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Muggel auf Reisen: Die Harry Potter Studio Tour in London

Ollivanders Laden in der Winkelgasse © Sandra Scholz
Im Winter 2016 konnte ich endlich einen riesigen Eintrag von meiner endlosen "Dinge, die ich gesehen haben muss, weil ich sonst für den Rest meines Lebens unglücklich sein werden" Liste streichen. Und nein, ich bin absolut gar kein bisschen Drama-Queen, wenn es um Fandoms aller Art geht. Worum es geht, verrät euch ja schon der Titel. Die Harry Potter Studio Tour liegt etwas außerhalb von London und ist, das kann man so sagen, für Fans der Filme und Bücher wirklich absolut empfehlenswert. Ich habe euch einen kleinen Guide zusammengestellt, der euch das Wichtigste rund um die Tour verrät. Und natürlich habe ich euch jede Menge Fotos mitgebracht. Also, die Zauberstäbe zur Hand und "Alohomora" gesagt, und schon könnt ihr in eine magischen Welt eintreten.

Filmkritik: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

© Warner Bros. Entertainment

Story


„Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ beginnt 1926: Newt Scamander hat gerade eine weltweite Exkursion abgeschlossen, mit der er die aussergewöhnliche Vielfalt von magischen Geschöpfen erforschen und dokumentieren will. Ein kurzer Zwischenstopp führt ihn nach New York und wäre sicherlich ereignislos verlaufen … würden nicht ein No-Maj (Amerikanisch für Muggel) namens Jacob, ein verloren gegangener magischer Koffer und einige entlaufene phantastische Tierwesen aus Newts Sammlung sowohl in der magischen Welt als auch unter den No-Majs für reichlich Schwierigkeiten sorgen.

Kritik


J.K. Rowling bewies bereits mit "Harry Potter" und all seinen Beiwerken, dass sie weiß, wie man eine spannende Geschichte erzählt. Dieses Talent wendet sie nun für Drehbücher auf, um willige Zuschauer in einen anderen Teil der Zaubererwelt mitzunehmen. Bisherige Muggel (oder No-Maj, wie sie nun heissen), also diejenigen, die bisher keinerlei Berührungspunkte mit dem Potter-Universum hatten, finden hier einen reibungslosen Einstieg. Vorwissen braucht man keines. Bringt man aber welches mit, dann finden sich überall im Film mehr oder weniger versteckte Anspielungen (mein Favorit war Newts Schal am Ende, er und ich sind beide stolze Hufflepuffs) auf die bisherige Geschichte. Nüchtern betrachtet stürzen wir uns aber als Zuschauer gemeinsam mit dem etwas schrulligen Newt Scamander, eindrücklich gespielt von Eddie Redmayne, in ein ganz neues Abenteuer.
Newt Scamander kommt in NY an © Warner Bros. Entertainment
Oder vielmehr wird uns, die wir ja in der magischen Welt von Amerika in den Goldenen 20ern ebenso neu sind wie Newt, ein ganz normaler Mensch als Zugangspunkt vorgestellt. Jacob Kowalski arbeitet in einer Konservenfabrik, aber lieber hätte er eine Bäckerei. Als er dafür einen Kredit aufnehmen möchte, trifft er zufällig auf Newt, und einen freigelassenen, diebischen Niffler und einen verwechselten Koffer später steckt er mitten in einem Abenteuer, das er sich im Traum nicht hätte ausdenken können. Dan Fogler spielt Jacob unglaublich sympathisch und liebenswert und vor allem aufgeschlossen. Jacob entdeckt eine völlig neue Welt, denn Muggel in den USA dürfen nichts von der Existenz der Zauberer wissen. Seine Neugierde auf diese neue Welt ist ansteckend, und gemeinsam mit ihm erforschen wir als Zuschauer diese unbekannte Welt mit all ihren fantastischen Wesen. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle auch das Design der verschiedenen Kulissen. Bis ins kleinste Detail ist alles liebevoll eingerichtet und die Räume sind gefüllt mit Leben. Erneut zeigte sich das Studio MinaLima aus London für einen Großteil der Requisiten zuständig, und die beiden Künstler haben sich voll ins Zeug gelegt.
Was da wohl aus dem Koffer will? © Warner Bros. Entertainment
Spannend ist der Film vor allem auch, weil er das erste Mal einen Einblick in die erwachsene Zauberwelt liefert. Während "Harry Potter" sich vornehmlich um Kinder und Teenager drehte, und die Erwachsenen dort nur vereinzelt auftraten, liefert "Fantastische Tierwesen..." tiefergehende Informationen zum Alltag erwachsener Zauberer. Das beeindruckt vor allem, da ein Großteil des Publikums mit den Potter-Filmen aufgewachsen sein dürfte und nun nahtlosen Anschluß findet.Egal ob Hausarbeit oder der Gang zum Amt, um eine Zulassung für den Zauberstab zu bekommen: Die magische Welt unterscheidet sich im Aufbau nicht unbedingt von der Muggelwelt, nur die Handhabung ist ein wenig anders. Als Zuckerguss gibt es noch eine sich anbahnende Liebesgeschichte, die liebevoll mit romantischen Klischees spielt und so richtig ans Herz geht.

Percival Graves verfolgt eigene Ziele © Warner Bros. Entertainment
Der Gesamtton des Films ist überraschend düster. Wie bereits bei "Harry Potter" sind allerhand Themen mehr oder weniger offensichtlich in die Geschichte hineingewoben worden. Es geht um Akzeptanz und Toleranz. Bedingt durch die neue Hauptfigur wird der Tierschutz angesprochen, allerdings niemals mit dem Holzhammer. Die Schönheit und die Eigenarten der Tierwesen sind faszinierend genug, um jedem klarzumachen, dass es nicht richtig sein kann, sie zu jagen oder wegzusperren. Eddie Redmayne schafft es scheinbar mühelos, mit den digitalen Kreaturen zu interagieren und er versprüht dabei so viel Wärme und Güte, dass man gar nicht anders kann, als sich für die Wesen ebenfalls zu begeistern. Ein weiteres, großes Thema ist die Tatsache, dass Zauberer in den USA sich verstecken müssen. Die Muggel dürfen nicht erfahren, dass es inmitten ihrer Welt eine Art Parallelgesellschaft gibt. Geheimhaltung ist angesagt, im Falle des Entdecktwerdens werden Erinnerungen ausgelöscht. Eine protestierende Gegenbewegung macht Jagd auf Hexen und Zauberer, Andersartigkeit muss unterdrückt werden, ganz gleich wie hart die Konsequenzen sein mögen. Durchaus harter Tobak, der aber eindrucksvoll umgesetzt wurde und durchaus auf die aktuelle Lage in einigen Ländern unserer Welt umgeschrieben werden kann. Mit Colin Farrell hat man dazu noch einen charismatischen Antagonisten gewonnen, dessen Motive lange Zeit im Dunklen gehalten werden. Lob verdient auch Ezra Miller, dessen Figur Credence wirklich einnehmend gespielt wird. 

Gestatten? Frank aus Arizona © Warner Bros. Entertainment
Aufgelockert werden diese düsteren Themen durch den wohldosierten Einsatz von Humor. Ein kleiner Anteil lässt sich in die Kategorie des Slapstick einsortieren, hier dürfte vor allem ein jüngeres Publikum seine Freude haben. Bei den Tierwesen sorgt vor allem der Niffler immer wieder für Lacher, hauptsächlich wegen seiner Dreistigkeit im Bezug auf Diebesgut. Auch Eddie Redmayne darf sich zwischendurch von seiner lustigen Seite zeigen. Dies hauptsächlich mit gut durchdachtem Wortwitz, aber zwischenzeitlich auch mit körperlichem Humor. Und dann sind da noch die Special Effects. Diese stehen, außer wenn es um die Tierwesen geht, niemals wirklich im Vordergrund. Sicher, die Zauber sehen nun ein wenig eindrucksvoller aus als noch vor wenigen Jahren, und es blitzt und kracht und sieht verdächtig nach marvelmäßigem Einheitsbrei aus. Doch dann sind da eben auch die Figuren, und es dreht sich alles jederzeit um sie. Effekte sind ein Mittel zum Zweck, um die Geschichte zu unterstreichen, sie schreiben sie aber nicht vor. Selbst das große Finale dreht sich beinahe intim um ein paar wenige Figuren, und sie stehen meilenweit vor irgendwelchen Effekten im Vordergrund.
Queenie und Porpentina Goldstein © Warner Bros. Entertainment
Ein gesondertes Wort möchte ich für die Eltern unter den Lesern noch loswerden. Der Film ist ab sechs Jahren freigegeben, und ich verstehe beim allerbesten Willen nicht, wie dies zustande gekommen ist. Wirklich nicht. So wie die Hauptfiguren bei "Harry Potter" immer älter wurden und die Filme entsprechend düsterer geworden sind, geht es auch hier zu. Es handelt sich um erwachsene Zauberer, und dort werden wirklich düstere Themen serviert. Mal ganz abgesehen von der Frage, in wie weit Kinder in der Lage sind, sich mit Themen wie "Todesstrafe" auseinanderzusetzen, gibt es ein paar Szenen, die schlicht brutal anzusehen sind und die ich keinem Kind unter 12 Jahren zumuten würde. Und selbst da dürften empfindsamere Kinder noch einiges zu schlucken haben. Eltern sollten dies bedenken, bevor sie ihre Kinder in den Film mitnehmen, kindgerecht ist der nämlich über weite Teile absolut nicht. 

Fazit


"Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" schafft mühelos die Gratwanderung zwischen Nostalgie und neuer Frische, zwischen verspielter Komödie und schwerwiegendem, unterschwelligem  Drama. Die Etablierung der neuen Welt, in der Newt Scamander seine Abenteuer erlebt, gelingt mit Leichtigkeit, so dass auch Neulinge sich schnell in der magischen Welt zurechtfinden. Tolle Darsteller, eine erwachsenere Welt, Effekte die sich nicht in den Vordergrund drängen, hier stimmt das Gesamtpaket. Und als jemand, der gemeinsam mit dem Jungen, der überlebte, aufgewachsen ist, kann ich weitere Filme aus diesem Universum kaum erwarten. So, schätze ich, fühlt sich nach Hause kommen an.

Infos zum Film


Originaltitel: Fantastic Beasts and where to find them
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Fantasy, Abenteuer
FSK: 6
Laufzeit: 132 Minuten
Regie: David Yates
Drehbuch: J.K. Rowling
Darsteller: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Alison Sudol, Colin Farrell, Dan Fogler, Ezra Miller, diverse phantastische Tierwesen u.a. 

Trailer

 

Gelesen: Harry Potter and the Cursed Child Parts I + II

© Little, Brown Book Group

Story: Es war nie leicht, Harry Potter zu sein – und jetzt, als überarbeiteter Angestellter des Zaubereiministeriums, Ehemann und Vater von drei Schulkindern, ist sein Leben nicht gerade einfacher geworden. Während Harrys Vergangenheit ihn immer wieder einholt, kämpft sein Sohn Albus mit dem gewaltigen Vermächtnis seiner Familie, mit dem er nichts zu tun haben will. Als Vergangenheit und Gegenwart auf unheilvolle Weise miteinander verschmelzen, gelangen Harry und Albus zu einer bitteren Erkenntnis: Das Dunkle kommt oft von dort, wo man es am wenigsten erwartet.

Kritik: Alternativ hätte man das Script zum Theaterstück, um das es sich hier handelt, auch "Das beinahe völlige Verschwinden der Magie" nennen können. Denn eines ist sicher: mit den ursprünglichen Büchern hat "Harry Potter and the cursed Child" beinahe nichts mehr zu tun. Die deutsche Fassung erscheint übrigens am 24. September und wird den Titel "Harry Potter und das verwunschene Kind" tragen. Das Englisch in diesem Buch ist aber sehr einfach gehalten, bedingt natürlich auch durch die Drehbuchform. Wer also nicht warten will und halbwegs fit ist, kann sich hier ruhig dran versuchen.
Die erste Seite ist immer das aufregendste, oder?
Das sich so eine Lücke zu den anderen Büchern auftut, liegt einerseits natürlich an der Form. Es handelt sich um die niedergeschriebenen Dialoge zum entsprechenden Theaterstück. Einige werden die Form vermutlich aus zahlreichen Schullektüren kennen. Sie ist nicht jedermanns Favorit, ich finde es ziemlich entspannt zum lesen. Es ist auf das Wesentliche reduziert und man kann sich viel mehr Dinge einfach vorstellen. Bühnenanweisungen sind ebenfalls enthalten. Wer die liebevollen Details der ersten sieben Bücher großartig fand, wird hier vermutlich schwere Zeiten vor sich haben J.K. Rowling hat das Buch nicht geschrieben, sondern nur die Idee zur Verfügung gestellt. John Tiffany und Jack Thorne zeigen sich in weiten Teilen für die Ausformung der Geschichte verantwortlich. Falls ihr übrigens Tickets für die Aufführung am Londoner Westend ergattern wollt: viel Erfolg, nach aktuellem Stand ist es bis in den kommenden Sommer ausverkauft.

Und dann sind natürlich die Figuren aus den ersten sieben Büchern nun erwachsen. Und wie das so ist, wenn man erwachsen wird: vieles wird langweiliger. Harry Potter hat, genau wie Hermine, einen Job im Magisterium, nach wie vor sind alle miteinander verheiratet, neu sind die Kinder. Und um die geht es in erster Linie. Albus Severus Potter ist in etwa so weit von dem entfernt, was man sich unter einem Potter vorstellt, wie es nur möglich ist. Harry kann die Enttäuschung darüber oft nicht verbergen, und das Verhältnis zwischen Vater und Sohn erweist sich zügig als angeknackst. Im Hause Malfoy sieht es ganz ähnlich aus, und so freunden sich die beiden Jungs an. Hätte ich übrigens nie gedacht, aber das Skript schafft es, Draco Malfoy auf ein ganz neues Level an Sympathie zu heben. Dafür erleben wir aber auch ganz neue Ausmaße einer trotteligen Version von Ron, die unerträglich zu lesen ist. Älter werden bedeutet nicht immer automatisch, dass man unausstehlich wird. Aber zumindest mit den Kindern hätten sich unendlich viele Möglichkeiten für spannende Geschichten rund um Freundschaft und Abenteuer ergeben.
Ein schöner Rücken kann ja auch entzücken.
Stattdessen gibt es eine kurzweilige Story, die oberflächlich betrachtet eigentlich recht gut ist. Zeitreisen, der Dunkle Lord, die Vergangenheit, alternative Zeitlinien: alles kommt irgendwie vor. Doch statt neue Figuren einzuführen werden der Reihe nach alte Bekannte abgeklappert. Was weniger schlimm wäre, wenn nicht viele von ihnen plötzlich ganz andere Wesenszüge aufweisen würden, als es in den sieben anderen Büchern der Fall war. Ohne jetzt hier spoilern zu wollen, aber hier passieren Dinge, die selbst für schlechte Fanfiction noch undenkbar wären. Dinge, die auf so großer Ebene relevant sind, dass mir unbegreiflich ist, wie das als Buch durchgehen kann, und dann noch quasi offizieller Kanon ist. Wenn ich auf einem 300 Seiten kurzen Buch alle 30 Seiten innehalten muss, um mich zu fragen was zur Hölle ich da eben gelesen habe, dann stimmt irgendetwas nicht. Wenn ich eine fortlaufende Geschichte schreibe, dann muss ich doch darauf achten, dass es sowas wie Kontinuität gibt, dass sich an von mir selbst aufgestellte Regeln gehalten wird. Dies ist hier leider nicht der Fall.

Fazit: Für einen kurzen, oberflächlichen Trip in die Nostalgie-Schublade mag das Buch sich bestimmt gut eignen. Doch die liebgewonnenen Figuren, die mich durch das Erwachsenwerden hindurch begleitet haben, sind hier nur noch Schatten ihrer selbst. Aufgestellte Regeln für das Potter-Universum gelten auf einmal nicht mehr. Die Geschichte steckt voller Logiklöcher, über die nicht mal mit viel Wohlwollen hinweggesehen werden kann. Widersprüche zu den anderen sieben Büchern machen sich überall bemerkbar. Nein, da kann man gut und gerne drauf verzichten, bei Bedarf findet man sicherlich im Internet besser (und sinnvoller!) geschriebene Fanfiction.


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