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gesehen: Die Schöne und das Biest


© Walt Disney

Story


Die kluge und anmutige Belle (Emma Watson) lebt mit ihrem leicht exzentrischen Vater Maurice (Kevin Kline) ein beschauliches Leben, das nur durch die Avancen des Dorfschönlings Gaston (Luke Evans) gestört wird. Doch als Maurice auf einer Reise in die Fänge eines Ungeheuers (Dan Stevens) gerät, bietet die mutige junge Frau ihre Freiheit im Austausch gegen das Leben ihres Vaters an. Trotz ihrer Furcht freundet sich Belle mit den verzauberten Bediensteten im verwunschenen Schloss des Biests an. Mit der Zeit lernt sie hinter dessen abscheuliche Fassade zu blicken und erkennt seine wahre Schönheit…

gelesen: Schattenreiter von Marc Turner

Schönes, düsteres Cover © Heyne Verlag

Ab und an packt mich ja die Lust auf düstere High Fantasy, und dann darf es auch gerne mal umfangreich werden. "Schattenreiter" von Marc Turner erfüllt diese beiden Kriterien vorbildlich und machte meine Handtasche für die Lesedauer doch ein ganzes Stück schwerer. Zählt das Herumtragen dann eigentlich schon als Sport? Jedenfalls möchte ich euch von diesem Leseabenteuer berichten.

Das steht drin


In den Landen des Exils steht der alte Orden der Zauberbrecher vor dem Niedergang. Doch dann wird ein mächtiges Artefakt gestohlen: das Buch der Verlorenen Seelen, welches seinem Besitzer Macht über Leben und Tod verleiht. Ein Nekromant will damit den Gott des Todes herausfordern – wenn nicht ein Reiter mit magischen Kräften ihn noch aufzuhalten vermag 

Filmkritik: Assassin's Creed

© Twentieth Century Fox Film Corporation

Story


Mit einer revolutionären Technologie, die seine genetischen Erinnerungen entschlüsselt, erlebt Callum Lynch (Michael Fassbender) die Abenteuer seines Vorfahren Aguilar im Spanien des 15. Jahrhunderts. Callum erkennt, dass er von einem mysteriösen Geheimbund, den Assassinen, abstammt und sammelt unglaubliches Wissen und Fähigkeiten, um sich dem unterdrückenden und mächtigen Templerorden in der Gegenwart entgegenzustellen.

Filmkritik: Rogue One: A Star Wars Story


© The Walt Disney Company

Story


Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe ungleicher Rebellen rund um die junge Rebellin Jyn Erso (Felicity Jones), die sich zusammenschließen, um die geheimen Pläne des gefürchteten Todessterns zu stehlen, der gefährlichsten Waffe des Imperiums.

Kritik


Wie übernimmt man als Film die gemeinhin undankbare Aufgabe des Lückenfüllers? Exakt das ist nämlich die Grundprämisse, die "Rogue One" wie ein Damoklesschwert begleitet. Zwischen den Episoden III und IV angesiedelt, ist den Kennern der Geschichte der Ausgang bereits bekannt. Es gilt also, bekanntes so zu erzählen, dass es spannend ist. Und dann gibt es sicher noch Neueinsteiger, die bisher mit Star Wars nichts zu tun hatten. Die dürften allerdings mit einigen Fragen aus dem Kino entlassen werden. Aber fangen wir von vorne an. Also, ganz von vorne.

gelesen: Phantasmen



Das steht drin


Aus unerklärlichen Gründen tauchen eines Tages die Geister der Verstorbenen auf. Zunächst sind es wenige, doch im Verlauf der Zeit mehren sich die Geister, bis ihr helles Leuchten den Planeten illuminiert. Aber die Geister sind harmlos, sie stehen still da und bewegen sich nicht. In der Wüste Spaniens warten die beiden Schwestern Rain und Emma auf das Erscheinen der Geister ihrer Eltern, die bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kamen. Doch als die Geister auftauchen passiert etwas Schreckliches: Sie lächeln, und ihr Lächeln ist tödlich. Rain und Emma sehen sich mit etwas Unvorstellbarem konfrontiert. 

Kritik

Mit "Phantasmen" beweist Kai Meyer erneut, dass sein Schreibtalent so schnell wohl nicht versiegen wird. Mit einem Knall zieht er den Leser gleich mitten hinein in die Geschichte. Die ist ungewöhnlich, denn es handelt sich nicht um eine klassische Geistergeschichte. Mit den herumspukenden Wesen aus Horrorfilmen haben die Geister hier nichts zu tun, sie sind zunächst apathisch und dann lebensgefährlich, allein durch ihre Anwesenheit. Besonders das erste Aufeinandertreffen der Hauptfiguren mit den Geistern in der Wüste sorgte bei mir für Gänsehaut. Die ganze Situation ist atmosphärisch enorm dicht und beklemmend.

Im weiteren Verlauf verliert sich dieses Beklemmende nach und nach und weicht gut geschriebener Action. An der gibt es formal wirklich nichts auszusetzen, als Leser fiebert man über weite Teile mit und ist voll drin im Geschehen. Doch das gruselige Element verschwindet nach und nach etwas im Hintergrund. Das fand ich persönlich etwas schade. Dafür tauchen mit fortschreitender Geschichte zahlreiche Denkanstöße auf. Nahtoderfahrungen, das mögliche Leben nach dem Tod, aber auch die eine oder andere moralische Frage wird aufgeworfen. Antworten darf man sich allerdings selber suchen, wer also gerne alles vorgekaut bekommt wird darüber nicht weiter nachdenken.

Allerdings ist "Phantasmen" in meinen Augen auch mit einigen Problemen behaftet. Auf den knapp 400 Seiten passiert zu viel, es muss immer noch eins draufgesetzt werden, immer noch eine Spur krasser werden. Auf Dauer wirkt das etwas übermüdend. Gerne hätte ich auch mehr über die Figuren erfahren. Was motiviert den schweigsamen, aber dafür gutaussehenden Tyler? Er versucht herauszufinden, was mit seiner großen Liebe passiert ist. Das war es. Man erfährt sonst nichts über die Beziehung der beiden. Und nebenbei bandelt er mit Rain an, weil... ja, wieso eigentlich? Weil kein Jugendbuch ohne Liebesgeschichte auskommen darf?

Rain und ihre Schwester Emma sind dann auch so zwei Fälle. Bei Emma wird mit dem Holzhammer immer wieder darauf hingewiesen, dass sie eine Form von Autismus haben könnte. Das macht sie automatisch zu einem Wunderkind, kennt man ja. Rain hat Traumata an allen Ecken und Enden. Spätestens bei der Afrika-Sache wäre weniger aber mehr gewesen. Außerdem bin ich mir recht sicher, dass Afrika nicht nur aus Wüsten, Kamelen und Löwen besteht, die allesamt davon profitieren, dass irgendwelche Weißen sich dort als Retter aufspielen. Aber hey, so ein Praktikum im afrikanischen Waisenhaus sieht ja immer prima aus im Lebenslauf. Jedenfalls, die Figuren sind nicht sonderlich spannend oder vielschichtig geschrieben, und so bleibt am Ende alle Last auf der Geschichte selbst. Die schultert das weitestgehend auch solide. Aber ein kleines bisschen weniger dick aufgetragen hätte hier eine Menge bewirkt.

Trotzdem überwiegt am Ende der positive Eindruck, denn wenn es eine Geschichte schafft, mich über Sekten, das Leben nach dem Tod, viel zu junge Soldaten, Fanatismus und all solche Dinge nachdenken zu lassen, dann verzeihe ich gerne auch die stellenweise oberflächlichen Charaktere. 

Fazit


Phantasmen ist extrem kurzweilig und vor allem zu Beginn eines: spannend. Zwischenzeitlich passiert fast schon übertrieben viel, und auch die eigentliche Hauptfigur könnte etwas weniger "besonders" sein. Doch das tut dem ungewöhnlichen Szenario keinen Abbruch, und wer gerne zwischen den Zeilen liest, der findet hier spannende Denkvorlagen, mit denen sich auseinandergesetzt werden darf. Ein ungewöhnliches Buch, aber eine volle Empfehlung für neugierige Fantasy- und SciFi Fans, die zwischen all den scheinbar endlosen Serien mal ein abgeschlossenes Buch in die Finger kriegen wollen. Über kleinere Mängel besonders in der zweiten Hälfte liest man bei nur 400 Seiten auch recht zügig hinweg.

Fakten zum Buch


Phantasmen von Kai Meyer | Verlag: Carlsen | erstmals erschienen März 2014, aktuelle Taschenbuchausgabe 1. September 2016 | Taschenbuch | 400 Seiten | 8,99€

Filmkritik: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

© Warner Bros. Entertainment

Story


„Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ beginnt 1926: Newt Scamander hat gerade eine weltweite Exkursion abgeschlossen, mit der er die aussergewöhnliche Vielfalt von magischen Geschöpfen erforschen und dokumentieren will. Ein kurzer Zwischenstopp führt ihn nach New York und wäre sicherlich ereignislos verlaufen … würden nicht ein No-Maj (Amerikanisch für Muggel) namens Jacob, ein verloren gegangener magischer Koffer und einige entlaufene phantastische Tierwesen aus Newts Sammlung sowohl in der magischen Welt als auch unter den No-Majs für reichlich Schwierigkeiten sorgen.

Kritik


J.K. Rowling bewies bereits mit "Harry Potter" und all seinen Beiwerken, dass sie weiß, wie man eine spannende Geschichte erzählt. Dieses Talent wendet sie nun für Drehbücher auf, um willige Zuschauer in einen anderen Teil der Zaubererwelt mitzunehmen. Bisherige Muggel (oder No-Maj, wie sie nun heissen), also diejenigen, die bisher keinerlei Berührungspunkte mit dem Potter-Universum hatten, finden hier einen reibungslosen Einstieg. Vorwissen braucht man keines. Bringt man aber welches mit, dann finden sich überall im Film mehr oder weniger versteckte Anspielungen (mein Favorit war Newts Schal am Ende, er und ich sind beide stolze Hufflepuffs) auf die bisherige Geschichte. Nüchtern betrachtet stürzen wir uns aber als Zuschauer gemeinsam mit dem etwas schrulligen Newt Scamander, eindrücklich gespielt von Eddie Redmayne, in ein ganz neues Abenteuer.
Newt Scamander kommt in NY an © Warner Bros. Entertainment
Oder vielmehr wird uns, die wir ja in der magischen Welt von Amerika in den Goldenen 20ern ebenso neu sind wie Newt, ein ganz normaler Mensch als Zugangspunkt vorgestellt. Jacob Kowalski arbeitet in einer Konservenfabrik, aber lieber hätte er eine Bäckerei. Als er dafür einen Kredit aufnehmen möchte, trifft er zufällig auf Newt, und einen freigelassenen, diebischen Niffler und einen verwechselten Koffer später steckt er mitten in einem Abenteuer, das er sich im Traum nicht hätte ausdenken können. Dan Fogler spielt Jacob unglaublich sympathisch und liebenswert und vor allem aufgeschlossen. Jacob entdeckt eine völlig neue Welt, denn Muggel in den USA dürfen nichts von der Existenz der Zauberer wissen. Seine Neugierde auf diese neue Welt ist ansteckend, und gemeinsam mit ihm erforschen wir als Zuschauer diese unbekannte Welt mit all ihren fantastischen Wesen. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle auch das Design der verschiedenen Kulissen. Bis ins kleinste Detail ist alles liebevoll eingerichtet und die Räume sind gefüllt mit Leben. Erneut zeigte sich das Studio MinaLima aus London für einen Großteil der Requisiten zuständig, und die beiden Künstler haben sich voll ins Zeug gelegt.
Was da wohl aus dem Koffer will? © Warner Bros. Entertainment
Spannend ist der Film vor allem auch, weil er das erste Mal einen Einblick in die erwachsene Zauberwelt liefert. Während "Harry Potter" sich vornehmlich um Kinder und Teenager drehte, und die Erwachsenen dort nur vereinzelt auftraten, liefert "Fantastische Tierwesen..." tiefergehende Informationen zum Alltag erwachsener Zauberer. Das beeindruckt vor allem, da ein Großteil des Publikums mit den Potter-Filmen aufgewachsen sein dürfte und nun nahtlosen Anschluß findet.Egal ob Hausarbeit oder der Gang zum Amt, um eine Zulassung für den Zauberstab zu bekommen: Die magische Welt unterscheidet sich im Aufbau nicht unbedingt von der Muggelwelt, nur die Handhabung ist ein wenig anders. Als Zuckerguss gibt es noch eine sich anbahnende Liebesgeschichte, die liebevoll mit romantischen Klischees spielt und so richtig ans Herz geht.

Percival Graves verfolgt eigene Ziele © Warner Bros. Entertainment
Der Gesamtton des Films ist überraschend düster. Wie bereits bei "Harry Potter" sind allerhand Themen mehr oder weniger offensichtlich in die Geschichte hineingewoben worden. Es geht um Akzeptanz und Toleranz. Bedingt durch die neue Hauptfigur wird der Tierschutz angesprochen, allerdings niemals mit dem Holzhammer. Die Schönheit und die Eigenarten der Tierwesen sind faszinierend genug, um jedem klarzumachen, dass es nicht richtig sein kann, sie zu jagen oder wegzusperren. Eddie Redmayne schafft es scheinbar mühelos, mit den digitalen Kreaturen zu interagieren und er versprüht dabei so viel Wärme und Güte, dass man gar nicht anders kann, als sich für die Wesen ebenfalls zu begeistern. Ein weiteres, großes Thema ist die Tatsache, dass Zauberer in den USA sich verstecken müssen. Die Muggel dürfen nicht erfahren, dass es inmitten ihrer Welt eine Art Parallelgesellschaft gibt. Geheimhaltung ist angesagt, im Falle des Entdecktwerdens werden Erinnerungen ausgelöscht. Eine protestierende Gegenbewegung macht Jagd auf Hexen und Zauberer, Andersartigkeit muss unterdrückt werden, ganz gleich wie hart die Konsequenzen sein mögen. Durchaus harter Tobak, der aber eindrucksvoll umgesetzt wurde und durchaus auf die aktuelle Lage in einigen Ländern unserer Welt umgeschrieben werden kann. Mit Colin Farrell hat man dazu noch einen charismatischen Antagonisten gewonnen, dessen Motive lange Zeit im Dunklen gehalten werden. Lob verdient auch Ezra Miller, dessen Figur Credence wirklich einnehmend gespielt wird. 

Gestatten? Frank aus Arizona © Warner Bros. Entertainment
Aufgelockert werden diese düsteren Themen durch den wohldosierten Einsatz von Humor. Ein kleiner Anteil lässt sich in die Kategorie des Slapstick einsortieren, hier dürfte vor allem ein jüngeres Publikum seine Freude haben. Bei den Tierwesen sorgt vor allem der Niffler immer wieder für Lacher, hauptsächlich wegen seiner Dreistigkeit im Bezug auf Diebesgut. Auch Eddie Redmayne darf sich zwischendurch von seiner lustigen Seite zeigen. Dies hauptsächlich mit gut durchdachtem Wortwitz, aber zwischenzeitlich auch mit körperlichem Humor. Und dann sind da noch die Special Effects. Diese stehen, außer wenn es um die Tierwesen geht, niemals wirklich im Vordergrund. Sicher, die Zauber sehen nun ein wenig eindrucksvoller aus als noch vor wenigen Jahren, und es blitzt und kracht und sieht verdächtig nach marvelmäßigem Einheitsbrei aus. Doch dann sind da eben auch die Figuren, und es dreht sich alles jederzeit um sie. Effekte sind ein Mittel zum Zweck, um die Geschichte zu unterstreichen, sie schreiben sie aber nicht vor. Selbst das große Finale dreht sich beinahe intim um ein paar wenige Figuren, und sie stehen meilenweit vor irgendwelchen Effekten im Vordergrund.
Queenie und Porpentina Goldstein © Warner Bros. Entertainment
Ein gesondertes Wort möchte ich für die Eltern unter den Lesern noch loswerden. Der Film ist ab sechs Jahren freigegeben, und ich verstehe beim allerbesten Willen nicht, wie dies zustande gekommen ist. Wirklich nicht. So wie die Hauptfiguren bei "Harry Potter" immer älter wurden und die Filme entsprechend düsterer geworden sind, geht es auch hier zu. Es handelt sich um erwachsene Zauberer, und dort werden wirklich düstere Themen serviert. Mal ganz abgesehen von der Frage, in wie weit Kinder in der Lage sind, sich mit Themen wie "Todesstrafe" auseinanderzusetzen, gibt es ein paar Szenen, die schlicht brutal anzusehen sind und die ich keinem Kind unter 12 Jahren zumuten würde. Und selbst da dürften empfindsamere Kinder noch einiges zu schlucken haben. Eltern sollten dies bedenken, bevor sie ihre Kinder in den Film mitnehmen, kindgerecht ist der nämlich über weite Teile absolut nicht. 

Fazit


"Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" schafft mühelos die Gratwanderung zwischen Nostalgie und neuer Frische, zwischen verspielter Komödie und schwerwiegendem, unterschwelligem  Drama. Die Etablierung der neuen Welt, in der Newt Scamander seine Abenteuer erlebt, gelingt mit Leichtigkeit, so dass auch Neulinge sich schnell in der magischen Welt zurechtfinden. Tolle Darsteller, eine erwachsenere Welt, Effekte die sich nicht in den Vordergrund drängen, hier stimmt das Gesamtpaket. Und als jemand, der gemeinsam mit dem Jungen, der überlebte, aufgewachsen ist, kann ich weitere Filme aus diesem Universum kaum erwarten. So, schätze ich, fühlt sich nach Hause kommen an.

Infos zum Film


Originaltitel: Fantastic Beasts and where to find them
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Fantasy, Abenteuer
FSK: 6
Laufzeit: 132 Minuten
Regie: David Yates
Drehbuch: J.K. Rowling
Darsteller: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Alison Sudol, Colin Farrell, Dan Fogler, Ezra Miller, diverse phantastische Tierwesen u.a. 

Trailer

 

gelesen: Der Heckenritter von Westeros - Das Urteil der Sieben

© Penhaligon

Nach wie vor herrscht Flaute an Lesematerial in Sachen "Game of Thrones", oder "Song of Ice and Fire", wenn man mal bei der korrekten Version der Buchreihe bleiben will. Das sechste Buch von George R.R. Martin lässt auf sich warten, die siebte Staffel der Serie wurde um ein paar Wochen nach hinten verlegt. Freundlicherweise beendete der Penhaligon Verlag meine Durststrecke und schickte mir "Der Heckenritter von Westeros". Eine Sammlung von drei Kurzgeschichten, die zwar nicht, wie auf dem Cover vollmundig verkündet wird, die direkte Vorgeschichte zum Lied von Eis und Feuer sind, aber dennoch damit verbunden sind. Schauen wir uns das doch mal genauer an.

Das steht drin


Ein Jahrhundert vor den Ereignissen in der Bestsellersaga »Das Lied von Eis und Feuer« nimmt ein Knappe namens Dunk das Schwert seines verstorbenen Herren an sich. Er will an einem Turnier teilnehmen, um selbst ein Ritter zu werden. Doch »Ser Duncan« hat noch viel zu lernen über die Welt der Edlen und Mächtigen. Beim Versuch, einen Platz im Turnier zu ergattern, macht er sich bald ebenso viele Feinde wie Freunde. Dunk ist ein fähiger Kämpfer mit einem starken Ehrempfinden. Doch wird das reichen, um ihn in den Augen der Welt als wahrer Ritter dastehen zu lassen? Oder ist er nur ein fehlgeleiteter junger Mann, der sich und andere in tödliche Gefahr bringt?

Kritik


Im Buch stecken insgesamt drei mehr oder weniger kurze Kurzgeschichten. "Der Heckenritter" erzählt von einem Turnier, bei dem Dunk seinen Knappen Ei kennenlernt. Natürlich läuft dieses Turnier alles andere als harmlos ab, denn wann eskalierte ein Turnier in Westeros mal nicht? Eben. "Das verschworene Schwert" schickt Dunk und Ei in einen mittelschweren Konflikt zwischen zwei Häusern, der natürlich gelöst werden muss, möglichst ohne Verluste von Leben. "Der geheimnisvolle Ritter" führt die beiden Hauptfiguren zurück auf ein Turniergelände, wo... ihr habt es erraten, die Dinge nicht so sind, wie sie zunächst scheinen.

Rhaegal freute sich mächtig auf die Begegnung mit dem Heckenritter.

Die drei Kurzgeschichten veröffentlichte George R.R. Martin (die beiden R stehen übrigens für Raymond Richard) bereits in verschiedenen Anthologien, also Sammlungen von Geschichten. Teilweise wurden diese bisher gar nicht für den deutschen Markt veröffentlicht, andere sind bereits vergriffen. Die Zusammenfassung und Übersetzung in einem Buch ist daher eine tolle Idee. Einzig, wieso auf dem Cover eine römische Eins mit aufgedruckt ist, verwirrt. Denn bisher hat Mister Martin tatsächlich auch nur diese drei Geschichten geschrieben. Laut eigener Aussage plant er zwar weitere Abenteuer für den Heckenritter, ob und wenn ja, wann, diese erscheinen, steht aber in den Sternen. Ansonsten ist die Aufmachung des Covers an die Gestaltung der Hauptreihe, wenn man so sagen kann, angelehnt. Im Regal herrscht also Einheit, nur die Farben unterscheiden sich. 

Nachdem ich "A Song of Ice and Fire" in Buchform vor knapp sechs Jahren förmlich verschlungen habe (und danach nochmal, weil man ja Dinge eventuell überlesen hat, und dann nochmal, weil man ja Zusammenhänge knüpfen muss, und dann nochmal, weil man nach Indizien für gewisse Theorien gesucht hat... ihr kennt das, oder?), war "Der Heckenritter von Westeros" für mich zunächst Neuland. Ganz einfach, weil ich bisher alles rund um diese Welt auf Englisch konsumiert habe. Ich war also mächtig gespannt, wie sich die deutsche Übersetzung machen würde. Ob ich Probleme mit Ortsnamen bekommen würde? Oder mich fragen würde, um wen zum Teufel es eigentlich gerade geht?

Ganz reibungslos lief der Wechsel dann tatsächlich nicht, bei einigen Namen musste ich wirklich kurz überlegen. Das betraf allerdings meist kleinere Häuser oder einzelne Personen. Für die Ortsnamen gibt es vorne und hinten im Buch Karten, damit konnte ich mich orientieren. Und nach knapp der Hälfte der ersten Geschichte merkte ich keinen Unterschied mehr und konnte voll und ganz in Westeros abtauchen. Die Komplexität, die das Lied von Eis und Feuer aufweisen kann, bleibt hier aus. Das erleichtert den Lesefluss enorm, und man muss auch nicht dauernd nachschlagen, mit welcher Figur man es denn nun gerade zu tun hat. Die Geschichten sind kurzweilig und lassen sich flott lesen. Miteinander verknüpft sind sie einerseits durch eine im Hintergrund angelegte, größere Geschichte, andererseits durch kleine Rückverweise auf das, was bisher so geschehen ist. Man könnte sie aber auch gut in einer anderen Reihenfolge lesen, ohne zu viele Verständnisfragen aufzubauen.

Wehe, jemand sagt jetzt "Dracarys"! Und seit wann können Drachen lesen?

Dennoch merkt man, dass George R.R. Martin die Welt, die er erschaffen hat, liebt und gerne ergründet. In dieser Hinsicht mag der Hinweis, es handle sich um die Vorgeschichte zum Lied von Eis und Feuer, halbwegs angebracht sein. Aufmerksame Leser des Epos werden in den bisherigen Büchern das eine oder andere Mal auf Dunk und Ei gestossen sein, ansonsten liefern die Kurzgeschichten einen tiefergehenden Einblick in die Geschehnisse. Wer sich also genaueres Wissen über die politische Geschichte von Westeros aneignen will, der wird hier in jedem Fall fündig. Alle anderen bekommen kurzweilige, unterhaltsame Abenteuer eines ungleiches Paares von Heckenritter und Knappe. Da bleiben überraschende Wendungen nicht aus, und es gibt ganz in der Tradition des Hauptwerkes eine oder zwei kurze Einlagen, die etwas unappetitlicher zu lesen sind. Das erreicht aber niemals auch nur angehend die Ausmaße an Brutalität, für die die anderen Bücher berüchtigt sind. Stattdessen, und das überraschte mich persönlich beinahe am meisten, gibt es vermehrt humorvolle Einlagen, die den Geschichten trotz der komplexen Hintergründe ein angenehmes Maß an Leichtigkeit verpassen.

Fazit


"Der Heckenritter von Westeros" liefert kurzweilige, spannende und teils auch witzige Unterhaltung in Westeros. Fans der Reihe werden zahlreiche Hintergrundinformationen entdecken, die das geschichtliche Wissen um die komplexe Welt von "Game of Thrones" anreichern. Wer aber einfach nur ein paar Rittergeschichten lesen will, der wird hier ebenso fündig. Eine gut gelungene Gratwanderung, die für unterhaltsame Lesestungen sorgen wird. 

Fakten zum Buch


Der Heckenritter von Westeros - Das Urteil der Sieben von George R.R. Martin | Verlag: Penhaligon | erschienen am 23. September 2013 | Übersetzer: Andreas Helweg, Joachim Körber | Softcover | 416 Seiten | 15€

Filmkritik: Die Insel der besonderen Kinder

© Twentieth Century Fox Film Corporation
Story: Als Jake (Asa Butterfield) verschiedene Hinweise findet, die Realität und Zeit auf rätselhafte Weise auf den Kopf zu stellen scheinen, entdeckt er einen geheimen Zufluchtsort, Miss Pergerines Home for Peculiar Children. Je mehr Jake über die Bewohner der Insel und über ihre aussergewöhnlichen Fähigkeiten erfährt, desto mehr wird ihm bewusst, dass Sicherheit nur eine Illusion ist und dass Gefahr in Gestalt von übermächtigen, unsichtbaren Feinden überall lauert.

Kritik:  Tim Burton wird ja gerne mal vorgeworfen, dass er sich irgendwo in der Belanglosigkeit verloren hat. Wer davon fest überzeugt ist, der wird sich vermutlich auch mit "Die Insel der besonderen Kinder" bestätigt sehen. Denn hier gibt es eine schräge Geschichte mit schrulligen Figuren und eine gute Dosis Abenteuer. Typisches Burton Material. Doch in Verbindung mit der Romanvorlage von Ransom Riggs entsteht eine Geschichte, die zu berühren weiss.
 © Twentieth Century Fox Film Corporation

Jake als Identifikationsfigur ist eine zugängliche Wahl. Er ist einer dieser Außenseitertypen, für die Burton sich seit jeher begeistern kann. Und er findet sich rasend schnell in einem Abenteuer wieder, welches eigentlich viel zu groß für ihn ist. Dass besagtes Abenteuer gleichzeitig eine Geschichte über das komplizierte Erwachsenwerden zwischen erster Liebe und notwendiger Abnabelung von den Eltern ist, ateht ganz im Zeichen von Burtons großen Werken wie "Big Fish".

Doch natürlich laufen hier einige Dinge anders. Mit den Hollowghasts gibt es eine ernsthafte Bedrohung, die auch visuell unberuhigend wirkt. Dem stehen die besonderen Kinder mit ihren jeweiligen Aufpasserinnen gegenüber. Hier glänzt vor allem Eva Green, die als Miss Peregrine ganz wunderbar in diesen Film passt. Was Burton und die Geschichte ihr an Spleens abverlangen liefert sie mühelos. Gleichzeitig wirkt sie, wie beinahe immer, ein wenig entrückt und nicht von dieser Welt. Mit Ella Purnell bekommt Asa Butterfield eine tragische Love Interest zur Seite gestellt, die beiden harmonieren aber gut, die zaghaft aufkeimende Liebe nimmt man ihnen ab. Die restlichen Kinder bleiben leider etwas auf der Strecke. Besonders über Enoch hätte ich persönlich noch mehr erfahren, da seine Fähigkeit durchaus auch Stoff für moralische Konflikte bietet.
© Twentieth Century Fox Film Corporation
Was den Film spannend macht ist dann am Ende auch die Art der Inszenierung. An einigen Stellen kommt Stop Motion Technik zum Einsatz. Farblich abgesetzte Rückblenden lockern die Erzählstruktur auf, oftmals wirkt es, als wäre ein Abenteuerbuch zum Leben erweckt worden. Der geheimnisvolle, stellenweise fröhliche und auch mal bedrückende Soundtrack leistet ebenfalls seinen Beitrag zu einem rundum stimmigen Werk, dem man die eine oder andere Logikpause gern verzeihen mag.

Fazit: Mit Tim Burton und Ransom Riggs haben sich zwei gesucht und gefunden. Die  Verfilmung des außergewöhnlichen Debütromans ist im positivsten Sinne des Wortes sonderbar, auch wenn der Film eher konventionellen Regeln folgt als es das Buch macht. Für Fans von Burtons Stil, Verehrer von Eva Green und Anhängern der anhaltenden Welle an Young Adult Geschichten ist "Die Insel der besonderen Kinder" jedenfalls eine willkommene Flucht aus dem tristen Alltag.

Infos zum Film

Originaltitel: Miss Peregrines Home for Peculiar Children
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Fantasy, Abenteuer
FSK: 12
Laufzeit: 127 Minuten
Regie: Tim Burton
Drehbuch: Jane Goldman
Darsteller: Eva Green, Asa Butterfield, Ella Purnell, Samuel L. Jackson, Chris O'Dowd, Judi Dench  u.a.

Trailer


Serienkritik: Prinzessin Fantaghirò

© Studio 100 Media
Story: Es war einmal ein König, der auf die Geburt eines männlichen Thronfolgers, der Frieden bringen soll, hofft. Doch es kommt, wie die Weiße Hexe ihm prophezeite: Seine Frau gebärt das dritte Mal ein Mädchen - Fantaghirò - und stirbt bei der Geburt. Als Prinzessin Fantaghirò im heiratsfähigen Alter gegen ihren Willen vermählt werden soll, weigert sie sich vehement und wird deshalb von ihrem Vater verstoßen. Im Märchenwald zeigt ihr die Weiße Hexe, wie man richtig kämpft. Dort trifft sie auch erstmals auf den Prinzen des benachbarten und verfeindeten Königreiches, der ihre schönen Augen nicht vergessen kann...

Kritik: Ich glaube ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich jetzt mal frech behaupte: So ziemlich jeder dürfte die Geschichte von Prinzessin Fantaghirò kennen. Ok, jeder der in den 90ern schon alt genug war, um im Fernsehen gesehene Dinge in Erinnerung behalten zu können. So wie beispielsweise ich. "Prinzessin Fantaghirò" lief damals irgendwann um die Weihnachtszeit. Für mich hieß das: Vor dem Fernseher einquartieren und mitfiebern. Jedes Jahr. Und schon damals (bei mir dann so Ende der 90er) wurden rege Diskussionen im Freundeskreis geführt. Romualdo (was für eine Frage???) oder doch Tarabas (nein, nein nein)? Ihr seht, diese "Team" Sache, die mit Twilight irgendwie aufkam, gab es also auch vorher schon. Aber ich schweife ab.
© Studio 100 Media
"Prinzessin Fantaghirò" ist ein lupenreines Märchen, inklusive guter und böser Hexen, einem irgendwie zauberhaften Wald und natürlich, der Name verrät es ja schon, Prinzessinnen und Prinzen. Jeweils zwei Folgen der Serie gehören dabei inhaltlich zusammen, es gibt pro Doppelpack neue Abenteuer. Die Darsteller bleiben natürlich die gleichen. Alessandra Martines als mutige und eigensinnige Prinzessin ist natürlich die Hauptfigur. Ihre Geschichte beruht auf einem gut 1000 Jahre alten Märchen aus der Toskana. Als ihr Vater sie vermählen will, weigert sie sich, und schließlich schickt er sie fort. Im Wald lernt sie, wie man mit verschiedenen Waffen umgeht. Doch natürlich wird sich am Ende doch verliebt, und die Geschichte nimmt fast ein wenig "Romeo und Julia" mäßige Züge an. Zu viel will ich natürlich aber auch nicht verraten, es gibt sicher noch einige unter euch Lesern, welche die Serie noch nicht kennen.
© Studio 100 Media
Mit (damaligen) darstellerischen Größen wie Mario Adorf, Brigitte Nielsen oder Ursula Andress ist die Serie prominent besetzt, man nimmt den Schauspielern ihre Rollen jedenfalls gut ab. Auch die Kulissen sind liebevoll gestaltet, einige Effekte sind naturgemäß nicht optimal gealtert. Das trübt aber das Sehvergnügen nicht, denn die Geschichte weiß zu packen. Jedenfalls die ersten sechs Episoden, denn danach ist leider ein deutlicher Verfall in der erzählerischen Qualität auszumachen. Aber, und das ist ja das Schöne an solchen Box-Sets, was nicht gefällt kann man ja einfach auslassen. Und zumindest die ersten sechs Folgen sind dann auch so viele Jahre später noch pure Magie und die Anschaffung in jedem Fall wert.

Fazit: Mit der Komplettbox sichert man sich ein Erste Klasse Ticket für einen Nostalgietrip in die eigene Kindheit. Die Geschichte hat über die Jahre hinweg nichts von ihrem Zauber verloren. Technisch wurden die Episoden mühevoll überarbeitet. Liebens- (und natürlich auch hassens-) werte Figuren sowie eine universelle Geschichte um Mut und Freundschaft sorgen auch knapp 25 Jahre nach der Erstveröffentlichung für wunderbare Unterhaltung.
© Studio 100 Media
Die Blu-ray: Die Blu-ray im Vertrieb von Studio 100 Media ist seit dem 7. Oktober 2016 im Handel erhältlich. Im relativ dicken Amaray-Keepcase sind die 10 Folgen der Serie auf 5 Discs verteilt. Die Episoden 1-6 konnten dabei neu abgetastet werden und liegen somit in einem wunderbar aufgefrischten, hochwertigeren Look vor. Die letzten vier Episoden wurden damals bereits auf PAL-Videomaterial gedreht und liegen deswegen nicht in nativem HD vor. Die deutschsprachige Tonspur kommt in sauber abgemischtem DTS-HS Master Audio 2.0 daher. Dialoge und Hintergrundgeräusche sowie Musik stehen in einem guten Verhältnis zueinander, Tonfehler sucht man vergebens. Auch das Bild gibt Grund zur Freude. Das alte Material wurde mühevoll überarbeitet, es ist jetzt bis auf wenige Szenen schön scharf. Bildstörungen wie beispielsweise Kratzer, die in alten Fassungen noch vorlagen, wurden entfernt. Auch die Kontraste sind gut gesetzt. Nur nach Extras sucht man in der Box vergeblich.

Infos zum Film

Originaltitel: Fantaghirò
Erscheinungsjahr: 1991 / 2016
Genre: Fantasy, Märchen
FSK: 12
Laufzeit: 921 Minuten, verteilt auf zehn Episoden
Regie: Lamberto Bava
Drehbuch: Francesca Melandri, Gianni Romoli
Darsteller: Alessandra Martines, Mario Adorf, Kim Rossi Stuart, Brigitte Nielsen, Ursula Andress, Angela Molina u.a.

Trailer



Filmkritik: Warcraft: The Beginning


Alle Bilder im Beitrag © Universal

Story: Die Orks haben ein Problem: Ihre Welt stirbt, sie verlieren ihre Heimat. Der mächtige Hexenmeister Gul'dan (Daniel Wu) öffnet ein Portal in eine andere Welt, durch das die stärksten und besten Krieger gehen sollen, um die Ankunft der restlichen Orks auf der anderen Seite vorzubereiten. Doch die Einwohner von Azeroth lassen sich ihre Heimat nicht einfach so wegnehmen. Unter der Führung von König Llane Wrynn (Dominic Cooper) und dem mächtigen Magier-Wächter Medivh (Ben Foster) stellen sich der mutige Krieger Anduin Lothar (Travis Fimmel), der junge Zauberer Khadgar (Ben Schnetzer) und die Halborkin Garona (Paula Patton) der plündernden Horde entgegen. Doch auch auf der anderen Seite machen sich Zweifel breit. Durotan (Toby Kebbell), der Anführer des Frostwolf-Clans, sucht nach einem anderen, friedlicheren Weg, um mit den Menschen gemeinsam zu leben.

Kritik: Bevor hier irgendwas besprochen wird, möchte ich klarmachen, dass es mir schwerfällt, an "Warcraft" überhaupt neutral heranzugehen. "Warcraft" 1-3 waren fester Bestandteil meiner Jugend, endlose Stunden habe ich damit verbracht Menschen und Orks und Elfen auf kleinen Karten an meinem damals sehr, sehr schrottigen PC hin- und herzuschieben. Seit Release, immer mal wieder mit Unterbrechungen, spiele ich "World of Warcraft", ich habe meine Bachelorarbeit zum kommunikativen Verhalten der Spieler von WoW geschrieben. Ich habe lange, sehr lange sogar, auf diesen Film gewartet, und wer mich kennt weiß, dass Geduld nicht unbedingt zu meinen größten Stärken gehört. Jedenfalls nicht, wenn es um Filme geht. Ich befinde mich also nicht in der Position, irgendwie unvorbelastet an das Thema heranzugehen. Würde ich mich neutral verhalten, dann würde ich folgendes zum Film zu sagen haben: 

""Warcraft" kommt einige Jahre zu spät weil sowieso nur noch alle über das Spiel meckern, wartet mit einer recht belanglosen Geschichte und flachen Figuren und ist vorbei, bevor er richtig angefangen hat. Die Effekte sind etwas seltsam, der Sound ist toll. Es wird vermutlich eine Fortsetzung geben, Fans dürften an dem Film aber Gefallen finden, denn er ist wirklich groß angelegter Fanservice".
Durotan, der Anführer des Frostwolf-Clans.
C'Thun sei Dank muss ich mich aber nicht neutral verhalten, also setze ich mich jetzt ausnahmsweise mal in der Rolle eines Fans mit dem Film auseinander. Verfilmungen von Spielen haben ja generell einen schweren Stand. Bei Fans werden sie sowieso kritisch begutachtet, und sind wir mal ehrlich, meistens kommt auch kein gutes Werk dabei zustande. Hindert mich ja nicht daran, z.B. "Resident Evil 3"oder "Prince of Persia" zu mögen, aber ein guter Film sieht ja irgendwie doch anders aus. Hoffnungen macht aktuell "Assassins Creed", nicht nur wegen Michael Fassbender vor und Justin Kurzel hinter der Kamera. Aber auch "Warcraft" hat ein paar tolle Namen mit an Bord. Jedenfalls von meiner Warte aus. Travis Fimmel macht einen prima Job bei "Vikings", Ben Foster geht, genau wie Toby Kebbell eh immer. Und Duncan Jones begeisterte bereits mit "Source Code" und "Moon" das Publikum. Beliebter Stoff, guter Regisseur, gute Darsteller, kann ja eigentlich nichts schiefgehen, oder? Außer, dass der Film ewig gebraucht hat, um überhaupt mal fertig zu werden, und erst in den letzten zwei Jahren mal als handfestes Thema auf den Tisch kam.  
Ich geb mir gar keine Mühe das zu verbergen: Medivh ist ♥.
Wie ist der Film denn nun geworden? Eigentlich ziemlich gut. Naturgemäß müssen die Orks, die Landschaften und allerlei andere Wesen/Gegenstände irgendwie am Computer zurechtgemacht werden. Hier beruft man sich voll und ganz auf die Spiele-Grundlage, die Orks sind riesig und hauen ganz schön mächtig zu. Da wird gerne auch mal gleich mit einem ganzen Pferd geworfen. Klarer Nachteil ist hier, dass die Interaktion mit den wenigen Menschen umso seltsamer ausfällt. Da wird gerne im Hintergrund mal mit der Luft gekämpft, und der eine oder andere Schwerthieb geht gezielt ins Nirgendwo. Das reißen die eindrucksvollen Landschaften dafür wieder voll raus. Weite Steppen, dichte Wälder, schwebende Städte und Stormwind, die Hauptstadt der Menschen, laden zum Entdecken ein und werden mindestens die Fans der Spiele richtig erfreuen. Und wenn die Magier und Hexenmeister loslegen, dann aber so richtig: Die Blitze fliegen, magische Energien strömen durch das Bild, alles leuchtet in knalligen Farben. Eine richtige Augenweide, selbst der Schafzauber sah in den Games nicht so cool aus. ILM hat hier in Sachen Effekte mal wieder gezaubert. Bezaubernd sind aber vor allem die Details, hier wieder bei den Orks. Man merkt, dass richtige Schauspieler dahinter stecken, besonders der Ausdruck der Augen, eigentlich die ganze Mimik der Figuren, ist täuschend echt. In der Originalversion ergeben sich aus den mächtigen Hauern dieser Orks allerdings hier und da Verständnisprobleme, die Aussprache ist stellenweise arg undeutlich. Am massivsten fällt dies gerade bei dem Ork mit den kleinsten Hauern auf, nämlich Garona.
Garona, die Halborkin, ein Problemfaktor des Films.
Garona ist aber auch in anderen Bereichen klar der Schwachpunkt des Films. Während die meisten anderen Figuren hauptsächlich ihre Rolle erfüllen, wird bei ihr nie so ganz klar, welchen Zweck sie eigentlich hat. Ihre Hintergrundgeschichte wird kaum angerissen, die angedeutete Liebesgeschichte zwischen ihr und Anduin Lothar verwirrt in höchstem Maße. Wieso ist sie wichtig für Gul'dan? Ohne vorherige Kenntnis der Geschichte bleibt sie eine unterentwickelte Figur, und selbst mit Kenntnis der eigentlichen Geschichte ist das hier einfach nur verwirrend. Positiv stechen besonders die Magier hervor. Während Medivh herrlich anzuschauen ist in all seiner heruntergekommenen Pracht, ist Khadgar mit seinen etwas tollpatschigen Momenten in erster Linie für die gute Laune zuständig. Aber auch er hat es, magisch betrachtet, faustdick hinter den Ohren und ist mein klarer Favorit in der ganzen Angelegenheit. Löblich ist auch der Vorsatz, beiden Seiten gleich viel Zeit zuzugestehen. Die oft gezogene Grenze zwischen gut und böse wird effizient verwischt, beide Seiten haben nachvollziehbare Motive und sympathische Figuren vorzuweisen. Leider springt der Film, besonders zu Beginn, recht hektisch zwischen den Figuren hin und her. Was einerseits nachvollziehbar ist, denn viele Figuren wollen vorgestellt werden, weil sie einfach wichtig für die Handlung sind. Etwas mehr Ruhe wäre hier wünschenswert gewesen, alternativ wären wenige Minuten mehr pro Figur und Schauplatz vielleicht eine Lösung gewesen. So dauert "Warcraft" zwar zwei Stunden, ist aber doch sehr schnell vorbei, weil es so viel zu sehen gibt. 
Khadgar ist aber mehr ♥ als Medivh, und auch als Anduin, hier rechts im Bild.
Klares Steckenpferd des Films ist dann aber jeder Moment, der Fans der Spiele direkt anspricht. Relativ zu Beginn taucht kurz ein Murloc im Bild auf, spätestens ab da war für mich klar: das ist mein Ding, das richtet sich an mich, die furchtlose Jägerin unzähliger nerviger Murloc-Orakel und Pfützenspringer. Sicher, für Außenstehende mögen viele Dinge hier seltsam sein. Die Elfen, die kurz zu sehen sind, wirken überrissen, die Zwerge sehen ebenfalls schräg aus. Doch das Alles hat seine Wurzeln direkt in den Spielen, dementsprechend macht es irgendwie Lust auf mehr. Wie cool wäre es, die Geschichten um Illidan oder Arthas auf der großen Leinwand zu sehen? Vielleicht werden wir es eines Tages erfahren, wer weiß. Bis dahin gibt es anständig epische Schlachten und Dramen zwischen Menschen und Orks. Dazu trägt auch der Soundtrack von Ramin Djawadi bei. Er nimmt sich die bekannten Songs aus den Spielen, vermischt sie aber mit eigenen Klängen und sorgt so für ein wohliges Maß an Epicness. Sicher, für Außenstehende mag das alles flach und aufgesetzt wirken. Aber vielleicht handelt es sich auch einfach um einen Film, der eben nicht für jeden gedacht ist. Was eventuelle Schwächen keinesfalls entschuldigen soll. Aber es fällt nicht sonderlich schwer, darüber hinwegzusehen, wenn es gleichzeitig so vieles zu entdecken gibt, wenn der Wiedererkennungswert aus jahre- oder jahrzehntelanger Spielerei so hoch angesetzt ist.

Anduin Lothar kämpft gegen einen Ork, oder auch die Luft.

Fazit: Butter bei die Fische, bzw. dicke Hämmer bei die Orks: "Warcraft" gibt sich nicht sonderlich viel Mühe, kompletten Neueinsteigern in die Materie irgendwie Halt zu geben. Muss er theoretisch auch nicht, die Geschichte, die aus den Spielen und Büchern bereits bekannt ist, ist für das Medium Film ein wenig vereinfacht worden und auch so nicht sonderlich kompliziert. Visuell beeindruckend kommen die Orks daher, da sehen die Menschen durchaus mal blass aus. Und auch der Sound ist ein wahrer Leckerbissen, es fetzt jedenfalls richtig, wenn die Magier und Hexenmeister zu Gange sind. Die Unterscheidung zwischen Gut und Böse fällt ebenfalls weg, was löblich ist. Und für Fans der Warcraft-Lore ist das hier sowieso Pflichtprogramm, denn an die wurde in erster Linie gedacht. Mich jedenfalls ließen Kulissen wie Karazhan und Stormwind atemlos zurück, während durchaus humorvolle Einlagen (Murlocs, Sheep!) ebenso sicher ihr Ziel trafen. Objektiv betrachtet mag "Warcraft" vielleicht kein Meisterwerk sein, für mich, die mit den Games aufgewachsen ist, war es ein richtiges Erlebnis, die Figuren und Handlungsschauplätze auf der großen Leinwand sehen zu können. Und wer mich im Kino vor lauter Freude zum Dauergrinsen bringt, der hat einfach auch irgendwas richtig gemacht.


Infos zum Film

Originaltitel: Warcraft
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Western, Drama, Action
FSK: 12
Laufzeit: 124 Minuten
Regie: Duncan Jones
Drehbuch: Duncan Jones, Charles Leavitt
Darsteller: Travis Fimmel, Toby Kebbell, Ben Foster, Paula Patton, Ben Schnetzer, Robert Kazinsky, Ruth Negga u.a.

Trailer


Filmkritik: Gods of Egypt

© Ascot Elite
von Philipp M.

Ganz besonders viel Medienaufmerksamkeit konnte Gods of Egypt bereits bei der Veröffentlichung seiner ersten Trailer im November 2015 generieren. Allerdings handelte es sich dabei nicht unbedingt um jene Art von Aufmerksamkeit, die sich Studio und Vertrieb dringend gewünscht hätte: das Projekt wurde unrühmlicherweise mit dem – spätestens jetzt allseits bekannten – Begriff des „Whitewashings“ in Verbindung gebracht. Dass sich Regisseur Alex Proyas nach anfänglicher (und meiner Meinung nach durchaus ehrlich gemeinter) Entschuldigung für dieses „Whitewashing“ nun doch für einen etwas impulsiven Rundumschlag gegen alle Filmkritiker entschieden hat, wird die Ausgangslage des Films für weitere Kritiken nicht verbessert haben.
Trotz dieser ungünstigen Faktoren möchte ich möglichst objektiv an "Gods of Egypt" herangehen und zuerst kurz die vieldiskutierte „Whitewashing“-Thematik ansprechen, denn dabei handelt es sich meiner Meinung nach durchaus um eine problematische Tendenz. Ridley Scott musste für "Exodus: Gods and Kings" (2014) schon ganz ähnliche Kritik einstecken. Dabei hat er zurecht angemerkt, dass häufig auch finanzielle Prozesse des Hollywoodsystems mitverantwortlich sind, die sich massgeblich auf Castingentscheidungen auswirken. Über Sinn und Unsinn solcher Rechtfertigungen lässt sich natürlich streiten. Wo letztlich die Veränderung beginnen muss, bei den Studios oder bei den Castingverantwortlichen, kann ich an dieser Stelle nicht beantworten. Eine umfassende Analyse des Problems ist im Rahmen einer Filmkritik kaum möglich, auch wenn dies gerade im Fall von "Gods of Egypt" oft und vergeblicherweise versucht wurde.

Story: Horus (Nikolaj Coster-Waldau), Gott der Luft und des Himmes, soll die Herrschaft über das Land Ägypten von seinem Vater Osiris (Bryan Brown) übernehmen. Am Tag der Krönungszeremonie will jedoch Seth (Gerard Butler), Gott der Wüste, dies vereiteln. Kurzerhand marschiert er mit seiner Armee auf, tötet seinen eigenen Bruder Osiris und entreisst seinem Neffen Horus die frischerlangte Macht sowie beide Augen. Diese sind gerade für Horus speziell wichtig, da ein Grossteil seiner göttlichen Macht in ihnen begründet liegt und er sie unter anderem für die Transformation in seine geflügelte göttliche Mythengestalt benötigt.
Gleichzeitig wird auch die Geschichte des jungen menschlichen Pärchens Zaya (Courtney Eaton) und Bek (Brenton Thwaites) eingeführt. Diese konnten bis anhin glücklich unter der Herrschaft von Osiris leben, was sich jedoch durch Seths Machtergreifung gründlich verändert hat. Götter und Menschen müssen sich dessen neuem grausamem Regime fügen, und so geschieht es, dass Zaya zur Sklavin von Seths menschlichem Chefarchitekten Urshu (Rufus Sewell) wird, während Bek – eigentlich wie schon zuvor – als geschickter und unbemerkter Dieb über die Runden kommt. So gelingt es Letzterem auch, eines von Horus Augen aus Seths Schatzkammer zu entwenden. Aber wie sieht Seths endgültiger Plan aus und kann Horus aus dem Exil zurückkehren und den Frieden in seinem entrissenen Königreich wiederherstellen?
© Ascot Elite
Kritik: Ohne gross abzuschweifen, möchte ich zuallererst die Verwendung und Qualität von computergeneriertern Bildern ansprechen. Bereits mit der Veröffentlichung erster Promobilder und Trailer im letzten Jahr wurde eines unmissverständlich klargestellt: "Gods of Egypt" sollte ganz klar ein visuell betonter und CGI-lastiger Streifen werden. Diese Entscheidung mutet etwas seltsam an, denn gerade noch hat "Star Wars: Episode VII - The Force Awakens" (2015) damit von sich Reden gemacht, dass CGI nur dort eingesetzt wurde, wo es unumgänglich war (zugegebenermassen im Falle von Star Wars immer noch recht häufig). Im Allgemeinen wurde eine solche Rückbesinnung von Fans und Kritikern positiv aufgenommen. Demgegenüber stehen CGI-Feste wie "Star Wars: Episode II - Attack of the Clones" (2002), "Clash of the Titans" (2010) oder "Jupiter Ascending" (2015), die unter anderem wegen dem unvernünftigen Ausmass (und der teilweise unzureichenden Qualität) von CGI harsch kritisiert wurden.
In diesem Kontext muss angemerkt werden, dass es bei Gods of Egypt nicht nur Schlechtes zu berichten gibt. Lässt man sich erst einmal auf den 3D-CGI-Klamauk ein, gibt es einige schöne Sequenzen zu bewundern. Seths Pyramide der Sande wurde visuell ebenso hochwertig umgesetzt wie Thoths Bibliothek. Und so übertrieben der allnächtliche Kampf von Ra (Geoffrey Rush) gegen den Dämonen Apophis im Weltall auf der dunklen Seite der flachen Erdscheibe auch erscheinen mag, ich mochte die Szene dennoch.
Tatsächlich scheint der Film aber eine gewisse qualitative Konsistenz des CGIs, die bei einem solchen Unterfangen absolut notwendig wäre, nicht wirklich zu erreichen. Viele Effekte sind – wie bereits erwähnt – durchaus qualitativ in Ordnung, einige sogar hochwertig. Das Problem kommt aber genau dann ins Spiel, wenn einige andere Effekte die Immersion des Zuschauers brechen. Insbesondere empfand ich die Bewegungsanimation der Götterwesen, in die sich die beispielsweise Horus und Seth verwandeln, als holprig. Wohlgemerkt meine ich damit nicht ihre Textur oder den doch recht eindrücklichen Detailreichtum, mit dem sie designt wurden, sondern simpel und einfach ihre Animation, und darunter insbesondere die Sprung- und Flugbewegungen. Da die bedeutendsten Actionsequenzen des Films solche Götterwesen beinhalten, wird das Problem nur allzu deutlich sichtbar.
© Ascot Elite
Damit kommen wir auch zum nächsten Punkt, nämlich der Story. Wie bei solchen spektakelgeladenen Filmen üblich, tritt sie meist in den Hintergrund und ist eher ein Vehikel, das die Protagonisten von einer Actionszene zur nächsten bringt. So ist es dann auch unumgänglich, dass deren Charakterentwicklung eher unzureichend bleibt. Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass es sich hier um reines Actionkino handelt, weshalb ich auch nicht versuche, diesen Umstand als absolutes No-Go-Kriterium gegen den Film anzuführen.  Generell wurde die Story jedoch über eine viel zu lange Laufzeit hinweggestreckt (127 Minuten), wodurch sich bei mir gewisse Ermüdungserscheinungen ergaben. Die schiere Anzahl an Actionsequenzen (und teilweise auch deren Länge) wirken extrem forciert. Man fragt sich beispielsweise, welchen Zweck die Szene mit den überdimensionalen, feuerspeienden Kobras erfüllen sollte. Sie zeigt meiner Meinung nach gut die Prämisse des Films auf: Eine wahrheitsgetreue Abbildung ägpyptischer Mythologie war nicht nur nie beabsichtigt (falls das dem Zuschauer nach der Einführung der vier Meter grossen, gestaltwandelnden Götter mit goldenem Blut noch nicht aufgefallen war), sondern sollte einer stark überhöhten und auf Hollywood-Actionkino heruntergebrochenen Repräsentation dieser Mythenwelt weichen. Grundsätzlich also genau das, was "Clash of the Titans" zuvor mit griechischer Mythologie versucht hatte. 
Aber kommen wir  noch einmal auf die Figuren und damit auch auf die Schauspieler zurück. Falls so etwas wie eine Charakterentwicklung im Film stattfindet, dann wäre sie bei Horus zu suchen. Dieser ist zwar von Beginn an auf der guten Seite angesiedelt, muss jedoch im Verlauf des Filmes seine Arroganz und sein Überlegenheitsgefühl gegenüber seinem Volk ablegen. Ein Schelm wer in dieser Entwicklung Parallelen zu Coster-Waldaus Rolle des Jaime Lannister aus HBOs "Game of Thrones" sieht. Goldene Rüstungen, fehlende Körperteile (ob nun Augen oder Hände) und Coster-Waldaus Schauspiel stellen sicher, dass man die Ähnlichkeiten nicht übersehen kann. Für mich persönlich hatte dies den merkwürdigen Effekt, dass ich die Figur von Horus besser nachvollziehen konnte, da er für mich effektiv fast zu Jaime Lannister wurde. Es bleibt jedoch höchst fraglich ob dieser Effekt nun als positiv oder negativ zu bewerten ist. Gerard Butler, Courtney Eaton und Brenton Thwaites machen ihre Sache grundsätzlich solide. Dass ihre Figuren eindimensional bleiben ist wohl eher dem Drehbuch als ihrem schauspielerischen Können anzulasten. Was den Humor anbelangt, so wurde die Inkonsistenz des CGIs hier nahtlos weitergeführt. Einige Sprüche brachten mich wirklich zum schmunzeln, andere waren eher grenzwertig oder klischiert.
© Ascot Elite
Fazit: Die Kritik wirkt abschliessend sicherlich etwas unversöhnlich. Ich will jedoch "Gods of Egypt" nicht als durchwegs schlechten Film einordnen. Wen ab und zu ein überwältigendes Bedürfnis nach Action und visuellen Effekten überkommt, das auch mal mehr als zwei Stunden anhalten kann, der wird dem Film sicherlich positive Seiten abgewinnen können. Man sieht durchaus, wo die 140 Millionen Dollar hingeflossen sind, auch wenn das CGI teilweise Schwachstellen aufweist. Die 3D-Umsetzung empfand ich als gelungener als bei den meisten vergleichbaren Filmen. Während ich bei "Clash of the Titans" diesbezüglich nicht viel mehr als ungläubig den Kopf schütteln konnte,  wirkte das 3D hier deutlich angenehmer. Wenn man ohne grosse Erwartungen an "Gods of Egypt" herantritt, kann man sich den Film durchaus zu Gemüte führen, denn es gibt definitiv schlechtere Beispiele aus dem Bereich der Mythologie-Action-CGI-Kracher.


Infos zum Film:

Originaltitel: Gods of Egypt
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Fantasy, Action, Abenteuer
FSK: 12

Laufzeit: 127 Minuten
Regie: Alex Proyas

Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless
Darsteller: Brenton Thwaites, Nikolaj Coster-Waldau, Gerard Butler, Geoffrey Rush, Courtney Eaton, Elodie Yung, Chadwick Boseman u.a.



Trailer

Filmkritik: Deadpool

© 20th Century Fox
Story: Bei Wade Wilson (Ryan Reynolds) läuft es eigentlich gut. Der Söldner verdient sein Geld auf leichte Art und Weise und dann lernt er mit Vanessa (Morena Baccarin) die Liebe seines Lebens kennen. Doch dann wird bei ihm Krebs im Endstadium diagnostiziert. Er entschließt sich zur Teilnahme an einem geheimen Programm, welches Heilung verspricht. Doch stattdessen mutiert er unter der Behandlung von Ajax (Ed Skrein) und verfügt ab sofort über rasend schnelle Selbstheilungsfähigkeiten. Es ist also Zeit für einen Rachefeldzug, denn Ajax verfolgt ziemlich finstere Pläne.

Kritik: Lange mussten die Fans des Söldners mit der großen Klappe auf einen eigenen Kinofilm warten. Der missglückte Auftritt in "X-Men Origins: Wolverine" entpuppte sich vor Jahren als Debakel. Wie gut, dass Ryan Reynolds an der Sache dran geblieben ist und beinahe 10 Jahre damit verbracht hat, für eine Umsetzung des derben Comicmaterials zu sorgen. Ein paar Minuten geleaktes Testmaterial, unzählige Trailer und Videokampagnen später strömten die Fans nur so ins Kino. Bereits einen Monat nach Kinostart blickte der Film mit der hohen Altersfreigabe (ab 16 bei uns, R-Rating in den USA) bereits auf fast 670 Millionen Dollar Umsatz. Es scheint also einiges richtig zu laufen für 20th Century Fox. Da Deadpool theoretisch zu den X-Men gehört liegen die Rechte an dieser Marvel-Figur nämlich bei Fox. Das hindert Deadpool allerdings nichts daran, Seitenhiebe in alle möglichen Richtungen auszuteilen. Aber gehen wir der Reihe nach.
Fassungslos: Deadpool © 20th Century Fox
Die grobe Marschrichtung wird gleich in den ersten Minuten des Films klar. Zu oberkitschiger Musik gibt es die Eröffnungsszene in Zeitlupe. Statt den Namen der Beteiligten bekommen wir locker flockige Beschreibungen ihrer Arbeit zu lesen. Eine Zeitschrift mit Ryan Reynolds und dem Vermerk "Sexiest Man Alive" fliegt durch das Bild. Und ehe wir uns versehen sind wir mittendrin im Geschehen und begleiten Deadpool auf seinem Rachefeldzug. Zwischenzeitlich wird in Rückblenden aufgearbeitet wie es zur aktuellen Lage kam. "Deadpool" macht dabei eine Menge richtig. Der Soundtrack von Junkie XL (der auch bei "Fury Road" schon für erfreute Lauscher sorgte) fetzt. Die restliche Auswahl an Songs ist eigenwillig, aber eindrücklich. Die ersten Überraschungen lassen auch nicht lange auf sich warten. Wer hätte innerhalb eines solchen Filmes schon eine der angenehmsten Liebesgeschichten der letzten Zeit erwartet? Wade und Vanessa pokern mit ihrer traumatischen Kindheit um Mitleid, leben eine völlig entspannte Beziehung in jeder Hinsicht und verstehen sich blendend. "Your crazy matches my crazy" hält als Erklärung her, und wenn wir mal ehrlich sind: aus viel mehr besteht das Geheimrezept für eine funktionierende Beziehung doch nun wirklich nicht. Man findet jemanden der zu einem passt, der einen akzeptiert und im besten Fall gleich bescheuert ist. Bingo, Bahn frei für ein Happy End. Dass der Film darüber hinaus die Beziehung der beiden in einer schrägen Montage aus Sexszenen, angepasst an verschiedene Feiertage im Jahr, präsentiert, ist erfrischend: endlich ist Sex in einem Film mal nichts, was sich unter Bettdecken und Tonnen von Scham zu verstecken hat.

Beste Lovestory ever! © 20th Century Fox
Natürlich kommt vor allem der Spaß hier wirklich nicht zu kurz. Der eine oder andere wirklich infantile Witz hat sich eingeschlichen, keine Frage. Vor allem die unendlich vielen popkulturellen Referenzen zünden aber. Da darf man sich auch schon mal fragen ob die Eltern aus "Taken" 1-3 nicht einfach die miesesten Eltern überhaupt sind, wenn jeden Film jemand aus der Sippe entführt wird. Auf Deadpools Beziehung zu den X-Men wird ebenfalls eingegangen. Colossus (gesprochen von Stefan Kapicic) und Negasonic Teenage Warhead (benannt nach einem Song von Monster Magnet, gespielt von Brianna Hildebrand) vertreten die restlichen Mutanten. Colossus würde Deadpool wirklich gerne für die X-Men rekrutieren, Negasonic Teenage Warhead ist eigentlich einfach nur eine gelangweilte Teenagerin. Die Darsteller gehen allesamt in ihren Rollen auf und es tut gut, Leuten zuzusehen die Spaß an ihrer Arbeit haben. Wer im dritten Akt aufpasst bekommt noch ein, zwei mächtige Seitenhiebe aufs Marvel Cinematic Universe mit auf den Weg, und eine Szene nach dem Abspann darf natürlich auch nicht fehlen. Beim freizügigen Einsatz von derbem Humor lässt Deadpool es sich natürlich nicht nehmen, regelmäßig mit dem Publikum zu sprechen. Auch bekannt als das Durchbrechen der vierten Wand (im Theater die Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum), wird effektiv jede Distanz zum Film weggebrochen, die Sache ist direkt persönlich. Das sorgt natürlich für weitere Gags. Die mögen nicht immer alle sitzen, aber eine Komödie mit so hoher Gagdichte, bei der jeder Witz tatsächlich zündet muss auch erst noch gedreht werden.

Zwei weitere Dinge sind ebenfalls angenehm. Zum einen verzichtet "Deadpool" auf den Bombast, den die meisten anderen Comicverfilmungen mittlerweile mit sich herumschleppen. Hier geht es nicht darum die Welt zu retten. Es geht darum dem Typen eins reinzuwürgen, der dein Leben über den Haufen geworfen hat. Keine Aliens, keine Superwaffe, keine sonstige Art von massiver Bedrohung. Und während sich darüber lustig gemacht wird wie missglückt Deadpool nach seiner Transformation aussieht ist es doch relativ vielsagend dass ein Großteil seiner Krise daraus resultiert dass er denkt, er wäre nicht länger gut aussehend genug für seine Freundin. Vielleicht ist es zu viel Interpretation für eine Comicverfilmung, aber mir gefällt diese Idee ausgesprochen gut. 


Lustlose Teenager © 20th Century Fox
Ganz rund läuft bei "Deadpool" dann aber doch nicht alles. So fesselnd die Geschichte ist, am Ende haben wir es doch nur mit einer weiteren Origin-Story zu tun. Innerhalb dieser Geschichte ist die Handlung dann auch recht schmal: Typ verliebt sich in tolle Frau, wird mit Krebs diagnostiziert, wird zum Mutanten und kämpft, um seine Frau zu beschützen. Mit Ajax, gespielt von Ed Skrein (bei dem ich mir nicht sicher bin ob er neuerdings undeutlicher redet oder sein britischer Akzent als Witz so dermaßen übertrieben ist dass man ihn teilweise nicht versteht) reiht sich dann noch der nächste, recht farblose und generische Bösewicht in den Reigen der Comicverfilmungen ein. Der Typ schiebt sich einen Film, weil jemand seinen richtigen Namen erfahren hat? Ich schätze, Leute sind schon wegen unbedeutenderer Dinge ausgeflippt. Das sind aber letzten Endes Kleinigkeiten, die man "Deadpool" nicht wirklich zur Last legen kann, denn Spaß macht der Film allemal.


Fazit: "Deadpool" ist laut, hat ein freches und extrem loses Mundwerk, sitzt mit dem Finger viel zu schnell am Abzug und teilt 100 Minuten kräftig in alle Richtungen aus. Fans des Comics kommen also voll auf ihre Kosten. Wer den bisherigen, doch eher kuscheligen Kurs den die X-Men gefahren sind schon als zu hart empfindet, der wird hier Probleme kriegen. Alle anderen bekommen zwar in ihren Grundzügen nur eine weitere, dafür aber extrem kurzweilige Superhelden-Origin-Story, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Inwieweit da jetzt der Hype um einen Publikumsliebling, das clevere Marketing oder die Altersfreigabe dran schuld ist? Völlig nebensächlich wenn das fertige Produkt so viel Laune macht.

Infos zum Film
Originaltitel: Deadpool
Erscheinungsjahr: 2016
Genre:Comicverfilmung, Action, Komödie
FSK:16
Laufzeit:109
Regie: Tim Miller
Drehbuch: Paul Wernick, Rhett Reese
Darsteller: Ryan Reynolds, Morena Baccarin, Ed Skrein, Gina Carano, T.J. Miller, Brianna Hildebrand, Stefan Kapicic u.a.

Trailer

Filmkritik: Das wandelnde Schloss

© Universum Film GmbH
Nachdem ich erst vor kurzem "Mein Nachbar Totoro" und "Prinzessin Mononoke" gesehen hatte und natürlich sofort hier besprechen musste ist es nun wieder Zeit für einen weiteren, zauberhaften Film des unverschämt kreativen Hayao Miyazaki und dem Studio Ghibli. Bei "Das wandelnde Schloss" handelt es sich um die Verfilmung des britischen Buches "Howl's Moving Castle" von Diana Wynne Jones, welches bereits 1986 erschien, aber eine besonders zum Ende hin ganz andere Geschichte erzählt. Wer gerne liest sollte sich das Buch und die beiden Nachfolger nicht entgehen lassen. Gleichzeitig eine Liebesgeschichte, ein Abenteuer und ein Portrait über das Leben in Zeiten des Krieges ist "Das wandelnde Schloss" ein Film, den man sich durchaus genauer ansehen sollte. Miyazakis neunter Film markiert auch eine Rückkehr zu klassischeren Themen wie Magie, gleichzeitig ist es nach "Kikis kleiner Lieferservice" die zweite Geschichte, die nicht komplett von ihm ausgedacht ist. Die Buchvorlage ist sogar nicht einmal japanisch, sondern, wie weiter oben erwähnt, britisch. 2006 war er für einen Oscar in der Kategorie "Bester Animationsfilm" nominiert, verlor aber gegen "Wallace und Gromit". Wieso der Film sich aber hinter keinem anderen verstecken muss, das erfahrt ihr in der Kritik. 

Story: Das Mädchen Sophie arbeitet als Hutmacherin im Geschäft ihres verstorbenen Vaters. Bei einem Besuch in der Stadt lernt sie zufällig den Zauberer Hauro kennen. Sie verliebt sich in ihn und wird daraufhin von einer eifersüchtigen Hexe mit einem Fluch belegt, der sie in eine alte Frau verwandelt. Sophie verlässt im Körper einer 90-Jährigen ihre Heimatstadt und zieht in die Ferne, um Hauro zu suchen und den bösen Fluch rückgängig zu machen. Schließlich findet sie ihn und arbeitet als Putzfrau in seinem geheimnisvollen "wandelnden Schloss", das Türen in vier verschiedene Welten und Zeiten öffnen kann. Feuerteufel Calcifer, der das Haus bewacht, und Hauros kindlicher Assistent Markl werden bald ihre Freunde - nur Hauro schenkt ihr kaum Beachtung. Als er jedoch vom König berufen wird, sein Land vor dem drohenden Krieg zu retten, übernimmt er Verantwortung. Sophies wachsende Liebe zu ihm vermag schließlich den Fluch zu lösen, sie beide zu retten und die Welt vor Zerstörung zu bewahren...
© Universum Film GmbH
Kritik: Reden wir doch zunächst über das visuelle. Für "Das wandelnde Schloss" wurde beispielsweise das Schloss selbst am PC animiert, die Hintergründe wurden aber alle von Hand gezeichnet. Und es ist nur legitim wenn man das Schloss als eigenständige Figur bezeichnet. Aus sicher beinahe 100 Einzelteilen besteht es, die sich dauernd verändern. Wie eine riesige Maschine, an der nichts zusammenpassen will und gleichzeitig alles am richtigen Fleck sitzt wandert es durch die Landschaft. Die Innenräume verändern sich ebenfalls und generell quillt alles vor lauter Fantasie schier über. Die Landschaften um das Schloss herum laden zum Träumen ein und sehen teilweise wie frisch aus dem Louvre geklaut aus. Und dann wäre da noch die kleine Stadt, in der Sophie wohnt. Angelehnt an Städtchen wie Colmar gibt es hier charmante alte Häuser. Im starken Kontrast dazu steht die Stadt des Königs, die sehr modern wirkt. Selbst wenn der Film sonst nichts zu bieten hätte könnte man sich immer wieder in den wundervollen Bildern ergehen. Typisch für die Filme von Miyazaki ist auch, dass er die Bilder für sich sprechen lässt, keine Zeit damit verbringt dem Zuschauer genau zu erklären, was was ist. Stattdessen findet man sich sofort mitten im Geschehen wieder und darf selbst auf Entdeckungsreise gehen.

Doch natürlich ist es damit noch längst nicht getan. Für die Besprechung der Figuren im Film möchte ich die Buchvorlage außen vor lassen, denn die hätte durchaus ihre eigene Besprechung verdient. Wer weiß, vielleicht finden Bücher eines Tages den Weg in diesen Blog, wir werden sehen. Bis dahin ist wieder einmal faszinierend, wie wenig Miyazaki sich auf stumpfe schwarzweiß-Malerei verlässt. Statt der strikten Aufteilung in Gut und Böse, wie sie anderswo gern praktiziert wird, damit der Zuschauer ja nicht überfordert ist, gibt es hier Figuren in allen Schattierungen. Sie alle sind unterschiedlich, haben andere Beweggründe, handeln aber stets nachvollziehbar. Sophie ist als Figur ein interessanter Ansatz, da sie ihrer Jugend beraubt wird. Zwar ist es ein wenig schade dass man ihr andichten musste dass sie so wenig Selbstbewusstsein besitzt und sich als hässlich empfindet, doch sie ist dennoch eine sehr differenzierte Persönlichkeit, die für sich selbst und für andere einstehen kann. Klar, die Sache mit der inneren Schönheit ist mittlerweile irgendwie ausgetreten, doch Sophie ist ein gelungenes Beispiel für eine gekonnte Umsetzung der Thematik. Sie findet sich mit der Lage ab und nimmt das Entfluchen dann einfach selbst in die Hand, und sie ist ziemlich resolut bei der Sache. Ich habe besonders zum Beginn des Films wirklich gefürchtet dass man es hier mit einer dieser schrecklichen "toller Typ rettet graues Mäuschen, graues Mäuschen ist auf ewig dankbar" Geschichten zu tun hatten, aber davon wird man verschont. Ja, es geht darum sich gegenseitig zu retten, doch für eine Liebesgeschichte ist "Das wandelnde Schloss" erfrischend unkitschig. Auch wird schnell klar dass es viel weniger der Fluch der (spannend geschriebenen) Hexe ist sondern viel eher die Selbstzweifel Sophie einen Strich durch die Rechnung machen.
© Universum Film GmbH
Den Kontrast dazu bietet Hauro. Sein Ruf ist unterirdisch, die Frauen soll er reihenweise meucheln. Unglaublich eitel ist er, aber auch wankelmütig. Das Schloss passt sich seinen Stimmungen an und reflektiert diese nach außen hin. Dass es optisch eher heruntergekommen und ein wenig hässlich ist passt wie die Faust aufs Auge. Seine Magie nutzt Hauro sporadisch, er neigt aber zu einer Art Überdosis, die ihn dann auch konsequent erschöpft. Ein bisschen erinnert er an einen Junkie. Nur langsam erkennt er was er für Sophie empfindet, und diese Gefühle geben ihm einen Grund sich gegen den tobenden Krieg zwischen zwei Königreichen zu stellen. Im tiefsten Inneren wird auch ein magisches Wesen von Selbstzweifeln geplagt. Wer gerne interpretiert wird hier fündig, so gibt es zahlreiche Szenen die gekonnt mit der Thematik des Monsters im Menschen spielen. Im Schloss finden sie aber alle zusammen und eine sichere Ruhezone. Der aufmüpfige Feuerdämon Calcifer, der die ganze Angelegenheit zusammenhält und bitte nicht als Kochfeuer benutzt werden will. Der kleine Zauberlehrling Markl, der sich eigentlich nichts sehnlicher wünscht als eine Familie in einer Zeit, in der die Bomben scharenweise auf die Städte hinabregnen. Ebenfalls als Bewohner des Schlosses kann eine liebenswerte Vogelscheuche  gezählt werden, die unweigerlich an "Der Zauberer von Oz" erinnert. 

Statt sich nun aber einfach in einer Liebesgeschichte zu ergehen stehen andere Dinge im Vordergrund. Der sich ausbreitende Krieg wird weitflächig thematisiert und nimmt nach und nach mehr Platz innerhalb der Erzählung ein. Nun spielt der Film in einer fiktiven Welt, doch die Anleihen an vergangene Kriege unserer Welt sind nicht zu übersehen. Brisant ist ebenfalls, dass der Film erschien als der Irakkrieg tobte, doch was hier erzählt wird lässt sich prinzipiell auf jeden Krieg anwenden. Auffällig ist, dass keinerlei Szenen zu sehen sind, in denen jemand stirbt. Wir beobachten Hauro, wie er ins Gefecht fliegt, doch wir sehen ihn niemals töten. Dies gilt auch für alle anderen Kämpfe. Zwar werden nach und nach immer mehr Städte zerstört, und das sich ausbreitende Feuer sorgt für Unbehagen beim Zuschauer, doch die Bewohner scheinen jeweils zu entkommen. Hauro versucht den Konflikt so friedlich wie möglich zu lösen, durch Sabotage und Verwirrung.

Auch hier bieten sich zahlreiche Interpretationsmöglichkeiten an. So werden beispielsweise die Zivilisten vom Bombenhagel heimgesucht während sie ungeschützt sind, die königlichen Paläste werden jedoch durch starke Magie geschützt. In vielen Szenen spricht "Das wandelnde Schloss" sich konkret gegen Kriege aus, ohne sich dabei aufzudrängen. Hier zeigt sich, wie effektiv der Film sowohl für Kinder als auch für Erwachsene gemacht ist. Als Kind wird man sich vermutlich zu Beginn des Films nichts Schlimmes denken wenn Sophie von den beiden Soldaten angesprochen wird. Als Erwachsener weiß man, wo die wirklichen Absichten der beiden liegen. Diese Zweigleisigkeit funktioniert über weite Strecken des Films, erst gegen Ende hin verliert sie sich ein wenig im Sand. So erfährt man nicht, wieso es eigentlich Krieg gibt, die Geschichten fallen am Ende gemeinsam in ein eher unübersichtliches Durcheinander. Doch die Figuren sind da und tragen den Film gemeinsam auf ihren Schultern ins Ziel. Letzten Endes sind es, wie schon bei "Prinzessin Mononoke", zwei Hälften eines Ganzen, die zueinander finden und sich ergänzen. Das entbehrt nicht einer gewissen Tragik, denn es sind die menschlichen Momente, die Hauro seiner Menschlichkeit berauben. Dazu ist niemand hier ein typischer Held, und alle sind irgendwie auf der Flucht vor sich selbst. Das wäre an sich nicht sonderlich sympathisch, doch die Tatsache dass sie alle in ihrer Unsicherheit im Schloss zusammenfinden und sich dann entscheiden, es von nun an anders anzugehen hat etwas Befreiendes an sich. 
© Universum Film GmbH
Fazit: "Das wandelnde Schloss" ist vielleicht nicht ganz so komplex und gleichzeitig subtil wie die bisherigen Filme von Hayao Miyazaki. Die Geschichte hat weniger Zeit sich zu entfalten, die Figuren sind in vielerlei Hinsicht erwachsener als es in den anderen Filmen der Fall ist. Und trotzdem ist er visuell betörend, hat spannende Haupt- und vor allem Nebenfiguren, ergeht sich nicht in langweiligen Gut-Böse Schemen und stellt die Menschlichkeit in den Vordergrund. Abgerundet durch einen erneut zauberhaften Soundtrack von Joe Hisaiashi lädt auch "Das wandelnde Schloss" zum nachdenklichen Träumen ein. Vielleicht nicht der allerbeste Film des Studio Ghibli, aber ein durch und durch charmantes Abenteuer mit dem Herzen am rechten Fleck.


Infos zum Film

Originaltitel: Hauro no ugoku shiro
Erscheinungsjahr: 2004
Genre: Animation, Abenteuer, Fantasy
FSK: Ohne Altersfreigabe
Laufzeit: 120 Minuten
Regie: Hayao Miyazaki
Drehbuch: Hayao Miyazaki
Darsteller: Originale Stimmen: Takuya Kimura, Tatsuya Gashuin, Chieko Baishô, u.a. Deutsche Stimmen: Robert Stadlober, Gerald Schaale, Sunnyi Melles u.a.

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