gesehen: Die Schöne und das Biest


© Walt Disney

Story


Die kluge und anmutige Belle (Emma Watson) lebt mit ihrem leicht exzentrischen Vater Maurice (Kevin Kline) ein beschauliches Leben, das nur durch die Avancen des Dorfschönlings Gaston (Luke Evans) gestört wird. Doch als Maurice auf einer Reise in die Fänge eines Ungeheuers (Dan Stevens) gerät, bietet die mutige junge Frau ihre Freiheit im Austausch gegen das Leben ihres Vaters an. Trotz ihrer Furcht freundet sich Belle mit den verzauberten Bediensteten im verwunschenen Schloss des Biests an. Mit der Zeit lernt sie hinter dessen abscheuliche Fassade zu blicken und erkennt seine wahre Schönheit…



Kritik


Ich erinnere mich noch zurück an meinen allerersten Kinobesuch. Vier Jahre war ich damals als, das war 1991. Und bis heute bekomme ich Gänsehaut, wenn ich die Musik aus dem Prolog von "Die Schöne und das Biest" höre. Bis heute ist mein erster Disneyfilm mein liebster Disneyfilm und genießt einen Ehrenplatz in einem Regal voller filmischer Erinnerungen. Entsprechend skeptisch war ich, als ich erfuhr, dass Disney ein Live Action Remake meines Lieblings plant. Nun kann ich die Filme, die mich von Disney jemals enttäuscht haben, nach wie vor an einer Hand abzählen, aber trotzdem: Ein animiertes Biest? Und wer sollte Belle spielen? Und überhaupt, was ist mit den Schlossbewohnern?
© Walt Disney
In den Händen von Regisseur Bill Condon schnürt sich allerdings wirklich beinahe alles an diesem Film zu einem schicken Paket zusammen. Sicher, der gute Mann hat mit ganzen zwei "Twilight" Filmen Disney vermutlich überzeugt, dass er auf der großen Bühne heimisch ist. Er hat allerdings auch mit kleinen Juwelen wie "Gods and Monsters" gezeigt, dass Charaktere ihm mehr am Herzen liegen, als das große Spektakel. Und falls es doch mal Spektakel sein soll, dann ist er im Musicalbereich durchaus zuhause. Diese Faktoren spielen wunderbar zusammen, wenn es darum geht, die zauberhafte Emma Watson als Außenstehende in einer kleinen Gemeinschaft zu inszenieren, während um sie herum ein ganzer Haushalt magisch zum Leben erweckt wird.

© Walt Disney
Emma Watson, um diesen Gedanken kommt man wohl kaum herum, wenn man sich abseits ihrer Rollen ein wenig mit der Darstellerin beschäftigt, hat vermutlich ihre eigenen Ideen mitgebracht, wenn es um die Darstellung einer der ikonischsten Disneyprinzessinnen geht. Nach wie vor ist sie belesen, doch sie bringt auch anderen Mädchen im Dorf bei, mehr als nur Bilderbücher zu konsumieren. Hier und da nutzt sie in kleineren Momenten eigene Erfindungen, wobei klar auch angemerkt werden muss, dass ihr in Schlüsselmomenten nach wie andere Figuren aus der Misere helfen. Spannender ist da das Update, welches ihr Vater Maurice (gespielt von Kevin Kline) erhält. Er ist schlau und erfahren, exakt der Vater, den man sich für eine junge Frau wie Belle vorstellen würde. Im Verlauf des Films, der 45 Minuten länger ist als sein gezeichneter Vorgänger, erfahren wir mehr über die Vorgeschichte dieser kleinen Familie, und es wird mehr als deutlich, dass Maurice schwer damit zu tun hat, in der Welt nicht zu verzweifeln. Statt Klugheit und Besonnenheit werden hier nämlich ganz andere Dinge wertgeschätzt.
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Diese kulminieren in Gaston, herrlich selbstverliebt und sich selbst überschätzend von Luke Evans gespielt. Permanent ist er damit beschäftigt, sein eigenes Idealbild von sich vor der Dorfgemeinschaft aufrecht zu erhalten. So wird sein Ziel, Belle zu heiraten, zu einer einzigen Mission, sein Ego zu polieren. Die einzige Frau, die ihn durchschaut und merkt, wie primitiv er eigentlich ist. Für ihn ist sie die ultimative Trophäe. Spannend ist der Ansatz, Gaston und auch Lefou als Soldaten zu zeichnen, die sich aus dem Krieg kennen. So wird seine Art, seine Aggression wenigstens ansatzweise erklärt und es macht auch deutlich, wieso er Lefou toleriert. Josh Gad spielt solide wie eigentlich immer. Fast schon ärgerlich ist allerdings der von Disney im Vorfeld so oft angesprochene Umgang mit Homosexualität, wurde Lefou doch im Vorfeld als erster, offen homosexueller Charakter im Disneykanon präsentiert. Die meiste Zeit über wirkt er allerdings im Zusammenspiel mit Gaston wie eine Ansammlung negativer Klischees, und die "große Enthüllung" ist exakt eine Sekunde lang, wir sehen ihn aus Versehen mit einem anderen Mann tanzen. In Malaysia wurde der Film deswegen nicht gezeigt, Disney weigerte sich, die eine Sekunde aus dem Film schneiden zu lassen, was immerhin eine Haltung ist, die man bewundern kann. Hier liegt trotzdem noch ein gutes Stück Arbeit auf dem Weg, auch wenn der Film sonst vor allem im Finale ziemlich inklusiv ist. Bedenkt man, dass Wandel im Haus der Maus oftmals eine ganze Weile dauert (von den gänzlich hilflosen Prinzessinnen, wie sie Schneewittchen und Cinderella damals waren, sind wir ja nun weg), befinden wir immerhin auf diesem Weg.
© Walt Disney
So wird durch die detailverliebten, wunderschönen Sets gesungen und getanzt. Hier und da ergänzen neue Songs das altbekannte Repertoire, mit dem fast ein wenig zu sorgsam umgegangen wird. Die talentiertesten Sänger verbergen sich hier allerdings in Nebenrollen, bei den Menschen überrascht vor allem Luke Evans mit seiner stimmlichen Bandbreite. Die Animationen sind solide gelungen, die verschiedenen Mitglieder des Haushalts wachsen einem schnell ans Herz. Mit eindrücklichen Sprechern wie Emma Thompson, Ian McKellen und Ewan McGregor ist man hier absolut auf Nummer sicher gegangen, und die meisten Szenen aus dem Zeichentrickfilm finden sich in dieser realen Version wieder. Für mich persönlich war die Szene in der Bibliothek hier das absolute Highlight, hier kam zum ersten Mal das Gefühl dieser altbekannten Disneymagie auf. Während die "Be our Guest" Szene wahrlich als Showstopper funktioniert und den Zuschauer begeistert, transferiert sie nicht zu 100 % passend in die reale Welt. Schön anzusehen, so wie der Rest des Films, ist sie aber allemal. Die Special Effects sind bis auf kurze Ausnahmen allesamt gelungen, einzig das Biest wirkt in wenigen, einzelnen Einstellungen etwas deplatziert. So wirklich auffällig ist dies aber nur in einer Szene, in der man es kurz im liegen sieht. Ansonsten fügt es sich harmonisch in die Umwelt ein.

Und falls ihr nun mehr über die Special Effects des Films wissen wollt, lest doch mein Interview mit dem VFX-Hauptverantwortlichen, Steve Gaub, welches ich für Moviebreak geführt habe.



Fazit


"Die Schöne und das Biest" bietet eine zeitgemäße Auffrischung des beliebten Klassikers. Mehr Hintergrundgeschichten für die Figuren und einige neue Songs verlängern die Laufzeit und fügen Mehrwert hinzu. Prächtige Kulissen und gut aufgelegte Darsteller machen die Realverfilmung zu einer kurzweiligen, opulenten Angelegenheit, die zwar an die Magie des Originals nicht ganz herankommt, aber auf ihre eigene, charmante Art verzaubert.


Die Blu-ray


Die Blu-ray im Vertrieb von Disney ist in der Schweiz seit dem 27 Juli im Handel, in Deutschland erscheint die Blu-ray am 10. August 2017. Dem Amaray-Keepcase liegt leider kein Wendecover bei, so muss mit dem FSK-Aufkleber Vorlieb genommen werden. Im Inneren der Hülle verbergen sich dann aber ein paar richtige Schätze, doch zunächst kurz zu Bild und Ton. Wer ausreichend Boxen hat, der kann den Film auf englisch in klangstarkem, sauber abgemischtem DTS HD-MA 7.1 genießen. Englisch und deutsch liegen in ebenfalls absolut ordentlichem DTS-HDHR 5.1 vor, Italienisch kann in DTS Digital Surround 5.1 genossen werden. Das Bild der Blu-ray überzeugt, die Farben sind sehr satt gelungen, auch die Kontraste sowie die Schwarzwerte wissen zu überzeugen.
Richtig zauberhaft wird es mit den zahlreichen Extras, die es auf die Disc geschafft haben. Neben der Option, den Hauptfilm mit einer dreiminütigen Ouvertüre abzuspielen, gibt es detaillierte Einblicke hinter die Kulissen. Die Zauberhafte Drehbuchlesung (13:31 min) gibt einen durchaus witzigen Einblick in eine frühe Begegnung der Darsteller. Ein zeitloses Märchen in neuem Gewand (7:08 min) begeistert durch sein Wissen über das Märchen, Die Frauen hinter "Die Schöne und das Biest" (5:17 min) hält, was der Name verspricht. Vom Song zur Filmszene (13:26 min), Erweiterter Song „Days in the Sun" (4:08 min) , Ein neuer Song mit Céline Dion (3:24 min), "Beauty and the Beast" – Musikvideo mit Ariana Grande und John Legend (4:02 min), Making-of-Musikvideo: "Beauty and the Beast" (2:07 min) und eine Disney-Liederauswahl beschäftigen sich aus verschiedenen Perspektiven mit der weltbekannten Musik des Films. Zusätzliche Szenen (6:23 min) runden das Gesamtangebot ab. 

Infos zum Film


Originaltitel: Beauty and the Beast
Erscheinungsjahr: 2017
Genre: Märchen, Fantasy, Abenteuer, Musical, Drama
FSK: 6
Laufzeit: 129 Minuten
Regie: Bill Condon
Drehbuch: Steven Chbosky, Evan Spiliotopoulos, Jeanne-Marie Leprince de Beaumont
Darsteller: Emma Watson, Dan Stevens, Luke Evans, Josh Gad, Kevin Kline, Emma Thompson, Ewan McGregror, Ian McKellen u.a. 
 

Trailer

 

 

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