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gesehen: Dunkirk

© Warner Bros. Ent.

Story


Zu Beginn von „Dunkirk“ sind Hunderttausende britischer und alliierter Truppen vom Feind eingeschlossen. Am Strand von Dünkirchen haben sie sich bis ans Meer zurückgezogen – und befinden sich in einer ausweglosen Situation.

Filmkritik: Rogue One: A Star Wars Story


© The Walt Disney Company

Story


Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe ungleicher Rebellen rund um die junge Rebellin Jyn Erso (Felicity Jones), die sich zusammenschließen, um die geheimen Pläne des gefürchteten Todessterns zu stehlen, der gefährlichsten Waffe des Imperiums.

Kritik


Wie übernimmt man als Film die gemeinhin undankbare Aufgabe des Lückenfüllers? Exakt das ist nämlich die Grundprämisse, die "Rogue One" wie ein Damoklesschwert begleitet. Zwischen den Episoden III und IV angesiedelt, ist den Kennern der Geschichte der Ausgang bereits bekannt. Es gilt also, bekanntes so zu erzählen, dass es spannend ist. Und dann gibt es sicher noch Neueinsteiger, die bisher mit Star Wars nichts zu tun hatten. Die dürften allerdings mit einigen Fragen aus dem Kino entlassen werden. Aber fangen wir von vorne an. Also, ganz von vorne.

Filmkritik: 9. April - Angriff auf Dänemark

© Pandastorm
Story: April 1940: Die deutsche Wehrmacht zieht Truppen an der deutsch-dänischen Grenze zusammen. in Dänemark häufen sich die Gerüchte über eine bevorstehende deutsche Mobilmachung, doch die dänische Armee hat den Befehl, passiv zu bleiben, um den großen Nachbarn nicht zu provozieren.
Leutnant Sand ist mit seinem Zug unerfahrener Soldaten 10 Kilometer vor der Grenze stationiert. Seinen Männern musste er erzählen, sie seien auf einer Routineübung. Am Abend des 8. April schickt er sie in voller Kampfmontour ins Bett. Noch in dieser Nacht beginnt die Wehrmacht um 4:15 mit der Invasion. Sand erhält den Auftrag, die deutschen Truppen aufzuhalten bis Verstärkung eintritt. Eine unmögliche Mission...

Kritik: Theoretisch könnte man ja meinen, dass zum Thema Zweiter Weltkrieg so langsam alle Geschichten erzählt wären. Dem ist natürlich nicht so. "9. April", der bei uns gar nicht erst im Kino lief und direkt für das Heimkino veröffentlich wurde, fügt der Erzählung eine bisher ungehörte Perspektive hinzu: die Dänische. Die geht nämlich in der Diskussion um den Zweiten Weltkrieg gerne mal unter, weil die meisten Leute vermutlich einfach annehmen, dass die Dänen sich nicht gegen die ach so friedliche, deutsche Invasion gewehrt haben. Haben sie natürlich, und diese Story bringt und "9. April" näher. Das allein verdient schon Aufmerksamkeit. Erfreulicherweise entpuppt der Film sich dann aber auch noch als richtiges Juwel.
© Pandastorm
Betont unepisch kommt er daher, und entfaltet genau deswegen einen bizarren Schrecken beim Ansehen. Eine kalte Atmosphäre macht sich breit und kriecht wie ein bedrohlicher Nebel an einen heran. Das sture Beharren auf Befehlen ist für den Zuschauer natürlich von vornherein der Grundstein für das spätere Debakel, doch was soll man als junger, unerfahrener Soldat machen? Man hört auf denjenigen, der es am besten wissen sollte, also den Vorgesetzten. Die anfängliche Distanz zu den Figuren wird dann auch rasend schnell aufgebrochen.
© Pandastorm
Spätestens, wenn die dänischen Jungs mit ihren Fahrrädern dann der deutschen Übermacht tapfer entgegenradeln, ausgestattet mit je 40 Schuss in ihren Maschinengewehren. In verhältnismäßig engen Gassen bricht ein Gefecht aus, dem die dänische Führungsriege natürlich nicht beiwohnt. Völlig kitschbefreit werden die Ereignisse nacherzählt, umso eindrucksvoller prägt sich die Geschichte ein. Dies ist natürlich einerseits darin bedingt, dass "9. April" dem Kriegsfilmgenre tatsächlich eine neue, bisher ungesehene Perspektive hinzufügen kann. Und dann wäre da noch die handwerkliche Komponente. Mit Pilou Asbæk (Game of Thrones) und Lars Mikkelsen (Sherlock) hat man zwei überaus talentierte Zugpferde in den Hauptrollen, die eindrucksvoll demonstrieren, wie gut es um das dänische Kino bestellt ist. Auch die jungen Soldaten überzeugen durch die Bank weg. Da ihnen am Anfang recht viel Zeit gegeben wird, um die Figuren genau vorzustellen, entsteht auch schnell eine Bindung zu ihnen. Abgerundet wird dies durch einen eindrücklichen Soundtrack und sorgfältige und vor allem ruhige Kameraarbeit.

Fazit: "9. April" gelingen gleich mehrere Geniestreiche. Zuerst einmal erzählt er eine Geschichte, die bisher nicht filmisch verarbeitet wurde. Dies auf geerdete Art und Weise, gänzlich kitschbefreit und gerade deswegen umso packender. Grandios aufspielende Darsteller treffen auf eine solide Inszenierung, der man das Langspielfilmdebüt des Regisseurs keinesfalls ansieht. Eine absolute Empfehlung, nicht nur für historisch Interessierte.

Die Blu-ray: Die Blu-ray im Vertrieb von Pandastorm (im Handel ab dem 19. August 2016) kommt im Keepcase mit einem Wendecover ohne FSk-Aufkleber ins Haus. Das Sammlerherz freut sich über den Anblick also schon mal. Auf der Disc befinden sich sowohl die deutsch synchronisierte, als auch die dänische Originaltonspur, beide liegen in DTS-HD MA 5.1 vor. Bei beiden Tonspuren ist das Verhältnis von Dialog zu Geräuschen sehr gut ausgewogen, es gibt keine Verständnisprobleme. Richtig eindrucksvoll auf die Ohren gibt es in den Gefechtsszene. Da ziehen die Geschosse eine schön verfolgbare Tonspur durchs Zimmer und prallen gut hörbar von Panzern ab. Einschüsse in den Boden lassen es ebenfalls ordentlich wummern. Hier kann man sich wirklich nicht beklagen. Das Bild ist grobkörnig, dies passt aber wunderbar zur rauen Atmosphäre des Films und darf sicherlich als Stilmittel verstanden werden und nicht als technischer Mangel. Die Farben sind kühl, braun, grün und grau dominieren die Palette und tragen zur beklemmenden Stimmung bei.
Richtig Mühe gegeben hat man sich auch bei den Extras. Wer Pandastorm schon kennt, beispielsweise von ihren beispiellosen "Doctor Who" Veröffentlichung, der weiß, dass ihn hier sicherlich das eine oder andere Schmankerl erwartet. Ein "behind the scenes" Featurette bietet knapp acht Minuten lang Einblicke hinter die Kulissen. Auch die beinahe schon obligatorischen Trailer sind zu finden. Nachhaltig beeindruckend sind die knapp 20 Minuten mit Interviews mit Veteranen des Krieges. Verschiedene Positionen und Einstellungen kommen zu Wort und liefern einen tiefgehenden Eindruck. Und wer es gern musikalisch hat, der findet den kompletten, 35 Minuten langen Soundtrack als Audiospur auf der Scheibe.

Infos zum Film

Originaltitel: 9. April
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Kriegsfilm, Drama, Action
FSK: 16
Laufzeit: 93 Minuten
Regie: Roni Ezra
Drehbuch: Tobias Lindholm
Darsteller: Pilou Asbæk, Lars Mikkelsen, Gustav Dyekjær Giese, Martin Greis, Joachim Fjelstrup, Jannik Lorenzen u.a.

Trailer



Filmkritik: Whiskey Tango Foxtrot

© Paramount
Story: TV-Reporterin Kim Baker (Tina Fey) sucht nach einer neuen Herausforderung in ihrem Leben: Thunfischsalat im Großraumbüro und Beziehungsweichei an ihrer Seite können doch nicht alles gewesen sein. Als der Kabelsender, für den sie arbeitet, unter den unverheirateten, kinderlosen Mitarbeitern kamerataugliches Kanonenfutter für die Berichterstattung von der afghanischen Reporter-Front sucht, meldet sie sich kurzerhand freiwillig. Völlig überfordert von sich und Kabul, erlebt die Journalistin, dass es irgendwann keinen Unterschied mehr macht, ob man den Presseausweis um den Hals oder auf der Kevlar-Weste trägt. Fest entschlossen, die beste Story zu finden, lässt sich Kim auf die neuen Regeln ein.

Kritik: Manchmal sitzt man vor einem Film und weiß einfach nicht, was man davon halten soll. "Whiskey Tango Foxtrot" ist so ein Fall. Denn sein Potenzial ist beinahe unerschöpflich. Tina Fey beweist mit jedem Auftritt, was für ein grandioses Gespür für Comedy sie hat. Martin Freeman habe ich bisher auch in keiner schlechten Rolle gesehen, Margot Robbie aktuell nicht in einem Film zu haben scheint auch wie ein Verbrechen. Kriegsfilme erfreuen sich aktuell auch großer Beliebtheit, und ein Film über Journalisten hat zuletzt den Oscar gewonnen. Dieser hier beruht dann auch noch auf einem Buch ("The Taliban Shuffle"), man könnte also meinen, hier kann nur ein wenigstens guter Film herauskommen.
Erst mal schön alle in Gefahr bringen. © Paramount
Dem ist leider nicht so. Stattdessen entwickelt sich "Whiskey Tango Foxtrot" bereits in den ersten Minuten zu einem abstrusen Selbstfindungstrip einer Frau in ihren Vierzigern. Kinderlos und Unverheiratet, der Freund ist ebenfalls häufig unterwegs und sowieso nicht wirklich vertrauenswürdig. Wie geschaffen also für einen dreimonatigen Aufenthalt in Afghanistan. Jetzt ist Afghanistan an sich bereits ein schwieriges Pflaster in Sachen Filme, denn mittlerweile sind andere Schauplätze im Bewusstsein der Allgemeinheit relevanter. Immerhin ist New Mexico ein schöner Kulissenersatz, das war es dann aber auch schon. Denn statt sich mit den sicherlich spannenden Problemen einer Reporterin im Nahen Osten zu befassen, geht der Film den einfachen Weg. Und der führt über dämliche Klischees, jede Menge Anzüglichkeiten, aber keinesfalls über irgendeine Form von Charakterentwicklung. Positiv könnte man höchstens anrechnen, dass wirklich jeder hier auf nervig-dümmliche Art sein Fett wegkriegt. Sobald Figuren hier sprechen dürfen, geben sie flachen Unsinn von sich. Wenn Kim in Kabul ankommt und von einer verschleierten Frau angebrüllt wird, sie solle sich doch bitte verhüllen, sie Hure, dann soll das vermutlich witzig sein, irritiert allerdings in höchstem Maße. Alfred Molinas Charakter fällt ohne weitere Umschweife in das "alle muslimischen Männer sind wilde Tiere, die nur vögeln wollen und sich dabei dumm benehmen" Klischee. Davon, dass die beiden afghanischen männlichen Sprechrollen mit weißen Darstellern besetzt wurden, will ich eigentlich gar nicht erst anfangen. Scheinbar reicht es, sich einen langen Bart wachsen zu lassen, ein bisschen afghanische Kleidung (was auch immer das sein soll) anzuziehen und drei bis vier dicke Schichten Bronzer aufzutragen, um zu überzeugen.
Eine 15, weil sie weiß ist. © Paramount
Das wirklich ätzende ist allerdings, dass ich mich tatsächlich mies fühle, diesen Film auseinanderzunehmen. Das beruhen auf wahren Tatsachen, auf der Autobiografie einer tatsächlichen Journalistin, macht es schwierig, mit dem Thema umzugehen. Das Buch habe ich bisher nicht gelesen, doch diverse Besprechungen im Internet deuten auf eine Lektüre, die voller Selbstbewusstsein für das eigene Privileg steckt. Auf eine kluge Frau, die mit messerscharfem Verstand ihre Umgebung und ihr Wirken darin versteht. Nun vertragen sich Buch und Film nicht immer, vieles geht verloren. Aber wäre es wirklich so schwer gewesen, nicht permanent die Fickbarkeit (sorry, not sorry) der beiden weißen Frauen in diesem Film zu thematisieren? Ist es zu viel verlangt, nicht permanent hören zu müssen, dass Tina Fey "fast eine 10 ist", weil um sie herum nur vollverschleierte und somit scheinbar automatisch hässliche Frauen sind? Muss betont werden, dass nur weiße Frauen wirklich schön sein können, dass es eine Art geografische Grenze für etwas subjektives wie Schönheit gibt? Ist es wirklich notwendig permanent zu wiederholen, dass die beiden Journalistinnen die Finger von ALLEN Männern im ganzen Land lassen sollen? Braucht es automatisch Rom-Com Elemente, nur weil die Hauptfigur eine Frau ist? Ist das die Message, die wir an junge Frauen senden wollen? Hey, du kannst sicherlich eine Reporterin in einem Krisengebiet sein, es wird dich fickbarer machen als du es zuhause je warst! Dass die einzige andere Frau im Film dann auch gleich zur beruflichen Konkurrenz wird ist da nur logisch, denn jeder weiß ja, dass Frauen nicht gemeinsam arbeiten können, weil sie einfach gemeine Biester sind, die sich nur gegenseitig ausstechen wollen. Für die anwesenden Männer sind die beiden ja sowieso keine Konkurrenz, sondern nur niedliche kleine Mädchen, die sich auch mal an einem Job für richtig harte Jungs versuchen wollen.
Doctor Watson ist wieder in Afghanistan. © Paramount
Richtig bitter wird diese Mischung, weil an anderen Ecken, wenigstens in ein, zwei Augenblicken, durchaus sowas wie Spaß hervorblitzt. Allerdings kommen die Witze, die wirklich zünden, hauptsächlich von Missverständnissen, egal ob in sprachlicher oder kultureller Hinsicht. Abgesehen von den zahlreichen Problemfeldern, die der Film erfolglos beackert, liefern die Darsteller durch die Bank weg gute Leistungen. Billy Bob Thornton ist herrlich emotionslos, Martin Freeman darf mal so richtig frech sein. Natürlich verliebt Frau sich dann ausgerechnet in das Arschloch, aber hey, wir Mädchen können halt einfach nicht anders. Doch die Mischung aus Kriegsfilm, Drama und Romanze sowie Komödie erweist sich als unmöglich. Die wenigen Actionsequenzen sind unterirdisch schlecht gemacht. Die Drama-Elemente werden wahllos eingestreut, während das Timing in Sachen Comedy an eine Katastrophe grenzt. Der Film sorgt nicht einmal dafür, dass man am Ende mehr über den Afghanistankonflikt wissen will. Und das ist vielleicht das schlimmste daran: bei all den negativen Aspekten, die hier zutage kommen, ist er einfach nur vergessenswert.

Fazit: Nichts anderes als "Eat Pray Love" vor Kriegskulisse, setzt sich "Whiskey Tango Foxtrot" einfach selbst in den Sand. Eine Bindung zu den Figuren will so gar nicht gelingen, mit einer Ausnahme, nämlich dem Fahrer von Kim. Dämliche Klischees werden munter in jede erdenkliche Richtung reproduziert, es gibt keinerlei Grundlagen für die Handlungen der Figuren. Eine Frau in der Hauptrolle bedeutet scheinbar immer noch, dass der Film automatisch zu einer Romanze werden muss. Dass es scheinbar auch keine Nicht-Weißen Darsteller für afghanische Sprechrollen gab verkommt da schon fast zum Nebenschauplatz, denn hier stimmt auch sonst schon einfach nichts. Möglicher Alternativtitel: Foxtrot.Uniform.Bravo.Alfa.Romeo. 

Infos zum Film

Originaltitel: Whiskey.Tango.Foxtrot
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie, Biopic, Drama, Kriegsfilm, Romanze
FSK: 12
Laufzeit: 112 Minuten
Regie: Glen Ficarra, John Requa
Drehbuch: Robert Carlock.
Darsteller: Tina Fey, Margot Robbie, Martin Freeman, Billy Bob Thornton, Christopher Abbott, Alfred Molina u.a.

Trailer


Filmkritik: Hyena Road

© Ascot Elite
Story: Hyena Road erzählt das Schicksal dreier Männer in Afghanistan. Ein Nachrichtenoffizier der kanadischen Armee wird in eine Verschwörung verstrickt, die ihn mit dem Tod und dem Töten konfrontiert. Ein emotionsloser kanadischer Scharfschütze stellt zum ersten Mal eine emotionale Verbindung zu einem seiner Opfer her. Und ein Mudschaheddin, der dem Kampf abgeschworen hat, wird unfreiwillig in den Mittelpunkt des Krieges gegen die Taliban gezogen. Nicht nur überkreuzen sich die Geschichten der Männer, zusätzlich will ein kanadischer General eine Straße durch Afghanistan errichten, um die Taliban endgültig zu zerschlagen. Doch das Vorhaben steht unter keinem guten Stern.

Kritik: Afghanistan ist nach wie vor ein aktuelles Thema, auch wenn zeitweise andere Konfliktpunkte in den Mittelpunkt gerückt sind. Aber rein von der Absicht, das ist deutlich erkennbar, hebt sich "Hyena Road" von den meisten anderen (Anti-)Kriegsfilmen ab. Während zu häufig für nur eine Seite Partei ergriffen wird, um dann das abgenudelte Klischee der heroischen Soldaten, die gegen die barbarischen Gegner ranmüssen, präsentiert "Hyena Road" wenigstens in Ansätzen einen anderen Weg. Eventuell liegt das an der kanadischen Herkunft, jedenfalls sucht man weitestgehend vergeblich nach der sonst üblichen Überdosis Patriotismus. Die ich zwar lang nicht so störend finde, wie viele andere, aber es ist trotzdem auch mal angenehm, wenn es runterreguliert wird. 
© Ascot Elite
Handwerklich ist "Hyena Road" dabei solide. Es wird zwar deutlich, dass nicht unbegrenztes Budget zur Verfügung stand, doch die Sets sind schön gestaltet und auch die Action vermag zu überzeugen, genau wie die Darsteller. Allerdings liegt der Fokus klar auf den einzelnen Figuren. Und hier offenbart sich dann die große Schwäche. Denn am Anfang ist die Figurenkonstellation noch spannend. Routinierte Soldaten treffen auf hoffnungsvolle Neulinge, und auch die Afghanen werden nicht dämonisiert, sondern haben ihre eigenen, nachvollziehbaren Beweggründe. Über keine der beiden Seiten wird geurteilt. Doch diese Distanz entpuppt sich als Fallstrick. So richtig will der Funke nicht überspringen, und die Figuren lassen einen dann auch eher kalt. Zu allem Überfluss musste unbedingt noch eine an den Haaren herbeigezogene Liebesgeschichte mit reingezimmert werden. Die hätte es wirklich nicht gebraucht. 

Diese Leere zwischen den Figuren wird dann ihrerseits von Kameramann Karim Hussein wunderbar eingefangen. Die Landschaft ist karg, und oftmals herrscht im Lager der Soldaten tödliche Langeweile. Auch wird mehr als deutlich, dass der komplette Plan, Afghanistan zu befreien, nicht zu Ende gedacht wurde. Für den Moment, in dem der Konflikt kocht, steht alles auf dem Film. Doch sobald das Gefecht vorbei ist, stellt sich die Frage nach dem "warum". Eine Antwort darauf hat bis heute wohl niemand so richtig gefunden, und diese Essenz fängt "Hyena Road" dann auch ein. So unterhalten sich die Figuren miteinander, gefangen in ihrer militärischen Sprache, aber unfähig, wirklich zu erklären oder auch nur zu verstehen, in was sie da hineingeraten sind. Die Geschichte an sich ist dann vorhersehbar, doch die größere Perspektive, die ist stimmig und wird sonst viel zu selten thematisiert.
© Ascot Elite
Fazit: Die Absicht von "Hyena Road", den Afghanistan-Konflikt aus einer anderen Perspektive zu beleuchten, ist löblich, und in ihren Ansätzen auch gut gelungen. Die Action kann sich ebenfalls sehen lassen und die Kameraarbeit ergänzt die Geschichte auf visueller Ebene äußerst gelungen. Leider funkt es zwischen den Figuren nicht so richtig, die Geschichte ist am Ende doch arg vorhersehbar, und so verfliegt das Interesse zum Ende hin. Für solide Heimkino-Unterhaltung reicht dies aber allemal, und wer sich für das Thema interessiert, wird "Hyena Road" sicher einiges abgewinnen können.

Die Blu-ray: Die Blu-ray aus dem Hause Ascot Elite (VÖ: 22.April) kommt im Pappschuber ins Haus. Auf dem ist ein FSK-Aufkleber fest aufgedruckt, das Amaray-Case besitzt aber ein Wendecover. Sowohl die deutsche als auch die englische Tonspur liegen in sauber abgemischtem DTS-HD MA 5.1 Sound vor. Besonders in den Actionsequenzen überzeugt der satte Sound. Ansonsten ist der Balanceakt zwischen Dialogen und Sound gut gelungen. Untertitel liegen ebenfalls vor, allerdings nur in deutsch. Auch ein paar Extras haben es auf die Scheibe geschafft. Neben dem Trailer-Pflichtprogramm (Originaltrailer zum Film, deutsch synchronisierter Trailer, Teaser, Trailer von anderen, aktuellen Veröffentlichungen von Ascot Elite) gibt es noch drei kurze Featurettes, die Einblick in die Entstehungsgeschichte und Produktion von "Hyena Road" bieten.

Infos zum Film

Originaltitel: Hyena Road
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Action, Kriegsfilm
FSK: 16
Laufzeit: 120 Minuten
Regie: Paul Gross
Drehbuch: Üaul Gross
Darsteller: Rossif Sutherland, Paul Gross, Clark Johnson u.a.

Trailer


Filmkritik: Apocalypse Now Redux

© Kinowelt
Story: Mitten im Wahnsinn des Vietnamkrieges erhält Captain Willard (Sheen) den Auftrag für eine waghalsige Mission: Er soll sich mit einer Hand voll Soldaten zum Lager des sadistischen Colonel Kurtz (Brando) im kambodschanischen Dschungel durchschlagen. Der brutale Kurtz lässt sich nicht mehr von der Militärführung kontrollieren und richtet von seinem Hauptquatier aus ein unglaubliches Blutbad nach dem anderen an. Willard hat den ausdrücklichen Befehl, den Sadisten zu liquidieren. Auf ihrem Weg begegnet die Truppe dem sonderbaren Colonel Kilgore, der seine Hubschrauberpiloten ihre Attacken zu den Klängen der "Walküre" fliegen lässt. Je tiefer das amerikanische Boot in den Dschungel eindringt, desto blanker liegen die Nerven der Besatzung. Ihre Mission führt die fünf Soldaten geradewegs in die Abgründe der menschlichen Seele...

Kritik: "Apocalypse Now" ist ein Film den wohl jeder irgendwie kennt, selbst wenn er oder sie ihn noch nie gesehen hat. Meine erste Begegnung mit dem Film hatte ich vor 14 Jahren, als ich selbst eben 14 war und Filme für mich noch primär zum reinen Unterhaltungszweck da waren. Dementsprechend irritiert war ich von diesem 202 Minuten langen Trip durch die Hölle. Ich fand absolut keinen Zugang. Doch Wiedersehen macht bekanntlich Freude, also bekam "Apocalypse Now" in der Redux-Fassung von 2001 eine zweite Chance. 
© Kinowelt
"Apocalypse Now" basiert auf dem Roman "Heart of Darkness" von Joseph Conrad. Die Geschichte spielt im Kongo, Francis Ford Coppola transferierte sie für seinen Film in den ewigen Schrecken des Vietnam-Krieges. Lässt sich das nun in ein spezielles Genre pressen? Schwerlich. Wenn je ein Antikriegsfilm gemacht wurde, dann wohl am ehesten dieser hier. Und doch sind die strengen Grenzen eines einzigen Genres nichts, in dem sich "Apocalypse Now" aufhalten kann und will. Abgrundtiefes Drama verbirgt sich hier, schiere Hoffnungslosigkeit und der pure, ungefilterte Wahnsinn der vollendeten Desillusion. Es bleibt nicht beim Anschauen, "Apocalypse Now" fühlt man. Wie eine eiskalte Hand, die sich langsam zum eigenen Herzen vortastet. Eine aufziehende Dunkelheit, die einen ergreift. Die 200 Minuten durchzuhalten ist anstrengend, für mich persönlich vielleicht der anstrengendste Film mit dem ich je zu tun hatte. Aber man wird belohnt. Mit schauspielerischen Leistungen, die an die Grenze des Machbaren gehen. Mit einer Verflechtung von Bild und Ton, die ihresgleichen sucht. Egal ob man dem passiven Martin Sheen zusieht, ehrfürchtig den Worten von Marlon Brando lauscht oder den Männern auf dem Boot zusieht: es sind Darstellungen die sich in die Erinnerung einbrennen. Auch die Bilder brennen sich ein. Die ersten sieben Minuten des Films sind ein flammendes Inferno im Dschungel, unterlegt mit "The End" von The Doors. Der Anfang setzt den Maßstab für den restlichen Film, es bleibt kein Zweifel dass hier ein Trip in die völlige Finsternis des menschlichen Abgrundes auf den Zuschauer wartet.  

Kilgore ist nicht beeindruckt © Kinowelt
Wer sich ein wenig mit der Produktion des Filmes beschäftigt wird schnell merken, dass der Wahnsinn, der dem Film innewohnt, sich eben dort widerspiegelt. Martin Sheen erlitt einen Herzinfarkt, Marlon Brando brachte die Kollegen mit seinen Starallüren um den Verstand. Aus den veranschlagten 16 Wochen wurden über 200 Tage Drehzeit, Coppola griff in die eigene Tasche um das Werk zu finanzieren. Ein Taifun suchte das Set heim, das Militärequipment wurde zwischenzeitlich vom philippinischen Militär gebraucht um Marxisten zu jagen. Drogen und Alkohol waren am Set vorhanden, um einige Szenen realistischer wirken zu lassen. Durch und durch eine Tour de Force. "Redux" ist näher dran an dem, was Coppola schon 1979 ins Kino bringen wollte, dann aber als Zugeständnis an das Publikum doch lieber kürzte. In seiner aktuellen Fassung ist "Apocalypse Now" noch fragmentierter. Die einzelnen Episoden hängen nicht unbedingt zusammen, ergeben am Ende aber doch eine schlüssige Geschichte. Aber wer wäre auch so verwirrt, im Krieg nach sinnvollen Zusammenhängen zu suchen? Nur in einer solchen Welt können Figuren wie Kilgore überhaupt erst existieren. Kilgore greift am frühen Morgen ein ganzes Dorf an und macht es mit genug Napalm (es riecht so schön nach Sieg) dem Erdboden gleich, während Wagners "Ritt der Walküren" aus den Helikoptern dröhnt, denn der Feind surft nicht. Er und seine Männer aber schon, und die Wellen vor diesem speziellen Dorf sollen besonders gut sein. In diesem Wahnsinn bleibt auch Platz für Menschlichkeit, und so wird Kilgore zum Sinnbild für einen Krieg, der schon längst aus dem Ruder gelaufen ist. Ein Krieg, in dem Playboy-Playmates irgendwo in einem matschigen, halbverlassenen Zeltlager zur Belustigung der Männer gegen ein bisschen Benzin getauscht werden. Auch an anderer Stelle laufen die Dinge aus dem Ruder. Eine Gruppe Franzosen sitzt tief im Dschungel. Sie sind die Überreste eines Kolonialisierungsversuches, nun können sie beobachten wie die Amerikaner scheitern. Genau wie sie selbst, vielleicht eine Spur heftiger. Es gibt kein Vor und kein Zurück für sie. Nach Hause können sie nicht, also bleiben sie im Dschungel. Silberbesteck und Schlamm, Spitzenkleider und saftige Pflanzen vermischen sich zu einer homogenen Masse, in der die Sinnfrage schon längst nicht mehr gestellt wird. Eine Brücke wird zum letzten Pfeiler einer Idee von der Zivilisation, dahinter wartet die Leere. 

Wird Willard seine Mission erfüllen? © Kinowelt
Still ist es dort, archaisch, beinahe schon andächtig. Der Mythos rund um Colonel Kurtz, der über den Film hinweg aufgebaut wurde, findet in dieser letzten halben Stunde seine Auflösung. So wie Captain Willard sich mit jeder Meile auf dem Fluss näher an diese Figur herangezogen fühlte geht es wohl auch den Zuschauern. Das erste Aufeinandertreffen beider Figuren ist wundervoll in Szene gesetzt. Die Kamera bleibt an Willard, wir hören Kurtz bevor wir ihn überhaupt zu Gesicht bekommen. Und selbst wenn er sichtbar wird, befindet er sich die meiste Zeit im Schatten. Die ganze Art der Inszenierung lässt ihn überirdisch wirken. Coppola spielt mit den Erwartungen des Zuschauers. Wer würde schon erwarten dass diese Figur sich über Blumen am Ufer des Flusses unterhalten will? Marlon Brando haucht Kurtz auch durch seine Bewegungen Leben ein. Jede einzelne Geste spricht Bände über das Innenleben dieser Figur. Kurtz' Gewalt über Worte wird deutlich wenn er T. S. Eliot's "The Hollow Men" in die Unterhaltung einbindet. Kurtz verfügt über eine erschreckend klare Sicht auf den Stand der Dinge. Ihm ist bewusst was schief läuft. Wenn der Wahnsinn um dich herum regiert macht es Sinn, ebenfalls wahnsinnig zu werden. Auf diese Weise entsteht eine perverse Form von Klarheit. In einer irren Umwelt ist derjenige normal, der sich dem Irrsinn angepasst hat. Kurtz mag wahnsinnig wirken, doch alles was er sagt, alles was er tut ergibt perfekten Sinn im Rahmen seiner Umgebung. Die wirkliche Klarheit kommt erst mit dem letzten Satz, den Kurtz spricht. Meint er sich und seine Handlungen, oder ist es eine Beobachtung seiner Umwelt? Kurtz bleibt bis zum Ende des Films ein Mysterium, so wie auch die Frage nach dem "warum" niemals geklärt werden kann. Wer würde sich schon anmaßen irgendwie zu rechtfertigen, was für Gräueltaten im Krieg Menschen so mutieren lassen?

Fazit: "Apocalypse Now" setzt Maßstäbe in Sachen Antikriegsfilm. Selten schaffte es ein Film das betäubende, destruktive Gefühl der Hilflosigkeit so gekonnt einzufangen. Ergreifende Leistungen der Darsteller, ein eindringlicher Soundtrack und eine gewaltige Bildsprache finden hier zusammen. Nur anschauen ist hier beinahe nicht möglich, "Apocalypse Now" will gefühlt werden. Das ist nicht angenehm oder schön, aber eine Erfahrung die man sich gönnen sollte. 

Die Full Disclosure Blu-ray: Als erstes fällt die hochwertige Verpackung ins Auge. Stabiler Karton mit geprägtem Aufdruck lässt erste Vermutungen auf den hochwertigen Inhalt zu. Im Inneren warten 3 Discs: auf der ersten ist sowohl die Kinofassung von 1979 als auch die Redux-Version von 2001 zu finden. Beide wurden digital überarbeitet und sind in HD zu bewundern. Und der Transfer ist wunderbar gelungen, die Bildschärfe ist klasse und auch die Farben sind stark. Beide Fassungen werden in 2.35:1 Ratio präsentiert, dies entspricht der originalen Kinofassung. Auch der Sound ist wahnsinnig gut und kristallklar. Die englische Tonspur liegt in beiden Fassungen in DTS-HD MA 5.1 vor. Zu den restlichen Tonspuren kann ich leider nichts sagen, da die Box in England gekauft wurde. Die Ausstattung entspricht aber der deutschen Fassung. Auf einer weiteren Disc gibt es die Dokumentation "Hearts of Darkness" in Spielfilmlänge zu sehen. Eleanor Coppola, die Frau von Francis Ford Coppola, führte hier Regie. Als Zuschauer bekommt man einen detaillierten Einblick in die widrigen Umstände am Set. Die dritte Disc bietet über neun Stunden Bonusmaterial. Interviews, Castings, Screen Tests, eine Radiovorlesung von "Heart of Darkness", gelesen von Orson Welles: hier bleibt kein Wunsch unerfüllt. Abgerundet wird die Box durch ein paar hochwertige Fotografien als Postkarten, eine Replik des Kinoprogramms von 1979, welches den Zuschauern als Orientierung bei den ersten Aufführungen mitgegeben wurde, und einem Sammler-Booklet. In diesem erzählt Francis Ford Coppola über die Entstehung des Films. Selten bekam man so guten Einblick hinter die Kulissen wie mit dieser Box.


Infos zum Film

Originaltitel: Apocalypse Now - Redux
Erscheinungsjahr: 1979/2001
Genre: Drama, Antikriegsfilm
FSK: 16
Laufzeit: 153/202 Minuten
Regie: Francis Ford Coppola
Drehbuch: Francis Ford Coppola, John Milius
Darsteller: Martin Sheen, Marlon Brando, Robert Duvall, Lawrence Fishburne, Harrison Ford, Frederic Forrest, Albert Hall, Dennis Hopper, Sam Bottoms u.a.

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