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gesehen: Wonder Woman


© Warner Bros. Ent.

Story


Vor ihrem Siegeszug als Wonder Woman wurde die Amazonenprinzessin Diana zu einer unüberwindlichen Kriegerin ausgebildet. Sie wuchs in einem abgelegenen Inselparadies auf – erst von einem notgelandeten amerikanischen Piloten erfährt sie von den fürchterlichen Konflikten im Rest der Welt. Daraufhin verlässt sie ihre Heimat, weil sie überzeugt ist, dass sie der bedrohlichen Situation Herr werden kann. In dem Krieg, der alle Kriege beenden soll, kämpft Diana an der Seite der Menschen, entdeckt allmählich ihr volles Potenzial … und ihre wahre Bestimmung.

Filmkritik: Doctor Strange

© Marvel Studios

Story


Das Leben des weltberühmten Neurochirurgen Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ändert sich unwiederbringlich, als er nach einem schweren Autounfall seine Hände nicht mehr benutzen kann. Da die klassische Medizin ihm nicht helfen kann, sucht er Heilung an einem ungewöhnlichen Ort – dem geheimnisvollen Kamar-Taj. Schnell merkt er, dass es sich dabei nicht nur um ein Heilungszentrum handelt, sondern von hier der Kampf gegen unsichtbare dunkle Mächte gefochten wird, die unsere Realität zerstören möchten. Ausgestattet mit neuerworbenen magischen Fähigkeiten, muss Dr. Strange sich entscheiden: Kehrt er in sein altes Leben als angesehener reicher Arzt zurück, oder gibt er dieses auf, um als mächtigster Magier aller Zeiten die Welt zu retten…

Filmkritik: Suicide Squad

 © Warner Bros.
Story:  Nach den jüngster Ereignissen rund um Superman ist für die Regierungsbeamte Amanda Waller klar: eine Verteidigungsmaßnahme muss her. Möglichst günstig und vor allem austauschbar. Sie wirft ihren Blick auf ein paar Gefängnisinsassen der anderen Art. Die Bande aus Verbrechern muss sich schon bald einer unvorstellbaren Gefahr stellen. Werden sie ein Team, oder ist sich am Ende jeder selbst der Nächste?

Kritik: "Suicide Squad" macht es einem nicht unbedingt leicht. Wirft man einen Blick hinter die Kulissen, so wird schnell klar, dass Nachdrehs und Drehbuchänderungen das ursprüngliche Werk verwässert haben. Eine ähnliche Produktionsgeschichte also wie "Fantastic 4" sie zuletzt durchlitt, und mit einem durchwachsenen Ergebnis. Das macht den Film nun nicht schlecht, aber gewöhnungsbedürftig. Denn für jede spaßige Szene gibt es eine, bei der sich Fremdscham einstellt.
© Warner Bros.
Fangen wir bei der Besetzung an. Darsteller wie Viola Davis, die hier herrlich bösartig sein darf, sind natürlich über alle Zweifel erhaben. Will Smith glänzt ebenfalls, besonders wenn er gemeinsame Szenen mit seiner kleinen Leinwandtochter hat. Und auch Margot Robbie überzeugt als ikonische Harley Quinn im Rahmen der ihr vom Drehbuch gegebenen Möglichkeiten. Adam Beach hingegen ist wohl die größte Verschwendung im ganzen Film (und tatsächlich ist der Umgang mit seiner Figur, Slipknot, extremst ärgerlich), und was Jai Courtney dazu antreibt, seine beste Imitation einer australischen Variante von Tom Hardy zu liefern, weiß der Teufel allein. Ebenfalls gefallen hat mir Cara Delevingne als Echantress, vor allem ihre erste Verwandlungsszene ist toll inszeniert. Jai Hernandéz als pyromanischer Diablo ist ebenfalls faszinierend, über seine Figur hätte ich gerne noch mehr erfahren. Adewale Akinnuoye-Agbaje hingegen erkennt man unter all dem Make-Up kaum. Immerhin wurde er aber tatsächlich in der Maske verwandelt und ist nicht komplett animiert.

Tja, und dann wäre da noch Jared Letos Version des Jokers. Vergleiche sind ja häufig unfair, schauen wir also rein auf diese aktuelle Version des berühmten Widersachers. Wobei, viel gibt es da nicht zu betrachten, denn der Joker qualifiziert sich höchstens als Nebenrolle. Seine Leinwandpräsenz bleibt im einstelligen Minutenbereich, größtenteils ist er in der Hintergrundgeschichte für Harley Quinn anzutreffen. Und dort benimmt er sich wie ein reiches Instagram-Kind mit Zugang zu Waffen. Nie war der Titel "Clown Prince of Crime" für eine Leinwandversion treffender. Das kann man mögen, ich persönlich fand diesen Joker furchtbar nervig. Die mechanische Lache setzte dem ganzen die Krone auf. Aber man muss ihn ja nur kurz aushalten, was die ganze Sache klar erträglicher macht. Scheinbar wurden auch viele Szenen mit dem Joker aus dem fertigen Film geschnitten, vielleicht kommt der unrunde Eindruck daher.
© Warner Bros.
Unrund beschreibt dann den kompletten Film auch recht treffend. Einige Momente sind klasse gelungen, beispielsweise die Szene in der Bar, die auch im Trailer zu sehen ist. Und auch zwischendurch gibt es coole Kleinigkeiten zu entdecken. Ich fand besonders spannend, Batman mal aus der Perspektive der Bösen zu sehen. Kleine Easter-Eggs sind im ganzen Film verstreut. Und wenigstens zwischendurch bleibt David Ayer genug Platz, um seinen eigenen Stil durchschimmern zu lassen. In diesen Momenten wird eine düstere, von Neonfarben und bizarren Absurditäten durchzogene Welt offenbart, von der ich gerne mehr gesehen hätte. Doch dann wird wieder auf Nummer sicher gespielt. Wäre der restliche Film im Stil der jeweiligen Charaktereinführungen (minus dir Musik, spätestens nach dem dritten Kultsong in Folge hat wohl jeder Depp kapiert, wie cool die Figuren doch alle sein sollen) weitergegangen, es wäre so viel besser geworden. Stattdessen gibt es eine Menge düsterer Bilder, literweise Regen bei Nacht und zwischendrin hat man alle Mühe zu erkennen, was eigentlich gerade los ist.

Ich bin mir nicht mal sicher, ob man speziell "Suicide Squad" nun vorwerfen kann, dass ein generischer Bösewicht ein generisches, leuchtendes Ding in den Himmel schießt, welches dann zerstört werden muss. Nebenbei gibt es generische Horden unkenntlicher Gegner, damit das große Metzeln kinderfreundlich bleibt. Die Konkurrenz fährt in gefühlt jedem zweiten Film eine Version des Helicarriers-ex-machina auf, die Abwendung davon kommt erst in den letzten Filmen, und DC hängt mit seinem Cinematic Universe immernoch hinterher. Blockbuster laufen aktuell nach einem gewissen Schema ab. Ein Schema, dass ab und an mal eine erfreuliche Überraschung auf die Leinwand zaubert und ansonsten eben Stangenware produziert.
© Warner Bros.
Und zur Stangenware gehört auch diese, am Ende völlig zahme Truppe. Da fehlt mir dann auch die Lust, detailliert darauf einzugehen wie fehl an Platz dieses Fetisch für Schusswaffen in seiner glorreichen Inszenierung hier ist. Oder was für hohler Fanservice für den kleinsten gemeinsamen Nenner Harley Quinns übersexualisierte Darstellung bietet. Oder wie viel mehr man hier mit spannenderen Figuren, einer nicht ganz so wirren und lieblosen Story und ein bisschen hellerer Beleuchtung hätte herausholen können. Keine komplette Bruchlandung, aber in seinem ungenutzten Potezial ziemlich unerreichbar.

Fazit: Gute Absichten, ein talentierter Regisseur und motivierte Darsteller nutzen nur wenig, wenn das Studio am Ende einen massenkonformen Film haben will und deswegen massiv eingreift. "Suicide Squad" hätte ein herrlich bissiger Spaß werden können. Stattdessen ist er ein zahnloses, altes Krokodil, bei dem ab und an das Potenzial vergangener Zeiten durchschimmert. In diesen wenigen Momenten macht der Film dann auch Laune. Über weite Teile ist er aber einfach nur in jeder Form lieblos zusammengeflickt. Wirklich schade drum.

Infos zum Film

Originaltitel: Suicide Squad
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Comicverfilmung, Action
FSK: 16
Laufzeit: 130 Minuten
Regie: David Ayer
Drehbuch:  David Ayer
Darsteller: Margot Robbie, Viola Davis, Will Smith, Cara Delevigne, Jai Courtney u.a.

Trailer



Filmkritik: X-Men: Apocalypse

© 20th Century Fox

Story: Seit Anbeginn der Menschheit wurde er als Gott verehrt: En Sabah Nur, genannt Apocalypse, der erste und mächtigste Mutant des Marvel X-Men Universums, vereint die Kräfte vieler verschiedener Mutanten und ist dadurch unsterblich und unbesiegbar. Nachdem Apocalypse nach tausenden von Jahren erwacht, ist er desillusioniert von der Entwicklung der Welt und rekrutiert ein Team von mächtigen Mutanten – unter ihnen der entmutigte Magneto (Michael Fassbender) – um die Menschheit zu reinigen, eine neue Weltordnung zu erschaffen und über alles zu herrschen. Als das Schicksal der Erde in der Schwebe ist, muss Raven (Jennifer Lawrence) mit Hilfe von Prof. X (James McAvoy) ein Team junger Mutanten anführen, um ihren größten Erzfeind aufzuhalten und die Auslöschung der Menschheit zu verhindern.

Kritik: Und da sind sie wieder, unsere liebsten Mutanten. Dieses Mal geht es zurück ins Alte Ägypten, wo Oscar Isaac in Gottgestalt über die Erde herrschen will. Doch wer große Ziele hat, der macht sich auch Feinde, und so geht der Übermutant erst einmal verschütt. Zeit für einen Auftritt der X-Men. Die haben sich nach den Ereignissen aus "Days of Future Past" aufgeteilt. Raven sucht nach anderen Mutanten, Charles bildet junge Mutanten aus, und Eric lebt zurückgezogen und als normaler Mensch getarnt mit seiner Familie in Polen. In ihren jeweiligen Einführungsszenen wird dann auch schnell klar, dass diese Darsteller selbst die dünnste Geschichte mühelos schultern könnten, denn sie sind allesamt fast schon gespenstisch überzeugend. Besonders Michael Fassbender liefert eine Gänsehautperformance ab. Dazu ist der selbst in 3D überzeugende Film herrlich bunt und geht in seinen Comicwurzeln voll auf.
© 20th Century Fox
Doch auch die Neuzugänge schlagen sich wacker. Sophie Turner als junge Jean Grey sticht besonders heraus, aber auch der Rest muss sich nicht verstecken. Der heimliche Favorit aus dem letzten Teil, Evan Peters als Quicksilver, bekommt eine gesteigerte Version seiner coolen Zeitlupensequenz spendiert. Das mag ultimativer Fanservice sein (wie er an einigen Stellen im Film passiert, mit bestem Gewissen wird stellenweise auf die Kontinuität innerhalb der Reihe geschissen), aber es macht eben auch Spaß, zuzusehen. Letztendlich liegen die Probleme des Films, und die hat er eindeutig, an anderer Stelle.

Denn nach mittlerweile 14 Jahren kommt das Franchise nicht mehr vom Fleck. Bereits zu Beginn wurde prinzipiell immer der gleiche Konflikt neu aufgerollt: Einige Menschen sind anders, verstecken sich, werden an die Hand genommen und ermutigt und stehen dann für sich (und die Menschheit) ein. Ein löblicher Ansatz, der gewiss auch so schnell nicht an gesellschaftlicher Relevanz verlieren wird. Doch das immer gleiche Thema wird auf Dauer eben auch langweilig. Bestes Beispiel hierfür ist die Figur des Magneto. Brillant gespielt, keine Frage. Doch wie oft muss man als Zuschauer noch mit ansehen wie Magneto gute Ziele hat, von irgendwem davon abgebracht wird, sich auf einen ausgiebigen Rachetrip begibt um dann am Ende doch wieder klare Gedanken zu fassen? "Apocalypse" bringt diese Redundanz auf ein ganz neues Level, wenn Gespräche zwischen Magneto und Professor X aus den beiden vorherigen Filmen zusammengeschnitten werden und im ersten Moment gar nicht klar wird, dass es sich um verschiedene Filme handelt.
© 20th Century Fox
Auch die Figur des Apocalypse selbst ist viel zu generisch geraten. Vom Talent des Oscar Isaac merkt man unter all der Maske so gut wie gar nichts, dazu kommt eine teilweise fies übertriebene Stimmverzerrung. Eine Rolle, die eigentlich auch jeder Statist aus der zweiten Reihe hätte übernehmen können. Dafür haut der alte Gott dann wenigstens ordentlich auf den Putz wenn es darum geht, die Menschheit zu bestrafen, bringt aber auch dabei nicht mehr als lahme Plattitüden heraus. Als Adaption der Comics wird ein einziger Film, zumal er so vollgepackt mit Figuren ist, dem Charakter sowieso niemals gerecht werden, und es stellt sich die Frage, wie viel Bösewicht man von einem knapp zweistündigen, in sich abgeschlossenen Werk man als Zuschauer überhaupt erwarten darf.

Diese Austauschbarkeit zieht sich durch den restlichen Film, denn die meisten Szenen sind so in sich abgeschlossen, dass man sie alle zusammen in den Mixer stecken könnte und nach kräftigem Durchschütteln immer noch einen funktionierenden Film hätte. Die persönlichen Momente funktionieren dabei tatsächlich am besten, denn der Rest ist zwar nett anzusehen, aber selbst für einen solchen Film am Ende zu viel. Das Ausmaß der Zerstörung ist so groß, so umfassend, dass unweigerlich die Frage im Raum steht, wie die Welt jemals wieder zur Normalität zurückkehren soll. Dieser Gedankengang wird vermutlich irgendwie in Vergessenheit geraten, spätestens mit dem nächsten Teil der Reihe. Doch es stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit, wenn immer wieder die gleiche Geschichte erzählt wird, ohne dass jemals Konsequenzen daraus folgen.
© 20th Century Fox
Fazit:  "X-Men: Apocalypse" erfindet das Superheldengenre nicht neu. Muss er tatsächlich aber auch nicht, denn mittlerweile ist die Reihe so etabliert, dass Fans eh auf ihre Kosten kommen. Visuell ist "Apocalypse" ein Spektakel, auch die Darsteller überzeugen. Sie sorgen auch für die stärksten Momente im Film: Die, in denen es persönlich wird. Denn Apocalypse als Bösewicht bleibt trotz blauer Farbe schrecklich blass. Und auch die Mutanten leider unter der im Superheldengenre weit verbreiteten Krankheit der Konsequenzlosigkeit. Denn hier hat wirklich fast nichts Auswirkungen auf irgendwas, und das macht "Apocalypse" am Ende nett anzusehen, aber eben auch ein wenig zu irrelevant, um innerhalb der Hauptgeschichte wirklich mitreißen zu können.


Infos zum Film

Originaltitel: X-Men: Apocalypse
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Western, Drama, Action
FSK: 12
Laufzeit: 145 Minuten
Regie: Bryan Singer
Drehbuch: Simon Kinberg
Darsteller: Michael Fassbender, James McAvoy, Oscar Isaac, Sophie Turner, Jennifer Lawrence u.a.

Trailer


Filmkritik: Deadpool

© 20th Century Fox
Story: Bei Wade Wilson (Ryan Reynolds) läuft es eigentlich gut. Der Söldner verdient sein Geld auf leichte Art und Weise und dann lernt er mit Vanessa (Morena Baccarin) die Liebe seines Lebens kennen. Doch dann wird bei ihm Krebs im Endstadium diagnostiziert. Er entschließt sich zur Teilnahme an einem geheimen Programm, welches Heilung verspricht. Doch stattdessen mutiert er unter der Behandlung von Ajax (Ed Skrein) und verfügt ab sofort über rasend schnelle Selbstheilungsfähigkeiten. Es ist also Zeit für einen Rachefeldzug, denn Ajax verfolgt ziemlich finstere Pläne.

Kritik: Lange mussten die Fans des Söldners mit der großen Klappe auf einen eigenen Kinofilm warten. Der missglückte Auftritt in "X-Men Origins: Wolverine" entpuppte sich vor Jahren als Debakel. Wie gut, dass Ryan Reynolds an der Sache dran geblieben ist und beinahe 10 Jahre damit verbracht hat, für eine Umsetzung des derben Comicmaterials zu sorgen. Ein paar Minuten geleaktes Testmaterial, unzählige Trailer und Videokampagnen später strömten die Fans nur so ins Kino. Bereits einen Monat nach Kinostart blickte der Film mit der hohen Altersfreigabe (ab 16 bei uns, R-Rating in den USA) bereits auf fast 670 Millionen Dollar Umsatz. Es scheint also einiges richtig zu laufen für 20th Century Fox. Da Deadpool theoretisch zu den X-Men gehört liegen die Rechte an dieser Marvel-Figur nämlich bei Fox. Das hindert Deadpool allerdings nichts daran, Seitenhiebe in alle möglichen Richtungen auszuteilen. Aber gehen wir der Reihe nach.
Fassungslos: Deadpool © 20th Century Fox
Die grobe Marschrichtung wird gleich in den ersten Minuten des Films klar. Zu oberkitschiger Musik gibt es die Eröffnungsszene in Zeitlupe. Statt den Namen der Beteiligten bekommen wir locker flockige Beschreibungen ihrer Arbeit zu lesen. Eine Zeitschrift mit Ryan Reynolds und dem Vermerk "Sexiest Man Alive" fliegt durch das Bild. Und ehe wir uns versehen sind wir mittendrin im Geschehen und begleiten Deadpool auf seinem Rachefeldzug. Zwischenzeitlich wird in Rückblenden aufgearbeitet wie es zur aktuellen Lage kam. "Deadpool" macht dabei eine Menge richtig. Der Soundtrack von Junkie XL (der auch bei "Fury Road" schon für erfreute Lauscher sorgte) fetzt. Die restliche Auswahl an Songs ist eigenwillig, aber eindrücklich. Die ersten Überraschungen lassen auch nicht lange auf sich warten. Wer hätte innerhalb eines solchen Filmes schon eine der angenehmsten Liebesgeschichten der letzten Zeit erwartet? Wade und Vanessa pokern mit ihrer traumatischen Kindheit um Mitleid, leben eine völlig entspannte Beziehung in jeder Hinsicht und verstehen sich blendend. "Your crazy matches my crazy" hält als Erklärung her, und wenn wir mal ehrlich sind: aus viel mehr besteht das Geheimrezept für eine funktionierende Beziehung doch nun wirklich nicht. Man findet jemanden der zu einem passt, der einen akzeptiert und im besten Fall gleich bescheuert ist. Bingo, Bahn frei für ein Happy End. Dass der Film darüber hinaus die Beziehung der beiden in einer schrägen Montage aus Sexszenen, angepasst an verschiedene Feiertage im Jahr, präsentiert, ist erfrischend: endlich ist Sex in einem Film mal nichts, was sich unter Bettdecken und Tonnen von Scham zu verstecken hat.

Beste Lovestory ever! © 20th Century Fox
Natürlich kommt vor allem der Spaß hier wirklich nicht zu kurz. Der eine oder andere wirklich infantile Witz hat sich eingeschlichen, keine Frage. Vor allem die unendlich vielen popkulturellen Referenzen zünden aber. Da darf man sich auch schon mal fragen ob die Eltern aus "Taken" 1-3 nicht einfach die miesesten Eltern überhaupt sind, wenn jeden Film jemand aus der Sippe entführt wird. Auf Deadpools Beziehung zu den X-Men wird ebenfalls eingegangen. Colossus (gesprochen von Stefan Kapicic) und Negasonic Teenage Warhead (benannt nach einem Song von Monster Magnet, gespielt von Brianna Hildebrand) vertreten die restlichen Mutanten. Colossus würde Deadpool wirklich gerne für die X-Men rekrutieren, Negasonic Teenage Warhead ist eigentlich einfach nur eine gelangweilte Teenagerin. Die Darsteller gehen allesamt in ihren Rollen auf und es tut gut, Leuten zuzusehen die Spaß an ihrer Arbeit haben. Wer im dritten Akt aufpasst bekommt noch ein, zwei mächtige Seitenhiebe aufs Marvel Cinematic Universe mit auf den Weg, und eine Szene nach dem Abspann darf natürlich auch nicht fehlen. Beim freizügigen Einsatz von derbem Humor lässt Deadpool es sich natürlich nicht nehmen, regelmäßig mit dem Publikum zu sprechen. Auch bekannt als das Durchbrechen der vierten Wand (im Theater die Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum), wird effektiv jede Distanz zum Film weggebrochen, die Sache ist direkt persönlich. Das sorgt natürlich für weitere Gags. Die mögen nicht immer alle sitzen, aber eine Komödie mit so hoher Gagdichte, bei der jeder Witz tatsächlich zündet muss auch erst noch gedreht werden.

Zwei weitere Dinge sind ebenfalls angenehm. Zum einen verzichtet "Deadpool" auf den Bombast, den die meisten anderen Comicverfilmungen mittlerweile mit sich herumschleppen. Hier geht es nicht darum die Welt zu retten. Es geht darum dem Typen eins reinzuwürgen, der dein Leben über den Haufen geworfen hat. Keine Aliens, keine Superwaffe, keine sonstige Art von massiver Bedrohung. Und während sich darüber lustig gemacht wird wie missglückt Deadpool nach seiner Transformation aussieht ist es doch relativ vielsagend dass ein Großteil seiner Krise daraus resultiert dass er denkt, er wäre nicht länger gut aussehend genug für seine Freundin. Vielleicht ist es zu viel Interpretation für eine Comicverfilmung, aber mir gefällt diese Idee ausgesprochen gut. 


Lustlose Teenager © 20th Century Fox
Ganz rund läuft bei "Deadpool" dann aber doch nicht alles. So fesselnd die Geschichte ist, am Ende haben wir es doch nur mit einer weiteren Origin-Story zu tun. Innerhalb dieser Geschichte ist die Handlung dann auch recht schmal: Typ verliebt sich in tolle Frau, wird mit Krebs diagnostiziert, wird zum Mutanten und kämpft, um seine Frau zu beschützen. Mit Ajax, gespielt von Ed Skrein (bei dem ich mir nicht sicher bin ob er neuerdings undeutlicher redet oder sein britischer Akzent als Witz so dermaßen übertrieben ist dass man ihn teilweise nicht versteht) reiht sich dann noch der nächste, recht farblose und generische Bösewicht in den Reigen der Comicverfilmungen ein. Der Typ schiebt sich einen Film, weil jemand seinen richtigen Namen erfahren hat? Ich schätze, Leute sind schon wegen unbedeutenderer Dinge ausgeflippt. Das sind aber letzten Endes Kleinigkeiten, die man "Deadpool" nicht wirklich zur Last legen kann, denn Spaß macht der Film allemal.


Fazit: "Deadpool" ist laut, hat ein freches und extrem loses Mundwerk, sitzt mit dem Finger viel zu schnell am Abzug und teilt 100 Minuten kräftig in alle Richtungen aus. Fans des Comics kommen also voll auf ihre Kosten. Wer den bisherigen, doch eher kuscheligen Kurs den die X-Men gefahren sind schon als zu hart empfindet, der wird hier Probleme kriegen. Alle anderen bekommen zwar in ihren Grundzügen nur eine weitere, dafür aber extrem kurzweilige Superhelden-Origin-Story, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Inwieweit da jetzt der Hype um einen Publikumsliebling, das clevere Marketing oder die Altersfreigabe dran schuld ist? Völlig nebensächlich wenn das fertige Produkt so viel Laune macht.

Infos zum Film
Originaltitel: Deadpool
Erscheinungsjahr: 2016
Genre:Comicverfilmung, Action, Komödie
FSK:16
Laufzeit:109
Regie: Tim Miller
Drehbuch: Paul Wernick, Rhett Reese
Darsteller: Ryan Reynolds, Morena Baccarin, Ed Skrein, Gina Carano, T.J. Miller, Brianna Hildebrand, Stefan Kapicic u.a.

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