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gesehen: Die Schöne und das Biest


© Walt Disney

Story


Die kluge und anmutige Belle (Emma Watson) lebt mit ihrem leicht exzentrischen Vater Maurice (Kevin Kline) ein beschauliches Leben, das nur durch die Avancen des Dorfschönlings Gaston (Luke Evans) gestört wird. Doch als Maurice auf einer Reise in die Fänge eines Ungeheuers (Dan Stevens) gerät, bietet die mutige junge Frau ihre Freiheit im Austausch gegen das Leben ihres Vaters an. Trotz ihrer Furcht freundet sich Belle mit den verzauberten Bediensteten im verwunschenen Schloss des Biests an. Mit der Zeit lernt sie hinter dessen abscheuliche Fassade zu blicken und erkennt seine wahre Schönheit…

Filmkritik: La La Land


© Studiocanal

Sieben gewonnene Golden Globes bei sieben Nominierungen, und vermutlich wird es bei den diesjährigen Oscars ähnlich gut für "La La Land" laufen. Höchste Zeit also, kurz vor dem offiziellen Kinostart mal über diesen absolut magischen Film zu sprechen, der sich auf direktem Weg in mein Herz gesungen und getanzt hat.

Story

In Los Angeles begegnen sich zwei Träumer: Die leidenschaftliche Mia ersehnt sich den Durchbruch als Schauspielerin, leidet aber an ihrer großen Einsamkeit. Der charismatische Sebastian arbeitet derweil an seiner Karriere als Jazz-Musiker, hat es aber noch nicht über kleine Auftritte hinausgebracht. Der Zufall will es, dass sich die beiden eines Tages begegnen – und verlieben. Für beide ist es von Anfang an nicht leicht, ihre Liebe in der rauen, vom Konkurrenzkampf beherrschten Atmosphäre der Stadt zu leben. Als sich erste Erfolge einstellen, wird ihre noch frische Beziehung umso mehr auf die Probe gestellt.

Filmkritik: Sing Street

© Studiocanal GmbH Filmverleih
Story: Irland in den 1980er Jahren. Vor dem Hintergrund von Rezession und Arbeitslosigkeit wächst der jugendliche Conor in Dublin auf. Als Außenseiter in der Schule gebrandmarkt, flieht er in die Welt der Popmusik und träumt nebenbei von der unerreichbaren, schönen Raphina, die mit auffälligem Make-up, extravaganter Frisur und einer guten Portion eigener Meinungen und Träume bezaubert. Seine Idee: Er lädt Raphina ein, im Musikvideo seiner Band aufzutreten. Sein Problem: Er hat gar keine Band. Doch das hält ihn nicht auf, und er gründet mit ein paar Jungs aus der Schule kurzerhand seine eigene Gruppe und schreibt seine ersten Songs.

Kritik: Wohlfühlkino. Spätestens, seit in regelmäßigen Abständen völlig inhaltsloses Zeug (viel Romantik, bisschen Sexismus, bisschen Rassismus, unbekannte Darsteller und generischer Soundtrack sind das Grundrezept) in viel zu heller Belichtung den Kinomarkt überflutet, will man diesen Begriff eigentlich ja vermeiden. Wohlfühlkino scheint synonym zu sein für Inhaltsleere, und wer schaut sich schon gerne völlig inhaltsloses Zeug an? Also, außer mir, wenn es um irgendwelchen Low Budget Horror geht, versteht sich von selbst. "Sing Street" schickt sich an, dem in Mitleidenschaft gezogenen Begriff wieder zu einer Daseinsberechtigung zu verhelfen. Denn, und das kann man selten so festhalten, hier stimmt einfach Alles.
© Studiocanal GmbH Filmverleih
Das fängt bei den Darstellern an. Mit einer Mischung aus bekannten Gesichtern (Aidan Gillen aus "Game of Thrones", Maria Doyle Kennedy aus "The Tudors") und neuen Darstellern punktet "Sing Street". Besonders Ferdia Walsh-Peelo als Conor schafft es, den Film auf seinen noch jungen Schultern zu tragen. Und das in einer Debütrolle. Ferdia hat aber nicht nur tolle Ausstrahlung und eine vielseitige Mimik, sondern auch eine tolle, angenehme Stimme, wenn es ums singen geht. Ebenfalls toll geschrieben ist die Rolle von Conors älterem Bruder, gespielt von Jack Reynor. In den 80er lief es in Irland wirtschaftlich mal so gar nicht gut, und der Film nimmt sich viel Zeit, die Auswirkungen der finanziellen Krise auf der Familienebene aufzuzeigen. Jedes Familienmitglied geht anders mit der Situation um, alle Figuren bleiben aber nachvollziehbar. John Carney schafft es, jederzeit Ruhe in seiner Geschichte zu verankern, so kriegen emotionale Treffer den vollen Wirkungsfreiraum. "Sing Street" geht so in seinen kleinsten Momenten richtig ans Herz. Kinder der 80er werden außerdem eine Menge Freude an den herrlichen Retro-Eskapaden haben. Das damalige Wunder der ersten Musikvideos, der Stil verschiedener Bands, das Wochenendritual, bei dem alle gemeinsam "Top of the Pops" schauen, all dies sind Erinnerungen, die ab einem gewissen Alter der Zuschauer automatisch vorhanden sind, Erfahrungen, die beinahe jeder gemacht hat.
© Studiocanal GmbH Filmverleih
In erster Linie ist es aber ein Film für und über Träumer. Konfrontiert mit der harschen Außenwelt, in der die Mitschüler größtenteils mobbende Idioten und die Lehrer brutale Ignoranten sind, und in der die eigene Familie langsam, aber unaufhaltsam an sich selbst zerbricht, versucht Conor, auszusteigen. Und hier offenbart sich die größte Stärke des Films: er blickt nicht auf diese Figuren herab. Wie leicht ist es doch, sich über heranwachsende Teenager lustig zu machen. Wie oft hört man, wenn man aufwächst, dass man sich nicht so anstellen soll, dass der eigene Weltschmerz lächerlich ist? Viele scheinen zu vergessen, wie unsicher man sich damals fühlte, was für Träume man hatte. "Sing Street" nimmt seine jungen Figuren ernst, lässt ihnen Raum, sich zu entfalten. Da wird es dann auch möglich, eine Band zu starten ohne wirklich Ahnung von Musik zu haben. Oder das unerreichbare Mädchen anzuquatschen. Oder im toxischen Umfeld der Schule seinen eigenen Selbstfindungstrip durchzuziehen. Angeleitet von seinem älteren Bruder, der sich in seine Plattensammlung flüchtet, entdeckt Conor nach und nach prägende Bands, die ihm helfen, herauszufinden, wer er selbst ist. Musik wird in vielerlei Hinsicht zur Ausdrucksplattform, und die Szenen, in denen er gemeinsam mit einem anderen jungen Songs schreibt, sind einfach pure Schönheit. Das wunderbar umgesetzte Feeling eines Irlands, das sich tief in der Krise befindet und von seinen Einwohnern in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Scharen verlassen wird, verdient ebenfalls Lob. Wer kann, sollte hier ganz klar zur Originalversion greifen, dort wird stimmungsmäßig nochmal eine Schippe draufgelegt.
© Studiocanal GmbH Filmverleih
Doch auch Träume können scheitern, und so bleibt ein Anker zur Realität immer vorhanden. Die erste Liebe, Ablehnung, Probleme in der Schule, nicht ernstgenommen werden, die Ungewissheit die mit dem Erwachsenwerden zusammenhängt, all das sind Themen, die angeschnitten werden. Doch dem stehen Freundschaft und Vertrauen gegenüber, die Sicherheit, die einem Familie geben kann. Und die Gewissheit, dass Träume wahr werden können, wenn man sich nur im richtigen Moment traut, nach den Sternen zu greifen. Selten traf die Bezeichnung "richtig was fürs Herz" so zu wie auf diesen Film.

Fazit: "Sing Street" entpuppt sich als eine der Überraschungen des Jahres. Voller Liebe und Respekt für seine Figuren und ihre Träume, randvoll mit tollen Darstellern und einem Soundtrack, der sich mit seiner Mischung aus Eigenkompositionen und bekannten Songs ganz fest im Gehörgang einnistet. Wohlfühlkino, ganz so wie es sein sollte und eine klare Empfehlung für alle Träumer, Musikliebhaber und Irlandfans.  

Infos zum Film

Originaltitel: Sing Street
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Coming of Age, Drama, Musikfilm
FSK: 6
Laufzeit: 106 Minuten
Regie: John Carney
Drehbuch: John Carney
Darsteller: Ferdia Walsh-Peelo, Lucy Boynton, Aidan Gillen, Maria Doyle Kennedy, Jack Reynor u.a.

Trailer


Filmkritik: Hail, Caesar!

© Universal

Story: Eddie Mannix (Josh Brolin) ist ein Fixer. Als PR-Agent agiert er hinter den Kulissen und sorgt dafür dass die Stars ihre weiße Weste behalten, auch wenn sie mal wieder knietief im nächsten Skandal stecken. Im Hollywood der 50er ist er ein wichtiger Mann. Die Klatschkolumnistinnen Thora und Thessaly Thacker (Tilda Swinton in einer Doppelrolle) sind ihm stets auf den Fersen. Als am Filmset der Superstar Baird Whitlock (George Clooney) entführt wird, muss Mannix den Fall lösen. Doch zwischen Stars und Sternchen und all ihren Problemen ist das gar nicht so einfach. DeeAnna Moran (Scarlett Johansson) ist schwanger, was ihren Wasserballett-Film schwierig umsetzbar macht. Den Vater des Kindes will sie auch nicht heiraten, was ein Skandal wäre. Und Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) soll vom Westerngenre in seichte RomCom-Gefilde wechseln. Das verwirrt Regisseur Laurence Laurentz (Ralph Fiennes), der für solchen Nonsens einfach keine Zeit hat. Eddie Mannix hat einen stressigen Tag vor sich.

Kritik: Mittlerweile dürfte sich herauskristallisiert haben, dass die Coens in ihren Filmen jeweils machen, was sie wollen. Da kommt schon mal die totale Existenzialismuskrise ("Inside Llewyn Davis") oder ein knallharter Western ("True Grit") bei herum. Eine Fanbasis haben sie sich damit geschaffen, "Fargo" hat es sogar auf eine ziemlich gute Serienadaption gebracht. So richtig kommerziell erfolgreich sind ihre Filme aber selten, und auch "Hail, Caesar!" wird beispielsweise auf IMDB mit Hohn und Spott übergossen. Leute brüsten sich damit, den langweiligen Film nach 30 Minuten verlassen zu haben. Aber was ist da los, ist er wirklich so grottenschlecht?
Channing Tatum singt jetzt auch © Universal
Wer so offensichtlich fragt, hat natürlich auch eine Antwort parat. Und die lautet eindeutig: Mitnichten. "Hail, Caesar!" ist vielleicht anders, als man ihn erwartet hätte. Aber schlecht? Auf keinen Fall. Arm dran ist hier, wer sich nie tiefergehend mit Filmgeschichte beschäftigt hat. Wer nie  "Ben Hur" gesehen hat, mit dem Klischee des singenden Cowboys nicht vertraut ist, nie von den komplizierten Auteur-Regisseuren der 50er mit ihren Ballraum-Dramen gehört hat. Wer niemals sah, wie Gene Kelly tanzte und niemals Esther Williams als Meerjungfrau sah. "Hail, Caesar!" nimmt sich all diese Werke zur Brust, persifliert sie auf sanfte Art und Weise, ohne sie jemals in den Dreck zu ziehen. Da spricht eine gewisse Ehrfurcht vor dem Medium Film an sich heraus, und die Coens haben auf diesem Gebiet verdammt viel Ahnung. So versteht sich "Hail, Caesar!" dann vermutlich auch gar nicht als zielgerichtetes Werk mit Lehrauftrag, sondern als Hommage. Und als solche funktioniert der Film einwandfrei. Satte und lebendige Farben entführen uns in diese goldene Ära, die irgendwie so mystisch wirkt. Damals, als die Stars noch wirkliche Stars waren. Die Sorte, die man heute kaum noch findet, mit all ihren Allüren und Skandalen. Roger Deakins beweist einmal mehr seinen Wert als Kameramann wenn er den Stil verschiedener Filme emuliert und atemberaubend schöne Bilder erschafft. Genau wie Komponist Carter Burwell arbeitet er häufig mit den Coens zusammen, und es ist klar dass es sich um ein eingespieltes Team handelt.
"Would that it were so simple" © Universal
Getragen wird das alles auf den Schultern von Josh Brolin, der sich als würdiger Anker für alle um ihn herum erweist. Seine nach außen hin raue Art sorgt dafür dass die Dinge für gewöhnlich ein gutes Ende nehmen, die softere private Seite von Eddie Mannix liefert einen soliden Gegenpol. Channing Tatum beweist nicht nur erneut, dass er tanzen kann, sondern singt auch ziemlich passabel. Das größte Lob sollte aber Alden Ehrenreich gehören. Mit einer "zu gut für diese Welt" Attitüde ausgestattet kämpft er den ganzen Film gegen seinen dicken Akzent, für das Richtige und gegen das generelle Image, welches ihm anhaftet. Eine tolle Performance, die neugierig auf mehr macht. George Clooney bleibt seiner Linie treu und spielt weiterhin den Trottel für die Coens, und was soll man sagen? Er ist richtig gut in seinem Job. "Hail, Caesar!" ist randvoll mit Cameos, einige davon (Jonah Hill, Frances McDormand) verpuffen relativ wirkungslos. Tilda Swinton in einer irrwitzigen Doppelrolle ist genial wie immer, Ralph Fiennes beweist sein Talent und Gespür für Comedy. Würde man nichts an diesem Film mögen, dann wären die Darsteller alleine das Geld für das Ticket wert, Der Film mag nicht immer wirklich auf ein Ziel hinarbeiten, aber der Weg macht dank des speziellen, schrulligen Humors eine Menge Spaß.
Hat keinen leichten Tag: Eddie Mannix © Universal
Nun könnte man natürlich negativ anmerken, dass der Film sich irgendwann im Sande verläuft. Kaum eine der Geschichten findet zu einem abschließenden und für den Zuschauer befriedigenden Ende. Aber letztendlich geht es um einen kurzen Ausschnitt aus dem Leben einer Person, die mit vielen anderen Personen Kontakt hat. Und mit einem solchen Job sind wohl einfach nicht immer alle Geschichten am Ende des Tages abgeschlossen. Diesen Faktor "Hail, Caesar!" zum Vorwurf machen zu wollen scheint also höchst kurzsichtig und sollte unterlassen werden. Dass diejenigen Zuschauer, die vom Hollywood der 50er keine Ahnung haben, die meisten der Referenzen im Film nicht verstehen werden und darum eine schwere Zeit haben werden ist ebenfalls kein berechtigter Kritikpunkt, sich filmisch auch mal mehr als zehn Jahre zurück in die Vergangenheit bewegen hat noch niemandem geschadet.

Fazit: Mit "Hail, Caesar" gelingt den Coens etwas Ungewöhnliches, etwas Großes. "Hail, Caesar" ist vordergründig witzig und nimmt das Hollywood der goldenen 50s gekonnt und liebevoll auf die Schippe. Die realen Vorbilder für die Figuren sind teilweise überdeutlich, und hier setzt der andere Faktor ein, der den Film so unterhaltbar macht. Denn all diese Stars und Sternchen werden dekonstruiert, all die Arbeit die hinter der endlosen Imagepflege steckte wird deutlich. In der Rekreation legendärer Szenen steckt eine Menge Schönheit und es lohnt sich, auf Entdeckungsreise zu gehen. Aber auch wenn man von Hollywood keine Ahnung hat findet man hier eine witzige, clever erzählte Geschichte. Nur auf Geradlinigkeit und tieferen Sinn sollte man sich nicht freuen, denn zumindest oberflächlich betrachtet verläuft sich "Hail, Caesar" irgendwann im Sand. Aber erleben wir nicht Tag für Tag exakt das Gleiche?

Infos zum Film

Originaltitel: Hail, Caesar!
Erscheinungsjahr: 2016
Genre:Komödie, Drama, Thriller, Musical
FSK: 0
Laufzeit: 106 Minuten
Regie: Joel und Ethan Coen
Drehbuch:Joel und Ethan Coen
Darsteller: Josh Brolin, George Clooney, Scarlett Johansson, Alden Ehrenreich, Ralph Fiennes, Channing Tatum, Tilda Swinton u.a.

Trailer


Filmkritik: Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche

© Warner Bros.
Mit "Corpse Bride - Hochzeit mit einer Leiche" arbeitet Regisseur Tim Burton bereits zum fünften Mal mit Johnny Depp zusammen. Auch seine damalige Ehefrau Helena Bonham Carter ist hier mit an Bord, ebenso hat Christopher Lee eine kleine Rolle. Der Film, der auf einem alten russischen Folkloremärchen basiert ist darüber hinaus Burtons erste eigene Regiearbeit im Stop-Motion Verfahren. Bei diesem Verfahren, welches seit mehr als 100 Jahren verwendet wird (unter anderem von Georges Méliès), werden Objekte animiert, indem sie für jedes Bild im fertigen Film nur unwesentlich verändert werden. So entsteht der Eindruck, es handle sich um ein tatsächlich bewegtes Bild mit flüssigen Abläufen. Mittlerweile werden auch hier Computer eingesetzt. "A Nightmare before Christmas" wurde zwar von Tim Burton produziert und vor "Corpse Bride" veröffentlicht, allerdings führte er dort nicht Regie. "Corpse Bride" war 2006 in der Kategorie "bester Animationsfilm" für einen Oscar nominiert. Gedreht wurde der Film von Tim Burton und Mike Johnson, wobei Burton zeitgleich mit den Dreharbeiten zu "Charlie und die Schokoladenfabrik" beschäftigt war und hier eher einem persönlichen Hobby nachging.

Story: Im viktorianischen Zeitalter des 19. Jahrhunderts steht der schüchterne, aus ärmlichen Verhältnissen stammende Victor Van Dort kurz vor der Vermählung mit der reichen und anmutigen Victoria Everglot. Als er jedoch durch Zufall eine geheimnisvolle Leichenbraut zum Leben erweckt und diese sich prompt in ihn verliebt, steht Victor vor einer schweren Wahl. Entweder ein Leben in der grauen und tristen Welt der Lebenden oder ein Dasein voller Spaß und Frohsinn im unerwartet bunten Totenreich. Hin- und hergerissen zwischen der Liebe zu Victoria und seiner Treue zur modrigen Leichenbraut Emily, muss Victor letztendlich eine Entscheidung treffen...
© Warner Bros.
Kritik: Auf den ersten Blick klingt "Corpse Bride" nach absolut typischem Burton-Material. Und der Eindruck trügt nicht, denn knappe 70 Minuten gibt es einen grotesken, musikalischen und bunten Ausflug in die Unterwelt. Wer "Nightmare before Christmas" mochte kann theoretisch jetzt aufhören zu lesen, denn er oder sie dürfte auch hier Spaß haben. Egal ob es schräge Gesangsnummern, Stop-Motion Technik in auf den ersten Blick düsterer Kulisse sind, die Parallelen sind vorhanden. Auch der für Burton typische Hund hat eine Rolle. So weit ist alles beim alten im Hause Burton.

Und doch hat sich einiges getan, vor allem im technischen Bereich. Die Effekte sind ausgereifter, die Figuren wirken wunderbar lebendig, auch wenn die meisten von ihnen lange tot sind. So fällt es nicht schwer, sich sofort in die Figuren zu verlieben und mit ihnen mitzufühlen. Leider sind neben Victor, Victoria und der Leichenbraut die Nebencharaktere kaum mit Eigenheiten ausgestattet, weswegen viele von ihnen im Verlauf des Films zu schablonenhaften Karikaturen verkommen. Da wäre mehr drin gewesen. Doch die drei Hauptfiguren sind wirklich gelungen, und man findet sich schnell im gleichen Dilemma wie Victor wieder: welcher der beiden Bräute, die unterschiedlicher nicht sein könnten und sich dabei doch so ähnlich sind, wünscht man die Ehe mit dem schusseligen aber gutherzigen Victor? Und ehe man sich versieht fiebert man mit, wünscht sich ein gerechtes Ende für die Protagonisten.

Das liegt zu einem großen Teil auch an den Synchronsprechern. Victor ist auch optisch an Johnny Depp angelehnt, und der beweist ja immer wieder, dass er auch als Synchronsprecher einen wirklich guten Job macht. Wer noch skeptisch ist, der möge sich "Rango" ansehen. Victor kommt schüchtern, aber nuanciert herüber, blüht im Verlauf des Films auf. Helena Bonham Carter ist wie gewohnt souverän, so auch als untote Braut mit unschöner Vergangenheit. In einer Nebenrolle ist Christopher Lee zu hören, dessen Stimme immer eine Wohltat für die Ohren ist. 
© Warner Bros.
In typischer Burton-Manier wird nicht lange bei dem eigentlichen Thema verweilt, stattdessen ist der Zuschauer eingeladen auf Entdeckungsreise zu gehen. Die einzelnen Sets platzen vor Details, die man unmöglich beim ersten Anschauen alle aufnehmen kann. Die blasse viktorianische Oberwelt wirkt kühl und abschreckend, während die Unterwelt eine wahre Farbexplosion bietet. Dementsprechend passt sich die Musik von Danny Elfman an, der die Unterwelt in furiose Jazzklänge tauchen lässt, bei denen man nur schwerlich die Füße ruhighalten kann. Dass hier und da die Logik mal eine kurze Pause macht fällt dann auch weniger auf, denn mit seinen 70 Minuten ist der Film beinahe so schnell vorbei wie er angefangen hat. Durchaus könnte man ab und an den Eindruck bekommen dass Burton mehr mit seinen Bildern anzufangen weiß und Figuren und Geschichte nur Transportmittel sind, um andere an diesen Bildern teilhaben zu lassen. Aber wer würde ihm das vorwerfen wollen, wenn die Bilder so atemberaubend und schön anzusehen sind?

Fazit: "Corpse Bride" versprüht seinen burtonesken Charme und seine Bildgewaltigkeit auf überaus liebenswerte Weise. Die schwarzweisse, triste Welt der Lebenden ist ein krasser Kontrast zur bunten, lauten und enorm fröhlichen Unterwelt. Kleinere und größere Schwächen innerhalb der Erzählung kommen vor und auch die Figuren hätten in ihrer Gesamtheit ein wenig detaillierter ausfallen dürfen. Diese verzeiht man allerdings als Fan von Burtons Arbeit sowieso, denn es gibt unendlich viel zu entdecken. Wer bisher mit dem Trio Infernale aus Burton, Depp und Bonham Carter nichts anfangen konnte, wird allerdings auch hier seine Probleme haben. Dennoch entführt der Film für knappe 70 Minuten in andere Welten und lädt nicht zuletzt auch wegen der facettenreichen Musik von Haus- und Hofkomponist Danny Elfman zum träumen und verweilen ein.

Infos zum Film

Originaltitel: Corpse Bride
Genre: Musical, Fantasy, Animation
FSK: 6
Laufzeit: 77 Minuten
Regie: Tim Burton, Mike Johnson
Darsteller: Johnny Depp,Helena Bonham Carter, Emily Watson, Christopher Lee, Albert Finney
Trailer

Blogparade: Die 10 legendärsten Serienepisoden

© Fox
Miss Boolena hat eine ganz wunderbare Blogparade zum Thema "legendäre Serienepisoden" ins Leben gerufen. Und weil sich an meiner Vorliebe für Listen noch immer nichts geändert hat, präsentiere ich euch jetzt meine 10 liebsten Serienepisoden, die mich entweder zutiefst erfreuten oder tränenüberströmt in der hinterletzten Ecke meines Bettes zurückließen. Nie war es hier im Blog so angebracht wie zuvor, aber: Spoiler. Ich hab euch jeweils direkt im Namen der Episode auch die Staffel mit angegeben, ihr könnt also auch nur die Texte lesen, zu denen ihr die Folgen schon kennt.

Nochmal, deutlicher: Spoiler

This article is dark and full of spoilers!

Also, legen wir los.

Lost - The Constant (Season 4, Episode 5)

Ohh, right in the feels. Lost war die erste Serie, die ich so richtig durchgesuchtet habe. Kurz vor der letzten Staffel bin ich eingestiegen, und weil ich mich zwischen zwei Jobs befand, habe ich eine ganze Woche genutzt um ALLES nachzuholen. "The Constant" wird für mich auf ewig einen ganz besonderen Platz im Seriengedächtnis haben. Einfach, weil es grandios gespielt und grandios geschrieben war. Weil es so viel Belohung für die Figuren war. Und weil ich zum ersten Mal so richtig mit Figuren mitgeweint habe.



Parks and Recreation - One last Ride (Season 7, Episode 12)

Parks and Recreation habe ich erst entdeckt, als die sechste Staffel bereits gelaufen war. In Windeseile habe ich also alle Folgen angeschaut, und dann auf die finale Staffel gewartet. Und was soll ich sagen? Selten habe ich eine letzte Staffel von irgendwas erlebt, die so aus allen Kanonen feuert. Die all ihren Figuren ein wunderschönes Ende beschert. Die sich so viel Mühe gibt, allen gerecht zu werden. Parks and Recreation war für eine Weile wie ein guter Freund. Mit Figuren, in denen man sich wiedererkennen kann. Mit einer tollen Botschaft. Und natürlich mit Leslie Knope, einer der besten Frauen im Fernsehen. Ich vermisse diese Freunde. Statt eines Clips aus der letzten Folge gibt es ein überall einsehbares Best-of Video von meiner heimlichen Seelenschwester April Ludgate. Bedankt euch bei Youtbe.





Breaking Bad - Ozymandias (Season 5, Episode 14)

Statt einer Szene aus der Episode möchte ich hier lieber den Trailer zeigen. Bryan Cranston liest das gleichnamige Gedicht von Percy B. Shelley. Und weil ich Gedichte mag, vor allem wenn sie aus der britischen Romantik stammen, gibt es an dieser Stelle das Gedicht für euch:
I met a traveller from an antique land 
Who said: — Two vast and trunkless legs of stone 
Stand in the desert... Near them, on the sand, 
Half sunk, a shattered visage lies, whose frown, 
And wrinkled lip, and sneer of cold command, 
Tell that its sculptor well those passions read 
Which yet survive, stamped on these lifeless things, 
The hand that mocked them, and the heart that fed: 
And on the pedestal these words appear: 
‚My name is Ozymandias, king of kings: 
Look on my works, ye Mighty, and despair!‘ 
Nothing beside remains. Round the decay 
Of that colossal wreck, boundless and bare 
The lone and level sands stretch far away.



True Detective - Who goes there? (Season 1 Episode 4)

In dieser Episode wird das Doppelleben von Hart aufgedeckt. Und True Detective hat in der ganzen ersten Staffel sowieso keinerlei Schwachpunkte. Nachdem ich also fast vier Folgen lang gaaaaanz langsam in die tiefen Abgründe dieser Serie hineingezogen wurde, endet die vierte Folge. Und nicht nur irgendwie, nein. Sie endet mit einem fast sechs Minuten langen One-Take Tracking-Shot. Was bedeutet das? Sechs gottverdammte Minuten ist die Kamera an Matthew McConaughey dran, es gibt keinen einzigen Schnitt. Das war der Moment in dem ich wusste: ich werde Zeugin von absoluter Ultrakunst. Am Ende saß ich auf der Bettkante und war sprachlos. 



Leftovers -The Prodigal Son Returns (Season 1, Episode 10) 

"Leftovers" spaltete die Serienzuschauer. Einige (so auch ich) sind begeistert und haben das Geschehen Woche um Woche mitverfolgt. Andere haben sich zu Tode gelangweilt. Die in meinen Augen treffendste Auseinandersetzung mit Depression und Verlust, die ich je in einer Serie erlebt habe, gipfelte in einem fulminanten Ende. in der Katharsis für die Figuren. Ich bin jetzt schon auf eine zweite Staffel gespannt.



Buffy - Once More with Feeling (season 6, Episode 7)

Joss Whedon, die erste. Dass der Meister aller Serien hier vertreten sein *muss*, ist ja klar. Buffy wird für mich immer einen besonderen Platz im Herzen haben, und "Once more with Feeling", die Musical-Episode, ist mit Abstand meine liebste Folge. Ich hab euch den Song von Spike, "rest in peace" herausgesucht. Die Beziehung zwischen Buffy und Spike war alles andere als einfach, das ist in diesem Song perfekt herausgearbeitet. Nebenbei ist James Marsters ein wirklich toller Sänger. Wer noch nie in dieser Hinsicht gesucht hat: Sucht bei Youtube nach "Ghost of the Robot".



Firefly - Out of Gas (Season 1, Episode 8)

Und Joss Whedon, die zweite. Firefly habe ich erst kürzlich entdeckt, aber die Liebe entwickelte sich wie ein Waldbrand. Fox bewies hier vermutlich am deutlichsten, wie kurzsichtig sie sind. Die erste Staffel wurde nicht einmal zu Ende ausgestrahlt. Und trotzdem werden auch nach 10 Jahren noch immer Neulinge zum Fan der wundervollen Crew um Captain Mal Reynolds. Episode 8 fällt aus dem restlichen Rahmen der Serie durchaus raus, denn hier gibt es vor allem eines: Hintergrundgeschichte. So ist die Crew der Serenity in der Gegenwart in einen Unfall verwickelt. Flashbacks erzählen dann, wie es zu diesem Unfall kam. In einem weiteren Rahmen erzählen andere Flashbacks, wie die Crew zusammenkam. Nicht dass die komplette Crew nicht vorher schon liebenswert gewesen wäre. Aber diese Folge zeigt das ganze Potential, welches "Firefly" gehabt hätte, wenn Fox nicht wieder dumm gewesen wäre. Curse you and your sudden but inevitable betrayal, Fox!



Doctor Who - Vincent and the Doctor (Season 5, Episode 10)

Nicht-Whovians Doctor Who nahe zu bringen ist eine Herausforderung. Normalerweise wird bei "ein 900 Jahre altes Alien in Menschengestalt, dass in einer Telefonzelle durch Raum und Zeit...." ihr wisst schon. Meine Episode um Neulinge zu überzeugen ist "Vincent and the Doctor". Nicht nur ist mit Amy Pond mein liebster Companion dabei, die Geschichte hat alles, was Doctor Who so großartig macht. Eine spannende Zeit, in der sie spielt. Ein faszinierendes Alien. So unendlich viel Herz. Und Vincent van Gogh. Und verdammt nochmal, Bill Nighy. Mit Abstand einer meiner liebsten Momente in der ganzen Serie ist das Ende der Folge. Denn zwischen all den Aliens, den verrückten Reisen und den Eigenartigkeiten des Doctors ist es das Herz, was die Serie besitzt. Dieses unendlich große Herz (manche sagen, es sind zwei), in dem Platz für jeden ist.



House of Cards - Chapter 14 (Season 2, Episode 1)

Mit House of Cards bin ich momentan noch beschäftigt und am Ende der dritten Staffel. Nachdem ich Staffel 1 schon grandios fand und mich fröhlich-motiviert auf die zweite Staffel stürzte, erlebte ich den bis dato größten "wtf-Moment" meines Serienlebens zu Beginn von Staffel 2. Franks unschöne Auseinandersetzung mit Zoe verfrachtete mich in eine Schockstarre. Als ich dann dort saß, ein kleiner Haufen Elend, wollte ich nichts weiter, als dass Frank mit mir spricht. So schrecklich dieser Mensch auch ist, ich wollte tröstende Worte. Doch es kam nichts, Frank schwieg mich an. Enttäuscht und allein gelassen saß ich also dort, um in letzter Minute doch erlöst zu werden. Und ich war Frank so dankbar. Dankbar, dass er mich nicht vergessen hat. Doch ich schämte mich auch. Für die Aufmerksamkeit, die ich von diesem Menschen haben wollte. Für mein beleidigt-sein, weil er mich eine ganze Stunde ignoriert hat. Ich hoffe, er wird mich nie wieder ignorieren. 



Game of Thrones - Mountain vs. Viper (Season 4, Episode 8)

Als Buchleser wusste ich ja, was kommt. Ich hatte allerdings zu Beginn der Staffel nicht damit gerechnet, dass mir Oberyn so sympathisch werden würde. So hatte ich dann also bis zum Ende des Kampfes noch einen Restfunken Hoffnung, dass irgendjemand sich erbarmen würde und hier die Serie vom Buch abweichen lassen würde. Aber keine Chance. Als ich die Folge angesehen habe, konnte ich am Ende nicht mehr hinsehen. Zwei Wochen später überraschte mich jemand mit einem Bild von Oberyn nach dem Kampf, und ich brach auf der Stelle in Tränen aus.


Filmkritik: Into the Woods

© Disney
Alle Jahre wieder, so scheint es, werden mehr oder weniger berühmte Musicals aus der Kiste gezogen und filmisch umgesetzt. Und während ich eine Person bin, die jederzeit bereit ist ein gutes Musical auch mehrmals anzuschauen, gibt es auch eine Menge Leute, die dem ganzen Genre herzlich wenig abgewinnen können. Da eine Zielgruppe herauszudefinieren, dürfte schwer werden. "Into the Woods" von Stephen Sondheim (auf dessen Konto auch Sweeney Todd und die West Side Story gehen) läuft seit beinahe 30 Jahren auf diversen Bühnen. Und während diese Mischung aus verschiedenen Märchen und der Frage, was passiert wenn man sich etwas zu sehr wünscht, auf der Bühne scheinbar recht erfolgreich unterwegs ist, fehlt es dem Film an...ja, ich weiß auch nicht so genau. Irgendwas fehlt da auf jeden Fall. Oder ist einfach sehr, sehr seltsam. Mal sehen, ob in dieser Kritk herausgefunden werden kann, was da genau vor sich geht in den düsteren, alles andere als kindgerechten Wäldern. 



Der Bäcker und seine Frau haben eigentlich ein schönes Leben zusammen in einem kleinen Dorf. Doch was zum großen Glück noch fehlen würde, ist ein Kind. Doch dieses lässt auf sich warten. Eines Tages taucht die Dorfhexe im Geschäft der Beiden auf und klärt das Fernbleiben des Nachwuchses auf: Ein Fluch lastet auf dem Bäcker, und dieser kann nur gelöst werden, wenn ein paar Gegenstände besorgt werden: Goldene Schuhe, ein Cape so rot wie Blut, eine Kuh so weiß wie Milch und eine Strähne goldenes Haar. All diese Gegenstände, so sagt die Hexe, sind im Wald zu finden. Doch die jeweiligen Besitzer haben ihre eigenen Träume und Wünsche, die sie in den Wald führen. Alle müssen sich die eine Frage stellen: Will ich wirklich, dass mein Wunsch in Erfüllung geht?

© Disney
Der größte Pluspunkt an "Into the Woods" ist sicherlich sein gekonntes Casting. Meryl Streep als Hexe ist sowieso über alles und jeden erhaben. Ihr Auftreten ist stets furios, wie ein Sturm betritt und verlässt sie ihre Szenen. Auch gesanglich leistet sie Großartiges und gefällt mir hier deutlich besser als beispielsweise in "Mamma Mia". Auch Anna Kendrick als Cinderella beweist einmal mehr, dass sie Gesangstalent hat. Überrascht war ich von Emily Blunt und Chris Pine, bei beiden wusste ich bisher nicht, dass sie singen können. Wer den kleinen Jungen aus "Les Misérables" mochte, darf sich hier über ein Wiedersehen freuen. Fans von Johnny Depp werden ebenfalls zufriedengestellt. Überhaupt, gesangstechnisch liefert sich hier niemand einen Fehltritt. Allerhöchstens gibt es mittelmäßige Sangestalente wie beispielsweise Rapunzel. Das dürfte sicherlich auch daran liegen, dass die meisten Darsteller auf eine gewisse Erfahrung am Broadway zurückgreifen können. Stephen Sondheims Songs sind alles andere als einfach zu performen, und die meisten Schauspieler schlagen sich hier wacker. Johnny Depp hat seit Sweeney Todd zwar nichts dazugelernt, bringt seinen Wolf aber im gegebenen Rahmen überzeugend. Auch die Kostüme wissen zu gefallen, wenn auch der Wolf ein wenig gewöhnungsbedürftig daherkommt. Aber da die ganze Rolle so ausgelegt scheint, passt das schon irgendwie.

Worunter der Film allerdings enorm leidet, ist das zeitweise schlicht und ergreifend nicht vorhandene Talent des Regisseurs. Rob Marshall hat 2002 mit "Chicago" bewiesen, dass er auch anders kann. Hier ist sein damaliges Talent allerdings die meiste Zeit abwesend. Ab und an blitzt eine gewisse Kreativität durch, beispielsweise bei der Inszenierung von "Agony". Obwohl auch hier die größte Leistung von Chris Pine und Billy Magnusson ausgeht, die sich komplett in romantischen Klischees verausgaben. Der Humor resultiert hier aber größtenteils daraus, dass es sich um zwei absolute Frauenhelden handelt, die sich als Schauspieler auch dadurch einen gewissen Bekanntheitsgrad erarbeitet haben. Hello, Captain Kirk, sag ich da nur. Johnny Depp gibt sich auch alle Mühe, doch die Inszenierung von "Hello Little Girl" wirkt leider komplett belanglos und uninteressant. Was daraus hätte werden können, wenn ein wirklich fähiger Regisseur etwas zu sagen gehaht hätte, werden wir wohl nicht erfahren. Dieser Wolf hätte bedrohlicher, lustvoller sein müssen, doch er wirkt, als würden ihm die Zähne fehlen. Ein anderes Beispiel wäre "At the steps of the Palace" oder jede beliebige Nummer mit Meryl Streep. Diese funktionieren, weil sowohl Anna Kendrick als auch Meryl Streep genug Präsenz und Stimmtalent besitzen, um diese Nummern im Alleingang zu tragen. "Into the Woods" wirkt aber leider die meiste Zeit, als hätte man das Musical von der Bühne abgefilmt. Und während dieses klaustrophobische Feeling sicherlich im verzerrten, alptraumhaften Wald seine Berechtigung hat, wäre es wünschenswert gewesen, das Setting zu öffnen wenn man sich außerhalb des Waldes befindet. So bleibt der fade Beigeschmack, dass kein Geld für anständige Sets vorhanden war. Rühmliche Ausnahme: das Set in dem "Agony" performt wird.  Unweigerlich kommen einem sämtliche Cover aller jemals erschienenen belanglosen Romantikschmöker in den Sinn, die niemand liest, die aber seit Ewigkeiten produziert werden.
© Disney
Ungeklärt wird wohl auch für immer bleiben, ob niemand der an dieser Produktion beteiligt war, jemals einen Film gesehen hat, in dem ein Riese animiert war. Spontan würde ich sagen: das muss so gewesen sein, anders kann ich mir den Special Effect Fail des Jahres nicht erklären. Vielleicht habe ich aber auch einfach einen komplett anderen Geschmack in Sachen Optik, wer weiß. Ungewohnt ist auch die Zweiteilung des Films. Während sich die erste Hilfe alle damit befassen, ihre Wünsche erfüllt zu bekommen und sich ein Happy End anbahnt, bricht die zweite Hälfte mit diesem Streben komplett. Das Glück ist eine flüchtige Sache, und sobald man es hat, ist es auch schon wieder weg. So müssen sich dann auch alle damit auseinandersetzen, wie sie mit dem Verlust des Glücks umgehen müssen. Dieser Übergang ist eindeutig zu abrupt geraten. Ich bin gewiss keine große Freundin von Zeitsprüngen, aber hier hätte man gut und gerne eine "fünf Monate später" Tafel einblenden können. Im Vergleich zum Musical ist der Film dann auch deutlich zahmer ausgefallen. Weniger brutal und vor allem in sexuellen Untertönen beinahe zum schweigen gebracht, wirkt der Wolf in seiner offensichtlichen Lust auf Rotkäppchen unweigerlich verstörender. Während eine Diskussion über die Parallelen zwischen Rotkäppchens Reise in den Bauch des Wolfes und dem ersten Sex durchaus eine Daseinsberechtigung hat, wird dies im Film von einer offensichtlich minderjährigen Darstellerin dargebracht. Mögliche Entjungferung hin oder her, im Kontext des Films wirkt das allerhöchstens wie der gruselige Klischeepädophile aus dem dunklen Wald. Bis auf die Geschichte mit dem Wolf sind aber sämtliche sexuellen Untertöne beinahe ausgelöscht. Sogar die Prinzen sind hier treu. Kindgerechter wird der Film dadurch aber nicht.

© Disney
Nun muss man sich auch unweigerlich die Frage stellen, ob man im Jahr 2015 noch auf die längst überholte, weil tausendmal durchexerzierte Dekonstruktion von Märchen noch angewiesen ist. Einst auch der Hit in meinem eigenen Studienfach, kümmert sich selbst dort kaum noch jemand um das Thema. Die Frage nach der Verantwortung hinter dem Konzept des Wünschens ist sicherlich berechtigt, aber auch schon oft genug durchgekaut worden. So fühlt sich der Film größtenteils an, als wäre er einfach mindestens 10 Jahre zu spät veröffentlicht worden. So sind am Ende zwar alle irgendwie schlauer, haben alle verstanden dass man vorsichtig sein soll, denn man könnte bekommen was man sich gewünscht hat. Dass es bis dahin aber knappe zwei Stunden gebraucht hat, in denen es zwischenzeitlich einfach nur sterbenslangweilig ist, ist keine Glanzleistung. So kann "Into the Woods" mit ein paar positiven Aspekten, allen voran die Darsteller, aufwarten, gebraucht hätte es diese Musicalverfilmung aber nicht unbedingt. 

Infos zum Film
Originaltitel: Into the Woods
Genre: Musical, Drama, Komödie
Laufzeit: 124 Minuten
FSK:
Regisseur: Rob Marshall
Darsteller: Emily Blunt, James Corden, Meryl Streep, Anna Kendrick, Chris Pine, Johnny Depp


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