dank dass ihr mitgelesen habt, mitdiskutiert habt oder auch einfach geschwiegen habt. Wir sehen uns hoffentlich in naher Zukunft bei weiteren Recaps. Falls ihr Wünsche habt, welche Serien besprochen werden sollen, teilt euch ruhig mit, vielleicht krieg ich ja dank euch was Neues auf den Schirm :)

Review: True Detective 2.7: Black Maps and Motel Rooms

Diese Woche bei "True Detective": eine ganz neue Show, und ich will verdammt sein, aber das war anständiges Fernsehen. Ein bisschen spät wenn man bedenkt dass nur noch eine Folge übrig ist, aber besser spät als nie, würd ich meinen. In dieser Woche wurden viele Dinge endlich aufgelöst, gleichzeitig zieht sich die kollektive Schlinge um die Hälse der Protagonisten zu. Und nicht alle erreichen das Finale lebendig. Aber versuchen wir der Reihe nach vorzugehen. Außerdem in diesem Recap: die genaue Erklärung, was eigentlich los ist. Ihr dürft mir später danken.

Zuerst möchte ich diese Zeilen allerdings nutzen um mich in aller Form (die er niemals mitkriegen wird, aber egal) bei Vince Vaughn zu entschuldigen. Vier Folgen lang habe ich angenommen dass er mit den teilweise bescheuerten Dialogen überfordert war, dass er für Dramen einfach nicht so geeignet ist. Das würde ich gerne zurücknehmen. Diese Episode hat gezeigt dass er als Frank seine Sache durchaus im Griff hat, vor allem aber sorgt sie dafür dass das bisher gesehene überdacht werden muss. Ich gehe davon aus dass Frank massive Zweifel daran hatte, dass der Weg in die Legalität der richtige Weg sei. Diese Unsicherheit schimmerte dann durch, eben in Form eines etwas wackligen Schauspiels. Doch "Black Maps and Motel Rooms" wischt all das vom Tisch. Legalität ist keine Option mehr, also kann man den ganzen Laden auch direkt niederbrennen. Im wahrsten Sinne des Wortes. 
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Klären wir, zur besseren Übersicht, kurz auf was zur Hölle eigentlich los ist. Dafür müssen wir zurück ins Jahr 1992. Dort wurde ein Juwelengeschäft in LA ausgeraubt, die beiden Besitzer wurden dabei ermordet, die Kinder konnten sich im Schrank verstecken. Paul untersucht die Akte dieses Falls und findet heraus dass Detective Teague Dixon, Lt. Burris und Chief Holloway(der in dieser Folge am Ende im Tunnel unterwegs war) die diensthabenden Beamten in diesem Fall waren und schließt daraus, dass sie sich damals abgesetzt haben müssen und die Diamanten an sich nahmen. Ben Caspere, unsere Leiche aus Folge 1, arbeitete ebenfalls damals für die Polizei und war in den Fall verwickelt. Später stiegen dann alle vier in hohe Positionen in Vinci auf.

Dann ist da noch die Sache mit dem Land. Da sieht es folgendermaßen aus: Die Catalyst Corporation, Frank Semyon, der Bürgermeister, Ben Caspere und Osip (der russisch-israelische Typ) haben alle günstiges Land in Californien gekauft. Das Land wurde absichtlich vorher vergiftet, um den Preis zu drücken. Alle haben untereinander einen Deal geschlossen, sie wollten ihr Land an die Regierung verkaufen, damit eine Bahnstrecke gebaut werden kann. Kurzum: eine Menge Kohle für alle Beteiligten.

An diesem Punkt setzt die zweite Staffel ein. Caspere wird von dem Mann in der Rabenmaske ermordet. Franks Investment bricht zusammen. Am Ende läuft es darauf hinaus dass reiche Leute noch reicher werden wollen. Dafür morden und erpressen sie. Wer genau Caspere allerdings umgebracht hat ist unklar, denn dass seine Mitverschwörer dahinter stecken ist dann doch unwahrscheinlich. Wie praktisch dass unsere Ermittler herausgefunden haben dass die Tochter des Ladenbesitzers von 1992 nun als Eskortmädchen arbeitete und irgendwann Casperes Assistentin wurde. Sie ist auf den Fotos von den Sexparties zu sehen. Sie hat einen Bruder, um die 30 Jahre alt, dunkelhaarig, arbeitet als Setfotograf für kleinere Filmproduktionen. Eventuell besitzt er auch eine Rabenmaske. Näheres erfahren wir hoffentlich in der kommenden Woche
© HBO
Garniert wurde diese Auflösung des Falls mit einer ganzen Menge Action und Drama. Frank hat endlich die Schnauze voll von so ziemlich allen Personen in seinem Umfeld. Er konfrontiert Blake, der den wirklich durchdachten Vorschlag hat, die Leute in deren Auftrag er Frank hintergeht gemeinsam mit Frank zu hintergehen (soll ihm da noch mal jemand folgen...). Franks Antwort darauf ist stilsicher: ein Whiskyglas, mitten ins Gesicht. Dicht gefolgt von einem gezielten Schuss in den Bauch: "Look me in the eyes, I want to watch your lights go out". Dass Blake ihn seit Jahren hintergeht, ihm damals den falschen Typen als Vergewaltiger von Rays Frau präsentiert hat und dann auch noch seinen Teppich versaut ist eben einfach eine Spur zu viel. Seine Frau Jordan scheint darüber hinaus schwanger zu sein, und so ist es an der Zeit alte Brücken abzubrennen. Frank zündet also das Casino an, denn wenn er kein Geld hat sollen die Russen gefälligst ebenso auf dem Trockenen sitzen bleiben. Frank scheint zum Schluss zu kommen dass seine ehrlichen Pläne nicht zielführend sind, aber immerhin wäre er ein Gangster mit Moralvorstellungen. Ob man das gleiche von Jordan behaupten kann? Sie war auffällig schnell an Ort und Stelle. Jedenfalls hat Frank jetzt eine Menge Geld und viele Waffen, was in Vinci definitiv keine schlechte Ausgangslage ist.

Die Arschkarte der Episode geht definitiv an Paul. Halten wir an dieser Stelle kurz einen Moment inne und lassen sein Leben nochmal durchlaufen: Die Mutter ist ein Fall für irgendeinen Beratungsdienst. Paul kriegt sein ganzes Leben eingetrichtert, wie ein Mann zu sein hat. Dementsprechend unterdrückt er, was er eigentlich ist und eifert einem Idealbild nach. Am Ende wird er so durch die Fotos, die Dixon vor seinem Ableben angefertigt hat, erpressbar. Dass es sein ehemaliger Kollege und Liebhaber ist, der ihm sagt "hättest du mal offen dazu gestanden, dann wäre das hier nicht passiert", tut doppelt weh und ist auch ein wunderbarer Seitenkommentar auf unsere eigene Gesellschaft. Während diese zwar anteilig immer offener und akzeptierender wird werden einzelne Stimmen immer lauter, die nicht in der Lage sind andere Menschen zu akzeptieren. Alle naselang wird einem eingeredet, man sei unnormal, man sei selbst schuld daran, man könnte sich ändern, wenn man nur wollen würde. Ich will nicht wissen, wie viel Leid daraus entsteht.

Vor seinem Ableben hat er allerdings noch einmal mächtig aufgeräumt. Das Konglomerat aus Catalyst Corporation, dem Polizeichef und den Blackrock-Sölndern hat am Ende einige Opfer zu beklagen. Doch dann ist es Lt. Burris, der zur falschen Zeit am falschen Ort auftaucht und Paul hinterrücks erschießt. Hätte man durchaus mit rechnen können. Von allen damaligen Beteiligten sind ja nur noch zwei übrig, und Holloway tauchte schon im Tunnel auf. Doch Paul bettelt nicht, sondern geht mit einem fetten "Fuck you" aus diesem Leben. Hoffen wir, dass sein Kind in einer besseren Welt aufwachsen wird. Taylor Kitsch verdient wirklich eine große Portion Lob für seine Rolle hier. Auch wenn ich mir nach all dem Drama ehrlich gewünscht hätte, dass er da lebend rauskommt. 

Ani beginnt die Episode mit dem herunterkommen von ihrem Drogentrip. Wie gut, dass Ray da ist, an den macht sie sich im Rausch noch schnell heran. Aber nicht mit Ray, denn er gehört zu den guten Jungs. Nach dem Ausnüchtern kriegt Ani dann Gelegenheit, mit der Frau zu sprechen, die sie mitgenommen hat. Doch die zeigt sich wenig kooperativ. Als es dann Zeit wird, die Familie in Sicherheit zu bringen, bekommt sie Gelegenheit sich mit ihrem Vater auszusprechen. Wie sich herausstellt hat der mit dem Fall wirklich nichts zu tun, und ihm tut es unendlich leid was mit seiner Tochter damals passiert ist. Details erfahren wir nicht, aber wir wissen dass sie vier Tage lang weg gewesen ist, in der Gewalt des Typen an dessen Gesicht sie sich nun erinnert. Ihr ehemaliger Kollege hilft der Familie dann bei der Flucht, und Ani stellt einen neuen Rekord in Sachen "Umarmungen an einem Tag" auf. Ob man ihrem ehemaligen Kollegen trauen kann wird sich zeigen, sicher bin ich mir da nicht.
© HBO
Ray läuft ebenfalls in eine Falle, doch er reagiert blitzschnell und macht sich wieder auf die Flucht. So langsam wird klar, dass es für unsere Detectives wirklich nicht gut aussieht, denn es ist einfach niemand mehr da, der ihnen helfen könnte. Dafür kommen er und Ani sich am Ende der Folge dann völlig nüchtern ein wenig näher. So sehr mir dieses "ich überkomme meine schwere Vergangenheit und das Trauma des Missbrauchs und entdecke den "guten" Typen Klischee auf die Nerven geht, die beiden passen gut zusammen. Auch die Art der Annäherung gefällt mir. Dafür, dass beide so viel durchgemacht haben gehen sie langsam vor, Ani legt ihre Hände in die von Ray, beide zeigen sich, dass sie sich vertrauen. Irgendwie fühlt es sich noch immer an wie "wir brauchen eine Lovestory, die beiden sind grad da", aber naja.

"Black Maps and Motel Rooms" kommt dabei nicht ohne Fehler daher. Zwischen den einzelnen Szenen ist alles so vollgepackt mit Erklärungen, dass man die Folge am besten zweimal schaut, um wirklich alles mitzukriegen. In vielen Fällen sind mir die Figuren noch immer nicht sympathisch genug um wirklich mitzufühlen. Und bei einigen habe ich einfach auch noch immer keine Ahnung, wer sie eigentlich sind. Ich weiß jetzt, dass eine Frau namens Tasha in der kleinen Hütte gestorben ist und vorher Fotos gemacht hat. Aber wer Tasha war? Keine Ahnung. Immerhin hab ich rausgefunden wer Stan war. So bin ich mir recht sicher, dass wir kommende Woche ein zufriedenstellendes Finale bekommen werden. Doch der Weg dahin hat zu lange gedauert, zu viel Zeit wurde mit Nichtigkeiten vergeudet. Bei all den Nichtigkeiten ist man als Zuschauer gefordert, jederzeit alles im Blick zu behalten, aber wenn ich mich so im Internet umsehe, dann scheine nicht nur ich damit massive Probleme gehabt zu haben. Dass nun am Ende alles zusammenfindet ist eine schöne Angelegenheit, aber ich frage mich, ob das Chaos im Vorfeld nötig war.


Notizen für die Akten: 
  • Willkommen im Internet. Der Ort, an dem Screenshots von ALLEM angefertigt werden. Auch von Shoppinglisten, die sich einfach wiederholen. Ehrlich, hatte niemand 2 Minuten Zeit um eine verdammte Liste zu schreiben? 
  • Paul Woodrugh, Wortakrobat. "These pictures. Pictures of me". Da hab ich 'nen Song parat
  • Regie führte diese Episode Daniel Attias. Danke an dieser Stelle für die schicke Aufnahme von Colin Farrell, der das größte "Nope" des Jahres liefert. Rein ins Auto, anfangen zu reden, realisieren dass die Lady tot ist, raus aus dem Auto. Pure Effizienz. Außerdem hätte ich bitte gerne viele Bilder von Leuten, die sich diese Staffel irgendwo gegenüber saßen.
  • Überhaupt, good guy Ray Velcoro, nutzt nicht aus dass Ani unter Drogeneinfluss stand. Stattdessen bietet er Hilfe an: "You want me to roll a joint?". Hach. 
  • James Frain ist auch nur in Serien, um anderen gegenüber möglichst asozial zu sein, oder? Verdammte Camper immer. Lernen die Leute nie, dass man die Ecken überprüfen muss?
  • Der Frank der Woche: "In the midst of being gang banged by forces unseen, I figure I’d drill a new orifice, go on and fuck myself for a change.". Eigentlich aber auch jeder andere Satz, den er in dieser Folge loswurde. 
  • Pauls Freundin und seine Mutter müssen jetzt für immer in diesem Motelzimmer bleiben, richtig?

Review Hannibal 3.09: And the Woman Clothed with the Sun

Die zweite Folge der "Roter Drache" Storyline beweist eindrucksvoll, dass der Zeitsprung von drei Jahren sich gelohnt hat. Viele Figuren haben sich gewandelt, doch einige sind noch exakt die gleichen wie vor drei Jahren. Schauen wir uns der Reihe nach an, was passiert ist. 

Die Folge setzt nahtlos an der vorherigen an, und Will und Hannibal stehen sich nach drei Jahren zum ersten Mal wieder gegenüber. Die üblichen Höflichkeiten werden ausgetauscht, auch wenn man bei Hannibal durchaus fiese Untertöne heraushören kann. Effektiv wird in dieser Episode das Thema des Mind Palace aufgegriffen, den sowohl Hannibal als auch Will jeweils für sich erschaffen haben. Doch, und das wurde ja in der zweiten Staffel bereits betont, beide teilen sich auch einige Räume, und auf diese greifen sie nun zu. Dies ermöglicht wunderschöne Bilder der beiden vor einem riesigen Vollmond. Man kann über die Serie denken und sagen was man will, aber visuell ist sie ein richtiges Schatzkästchen. Auch die Aufnahmen um Hannibals Zelle, in dessen Glaswand Will und Hannibal kurz zu einer Person verschmelzen wissen zu gefallen.
© NBC
Im Gespräch der beiden wird dann auch schnell deutlich, um welches Thema es in dieser Woche geht: Familie. “Like you Will, he [The Tooth Fairy] needs a family to escape what’s inside of him.”. Treffsicher analysiert Hannibal, was momentan vor sich geht. Da er Will als Teil seiner eigenen Familie betrachtet ergibt sich recht schnell ein Konflikt, denn Will hat sich eine neue, gesündere Familie zugelegt. Dass er nun einen Adoptivsohn hat macht ebenfalls Sinn, denn Will hat vermutlich höllische Angst davor, die labilen Teile seiner Persönlichkeit weiterzugeben. Hannibal macht keinen Hehl daraus, Wills Entscheidung zu diskreditieren. Nach drei Jahren in einer Zelle dürfte er sich langsam fragen ob es die Aufgabe seiner Freiheit wert war, denn so wirklich viel hat er von Will bisher nicht gehabt. 

Passend zur kleinen, nicht mehr so fröhlichen Familie der beiden "Murder Husbands" (Willkommen zurück, Freddie Lounds!) gibt es ein paar Flashbacks aus Hannibals Sicht. Hier wird aufgeklärt was genau zwischen Hannibal und Abigail passiert ist. Wie auch Will ist sie fasziniert von Hannibal und spielt sein Spiel mit, wohl wissend dass es mit ihrem eigenen Tod enden könnte. Während die Szenen einige Lücken füllen und uns erneut zeigen wie Hannibals Konzept einer Familie aussieht, empfand ich sie durchaus als ablenkend und weniger effektiv. Abigails Einsatz in der ersten Hälfte der Staffel war da weitaus effektiver. 

An anderer Stelle demonstriert Alana, dass sie nun eindeutig die Chefin in der Anstalt ist. Sie hat alle Schlüssel, sie kann Hannibal all die Annehmlichkeiten wegnehmen, die er in seiner Zelle genießt. Nebenbei erfahren wir, dass sie und Margot noch immer zusammen sind und Alana tatsächlich ein Baby ausgetragen hat. Ich hoffe, das Kind erbt ihren Sinn für Kleidung. Deutlich wird auch, dass Alana sich in einer Beschützerposition sieht. Inwiefern Hannibal also indirekt Kontrolle über sie ausübt (da sie sich ja gezwungen sieht die Außenwelt vor ihm zu schützen) wäre eine Frage, die ich gerne geklärt hätte. Tritt Alana Chiyohs Nachfolge an? Jack hingegen hat das erste Mal in drei Staffeln unklare Motive. Seine letzte Szene mit Hannibal zeigt, dass er Freddie verraten hat, dass Will und Hannibal sich wiedergesehen haben. Sicher, sein "it takes a killer to catch a killer" Ansatz mag nicht ganz falsch sein, doch wieder einmal opfert er Will für das augenscheinliche Allgemeinwohl. Ich bin mir nicht sicher, ob Hannibal dies so durchgehen lassen wird.
© NBC
Familie spielt auch für Francis Dolarhyde, also unseren Roten Drachen, eine große Rolle. Dass es in seiner Familie nicht rund läuft und lief spürt man bereits in der kurzen Zwischensequenz, in der er bei einer älteren Frau (vermutlich seine Großmutter) zu Besuch ist. Der Drang, die perfekte Familie zu ermorden resultiert möglicherweise aus dem Fehlen einer solchen in seinem eigenen Leben. Die Scherben der Spiegel ermöglichen ihm die volle Konzentration auf sich selbst, das erkennen in anderen Personen. Sein eigener Job im Entwicklungslabor für Filme reflektiert dieses Handeln auf umgedrehte Weise. Zwar ist er dort sozusagen von Menschen umgeben, doch die Bilder können ihn nicht ansehen, während er selbst alle Zeit der Welt hat, andere Menschen zu beobachten. Und so vielleicht seine Mordopfer zu finden? Wer weiß. Dem steht Reba McClane gegenüber. Sie ist blind, sieht also weder die Menschen auf den Bildern noch die um sich herum. Mitleid verabscheut sie, und bei Dolarhyde ist sie damit genau an der richtigen Adresse, denn Mitleid kann er nicht geben. Und doch scheint Reba zu ihm durchzudringen, denn dem Drachen in seinem Kopf scheint diese neue Art der Interaktion mit anderen Menschen so gar nicht zu gefallen. Die Zeichen für die restlichen Folgen stehen also auf Sturm, und wir dürfen gespannt sein was noch passieren wird.

Menü des Tages:
  • Endlich gibt jemand Rutina Wesley mal etwas zu tun. Als Tara war sie bei "True Blood" sowas von verschenkt. 
  • Das Rezept der Woche kommt dieses Mal aus Schweden, ist aber trotzdem amerikanisch wie sonst was: Cherry Pie, Twin Peaks Style
  • Will Graham: die männliche Version der "crazy cat lady" Trope, nur mit Hunden. Wie viele davon will er noch adoptieren? Ich hoffe Bryan Fuller hält sich an sein Versprechen, keine Hunde in der Show zu ermorden. Schätze die Proteste nach der Episode mit Randall Tier haben Wirkung gezeigt. Ob der Kommentar der beiden FBI-Spezis darauf anspielte?
  •  Freddie Lounds fängt mit einem Blog an, und drei Jahre später hat sie eine eigene Zeitung? Sie ist jetzt mein Vorbild. Auch wenn diese Reihenfolge dem aktuellen Diktat der Medienstruktur völlig widerspricht. Wer liest noch richtige Zeitungen?
  • Schön, wenn Begriffe die auf Tumblr geprägt wurden ihren Weg in die Show finden. Ob man den Erfinder von "Murder Husbands" ausfindig machen kann?
  • "I love a good finger-wagging." "Yes, you do. How is Margot?". Hannibal kümmert sich jetzt allein um das Innuendo, wo Mason ja nun nicht mehr da ist. 
  • Bryan Fuller ließ über Twitter bereits zur Premiere der ersten Staffel verlauten, dass der erste Mord (an der Marlowe-Familie) vom Roten Drachen begangen wurde. 

Wie immer findet ihr das Recap auch bei Moviebreak

Review: True Detective 2.06: Church in Ruins

© HBO
Da ich die fünfte Folge gestern erst gesehen habe und der Terminplan so dermaßen voll war dass ich nicht dazu kam, etwas zu schreiben, machen wir heute mal planmäßig mit der sechsten Folge weiter. Eventuell reiche ich das Recap für Folge Fünf nach, aber vermutlich wird mich in den nächsten 45 Minuten die Motivation dazu völlig verlassen. Ich werde also die Ereignisse aus Folge fünf hier mit aufgreifen, denn sind wir mal ehrlich: so wirklich viel passiert in dieser Serie eh nicht. 

Nachdem in der letzten Woche die Scherben des Vinci-Massakers aufgesammelt wurden und wir einen kleinen Zeitsprung von knapp drei Monaten hinter uns brachten, sind unsere Detectives erneut im Einsatz. Denn dass sich die ganze Geschichte mit dem Massaker von selbst beendet hat glaubt nun wirklich niemand. Offiziell gehen die drei zwar nun anderen Jobs nach, doch undercover geht die Arbeit weiter. Ray erfuhr außerdem, dass Frank ihn damals auf eine falsche Fährte brachte und der Vergewaltiger seiner Frau noch immer lebt. Was uns einen Cliffhanger in Form eines Rays beschaffte, der vor Franks Tür aufgetaucht ist. Und wenn wir uns an den Staffelbeginn zurückerinnern, dann ist ein wütender Ray vor der Tür niemals eine gute Sache. 

Effektiver wäre dieser Cliffhanger natürlich gewesen, wenn ich irgendwie Sympathien für Frank hegen würde. Aber der Zug ist nach 5 Folgen abgefahren. Da dies also nicht der Fall ist ging ich an diese Folge mit Erwartungen irgendwo knapp über Null. Letzte Woche ließ sich im Gesamtpaket zwar ein leichter Aufwärtstrend festmachen, aber ein bisschen Skepsis schadet ja nie. Doch es geschehen noch Zeichen und Wunder, und Vince Vaughn kann im Zusammenspiel mit Colin Farrell endlich mal zeigen, dass er was draufhat. Befreit von prätentiösen Dialogen und dem Zwang, den bösen Macker raushängen zu lassen, liefern die beiden sich ein verbales Duell am Küchentisch. Und ich saß tatsächlich hier und war fasziniert. 
© HBO
Frank selbst weiß entweder selbst nicht, welchen Fehler er vor Jahren begangen hat, oder er verbirgt das ziemlich gut. Die beiden einigen sich vorläufig darauf, sich nicht gegenseitig umzubringen und stattdessen zum normalen Prozedere zurückzukehren. Ich kann ja nicht oft genug betonen dass ich Vince Vaughn wirklich gerne mag, umso mehr freut mich nun diese gelungene Szene. Es sind diese Momente, in denen das Character-Building glaubhaft stattfinden kann. Und Frank und Ray bieten zwei völlig verschiedene Ansätze im Umgang mit ihrer Vergangenheit. Der eine schaut nach vorn und will etwas ändern, während der andere in seiner Vergangenheit gefangen scheint und stetig auf der Flucht ist. 

Diese Vergangenheit scheint Ray dann auch zu überwältigen. Nachdem er seinen Sohn nur unter Aufsicht besuchen darf und seine Exfrau nach wie vor auf einem Vaterschaftstest besteht, brennt ihm gleich der ganze Sicherungskasten durch. Nach ein paar saftigen Lines Kokain, ein paar anständigen Drinks und den obligatorischen Zigaretten muss die Energie erstmal wieder aus dem Körper. Also wird ein bisschen trainiert. Zum runterkommen entschließt Ray dann, ganz auf das Sorgerecht für sein Kind zu verzichten. Seine einzige Bedingung: seine Exfrau darf ihrem Sohn nicht sagen, dass er das Produkt einer Vergewaltigung ist. Nach einigem Zögern stimmt sie dieser Bedinung zu, und Ray kann sich ans ausnüchtern begeben. Sicher bin ich mir noch nicht, ob diese Entscheidung nun endgültig war, oder ob Ray sich das anders überlegen wird. Doch es könnte ein riesiger Schritt in die andere Richtung sein, und der Beginn einer Ruhephase. 

Paul verfolgt die Spur der Diamanten weiter, und Ani hat einen irgendwie so gar nicht durchdachten Plan ins Auge gefasst. Sie will sich auf eine der exklusiven Parties einschleichen. Gesagt, getan. Im erlesenen Kreis all dieser Männer findet sich dann auch die Riege der Vinci-Verantwortlichen. Leider werden die Eskort-Damen mit Drogen in Spray-Form gefügig gemacht, und Anis undurchdachter Plan eskaliert. In einer weiteren, von Drogen verzerrten Sequenz (die sich von Rays Erlebnissen visuell fundamental unterscheidet) begleiten wir Ani durch die scheinbar unzähligen Räume voller kopulierender Körper. Immer wieder taucht ein Gesicht auf, und schnell wird klar, dass Ani als Kind einer Form von Missbrauch zum Opfer fiel. Unter der Aufsicht ihres Vaters. Nun, woher die Differenzen zwischen den beiden kommen dürfte klar sein, und auch für Anis Verhalten Männern gegenüber scheint ein Grund gefunden zu sein. 
© HBO
Dem irgendwie ausgetretenen "Rape as Backstory"-Trope stehe ich ja dann doch kritisch gegenüber. Dass es dann gleich eine ganze Orgie braucht, um dieses Erlebte wieder zu triggern...naja, HBO halt. Dass die Szenen funktionieren liegt wohl hauptsächlich daran, dass Rachel McAdams so großartig ist. Der Kontrast der Emotionen die sich in ihren Augen und um ihren Mund herum spiegeln könnte größer nicht sein. Und es zerbricht mir das Herz dass es irgendein Typ war, der einem kleinen Mädchen etwas von Einhörnern im Wald erzählt hat, und so ein Leben nachhaltig negativ beeinflusst hat. Als ob Ani nicht sonst schon genug durchgemacht hätte. 

Immerhin hat sie das vermisste Mädchen aus der ersten Folge auf der Party gefunden und gerettet. Oh, und sie hat einen Typen ziemlich eindrucksvoll und routiniert gemessert. Hat sich das Training also gelohnt. Während Ani auf der Party unterwegs war hat Paul ein paar Unterlagen entwendet, die Truppe war also alles in allem diese Woche effizient und erfolgreich. Zusammen mit der blutverschmierten Hütte im Wald (auf welche die örtliche Polizei schon wieder höchst verdächtig reagiert) ergibt sich so langsam ein Bild, und ich hoffe auf Aufklärung in den letzten zwei Episoden. 

Doch ich bin mir nicht sicher, ob wir die überhaupt bekommen werden. War es in Staffel 1 noch die weird fiction, die ihren Platz in der Narrative hatte, so ist es diesmal eine Form der Heimsuchung, die sich durch die Staffel zieht. Alle Figuren werden verfolgt: von ihrer Vergangenheit, ihren möglichen Versionen einer Zukunft. Von einer Version ihrer selbst, die sie gerne wären, aber niemals sein können. Denn so funktioniert Vinci nicht. Ehrlich unf aufrichtig sind zwei Arten, die in dieser Stadt ausgestorben sind. Von innen verrottet und korrupt. Unfruchtbar. Vielleicht ist nicht der überdimensionale Schatten von Staffel eins das Problem. Vielleicht ist es eher die Tatsache dass Form und Inhalt sich zu sehr angenähert haben. Dreckig und unschön, aber irgendwie realistisch. Mit kleinen Fehlern versehen, klar. Doch "Church in Ruins" hat mich das erste Mal in dieser Staffel richtig gepackt, auch weil die langweiligen Geschichten ausgelassen wurden. Zwar geht noch immer zuviel Zeit dafür drauf, dass die Figuren Dinge weitergeben, die schon längst bekannt sind. Doch das Tempo wurde maßgeblich angezogen, nun brettern wir hoffentlich ungebremst diesen korrupten, hässlichen Berg herunter.


Notizen für eure Akten
  • Wer zur Hölle ist Stan? Ernsthaft. Ich erinner mich doch nicht sechs Wochen lang an jeden Hannes, der da vor sechs Folgen mal im Hintergrund durch das Bild gehuscht ist. Immerhin hatte Vaughn so die Chance, einen weiteren Dialog gut rüberzubringen.
  • Ja ok, Paul wurde in einem Trailerpark großgezogen. Gibt es da keine Verträge? Dass da viele Namen draufstehen gehört irgendwie dazu. Oder meint er, dass viele relevante Namen auf dem Vertrag stehen? 
  • Den Namen der eigenen Schwester anzunehmen mag ja vordergründig betrachtet Sinn machen. Hoffen wir, dass Athena jetzt irgendwo in Sicherheit ist, denn diese ganzen Typen sahen nicht so aus als ob sie das witzig gefunden hätten
  • Ani verspricht dass jeder, der Hand an sie legt, unterhalb einer Minute verblutet. Die Dame kann zählen!
  • Die Regie übernahm diese Woche Miguel Sapochnik. "Game of Thrones" Zuschauer kennen ihn von Folge 8 der fünften Staffel, "Hardhome". Dürfte niemanden wirklich überraschen dass er einen ziemlich guten Job gemacht hat.


Review: Hannibal 3.08: The Great Red Dragon

© NBC
Ihr bemerkt es schon am Titel: "Hannibal" löst in dieser Woche die bisherigen Strukturen beinahe völlig auf. Ab jetzt sind die kommenden Episoden nicht mehr nach Speisen benannt, stattdessen wird es biblisch. "The Great Red Dragon and the Woman Clothed in Sun" ist der vollständige Name des Gemäldes von William Blake, und darauf aufbauend ist die restliche Staffel benannt. Für alle Kunstinteressierten gibt es am Ende einen kleinen Exkurs zu Blake und seinen Werken. 

Aber widmen wir uns der Folge. Nach einer kurzen Rückblende, in der noch einmal betont wird das Hannibal sich freiwillig ergeben hat werden wir als Zuschauer ins eiskalte Wasser geworfen. Mitten in der Staffel findet ein Zeitsprung von drei Jahren statt. Und nach drei Jahren geht es direkt nervenaufreibend los. Knappe fünf Minuten beobachten wir die Transformation eines normalen Menschen hin zum Roten Drachen. Ein Dialog findet nicht statt, die Musik ist minimalistisch gehalten. Unter der sicheren Regie von Neil Marshall, der zuletzt durch seine Arbeit bei "Game of Thrones" ("Blackwater" und "The Watchers on the Wall" gingen auf seine Kappe) liefert Richard Armitage eine Glanzleistung ab. Visuell gewohnt ästhetisch dient er, und vor allem sein Rücken, als Leinwand für die Entstehung eines schrecklich faszinierendes Kunstwerkes. Als Zuschauer sind wir mit ihm allein und ungeschützt, der Schrecken tropft zähflüssig und düster aus jedem Millimeter Bildmaterial. Dieser Stil bleibt durch die Folge hinweg erhalten. Die mentalen Episoden, die der Rote Drache hat werden durch nervenaufreibende Töne angekündigt, und im visuellen Bereich wird sich erneut ausgetobt. Highlight dürfte die Szene sein, in der er scheinbar von Film eingewickelt wurde und das Licht des Projektors aus seinen Augen und dem Mund hervorbricht.


Dem gegenüber steht, stark kontrastierend, Hannibal. Die Folge macht sich einen Heidenspaß daraus, ihn auf verschiedene Leute treffen zu lassen und den Eindruck zu ermitteln, dass er sich in Freiheit befinden würde. Doch Hannibal steckt im Baltimore State Hospital und freut sich darüber, dass er erfolgreich für unzurechnungsfähig erklärt wurde. Eine Lüge, und das wissen auch die beiden Leiter der Anstalt, Alana Bloom und Frederick Chilton. Natürlich flüchtet Hannibal sich in seinen Gedankenpalast, doch er hält großzügig Audienz und legt dabei eine erfrischende Offenheit an den Tag. So teilt er Alana gerne mit dass er ihr jemanden in ihr Bier gemischt hat, und auch Chilton erfährt einige unerfreuliche Neuigkeiten in Sachen Dessert. Nebenbei ist er auf bestimmt-freundliche Art mal wieder überaus bedrohlich und verspricht Alana, dass sie keinesfalls sicher ist. Charmant, charmant. 
© NBC
Überhaupt, der gute Doktor Chilton begibt sich mal wieder auf dünnes Eis. Hannibal zu provozieren scheint sein liebstes Hobby zu sein. So erzählt er Hannibal beim gemeinsamen (nur in Hannibals Gedanken stattfindendem?) Essen über den Mörder, den alle nur Tooth Fairy, also Zahnfee, nennen. Durch das reine Beobachten haben wir schon gelernt, dass sowohl Hannibal als auch der Rote Drache körperlich recht fit sind, beide sind auch sonst sehr nett anzusehen. Die äußere Schale wirkt also hübsch, geradezu anziehend. Doch da hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Hannibal wird in dieser Folge ausschließlich durch seine Gedanken beschrieben, während wir den Drachen nur durch die Dinge, die er macht, kennenlernen. Auch in ihren Morden könnten beide nicht unterschiedlicher sein. Während Hannibal die Ästhetik über alle Maßen wichtig ist, sind die Morde des Drachen willkürlich und äußerst brutal. Chilton schlussfolgert daraus, dass der Drache ein größeres Publikum anspricht: "You, with your fancy allusions and your fussy aesthetics, you will always have niche appeal.". Noch mehr Meta-Ebene könnte man mit aller Gewalt dieser Welt nicht in einen einzelnen Satz legen. Nun ja, wenigstens können wir Fans uns nun über unsere Nischendasein freuen. 

Doch natürlich muss der Rote Drache gefasst werden, und Jack Crawford hat schon eine Idee, wer helfen kann. Kurzerhand steht er vor Wills Haustür, doch der ist nicht sonderlich erfreut über den Besuch. Nur widerwillig lässt er Jack ins Haus, und wir erfahren dass er sich in den drei Jahren eine Partnerin samt elfjährigem Sohn zugelegt hat. Oh, und natürlich noch mehr Hunde. Doch die Tatsache dass der Killer sich auf scheinbar perfekte Familien stürzt, zusammen mit dem Drängen seiner neuen Partnerin, reicht aus um Will umdenken zu lassen. Skandal, denn Hannibal hat ihm doch extra noch einen Brief geschickt, in dem er ihn genau davor gewarnt hat:  "Dear Will, we have all found a new life, but our old lives hover in the shadows. Soon enough I fear Jack Crawford will come knocking. I would encourage you, as a friend, not to step back through the door he holds open. It's dark on the other side, and madness is waiting.". Jack verspricht zwar auf Will aufzupassen, doch das hat er in der ersten Staffel auch schon getan, und das Ergebnis kennen wir alle. Aber es hilft nichts, Will findet sich am letzten Tatort wieder. 
© NBC
Und plötzlich fühlt "Hannibal" sich wieder an wie in der ersten Staffel. Will erkundet den Tatort und wir kriegen ein paar wunderschöne Bilder zu sehen. Also, nicht so schön im klassischen Sinne, aber toll umgesetzt. Die Leichen der Familie tauchen erst im Licht der Taschenlampe auf, und die Flügel aus den roten Fäden der Spurensicherung sind beeindruckend. Doch dies kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Morde abgrundtief hässlich und bestialisch sind. Dementsprechend hat Will hart mit dem Tatort zu kämpfen. Der Ausblick auf den Wahnsinnigen, in dessen Gedanken er sich versetzen muss, erschüttert ihn, und es dauert einen Moment bis er sich gefangen hat. Doch dann zeigt sich, dass Will in den drei Jahren Zeit hatte, zu sich selbst zu finden. Seine Beschreibungen der Tat klingen kalt und abgeklärt, distanziert. Hugh Dancy steht oft zu Unrecht im Schatten von Mads Mikkelsen, doch diese Folge zeigt erneut, welch fantastische Arbeit er leistet.

Am Ende sind sie dann alle wieder vereint. Will, Jack, Zeller und Price. Nur Hannibal, der sitzt in seiner Zelle, doch Will möchte ihn zu den Morden befragen. Es fühlt sich an wie eine Rückbesinnung auf die erste Staffel, doch die Karten sind völlig neu gemischt. Vor uns liegen nur noch fünf Folgen, aber ich gehe fest davon aus dass "Hannibal" uns auf die bestmögliche Weise verlassen wird.



Menü des Tages
  • Jetzt hab ich diese Rubrik schon extra umbenannt, und jetzt wird gar nicht mehr so richtig gekocht. Aber egal, ich bleib jetzt dabei, und immerhin gab es diese Woche ein ziemlich schräges Rezept für ein italienisches Dessert aus Blut und Schokolade. Yummy! Obwohl ich mich ernsthaft frage, wie Hannibal in seiner Zelle gekocht haben will. Sind sich Chilton und Alana der Tatsache nicht bewusst, dass ein gefangener, kochender Hannibal eine ernsthafte Gefahrenquelle darstellt? Wobei es natürlich Sinn macht dass es ihm gut geht, denn so ziemlich alle profitieren von einem zufriedenen Hannibal. Oder bildet er sich seine schicke Zelle komplett ein?
  • Zeller und Price sind wieder da! Ich weiß, nicht jeder mag diese Art von Comic Relief, aber ich hab die beiden wirklich sehr vermisst. 
  • Tattle Crime ist natürlich live an den Tooth Fairy Morden dran. Ob Miss Lounds in dieser Staffel nochmal auftauchen wird?
  • Gillian Anderson ist noch in den Opening Credits gelistet, Grund genug für mich, auf ein Wiedersehen zu hoffen. Ich möchte außerdem glauben dass Zachary Quinto nicht nur für eine Minute innerhalb der ganzen Staffel gecastet wurde.
  • Wie versprochen nun ein Ausflug in die Kunstgeschichte. William Blake gehörte zu den ersten Autoren der britischen Romantikwelle, aber er hat nicht nur geschrieben, sondern auch viel gemalt. "The Great Red Dragon and the Woman Clothed in Sun" stammt aus einer vierteiligen Serie von Gemälden, gemalt wurde es mit Wasserfarben. Ihr könnt es im Brooklyn Museum of Art finden, die anderen Teile sind in Washington und Philadelphia untergebracht. Die vier Bilder entsprechen Bibelpassagen, genauer sind sie die visuelle Umsetzung der Offenbarung 12: 1-4: 1Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone mit zwölf goldenen Sternen. 2Und sie war schwanger und schrie in Kindesnöten und hatte große Qual zur Geburt. 3Und es erschien ein anderes Zeichen im Himmel, und siehe, ein großer, roter Drache, der hatte sieben Häupter und zehn Hörner und auf seinen Häuptern sieben Kronen; 4und sein Schwanz zog den dritten Teil der Sterne des Himmels hinweg und warf sie auf die Erde. Und der Drache trat vor das Weib, die gebären sollte, auf daß, wenn sie geboren hätte, er ihr Kind fräße.…
  • Will Graham macht sich immer noch an erster Stelle Sorgen um Hunde. Awww. 
  • Der Rote Drache in zwei Sätzen: “Snaggle-toothed son of a bitch.” “He bites. A lot.
  • Letzte Staffel war ich jede Woche damit beschäftigt zu glaube dass Chilton noch lebt. Für die letzten fünf Folgen fange ich ein neues Spiel an: Wie lange kann Chilton Hannibal provozieren, bis der einen Weg findet ihn umzubringen?
  • Angenehm: Bryan Fuller möchte ungern detailliert darauf eingehen dass der Rote Drache seine weiblichen Opfer vergewaltigt während diese sterben oder schon tot sind. Seine genauen Motivationen, auch im Hinblick auf ein größtenteils weibliches Publikum, gibt er in einem sehr lesenswerten Interview mit Entertainment Weekly preis. In dieser Folge (und vermutlich auch in den nächsten) ist es am Zuschauer, die Hinweise auf dieses Vorgehen selbst zu suchen. In dieser Woche war es das Umräumen der Leichen und das Zurückbringen an den eigentlichen Platz, damit die Familie "zuschauen" konnte. Auch der Hinweis auf eine Scherbe des Spiegels, die in den Labien der Frau steckte, deutet auf diesen Vorgehen des Roten Drachen hin. Ich für meinen Teil bin froh über die Handhabung dieses Themas, und Bryan Fullers Interview ist wirklich lesenswert. 
  • Es wurde tatsächlich ein Weg gefunden, Alanas Kleidungsstil noch großartiger werden zu lassen. So langsam bin ich wirklich neidisch.  
  • Wer sich gerne vorbereiten will: Das passende Buch von Thomas Harris heißt "Roter Drache". Es gibt bereits zwei Verfilmungen, einmal "Manhunter" ("Blutmond" auf deutsch) von Michael Mann aus dem Jahr 1986 und "Red Dragon" ("Roter Drache") von Brett Ratner von 2002. "Manhunter" habe ich bisher nicht gesehen, aber an den Kinobesuch zu "Roter Drache" kann ich mich noch vage erinnern. Wird wohl Zeit, die ganzen Filme nochmal anzusehen. Also, alle bis auf "Hannibal Rising". Uhhh, der war mies.  
  • Wo wir bei mies sind: Es scheint als könnten wir unseren kollektiven Hass nun gegen Amazon richten. Die haben nämlich die Streaming-Rechte an "Hannibal", wollen die auch nicht aufgeben, weigern sich aber weitere Staffeln zu produzieren. Ich hätte Amazon gerne mein Geld gegeben wenn ich dafür mehr Hannibal bekommen würde. Aber ich schätze, die haben kein Interesse an mehr Geld. Seltsam.
  • Hannibal in seiner Freizeit:
    © NBC
Wie immer erscheinen die Recaps zeitgleich auch auf Moviebreak. Schaut doch mal vorbei :)
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