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gesehen: Wonder Woman


© Warner Bros. Ent.

Story


Vor ihrem Siegeszug als Wonder Woman wurde die Amazonenprinzessin Diana zu einer unüberwindlichen Kriegerin ausgebildet. Sie wuchs in einem abgelegenen Inselparadies auf – erst von einem notgelandeten amerikanischen Piloten erfährt sie von den fürchterlichen Konflikten im Rest der Welt. Daraufhin verlässt sie ihre Heimat, weil sie überzeugt ist, dass sie der bedrohlichen Situation Herr werden kann. In dem Krieg, der alle Kriege beenden soll, kämpft Diana an der Seite der Menschen, entdeckt allmählich ihr volles Potenzial … und ihre wahre Bestimmung.

gesehen: Vaiana

© Walt Disney

Story


Die temperamentvolle und eigenwillige Vaiana ist von Geburt an mit einer einzigartigen Verbindung zum Ozean gesegnet. Mutig setzt sie die Segel und macht sich zusammen mit dem selbstverliebten Halbgott Maui auf die Suche nach den Geheimnissen ihrer Vorfahren. Ihr Weg birgt jede Menge aufregende Erlebnisse und Begegnungen mit den verrücktesten Kreaturen und führt Vaiana letztlich nicht nur auf die Spur ihrer Ahnen, sondern auch zu sich selbst!

gelesen: Trollhunters

© Heyne > fliegt

Guillermo del Toro, einer meiner liebsten Regisseure, schreibt nebenbei auch Bücher. "Trollhunters" richtet sich, man erkennt es unschwer schon am toll gestalteten Cover, eher an ein jüngeres Publikum. Das hält mich natürlich keinesfalls vom Lesen ab. Wer lieber anschauen mag, der findet die passende Serie übrigens auf Netflix. Nun aber fix hinein ins Buch, bevor die Sonne aufgeht....

Das steht drin


An Monster unter dem Bett glaubt der 15-jährige Jim schon lange nicht mehr. Er hat ganz andere Probleme und Träume, wie z. B. seinen Loserstatus an der Schule zu verlieren, in Mrs.Pinktons Matheunterricht möglichst nicht an die Tafel gerufen zu werden und endlich, endlich, endlich die Aufmerksamkeit von Claire Fontaine, dem schönsten und coolsten Mädchen der Schule, zu erregen. Das ändert sich jedoch, als eines Abends eine gewaltige, haarige Pranke mit Krallen, so lang wie ein Unterarm, unter Jims Bett hervorschießt und ihn an den Füßen packt... 

Filmkritik: Doctor Strange

© Marvel Studios

Story


Das Leben des weltberühmten Neurochirurgen Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ändert sich unwiederbringlich, als er nach einem schweren Autounfall seine Hände nicht mehr benutzen kann. Da die klassische Medizin ihm nicht helfen kann, sucht er Heilung an einem ungewöhnlichen Ort – dem geheimnisvollen Kamar-Taj. Schnell merkt er, dass es sich dabei nicht nur um ein Heilungszentrum handelt, sondern von hier der Kampf gegen unsichtbare dunkle Mächte gefochten wird, die unsere Realität zerstören möchten. Ausgestattet mit neuerworbenen magischen Fähigkeiten, muss Dr. Strange sich entscheiden: Kehrt er in sein altes Leben als angesehener reicher Arzt zurück, oder gibt er dieses auf, um als mächtigster Magier aller Zeiten die Welt zu retten…

Filmkritik: Findet Dorie

© Disney / Pixar

Story


„Doch, ich vergess immer alles sofort, das liegt bei uns in der Familie. Ähm, das heißt, zumindest glaube ich das...hmmm...wo sind die eigentlich?“ Warum Dorie wohl allein im Ozean unterwegs war an dem Tag an dem sie Marlin traf? Diese Frage stellt sich bereits in "Findet Nemo". Und endlich gibt es auch die Antwort darauf. Denn in "Findet Dorie" macht sich die unfassbar vergessliche Paletten-Doktorfisch-Dame nun gemeinsam mit Nemo und Marlin auf die Suche nach ihren Wurzeln. Einmal quer durch das Riff vor der kalifornischen Küste, zwischen versunkenen Schiffen und Riesenalgenwäldern hindurch, trifft das Trio auf altbekannte Gefährten wie die Aquariumbande, aber auch viele neue, lustige und liebenswerte Meeresbewohner und schwimmt spektakulären Abenteuern und aufregenden Überraschungen entgegen…

gelesen: Schattenreiter von Marc Turner

Schönes, düsteres Cover © Heyne Verlag

Ab und an packt mich ja die Lust auf düstere High Fantasy, und dann darf es auch gerne mal umfangreich werden. "Schattenreiter" von Marc Turner erfüllt diese beiden Kriterien vorbildlich und machte meine Handtasche für die Lesedauer doch ein ganzes Stück schwerer. Zählt das Herumtragen dann eigentlich schon als Sport? Jedenfalls möchte ich euch von diesem Leseabenteuer berichten.

Das steht drin


In den Landen des Exils steht der alte Orden der Zauberbrecher vor dem Niedergang. Doch dann wird ein mächtiges Artefakt gestohlen: das Buch der Verlorenen Seelen, welches seinem Besitzer Macht über Leben und Tod verleiht. Ein Nekromant will damit den Gott des Todes herausfordern – wenn nicht ein Reiter mit magischen Kräften ihn noch aufzuhalten vermag 

Serienkritik: Captain Future

© Universum Anime

Story


Curtis „Curt“ Newton ist der Sohn der genialen Wissenschaftler Elaine und Roger Newton. Als seine Eltern von dem bösen Victor Corvo umgebracht werden, ist Curtis gerade acht Jahre alt. Grag, ein Roboter, und Otto, ein Android, die beide von Curtis’ Eltern erschaffen wurden, übernehmen zusammen mit Professor Simon Wright, einem Wissenschaftler, der als separates Gehirn getrennt von seinem Körper in einem Spezialbehälter existiert, die Erziehung des Jungen. Dieser entschließt sich nach dem Tod seiner Eltern sein Leben als „Capain Future“ in den Dienst des Guten zu stellen und reift zu einem genialen Wissenschaftler heran. Ihm zur Seite sehen auch die attraktive Agentin der Planetaren Polizei Joan Landor sowie der Marshall Ezella Garnie. Zusammen durchqueren sie mit der Comet, dem besten Schiff im gesamten Weltall, Raum und Zeit um Frieden und Gerechtigkeit zu bewahren. Der ärgste Widersacher von Captain Future ist dabei Vul Kuolun, der Sohn von Victor Corvo, dem Mörder von Curtis’ Eltern, der das Werk seines Vaters fortführt und die Galaxie bedroht. Doch in den Weiten des Weltalls lauern noch zahlreiche weitere Gefahren, denen sich Capain Future stellen muss.


Filmkritik: Rogue One: A Star Wars Story


© The Walt Disney Company

Story


Erzählt wird die Geschichte einer Gruppe ungleicher Rebellen rund um die junge Rebellin Jyn Erso (Felicity Jones), die sich zusammenschließen, um die geheimen Pläne des gefürchteten Todessterns zu stehlen, der gefährlichsten Waffe des Imperiums.

Kritik


Wie übernimmt man als Film die gemeinhin undankbare Aufgabe des Lückenfüllers? Exakt das ist nämlich die Grundprämisse, die "Rogue One" wie ein Damoklesschwert begleitet. Zwischen den Episoden III und IV angesiedelt, ist den Kennern der Geschichte der Ausgang bereits bekannt. Es gilt also, bekanntes so zu erzählen, dass es spannend ist. Und dann gibt es sicher noch Neueinsteiger, die bisher mit Star Wars nichts zu tun hatten. Die dürften allerdings mit einigen Fragen aus dem Kino entlassen werden. Aber fangen wir von vorne an. Also, ganz von vorne.

Filmkritik: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

© Warner Bros. Entertainment

Story


„Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind“ beginnt 1926: Newt Scamander hat gerade eine weltweite Exkursion abgeschlossen, mit der er die aussergewöhnliche Vielfalt von magischen Geschöpfen erforschen und dokumentieren will. Ein kurzer Zwischenstopp führt ihn nach New York und wäre sicherlich ereignislos verlaufen … würden nicht ein No-Maj (Amerikanisch für Muggel) namens Jacob, ein verloren gegangener magischer Koffer und einige entlaufene phantastische Tierwesen aus Newts Sammlung sowohl in der magischen Welt als auch unter den No-Majs für reichlich Schwierigkeiten sorgen.

Kritik


J.K. Rowling bewies bereits mit "Harry Potter" und all seinen Beiwerken, dass sie weiß, wie man eine spannende Geschichte erzählt. Dieses Talent wendet sie nun für Drehbücher auf, um willige Zuschauer in einen anderen Teil der Zaubererwelt mitzunehmen. Bisherige Muggel (oder No-Maj, wie sie nun heissen), also diejenigen, die bisher keinerlei Berührungspunkte mit dem Potter-Universum hatten, finden hier einen reibungslosen Einstieg. Vorwissen braucht man keines. Bringt man aber welches mit, dann finden sich überall im Film mehr oder weniger versteckte Anspielungen (mein Favorit war Newts Schal am Ende, er und ich sind beide stolze Hufflepuffs) auf die bisherige Geschichte. Nüchtern betrachtet stürzen wir uns aber als Zuschauer gemeinsam mit dem etwas schrulligen Newt Scamander, eindrücklich gespielt von Eddie Redmayne, in ein ganz neues Abenteuer.
Newt Scamander kommt in NY an © Warner Bros. Entertainment
Oder vielmehr wird uns, die wir ja in der magischen Welt von Amerika in den Goldenen 20ern ebenso neu sind wie Newt, ein ganz normaler Mensch als Zugangspunkt vorgestellt. Jacob Kowalski arbeitet in einer Konservenfabrik, aber lieber hätte er eine Bäckerei. Als er dafür einen Kredit aufnehmen möchte, trifft er zufällig auf Newt, und einen freigelassenen, diebischen Niffler und einen verwechselten Koffer später steckt er mitten in einem Abenteuer, das er sich im Traum nicht hätte ausdenken können. Dan Fogler spielt Jacob unglaublich sympathisch und liebenswert und vor allem aufgeschlossen. Jacob entdeckt eine völlig neue Welt, denn Muggel in den USA dürfen nichts von der Existenz der Zauberer wissen. Seine Neugierde auf diese neue Welt ist ansteckend, und gemeinsam mit ihm erforschen wir als Zuschauer diese unbekannte Welt mit all ihren fantastischen Wesen. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle auch das Design der verschiedenen Kulissen. Bis ins kleinste Detail ist alles liebevoll eingerichtet und die Räume sind gefüllt mit Leben. Erneut zeigte sich das Studio MinaLima aus London für einen Großteil der Requisiten zuständig, und die beiden Künstler haben sich voll ins Zeug gelegt.
Was da wohl aus dem Koffer will? © Warner Bros. Entertainment
Spannend ist der Film vor allem auch, weil er das erste Mal einen Einblick in die erwachsene Zauberwelt liefert. Während "Harry Potter" sich vornehmlich um Kinder und Teenager drehte, und die Erwachsenen dort nur vereinzelt auftraten, liefert "Fantastische Tierwesen..." tiefergehende Informationen zum Alltag erwachsener Zauberer. Das beeindruckt vor allem, da ein Großteil des Publikums mit den Potter-Filmen aufgewachsen sein dürfte und nun nahtlosen Anschluß findet.Egal ob Hausarbeit oder der Gang zum Amt, um eine Zulassung für den Zauberstab zu bekommen: Die magische Welt unterscheidet sich im Aufbau nicht unbedingt von der Muggelwelt, nur die Handhabung ist ein wenig anders. Als Zuckerguss gibt es noch eine sich anbahnende Liebesgeschichte, die liebevoll mit romantischen Klischees spielt und so richtig ans Herz geht.

Percival Graves verfolgt eigene Ziele © Warner Bros. Entertainment
Der Gesamtton des Films ist überraschend düster. Wie bereits bei "Harry Potter" sind allerhand Themen mehr oder weniger offensichtlich in die Geschichte hineingewoben worden. Es geht um Akzeptanz und Toleranz. Bedingt durch die neue Hauptfigur wird der Tierschutz angesprochen, allerdings niemals mit dem Holzhammer. Die Schönheit und die Eigenarten der Tierwesen sind faszinierend genug, um jedem klarzumachen, dass es nicht richtig sein kann, sie zu jagen oder wegzusperren. Eddie Redmayne schafft es scheinbar mühelos, mit den digitalen Kreaturen zu interagieren und er versprüht dabei so viel Wärme und Güte, dass man gar nicht anders kann, als sich für die Wesen ebenfalls zu begeistern. Ein weiteres, großes Thema ist die Tatsache, dass Zauberer in den USA sich verstecken müssen. Die Muggel dürfen nicht erfahren, dass es inmitten ihrer Welt eine Art Parallelgesellschaft gibt. Geheimhaltung ist angesagt, im Falle des Entdecktwerdens werden Erinnerungen ausgelöscht. Eine protestierende Gegenbewegung macht Jagd auf Hexen und Zauberer, Andersartigkeit muss unterdrückt werden, ganz gleich wie hart die Konsequenzen sein mögen. Durchaus harter Tobak, der aber eindrucksvoll umgesetzt wurde und durchaus auf die aktuelle Lage in einigen Ländern unserer Welt umgeschrieben werden kann. Mit Colin Farrell hat man dazu noch einen charismatischen Antagonisten gewonnen, dessen Motive lange Zeit im Dunklen gehalten werden. Lob verdient auch Ezra Miller, dessen Figur Credence wirklich einnehmend gespielt wird. 

Gestatten? Frank aus Arizona © Warner Bros. Entertainment
Aufgelockert werden diese düsteren Themen durch den wohldosierten Einsatz von Humor. Ein kleiner Anteil lässt sich in die Kategorie des Slapstick einsortieren, hier dürfte vor allem ein jüngeres Publikum seine Freude haben. Bei den Tierwesen sorgt vor allem der Niffler immer wieder für Lacher, hauptsächlich wegen seiner Dreistigkeit im Bezug auf Diebesgut. Auch Eddie Redmayne darf sich zwischendurch von seiner lustigen Seite zeigen. Dies hauptsächlich mit gut durchdachtem Wortwitz, aber zwischenzeitlich auch mit körperlichem Humor. Und dann sind da noch die Special Effects. Diese stehen, außer wenn es um die Tierwesen geht, niemals wirklich im Vordergrund. Sicher, die Zauber sehen nun ein wenig eindrucksvoller aus als noch vor wenigen Jahren, und es blitzt und kracht und sieht verdächtig nach marvelmäßigem Einheitsbrei aus. Doch dann sind da eben auch die Figuren, und es dreht sich alles jederzeit um sie. Effekte sind ein Mittel zum Zweck, um die Geschichte zu unterstreichen, sie schreiben sie aber nicht vor. Selbst das große Finale dreht sich beinahe intim um ein paar wenige Figuren, und sie stehen meilenweit vor irgendwelchen Effekten im Vordergrund.
Queenie und Porpentina Goldstein © Warner Bros. Entertainment
Ein gesondertes Wort möchte ich für die Eltern unter den Lesern noch loswerden. Der Film ist ab sechs Jahren freigegeben, und ich verstehe beim allerbesten Willen nicht, wie dies zustande gekommen ist. Wirklich nicht. So wie die Hauptfiguren bei "Harry Potter" immer älter wurden und die Filme entsprechend düsterer geworden sind, geht es auch hier zu. Es handelt sich um erwachsene Zauberer, und dort werden wirklich düstere Themen serviert. Mal ganz abgesehen von der Frage, in wie weit Kinder in der Lage sind, sich mit Themen wie "Todesstrafe" auseinanderzusetzen, gibt es ein paar Szenen, die schlicht brutal anzusehen sind und die ich keinem Kind unter 12 Jahren zumuten würde. Und selbst da dürften empfindsamere Kinder noch einiges zu schlucken haben. Eltern sollten dies bedenken, bevor sie ihre Kinder in den Film mitnehmen, kindgerecht ist der nämlich über weite Teile absolut nicht. 

Fazit


"Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" schafft mühelos die Gratwanderung zwischen Nostalgie und neuer Frische, zwischen verspielter Komödie und schwerwiegendem, unterschwelligem  Drama. Die Etablierung der neuen Welt, in der Newt Scamander seine Abenteuer erlebt, gelingt mit Leichtigkeit, so dass auch Neulinge sich schnell in der magischen Welt zurechtfinden. Tolle Darsteller, eine erwachsenere Welt, Effekte die sich nicht in den Vordergrund drängen, hier stimmt das Gesamtpaket. Und als jemand, der gemeinsam mit dem Jungen, der überlebte, aufgewachsen ist, kann ich weitere Filme aus diesem Universum kaum erwarten. So, schätze ich, fühlt sich nach Hause kommen an.

Infos zum Film


Originaltitel: Fantastic Beasts and where to find them
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Fantasy, Abenteuer
FSK: 6
Laufzeit: 132 Minuten
Regie: David Yates
Drehbuch: J.K. Rowling
Darsteller: Eddie Redmayne, Katherine Waterston, Alison Sudol, Colin Farrell, Dan Fogler, Ezra Miller, diverse phantastische Tierwesen u.a. 

Trailer

 

Filmkritik: Die Insel der besonderen Kinder

© Twentieth Century Fox Film Corporation
Story: Als Jake (Asa Butterfield) verschiedene Hinweise findet, die Realität und Zeit auf rätselhafte Weise auf den Kopf zu stellen scheinen, entdeckt er einen geheimen Zufluchtsort, Miss Pergerines Home for Peculiar Children. Je mehr Jake über die Bewohner der Insel und über ihre aussergewöhnlichen Fähigkeiten erfährt, desto mehr wird ihm bewusst, dass Sicherheit nur eine Illusion ist und dass Gefahr in Gestalt von übermächtigen, unsichtbaren Feinden überall lauert.

Kritik:  Tim Burton wird ja gerne mal vorgeworfen, dass er sich irgendwo in der Belanglosigkeit verloren hat. Wer davon fest überzeugt ist, der wird sich vermutlich auch mit "Die Insel der besonderen Kinder" bestätigt sehen. Denn hier gibt es eine schräge Geschichte mit schrulligen Figuren und eine gute Dosis Abenteuer. Typisches Burton Material. Doch in Verbindung mit der Romanvorlage von Ransom Riggs entsteht eine Geschichte, die zu berühren weiss.
 © Twentieth Century Fox Film Corporation

Jake als Identifikationsfigur ist eine zugängliche Wahl. Er ist einer dieser Außenseitertypen, für die Burton sich seit jeher begeistern kann. Und er findet sich rasend schnell in einem Abenteuer wieder, welches eigentlich viel zu groß für ihn ist. Dass besagtes Abenteuer gleichzeitig eine Geschichte über das komplizierte Erwachsenwerden zwischen erster Liebe und notwendiger Abnabelung von den Eltern ist, ateht ganz im Zeichen von Burtons großen Werken wie "Big Fish".

Doch natürlich laufen hier einige Dinge anders. Mit den Hollowghasts gibt es eine ernsthafte Bedrohung, die auch visuell unberuhigend wirkt. Dem stehen die besonderen Kinder mit ihren jeweiligen Aufpasserinnen gegenüber. Hier glänzt vor allem Eva Green, die als Miss Peregrine ganz wunderbar in diesen Film passt. Was Burton und die Geschichte ihr an Spleens abverlangen liefert sie mühelos. Gleichzeitig wirkt sie, wie beinahe immer, ein wenig entrückt und nicht von dieser Welt. Mit Ella Purnell bekommt Asa Butterfield eine tragische Love Interest zur Seite gestellt, die beiden harmonieren aber gut, die zaghaft aufkeimende Liebe nimmt man ihnen ab. Die restlichen Kinder bleiben leider etwas auf der Strecke. Besonders über Enoch hätte ich persönlich noch mehr erfahren, da seine Fähigkeit durchaus auch Stoff für moralische Konflikte bietet.
© Twentieth Century Fox Film Corporation
Was den Film spannend macht ist dann am Ende auch die Art der Inszenierung. An einigen Stellen kommt Stop Motion Technik zum Einsatz. Farblich abgesetzte Rückblenden lockern die Erzählstruktur auf, oftmals wirkt es, als wäre ein Abenteuerbuch zum Leben erweckt worden. Der geheimnisvolle, stellenweise fröhliche und auch mal bedrückende Soundtrack leistet ebenfalls seinen Beitrag zu einem rundum stimmigen Werk, dem man die eine oder andere Logikpause gern verzeihen mag.

Fazit: Mit Tim Burton und Ransom Riggs haben sich zwei gesucht und gefunden. Die  Verfilmung des außergewöhnlichen Debütromans ist im positivsten Sinne des Wortes sonderbar, auch wenn der Film eher konventionellen Regeln folgt als es das Buch macht. Für Fans von Burtons Stil, Verehrer von Eva Green und Anhängern der anhaltenden Welle an Young Adult Geschichten ist "Die Insel der besonderen Kinder" jedenfalls eine willkommene Flucht aus dem tristen Alltag.

Infos zum Film

Originaltitel: Miss Peregrines Home for Peculiar Children
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Fantasy, Abenteuer
FSK: 12
Laufzeit: 127 Minuten
Regie: Tim Burton
Drehbuch: Jane Goldman
Darsteller: Eva Green, Asa Butterfield, Ella Purnell, Samuel L. Jackson, Chris O'Dowd, Judi Dench  u.a.

Trailer


Serienkritik: Prinzessin Fantaghirò

© Studio 100 Media
Story: Es war einmal ein König, der auf die Geburt eines männlichen Thronfolgers, der Frieden bringen soll, hofft. Doch es kommt, wie die Weiße Hexe ihm prophezeite: Seine Frau gebärt das dritte Mal ein Mädchen - Fantaghirò - und stirbt bei der Geburt. Als Prinzessin Fantaghirò im heiratsfähigen Alter gegen ihren Willen vermählt werden soll, weigert sie sich vehement und wird deshalb von ihrem Vater verstoßen. Im Märchenwald zeigt ihr die Weiße Hexe, wie man richtig kämpft. Dort trifft sie auch erstmals auf den Prinzen des benachbarten und verfeindeten Königreiches, der ihre schönen Augen nicht vergessen kann...

Kritik: Ich glaube ich lehne mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich jetzt mal frech behaupte: So ziemlich jeder dürfte die Geschichte von Prinzessin Fantaghirò kennen. Ok, jeder der in den 90ern schon alt genug war, um im Fernsehen gesehene Dinge in Erinnerung behalten zu können. So wie beispielsweise ich. "Prinzessin Fantaghirò" lief damals irgendwann um die Weihnachtszeit. Für mich hieß das: Vor dem Fernseher einquartieren und mitfiebern. Jedes Jahr. Und schon damals (bei mir dann so Ende der 90er) wurden rege Diskussionen im Freundeskreis geführt. Romualdo (was für eine Frage???) oder doch Tarabas (nein, nein nein)? Ihr seht, diese "Team" Sache, die mit Twilight irgendwie aufkam, gab es also auch vorher schon. Aber ich schweife ab.
© Studio 100 Media
"Prinzessin Fantaghirò" ist ein lupenreines Märchen, inklusive guter und böser Hexen, einem irgendwie zauberhaften Wald und natürlich, der Name verrät es ja schon, Prinzessinnen und Prinzen. Jeweils zwei Folgen der Serie gehören dabei inhaltlich zusammen, es gibt pro Doppelpack neue Abenteuer. Die Darsteller bleiben natürlich die gleichen. Alessandra Martines als mutige und eigensinnige Prinzessin ist natürlich die Hauptfigur. Ihre Geschichte beruht auf einem gut 1000 Jahre alten Märchen aus der Toskana. Als ihr Vater sie vermählen will, weigert sie sich, und schließlich schickt er sie fort. Im Wald lernt sie, wie man mit verschiedenen Waffen umgeht. Doch natürlich wird sich am Ende doch verliebt, und die Geschichte nimmt fast ein wenig "Romeo und Julia" mäßige Züge an. Zu viel will ich natürlich aber auch nicht verraten, es gibt sicher noch einige unter euch Lesern, welche die Serie noch nicht kennen.
© Studio 100 Media
Mit (damaligen) darstellerischen Größen wie Mario Adorf, Brigitte Nielsen oder Ursula Andress ist die Serie prominent besetzt, man nimmt den Schauspielern ihre Rollen jedenfalls gut ab. Auch die Kulissen sind liebevoll gestaltet, einige Effekte sind naturgemäß nicht optimal gealtert. Das trübt aber das Sehvergnügen nicht, denn die Geschichte weiß zu packen. Jedenfalls die ersten sechs Episoden, denn danach ist leider ein deutlicher Verfall in der erzählerischen Qualität auszumachen. Aber, und das ist ja das Schöne an solchen Box-Sets, was nicht gefällt kann man ja einfach auslassen. Und zumindest die ersten sechs Folgen sind dann auch so viele Jahre später noch pure Magie und die Anschaffung in jedem Fall wert.

Fazit: Mit der Komplettbox sichert man sich ein Erste Klasse Ticket für einen Nostalgietrip in die eigene Kindheit. Die Geschichte hat über die Jahre hinweg nichts von ihrem Zauber verloren. Technisch wurden die Episoden mühevoll überarbeitet. Liebens- (und natürlich auch hassens-) werte Figuren sowie eine universelle Geschichte um Mut und Freundschaft sorgen auch knapp 25 Jahre nach der Erstveröffentlichung für wunderbare Unterhaltung.
© Studio 100 Media
Die Blu-ray: Die Blu-ray im Vertrieb von Studio 100 Media ist seit dem 7. Oktober 2016 im Handel erhältlich. Im relativ dicken Amaray-Keepcase sind die 10 Folgen der Serie auf 5 Discs verteilt. Die Episoden 1-6 konnten dabei neu abgetastet werden und liegen somit in einem wunderbar aufgefrischten, hochwertigeren Look vor. Die letzten vier Episoden wurden damals bereits auf PAL-Videomaterial gedreht und liegen deswegen nicht in nativem HD vor. Die deutschsprachige Tonspur kommt in sauber abgemischtem DTS-HS Master Audio 2.0 daher. Dialoge und Hintergrundgeräusche sowie Musik stehen in einem guten Verhältnis zueinander, Tonfehler sucht man vergebens. Auch das Bild gibt Grund zur Freude. Das alte Material wurde mühevoll überarbeitet, es ist jetzt bis auf wenige Szenen schön scharf. Bildstörungen wie beispielsweise Kratzer, die in alten Fassungen noch vorlagen, wurden entfernt. Auch die Kontraste sind gut gesetzt. Nur nach Extras sucht man in der Box vergeblich.

Infos zum Film

Originaltitel: Fantaghirò
Erscheinungsjahr: 1991 / 2016
Genre: Fantasy, Märchen
FSK: 12
Laufzeit: 921 Minuten, verteilt auf zehn Episoden
Regie: Lamberto Bava
Drehbuch: Francesca Melandri, Gianni Romoli
Darsteller: Alessandra Martines, Mario Adorf, Kim Rossi Stuart, Brigitte Nielsen, Ursula Andress, Angela Molina u.a.

Trailer



Filmkritik: Suicide Squad

 © Warner Bros.
Story:  Nach den jüngster Ereignissen rund um Superman ist für die Regierungsbeamte Amanda Waller klar: eine Verteidigungsmaßnahme muss her. Möglichst günstig und vor allem austauschbar. Sie wirft ihren Blick auf ein paar Gefängnisinsassen der anderen Art. Die Bande aus Verbrechern muss sich schon bald einer unvorstellbaren Gefahr stellen. Werden sie ein Team, oder ist sich am Ende jeder selbst der Nächste?

Kritik: "Suicide Squad" macht es einem nicht unbedingt leicht. Wirft man einen Blick hinter die Kulissen, so wird schnell klar, dass Nachdrehs und Drehbuchänderungen das ursprüngliche Werk verwässert haben. Eine ähnliche Produktionsgeschichte also wie "Fantastic 4" sie zuletzt durchlitt, und mit einem durchwachsenen Ergebnis. Das macht den Film nun nicht schlecht, aber gewöhnungsbedürftig. Denn für jede spaßige Szene gibt es eine, bei der sich Fremdscham einstellt.
© Warner Bros.
Fangen wir bei der Besetzung an. Darsteller wie Viola Davis, die hier herrlich bösartig sein darf, sind natürlich über alle Zweifel erhaben. Will Smith glänzt ebenfalls, besonders wenn er gemeinsame Szenen mit seiner kleinen Leinwandtochter hat. Und auch Margot Robbie überzeugt als ikonische Harley Quinn im Rahmen der ihr vom Drehbuch gegebenen Möglichkeiten. Adam Beach hingegen ist wohl die größte Verschwendung im ganzen Film (und tatsächlich ist der Umgang mit seiner Figur, Slipknot, extremst ärgerlich), und was Jai Courtney dazu antreibt, seine beste Imitation einer australischen Variante von Tom Hardy zu liefern, weiß der Teufel allein. Ebenfalls gefallen hat mir Cara Delevingne als Echantress, vor allem ihre erste Verwandlungsszene ist toll inszeniert. Jai Hernandéz als pyromanischer Diablo ist ebenfalls faszinierend, über seine Figur hätte ich gerne noch mehr erfahren. Adewale Akinnuoye-Agbaje hingegen erkennt man unter all dem Make-Up kaum. Immerhin wurde er aber tatsächlich in der Maske verwandelt und ist nicht komplett animiert.

Tja, und dann wäre da noch Jared Letos Version des Jokers. Vergleiche sind ja häufig unfair, schauen wir also rein auf diese aktuelle Version des berühmten Widersachers. Wobei, viel gibt es da nicht zu betrachten, denn der Joker qualifiziert sich höchstens als Nebenrolle. Seine Leinwandpräsenz bleibt im einstelligen Minutenbereich, größtenteils ist er in der Hintergrundgeschichte für Harley Quinn anzutreffen. Und dort benimmt er sich wie ein reiches Instagram-Kind mit Zugang zu Waffen. Nie war der Titel "Clown Prince of Crime" für eine Leinwandversion treffender. Das kann man mögen, ich persönlich fand diesen Joker furchtbar nervig. Die mechanische Lache setzte dem ganzen die Krone auf. Aber man muss ihn ja nur kurz aushalten, was die ganze Sache klar erträglicher macht. Scheinbar wurden auch viele Szenen mit dem Joker aus dem fertigen Film geschnitten, vielleicht kommt der unrunde Eindruck daher.
© Warner Bros.
Unrund beschreibt dann den kompletten Film auch recht treffend. Einige Momente sind klasse gelungen, beispielsweise die Szene in der Bar, die auch im Trailer zu sehen ist. Und auch zwischendurch gibt es coole Kleinigkeiten zu entdecken. Ich fand besonders spannend, Batman mal aus der Perspektive der Bösen zu sehen. Kleine Easter-Eggs sind im ganzen Film verstreut. Und wenigstens zwischendurch bleibt David Ayer genug Platz, um seinen eigenen Stil durchschimmern zu lassen. In diesen Momenten wird eine düstere, von Neonfarben und bizarren Absurditäten durchzogene Welt offenbart, von der ich gerne mehr gesehen hätte. Doch dann wird wieder auf Nummer sicher gespielt. Wäre der restliche Film im Stil der jeweiligen Charaktereinführungen (minus dir Musik, spätestens nach dem dritten Kultsong in Folge hat wohl jeder Depp kapiert, wie cool die Figuren doch alle sein sollen) weitergegangen, es wäre so viel besser geworden. Stattdessen gibt es eine Menge düsterer Bilder, literweise Regen bei Nacht und zwischendrin hat man alle Mühe zu erkennen, was eigentlich gerade los ist.

Ich bin mir nicht mal sicher, ob man speziell "Suicide Squad" nun vorwerfen kann, dass ein generischer Bösewicht ein generisches, leuchtendes Ding in den Himmel schießt, welches dann zerstört werden muss. Nebenbei gibt es generische Horden unkenntlicher Gegner, damit das große Metzeln kinderfreundlich bleibt. Die Konkurrenz fährt in gefühlt jedem zweiten Film eine Version des Helicarriers-ex-machina auf, die Abwendung davon kommt erst in den letzten Filmen, und DC hängt mit seinem Cinematic Universe immernoch hinterher. Blockbuster laufen aktuell nach einem gewissen Schema ab. Ein Schema, dass ab und an mal eine erfreuliche Überraschung auf die Leinwand zaubert und ansonsten eben Stangenware produziert.
© Warner Bros.
Und zur Stangenware gehört auch diese, am Ende völlig zahme Truppe. Da fehlt mir dann auch die Lust, detailliert darauf einzugehen wie fehl an Platz dieses Fetisch für Schusswaffen in seiner glorreichen Inszenierung hier ist. Oder was für hohler Fanservice für den kleinsten gemeinsamen Nenner Harley Quinns übersexualisierte Darstellung bietet. Oder wie viel mehr man hier mit spannenderen Figuren, einer nicht ganz so wirren und lieblosen Story und ein bisschen hellerer Beleuchtung hätte herausholen können. Keine komplette Bruchlandung, aber in seinem ungenutzten Potezial ziemlich unerreichbar.

Fazit: Gute Absichten, ein talentierter Regisseur und motivierte Darsteller nutzen nur wenig, wenn das Studio am Ende einen massenkonformen Film haben will und deswegen massiv eingreift. "Suicide Squad" hätte ein herrlich bissiger Spaß werden können. Stattdessen ist er ein zahnloses, altes Krokodil, bei dem ab und an das Potenzial vergangener Zeiten durchschimmert. In diesen wenigen Momenten macht der Film dann auch Laune. Über weite Teile ist er aber einfach nur in jeder Form lieblos zusammengeflickt. Wirklich schade drum.

Infos zum Film

Originaltitel: Suicide Squad
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Comicverfilmung, Action
FSK: 16
Laufzeit: 130 Minuten
Regie: David Ayer
Drehbuch:  David Ayer
Darsteller: Margot Robbie, Viola Davis, Will Smith, Cara Delevigne, Jai Courtney u.a.

Trailer



Filmkritik: Zoomania

© Disney
Story: Zoomania ist eine Metropole wie keine andere, eine Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten und Schmelztiegel der unterschiedlichsten Tierarten aus aller Welt: Wüstenbewohner leben in Sahara-Wolkenkratzern neben Eisbären in coolen Iglu-Appartements. Hier scheint für jeden einfach alles möglich, egal ob Spitzmaus oder Elefant. Doch als Polizistin Judy Hopps – jung, ehrgeizig, erster Hase bei der Polizei überhaupt – nach Zoomania kommt , stellt sie schnell fest, dass es gar nicht so einfach ist, sich als einziges Nagetier in einer Truppe aus knallharten und vor allem großen Tieren durchzubeißen. Eben noch dazu verdonnert, Knöllchen zu schreiben, erhält die aufgeweckte Hasendame vom Polizeichef ihren ersten großen Auftrag: Sie soll eine zwielichtige Verschwörung aufdecken, die ganz Zoomania in Atem hält. Ihr erster richtiger Fall erweist sich bald als eine Nummer größer als gedacht, doch Hopps ist fest entschlossen, allen zu zeigen, was sie drauf hat! Auch wenn sie dafür notgedrungen mit dem großmäuligen und ziemlich ausgefuchsten Trickbetrüger Nick Wilde zusammenarbeiten muss…

Kritik: Disney erforscht sich, so scheint es jedenfalls, aktuell immer wieder selbst. "Tangled" brachte eine moderne Version von Rapunzel, "Frozen", "Big Hero 6" und "Wreck it Ralph" bewegten sich in dem Spannungsfeld zwischen traditioneller Disney-Erzählung und moderner Herangehensweise. "Zoomania", oder wie er im Original (und deutlich sinnvoller) heißt, Zootopia, ist dabei zuerst einmal wunderschön anzuschauen. Spätestens wenn Judy mit dem Zug in die große Stadt fährt und wir als Zuschauer alle Bereiche zu sehen bekommen (eisige Welten gleich neben der Sahara und einem saftigen, satten Dschungel), macht sich staunen breit. Auch der Aufbau der Welt ist gewohnt liebevoll bis in die kleinsten Details durchdacht. Es mag sich um eine Welt handeln, in der nur Tiere leben, aber alles wirkt so, als ob dieser Ort tatsächlich existieren könnte. Hier finden sich dann auch schon die ersten Seitenhiebe auf unsere Gesellschaft, die für den einen oder anderen Lacher sorgen. Ebenso unterhaltsam sind zahlreiche Anspielungen seitens Disney auf aktuelles, popkulturelles Geschehen.
© Disney
Neu, oder zumindest relativ neu für Disney, ist der überdeutliche Bezug zu aktuellen Themen. An die immer wiederkehrende "Du kannst alles sein, was du willst" Botschaft haben wir uns bereits gewöhnt, und eine Armee von einzigartigen, speziellen Schneeflocken bevölkert momentan die Welt, nur um zu lernen, dass sie alle nicht so besonders sind wie ihre Eltern ihnen das eingeredet haben. Doch hier wirkt das alles ein wenig eindringlicher, und vor allem wird es dank der tierischen Protagonisten erfolgreich auf weitere Themengebiete ausgeweitet. Und genau hier begibt sich der Film auf eine Gratwanderung, die ihm nicht immer gelingt.

Denn es wird rasch deutlich, dass auch hier die Tiere stellvertretend für Menschen stehen. Und während die Kernaussagen des Films, nämlich dass Stereotype schlecht sind, dass jedem alle Möglichkeiten offen stehen und so weiter, innerhalb der geschlossenen (Tier-)Welt des Filmes noch angehen mögen, wird der Vergleich mit den Menschen kompliziert. Denn der Film nutzt schlicht die falschen Beispiele. Dass Hasen sich beispielsweise recht zügig vermehren, wenn das Umfeld es zulässt, dass Raubtiere niemals ganz gezähmt werden können und unberechenbar bleiben, sind Tatsachen, die sich nicht wegdiskutieren lassen. Und "Zoomania" liefert genügend Beispiele für beide Richtungen und spart sich die Differenzierung. Würde man hier zwei Menschen mit komplett unterschiedlicher Gesinnung ins Kino schicken, sie beide würden sich am Ende in ihrer komplett entgegensetzten Meinung bestätigt fühlen. Doch vordergründig ist die Botschaft des Films natürlich wunderbar umgesetzt und auch wichtig.
© Disney
Ansonsten gibt es hier für Disney doch eher untypische Kost, "Zoomania" entwickelt sich nämlich über seine Laufzeit hinweg durchaus zu einem Krimi mit Noir-Elementen. Ich will nichts verraten, aber wer sich für das Genre interessiert wird sich über ein paar witzige Anspielungen freuen. Ansonsten ist die Geschichte um Freundschaft und den Glauben an sich selbst schön erzählt, toll animiert und randvoll mit Anspielungen in alle Richtungen. Kurz gesagt: Kurzweilig, lustig, nachdenklich und mal wieder ein Volltreffer aus dem Haus mit der Maus.

Fazit:"Zoomania" hat ganz klar das Herz am rechten Fleck und thematisiert aktuelle Geschehnisse. Da wird anhand von Hasen und Füchsen die ganze Bandbreite von Sexismus, Rassismus, Benachteiligung und Stereotypen abgearbeitet, und das oftmals ziemlich eindeutig. Das ist, vor allem für Disneyverhältnisse, neu, wertet den Film aber ungemein auf. Dass er sich dann am Ende selbst wenigstens ein bisschen in die Pfanne haut, weil die angeführten Beispiele im Bezug auf Menschen mal so gar nicht funktionieren, ist zu verschmerzen. Darüber hinaus sieht "Zoomania" atemberaubend schön aus, steckt randvoll mit popkulturellen Hinweisen und weiß, wie man sein Publikum bei Laune hält, egal wie alt es ist.

Infos zum Film

Originaltitel: Zootopia
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Animation, Krimi, Drama, Komödie
FSK: 0
Laufzeit: 108 Minuten
Regie: Byron Howard, Rich Moore, Jared Bush
Drehbuch: Jared Bush, Phil Johnston
Sprecher (englisch): Ginnifer Goodwin, Jason Bateman, Idris Elba, Jenny Slate, J.K. Simmons, Alan Tudyk, Bonnie Hunt u.a.

Trailer


Filmkritik: Kung Fu Panda 3


© Twentieth Century Fox of Germany GmbH
Story: Nachdem Panda Po sich damit arrangiert hat, der auserwählte Drachenkrieger zu sein, steht er vor neuen Aufgaben. Aus dem Schüler soll ein Lehrer werden. Als plötzlich sein leiblicher Vater auftaucht und ihm von einem Dorf voller Pandas erzählt ist die Freude zunächst groß. Doch der legendäre Ochsenkrieger Kai kehrt aus der Geisterwelt zurück und sammelt das Chi der anderen großen Meister ein, um stärker zu werden. Po muss seine Aufgabe als Lehrmeister erfüllen, wenn er seine Freunde und das Tal retten will.

Kritik: Auch das dritte Wiedersehen mit dem knuffigen Panda sorgt für eine Menge Spaß. Mit dem sympathischen Vielfraß mitzufiebern ist leicht, denn ganz klar hat der pelzige Geselle das Herz am rechten Fleck. Das altbekannte Team mit Tigress, Viper, Mantis und wie sie alle heissen ist ebenfalls vollzählig vertreten. Und auch wenn es sich um Nebenrollen handelt, so hat doch jeder seinen kleinen Moment und liefert einen wichtigen Beitrag. Die Wertevermittlung, die sich natürlich vornehmlich an ein jüngeres Publikum richtet, ist dezent, aber vorhanden. Freundschaft, Mut, der Glaube an sich selbst, sie alle spielen eine zentrale Rolle. Denn Po ist nicht mehr länger nur Schüler, er soll nun auch unterrichten. Und das ist leichter gesagt als getan. Dabei bleibt der Humor aber keinesfalls auf der Strecke, und wie in den vorherigen Teilen richtet er sich gleichzeitig an die Jüngsten im Saal, und an die Erwachsenen. Bei den Animationen wurde auch nochmals eine Schippe draufgelegt, jede Szene sieht fantastisch aus und macht Lust auf mehr.  
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Der vermutlich größte Coup gelingt "Kung Fu Panda 3" aber dort, wo auf den ersten Blick wohl fast niemand hinschaut. Denn im dritten Teil taucht Pos leiblicher Vater auf. Mit immer mehr Patchworkfamilien und vielen Adoptiveltern und offenen Adoptionen sicher ein Thema, das Fingerspitzengefühl verlangt. Und genau das beweisen die Autoren. Zwar lügen beide Väter ihren Sohn in manchen Situationen an, und ich hätte mir eine andere Lösung für diese kleinen Lügen gewünscht. Im großen und ganzen entstehen aber alle Konflikte aus der simplen Tatsache, dass beide Väter das beste für Po wollen. Mr. Ping ist dazu noch extrem unsicher, denn mit Pos leiblichem Vater hat er wohl einfach nicht gerechnet. Po wird aus diesen Streitereien aber weitestgehend herausgehalten. Er wird auch niemals vor die Wahl gestellt, ohne viel Aufheben arbeiten Ziehvater und leiblicher Vater zusammen, um Po so gut es geht zu helfen. In schön miteinander verflochtenen Szenen entdeckt Po seine Gemeinsamkeiten mit all den anderen Pandas. Und Mr. Ping, sein Ziehvater, erkennt dass die anderen Pandakinder sind wie Po und somit sein eigener Sohn. Ein kleiner, aber wichtiger Beitrag in Sachen Interkulturalität.
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Da stresst es auch kaum, dass die Geschichte stellenweise doch sehr vorhersehbar ist. Unvorhersehbares und überraschende Wendungen bleiben komplett aus. Pos Vater ist in seiner Handlung ein besonders extremes Beispiel für diese Vorhersehbarkeit. Aber da sich die Reihe nach wie vor in erster Linie an Kinder richtet ist dies wohl zu verschmerzen. Mit Kai hat man einen zunächst eindrucksvollen Gegenspieler entworfen, der dann aber doch in der endlosen Masse an farblosen, schnell vergessenen Bösewichten untergeht.

Fazit: Auch im dritten Teil bewegt sich Panda Po auf zuverlässigem Gebiet. Die Witze zünden, die Story ist zwar nicht neu, mit dem sympathischen Panda fiebert man aber natürlich trotzdem mit. Und im dritten Teil sind die Animationen, das muss festgehalten werden, wirklich atemberaubend schön gelungen.Da stört es auch kaum, dass die Geschichte sich doch das eine oder andere Mal unnötig selbst ein Bein stellt. Schön wäre es gewesen, einen etwas bedrohlicheren Gegenspieler zu erschaffen, Kai wirkt doch relativ häufig eher harmlos. Andererseits steht natürlich die Frage im Raum, wie böse es in einem Familienfilm zugehen darf.   
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Infos zum Film

Originaltitel: Kung Fu Panda 3
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie, Abenteuer, Animation
FSK: 0
Laufzeit: 96 Minuten
Regie: Jennifer Yu, Alessandro Carloni
Drehbuch: Glenn Berger, Jonathan Aibel
Sprecher: originale Stimmen: Jack Black, Bryan Cranston, J.K. Simmons, Dustin Hoffmann, Angelina Jolie, Lucy Liu, Seth Rogen, David Kross, Jean-Claude Van Damme u.a. deutsche Sprecher: Hape Kerkeling, Gottfried John, Bettina Zimmermann, Cosma Shiva Hagen, Ralf Schmitz u.a.

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Filmkritik: X-Men: Apocalypse

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Story: Seit Anbeginn der Menschheit wurde er als Gott verehrt: En Sabah Nur, genannt Apocalypse, der erste und mächtigste Mutant des Marvel X-Men Universums, vereint die Kräfte vieler verschiedener Mutanten und ist dadurch unsterblich und unbesiegbar. Nachdem Apocalypse nach tausenden von Jahren erwacht, ist er desillusioniert von der Entwicklung der Welt und rekrutiert ein Team von mächtigen Mutanten – unter ihnen der entmutigte Magneto (Michael Fassbender) – um die Menschheit zu reinigen, eine neue Weltordnung zu erschaffen und über alles zu herrschen. Als das Schicksal der Erde in der Schwebe ist, muss Raven (Jennifer Lawrence) mit Hilfe von Prof. X (James McAvoy) ein Team junger Mutanten anführen, um ihren größten Erzfeind aufzuhalten und die Auslöschung der Menschheit zu verhindern.

Kritik: Und da sind sie wieder, unsere liebsten Mutanten. Dieses Mal geht es zurück ins Alte Ägypten, wo Oscar Isaac in Gottgestalt über die Erde herrschen will. Doch wer große Ziele hat, der macht sich auch Feinde, und so geht der Übermutant erst einmal verschütt. Zeit für einen Auftritt der X-Men. Die haben sich nach den Ereignissen aus "Days of Future Past" aufgeteilt. Raven sucht nach anderen Mutanten, Charles bildet junge Mutanten aus, und Eric lebt zurückgezogen und als normaler Mensch getarnt mit seiner Familie in Polen. In ihren jeweiligen Einführungsszenen wird dann auch schnell klar, dass diese Darsteller selbst die dünnste Geschichte mühelos schultern könnten, denn sie sind allesamt fast schon gespenstisch überzeugend. Besonders Michael Fassbender liefert eine Gänsehautperformance ab. Dazu ist der selbst in 3D überzeugende Film herrlich bunt und geht in seinen Comicwurzeln voll auf.
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Doch auch die Neuzugänge schlagen sich wacker. Sophie Turner als junge Jean Grey sticht besonders heraus, aber auch der Rest muss sich nicht verstecken. Der heimliche Favorit aus dem letzten Teil, Evan Peters als Quicksilver, bekommt eine gesteigerte Version seiner coolen Zeitlupensequenz spendiert. Das mag ultimativer Fanservice sein (wie er an einigen Stellen im Film passiert, mit bestem Gewissen wird stellenweise auf die Kontinuität innerhalb der Reihe geschissen), aber es macht eben auch Spaß, zuzusehen. Letztendlich liegen die Probleme des Films, und die hat er eindeutig, an anderer Stelle.

Denn nach mittlerweile 14 Jahren kommt das Franchise nicht mehr vom Fleck. Bereits zu Beginn wurde prinzipiell immer der gleiche Konflikt neu aufgerollt: Einige Menschen sind anders, verstecken sich, werden an die Hand genommen und ermutigt und stehen dann für sich (und die Menschheit) ein. Ein löblicher Ansatz, der gewiss auch so schnell nicht an gesellschaftlicher Relevanz verlieren wird. Doch das immer gleiche Thema wird auf Dauer eben auch langweilig. Bestes Beispiel hierfür ist die Figur des Magneto. Brillant gespielt, keine Frage. Doch wie oft muss man als Zuschauer noch mit ansehen wie Magneto gute Ziele hat, von irgendwem davon abgebracht wird, sich auf einen ausgiebigen Rachetrip begibt um dann am Ende doch wieder klare Gedanken zu fassen? "Apocalypse" bringt diese Redundanz auf ein ganz neues Level, wenn Gespräche zwischen Magneto und Professor X aus den beiden vorherigen Filmen zusammengeschnitten werden und im ersten Moment gar nicht klar wird, dass es sich um verschiedene Filme handelt.
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Auch die Figur des Apocalypse selbst ist viel zu generisch geraten. Vom Talent des Oscar Isaac merkt man unter all der Maske so gut wie gar nichts, dazu kommt eine teilweise fies übertriebene Stimmverzerrung. Eine Rolle, die eigentlich auch jeder Statist aus der zweiten Reihe hätte übernehmen können. Dafür haut der alte Gott dann wenigstens ordentlich auf den Putz wenn es darum geht, die Menschheit zu bestrafen, bringt aber auch dabei nicht mehr als lahme Plattitüden heraus. Als Adaption der Comics wird ein einziger Film, zumal er so vollgepackt mit Figuren ist, dem Charakter sowieso niemals gerecht werden, und es stellt sich die Frage, wie viel Bösewicht man von einem knapp zweistündigen, in sich abgeschlossenen Werk man als Zuschauer überhaupt erwarten darf.

Diese Austauschbarkeit zieht sich durch den restlichen Film, denn die meisten Szenen sind so in sich abgeschlossen, dass man sie alle zusammen in den Mixer stecken könnte und nach kräftigem Durchschütteln immer noch einen funktionierenden Film hätte. Die persönlichen Momente funktionieren dabei tatsächlich am besten, denn der Rest ist zwar nett anzusehen, aber selbst für einen solchen Film am Ende zu viel. Das Ausmaß der Zerstörung ist so groß, so umfassend, dass unweigerlich die Frage im Raum steht, wie die Welt jemals wieder zur Normalität zurückkehren soll. Dieser Gedankengang wird vermutlich irgendwie in Vergessenheit geraten, spätestens mit dem nächsten Teil der Reihe. Doch es stellt sich die Frage nach der Notwendigkeit, wenn immer wieder die gleiche Geschichte erzählt wird, ohne dass jemals Konsequenzen daraus folgen.
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Fazit:  "X-Men: Apocalypse" erfindet das Superheldengenre nicht neu. Muss er tatsächlich aber auch nicht, denn mittlerweile ist die Reihe so etabliert, dass Fans eh auf ihre Kosten kommen. Visuell ist "Apocalypse" ein Spektakel, auch die Darsteller überzeugen. Sie sorgen auch für die stärksten Momente im Film: Die, in denen es persönlich wird. Denn Apocalypse als Bösewicht bleibt trotz blauer Farbe schrecklich blass. Und auch die Mutanten leider unter der im Superheldengenre weit verbreiteten Krankheit der Konsequenzlosigkeit. Denn hier hat wirklich fast nichts Auswirkungen auf irgendwas, und das macht "Apocalypse" am Ende nett anzusehen, aber eben auch ein wenig zu irrelevant, um innerhalb der Hauptgeschichte wirklich mitreißen zu können.


Infos zum Film

Originaltitel: X-Men: Apocalypse
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Western, Drama, Action
FSK: 12
Laufzeit: 145 Minuten
Regie: Bryan Singer
Drehbuch: Simon Kinberg
Darsteller: Michael Fassbender, James McAvoy, Oscar Isaac, Sophie Turner, Jennifer Lawrence u.a.

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Filmkritik: Victor Frankenstein

© 20th Century Fox
Story: Der radikale Wissenschaftler Victor Frankenstein (James McAvoy) und sein ebenso brillanter Schützling Igor Strausman (Daniel Radcliffe) teilen eine noble Vision: durch ihre bahnbrechenden Forschungen wollen sie der Menschheit zur Unsterblichkeit verhelfen. Aber Victors Experiment geht zu weit und seine Obsession hat grauenvolle Konsequenzen. Nur Igor kann seinen Freund am Rande des Wahnsinns erreichen und ihn vor seiner monströsen Kreation retten.

Kritik: Im Zuge des anhaltenden Revivals klassischer Horror-Literaturvorlagen bekommt nun auch der gute Doktor Frankenstein ein Make-Over. Und wie schon bei beispielsweise Guy Ritchies "Sherlock Holmes" ergibt sich auch hier eine Mischung aus quirligem viktorianischem Setting, gesprenkelt mit ein paar modernen Einschüben. Aber taugt dieser Ansatz etwas?
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Die klare Antwort darauf lautet: Jein. "Victor Frankenstein" hat einige Aspekte, die wirklich wunderbar funktionieren. Wer auch immer James McAvoy für die Hauptrolle besetzte sollte ein dickes Lob dafür bekommen, der gute ist ganz und gar entfesselt. Nichts ist ihm zu cheesy, nichts zu überdreht. Mit einer leichten Überdosis Wahnsinn brüllt und zürnt er sich durch den Film, nur um im nächsten Moment einen manischen Lachanfall zu bekommen. Seine Schwächen und Stärken werden von einem zurückhaltenden, aber ebenso überzeugenden Daniel Radcliffe vollumfänglich gespiegelt. Die beiden haben sich klar gesucht und gefunden. Auch wenn Radcliffe leider nicht zu den begabtesten Darstellern gehört und über die Mitleidsschiene nicht hinauskommt. Und dann ist da noch Andrew Scott, meine liebste Inkarnation von Moriarty in "Sherlock" von der BBC. Als fanatischer Polizist erdet er das Geschehen, macht Dinge greifbar und dient als Ankerpunkt für die Zuschauer. Und natürlich ist er überzeugend, wie könnte es auch anders sein. In einer Nebenrolle taucht Charles "Tywin Lannister" Dance auf, um die Hauptfigur mit einem wohldosierten Maß an Verachtung zu strafen. Was er eben am besten kann. Und irgendwo rennt Jessica Brown Findlay herum und...naja, macht gar nichts außer nett auszusehen.

Das Script von Max Landis hat ebenfalls seine Momente. Der Aspekt des Menschen, der sich anmaßt Gott zu spielen, wird schön ausgespielt. Auch der wissenschaftliche Fortschritt im Angesicht religiöser Überzeugungen findet seinen Platz. Dies alles spielt sich in merklich handgemachten Sets und mit schönen, praktischen Effekten ab. Leider fällt der Einsatz von CGI dann umso mehr auf, doch ein erschaffenes, kleines Monster kann trotzdem auch optisch überzeugen. Das Londoner Stadtbild muss sich nicht verstecken, und die liebevollen und detailreichen Kostüme sind eine Augenweide. Der Soundtrack ist ebenfalls angenehm im Ohr, leicht verspielt stellenweise und an den richtigen Ecken gehörig dramatisch. Nein, handwerklich ist hier wirklich nichts zu bemängeln.
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Doch wo viel Licht ist, ist naturgemäß auch eine Menge Schatten. Jessica Brown Findlays Rolle hätte man sich sparen können, die wahre Romanze läuft (natürlich getarnt als Bromance) zwischen Igor und Frankenstein ab, die Dame stört da nur. Zumal zwischen ihr und Radcliffe exakt null Chemie herrscht. Die Rolle des Antagonisten ist im wahrsten Sinne des Wortes farblos und hätte komplett gestrichen werden können. Darüber hinaus ist der Film ein wenig zu lang geraten. Vorhersehbarkeit möchte ich einer Frankenstein-Variante allerdings nicht vorwerfen, auch wenn der Erzähler gleich zu Beginn deutlich macht, dass diese Geschichte anders ist. Natürlich muss Igor auch genormt werden, um in die Gesellschaft zu passen. Und auch wenn die Darsteller das Beste aus dem Script herausholen, bleiben die Figuren doch zu blass gezeichnet, um wirklich Tiefe entstehen zu lassen. So fällt es dann auch schwer, sich wirklich für das Schicksal der Beteiligten zu interessieren, und "Victor Frankenstein" erliegt dem unerträglichen Dasein im absoluten Mittelmaß.

Fazit:"Victor Frankenstein" sieht famos aus, die Sets, Kostüme und das Feeling sind stimmig. Auch die Darsteller geben ihr Bestes. Doch das Drehbuch ist zu vorhersehbar, die Figuren bleiben zu oberflächlich und stellenweise gleich ganz überflüssig. Wer die Geschichte um den Doktor mag, sich für steampunkiges, viktorianisches London und einen völlig entfesselten James McAvoy interessiert, könnte hiermit aber glücklich werden.

Infos zum Film

Originaltitel: Victor Frankenstein
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Horror, Abenteuer
FSK: 16
Laufzeit: 106 Minuten
Regie: Paul McGuigan
Drehbuch: Max Landis
Darsteller: James McAvoy, Daniel Radcliffe, Andrew Scott, Jessica Brown Findlay  u.a.

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Filmkritik: Gods of Egypt

© Ascot Elite
von Philipp M.

Ganz besonders viel Medienaufmerksamkeit konnte Gods of Egypt bereits bei der Veröffentlichung seiner ersten Trailer im November 2015 generieren. Allerdings handelte es sich dabei nicht unbedingt um jene Art von Aufmerksamkeit, die sich Studio und Vertrieb dringend gewünscht hätte: das Projekt wurde unrühmlicherweise mit dem – spätestens jetzt allseits bekannten – Begriff des „Whitewashings“ in Verbindung gebracht. Dass sich Regisseur Alex Proyas nach anfänglicher (und meiner Meinung nach durchaus ehrlich gemeinter) Entschuldigung für dieses „Whitewashing“ nun doch für einen etwas impulsiven Rundumschlag gegen alle Filmkritiker entschieden hat, wird die Ausgangslage des Films für weitere Kritiken nicht verbessert haben.
Trotz dieser ungünstigen Faktoren möchte ich möglichst objektiv an "Gods of Egypt" herangehen und zuerst kurz die vieldiskutierte „Whitewashing“-Thematik ansprechen, denn dabei handelt es sich meiner Meinung nach durchaus um eine problematische Tendenz. Ridley Scott musste für "Exodus: Gods and Kings" (2014) schon ganz ähnliche Kritik einstecken. Dabei hat er zurecht angemerkt, dass häufig auch finanzielle Prozesse des Hollywoodsystems mitverantwortlich sind, die sich massgeblich auf Castingentscheidungen auswirken. Über Sinn und Unsinn solcher Rechtfertigungen lässt sich natürlich streiten. Wo letztlich die Veränderung beginnen muss, bei den Studios oder bei den Castingverantwortlichen, kann ich an dieser Stelle nicht beantworten. Eine umfassende Analyse des Problems ist im Rahmen einer Filmkritik kaum möglich, auch wenn dies gerade im Fall von "Gods of Egypt" oft und vergeblicherweise versucht wurde.

Story: Horus (Nikolaj Coster-Waldau), Gott der Luft und des Himmes, soll die Herrschaft über das Land Ägypten von seinem Vater Osiris (Bryan Brown) übernehmen. Am Tag der Krönungszeremonie will jedoch Seth (Gerard Butler), Gott der Wüste, dies vereiteln. Kurzerhand marschiert er mit seiner Armee auf, tötet seinen eigenen Bruder Osiris und entreisst seinem Neffen Horus die frischerlangte Macht sowie beide Augen. Diese sind gerade für Horus speziell wichtig, da ein Grossteil seiner göttlichen Macht in ihnen begründet liegt und er sie unter anderem für die Transformation in seine geflügelte göttliche Mythengestalt benötigt.
Gleichzeitig wird auch die Geschichte des jungen menschlichen Pärchens Zaya (Courtney Eaton) und Bek (Brenton Thwaites) eingeführt. Diese konnten bis anhin glücklich unter der Herrschaft von Osiris leben, was sich jedoch durch Seths Machtergreifung gründlich verändert hat. Götter und Menschen müssen sich dessen neuem grausamem Regime fügen, und so geschieht es, dass Zaya zur Sklavin von Seths menschlichem Chefarchitekten Urshu (Rufus Sewell) wird, während Bek – eigentlich wie schon zuvor – als geschickter und unbemerkter Dieb über die Runden kommt. So gelingt es Letzterem auch, eines von Horus Augen aus Seths Schatzkammer zu entwenden. Aber wie sieht Seths endgültiger Plan aus und kann Horus aus dem Exil zurückkehren und den Frieden in seinem entrissenen Königreich wiederherstellen?
© Ascot Elite
Kritik: Ohne gross abzuschweifen, möchte ich zuallererst die Verwendung und Qualität von computergeneriertern Bildern ansprechen. Bereits mit der Veröffentlichung erster Promobilder und Trailer im letzten Jahr wurde eines unmissverständlich klargestellt: "Gods of Egypt" sollte ganz klar ein visuell betonter und CGI-lastiger Streifen werden. Diese Entscheidung mutet etwas seltsam an, denn gerade noch hat "Star Wars: Episode VII - The Force Awakens" (2015) damit von sich Reden gemacht, dass CGI nur dort eingesetzt wurde, wo es unumgänglich war (zugegebenermassen im Falle von Star Wars immer noch recht häufig). Im Allgemeinen wurde eine solche Rückbesinnung von Fans und Kritikern positiv aufgenommen. Demgegenüber stehen CGI-Feste wie "Star Wars: Episode II - Attack of the Clones" (2002), "Clash of the Titans" (2010) oder "Jupiter Ascending" (2015), die unter anderem wegen dem unvernünftigen Ausmass (und der teilweise unzureichenden Qualität) von CGI harsch kritisiert wurden.
In diesem Kontext muss angemerkt werden, dass es bei Gods of Egypt nicht nur Schlechtes zu berichten gibt. Lässt man sich erst einmal auf den 3D-CGI-Klamauk ein, gibt es einige schöne Sequenzen zu bewundern. Seths Pyramide der Sande wurde visuell ebenso hochwertig umgesetzt wie Thoths Bibliothek. Und so übertrieben der allnächtliche Kampf von Ra (Geoffrey Rush) gegen den Dämonen Apophis im Weltall auf der dunklen Seite der flachen Erdscheibe auch erscheinen mag, ich mochte die Szene dennoch.
Tatsächlich scheint der Film aber eine gewisse qualitative Konsistenz des CGIs, die bei einem solchen Unterfangen absolut notwendig wäre, nicht wirklich zu erreichen. Viele Effekte sind – wie bereits erwähnt – durchaus qualitativ in Ordnung, einige sogar hochwertig. Das Problem kommt aber genau dann ins Spiel, wenn einige andere Effekte die Immersion des Zuschauers brechen. Insbesondere empfand ich die Bewegungsanimation der Götterwesen, in die sich die beispielsweise Horus und Seth verwandeln, als holprig. Wohlgemerkt meine ich damit nicht ihre Textur oder den doch recht eindrücklichen Detailreichtum, mit dem sie designt wurden, sondern simpel und einfach ihre Animation, und darunter insbesondere die Sprung- und Flugbewegungen. Da die bedeutendsten Actionsequenzen des Films solche Götterwesen beinhalten, wird das Problem nur allzu deutlich sichtbar.
© Ascot Elite
Damit kommen wir auch zum nächsten Punkt, nämlich der Story. Wie bei solchen spektakelgeladenen Filmen üblich, tritt sie meist in den Hintergrund und ist eher ein Vehikel, das die Protagonisten von einer Actionszene zur nächsten bringt. So ist es dann auch unumgänglich, dass deren Charakterentwicklung eher unzureichend bleibt. Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass es sich hier um reines Actionkino handelt, weshalb ich auch nicht versuche, diesen Umstand als absolutes No-Go-Kriterium gegen den Film anzuführen.  Generell wurde die Story jedoch über eine viel zu lange Laufzeit hinweggestreckt (127 Minuten), wodurch sich bei mir gewisse Ermüdungserscheinungen ergaben. Die schiere Anzahl an Actionsequenzen (und teilweise auch deren Länge) wirken extrem forciert. Man fragt sich beispielsweise, welchen Zweck die Szene mit den überdimensionalen, feuerspeienden Kobras erfüllen sollte. Sie zeigt meiner Meinung nach gut die Prämisse des Films auf: Eine wahrheitsgetreue Abbildung ägpyptischer Mythologie war nicht nur nie beabsichtigt (falls das dem Zuschauer nach der Einführung der vier Meter grossen, gestaltwandelnden Götter mit goldenem Blut noch nicht aufgefallen war), sondern sollte einer stark überhöhten und auf Hollywood-Actionkino heruntergebrochenen Repräsentation dieser Mythenwelt weichen. Grundsätzlich also genau das, was "Clash of the Titans" zuvor mit griechischer Mythologie versucht hatte. 
Aber kommen wir  noch einmal auf die Figuren und damit auch auf die Schauspieler zurück. Falls so etwas wie eine Charakterentwicklung im Film stattfindet, dann wäre sie bei Horus zu suchen. Dieser ist zwar von Beginn an auf der guten Seite angesiedelt, muss jedoch im Verlauf des Filmes seine Arroganz und sein Überlegenheitsgefühl gegenüber seinem Volk ablegen. Ein Schelm wer in dieser Entwicklung Parallelen zu Coster-Waldaus Rolle des Jaime Lannister aus HBOs "Game of Thrones" sieht. Goldene Rüstungen, fehlende Körperteile (ob nun Augen oder Hände) und Coster-Waldaus Schauspiel stellen sicher, dass man die Ähnlichkeiten nicht übersehen kann. Für mich persönlich hatte dies den merkwürdigen Effekt, dass ich die Figur von Horus besser nachvollziehen konnte, da er für mich effektiv fast zu Jaime Lannister wurde. Es bleibt jedoch höchst fraglich ob dieser Effekt nun als positiv oder negativ zu bewerten ist. Gerard Butler, Courtney Eaton und Brenton Thwaites machen ihre Sache grundsätzlich solide. Dass ihre Figuren eindimensional bleiben ist wohl eher dem Drehbuch als ihrem schauspielerischen Können anzulasten. Was den Humor anbelangt, so wurde die Inkonsistenz des CGIs hier nahtlos weitergeführt. Einige Sprüche brachten mich wirklich zum schmunzeln, andere waren eher grenzwertig oder klischiert.
© Ascot Elite
Fazit: Die Kritik wirkt abschliessend sicherlich etwas unversöhnlich. Ich will jedoch "Gods of Egypt" nicht als durchwegs schlechten Film einordnen. Wen ab und zu ein überwältigendes Bedürfnis nach Action und visuellen Effekten überkommt, das auch mal mehr als zwei Stunden anhalten kann, der wird dem Film sicherlich positive Seiten abgewinnen können. Man sieht durchaus, wo die 140 Millionen Dollar hingeflossen sind, auch wenn das CGI teilweise Schwachstellen aufweist. Die 3D-Umsetzung empfand ich als gelungener als bei den meisten vergleichbaren Filmen. Während ich bei "Clash of the Titans" diesbezüglich nicht viel mehr als ungläubig den Kopf schütteln konnte,  wirkte das 3D hier deutlich angenehmer. Wenn man ohne grosse Erwartungen an "Gods of Egypt" herantritt, kann man sich den Film durchaus zu Gemüte führen, denn es gibt definitiv schlechtere Beispiele aus dem Bereich der Mythologie-Action-CGI-Kracher.


Infos zum Film:

Originaltitel: Gods of Egypt
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Fantasy, Action, Abenteuer
FSK: 12

Laufzeit: 127 Minuten
Regie: Alex Proyas

Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless
Darsteller: Brenton Thwaites, Nikolaj Coster-Waldau, Gerard Butler, Geoffrey Rush, Courtney Eaton, Elodie Yung, Chadwick Boseman u.a.



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