gespielt: Horizon Zero Dawn

© Guerilla Games

Story


In einer üppigen, pulsierenden, postapokalyptischen, offenen Welt streifen gewaltige mechanische Kreaturen durch eine Landschaft, die sie der Menschheit abgerungen haben.
Die Menschen haben sich im Lauf der Zeit zu Jägern und Sammlern zurückentwickelt, die inmitten gigantischer Wälder, imposanter Gebirgszüge und der stimmungsvollen Ruinen einer längst vergangenen Zivilisation ums Überleben kämpfen – während die barbarischen Maschinen allmächtig geworden sind.
Du bist Aloy, eine geschickte Jägerin, die auf Geschwindigkeit, Cleverness und Flinkheit setzt, um zu überleben und ihren Stamm gegen die Stärke, Größe und rohe Kraft der Maschinen zu beschützen. Angesichts einer überwältigenden Übermacht begibst du dich auf eine fesselnde, emotionale Reise, um die Geheimnisse einer vergessenen Zivilisation und deren Artefakte aufzudecken und mehr über die fortschrittlichen Technologien zu erfahren, die über das Schicksal des Planeten entscheiden werden – und über das Überleben der Menschen. 


Kritik


"Horizon Zero Dawn", ein Playstation-only Titel, hatte es mir bereits zum Release angetan, und ich bin auch mit knapp vier Tagen Verspätung eingestiegen und relativ schnell sehr weit vorwärtsgekommen. Dann setzte eine recht seltsame Macke meinerseits ein: Ich habe sicher sechs Wochen lang nicht weitergespielt. Zu gut hat mir das Game gefallen und ich wollte einfach nicht, dass es zu Ende ist. Atemberaubende Logik, nicht wahr? Nun hatte ich das lange Wochenende aber genutzt und bin schlichtweg begeistert (und verdammt heiß auf das Addon, welches an der E3 vorgestellt wurde).
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Das Spiel beginnt recht unerwartet mit einer Referenz an "König der Löwen" und führt den Spieler so reibungslos in die Überreste einer alten Zivilisation ein, deren Schatten sich zunächst nur an zerfallenen Gebäuden und den ewig präsenten Maschinen, welche durch die Landschaft streunern, erahnen lassen. Aloy muss bereits als Kind um einen Platz in ihrem Stamm kämpfen, hier lässt sich bereits spüren, dass sich seitens Guerilla wirklich Gedanken gemacht wurden. So wird der Spieler mit zahlreichen aktuellen Themen konfrontiert und es ist an einem selbst zu entscheiden, wie man die Situationen lösen möchte. Auf den unmittelbaren Verlauf hat das kleinere Auswirkungen, doch auf lange Sicht können getroffene Entscheidungen über Leben und Tod richten.
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Aloy erweist sich schnell als eine ganz bezaubernde Protagonistin. Im Verlauf des Spiels lernt sie vieles über die Vergangenheit, eine Geschichte, die nicht nur gut durchdacht ist, sondern ebenfalls nicht davor zurückschreckt, aktuelle Themen mit einzuflechten. Aloys Reise ist durchaus auch emotional schwerwiegend, muss sie doch herausfinden, wer sie ist und wo sie herkommt. Trotz der ungerechten Behandlung durch den Stamm, in dessen Nähe sie aufwuchs, ist sie allen gegenüber hilfsbereit. Aber sie ist auch clever, und ihre teils sarkastischen Bemerkungen in Gesprächen mit den anderen Figuren sind ein absolutes humoristisches Highlight im Spiel. Es ist jedenfalls leicht, mit ihr mitzufühlen und ich erwischte mich häufig dabei, wie ich eventuell wegweisende Dialogentscheide mit mir selbst ausdiskutieren musste: Will ich die Person später an meiner Seite im Kampf haben, oder war das nun zu viel mieses Verhalten, und ich lasse sie nun mitsamt ihrem Dorf im Regen stehen?
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Auch das questen ist angenehm gestaltet. Die Hauptgeschichte beginnt spannend, doch je mehr man erfährt, desto heftiger fühlt sich alles an. Es ist wie das Schälen einer Zwiebel, jede Lage birgt mehr Wissen, aber auch mehr Schrecken, bezogen auf das Ausmaß. Zahlreiche Nebenmissionen rutschen irgendwann in ein "Hol dies, finde das, bringe denjenigen" Muster ab, doch durch die Weitläufigkeit und die abwechslungsreiche Welt fällt dies kaum ins Gewicht. Die Chance, in einer Mission abgelenkt zu werden, ist hoch, und oftmals fand ich mich am Ende an einer gänzlich anderen Stelle, weil ich unbedingt etwas erkunden wollte. "Horizon Zero Dawn" belohnt diesen Entdeckergeist dann auch großzügig. Überall im Spiel sind Sammelobjekte, Datenpunkte und Panoramen versteckt, welche Hinweise auf die alte Zivilisation geben. Einige von ihnen lassen sich zu Sets vervollständigen, die gegen Währung und mächtige Rüstungsverbesserungen eingetauscht werden können. Beendet man die Hauptgeschichte, kann die Welt danach trotzdem weiter erkundet werden.
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Besonders gelungen sind die zahlreichen, verschiedenen Maschinen, die über die Landkarte streifen. Sie erinnern fast allesamt an verschiedene Tiere, kämpfen auch untereinander und fühlen sich an, wie in einer hochwertigen Tierdokumentation. Aus der Zukunft. Immer bereit, dich zu vernichten. Ein Tutorial gibt es nicht wirklich, so dass es eine Weile braucht, bis man den richtigen Weg zum Sieg über die nächste Herde herausgefunden hat. Dabei gleicht sich kaum ein Kampf. Oft stoßen im Kampf weitere Maschinen dazu und machen den sorgsam ausgearbeiteten Plan zunichte. Hilfreich sind die Überbrückungen, welche Aloy im Verlauf des Spiels erlernen kann. So lassen sich einzelne Maschinen quasi hacken, sie kämpfen dann gegen ihre Artgenossen, während man selbst aus sicherer Entfernung zuschauen kann. Ein ziemlich befriedigendes Gefühl. Einige lassen sich sogar reiten. Und dann sind da noch menschliche Gegner, oft in Banditencamps zusammengerottet. Hier macht es besonders Freude, aus dem hohen Gras heraus gut platzierte Pfeile zu verschießen. Generell ist von kopflosen Haudraufmanövern, egal ob gegen Mensch oder Maschine, abzuraten, da sie in den meisten Fällen einfach zum eigenen, schnellen Tod führen.
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Hervorzuheben sind auch der Soundtrack sowie die Soundkulisse an sich. Die Umgebungsgeräusche sind stimmig und lassen es zu, sich komplett in die Welt einzufühlen. Jede Maschine hat ihre eigenen, charakteristischen Sounds, so dass man im Ernstfall schon vorzeitig die Flucht ergreifen kann, wenn man sie näherkommen hört. Joris de Man hat dazu passend einen wunderschönen Soundtrack erschaffen, der durchaus filmreif ist und das Geschehen wunderbar treffend untermalt.

Grafik/Technik


Die Grafik kann sich mehr als sehen lassen. Guerilla scheint sich dessen bewusst zu sein, jedenfalls gibt es einen ausgiebigen Fotomodus, mit dem sich die Spieler ihre Erinnerungen festhalten können. Die Landschaften sind, ebenso wie auch das Wetter, abwechslungsreich und das Spiel läuft auch in langwierigen, temporeichen Kämpfen gegen zahlreiche Maschinen noch flüssig. Glitches sind mir beim Durchspielen keine aufgefallen. Es gibt zahlreiche Speicherpunkte in Form von Lagerfeuern im Spiel verteilt, so dass sterben zwar einen kleinen Rückschlag bedeutet, allerdings nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Auch die Steuerung ist flüssig und unkompliziert. Besonders Aloys Fähigkeit, zu fokussieren (die Zeit friert beinahe ein) sorgt für spektakuläre Treffer an den Gegnern. Einer der größten Kritikpunkte, das elend langsame einzelne Verkaufen aller Items, wurde mit einem Patch bereits repariert, nun kann gleich stapelweise verkauft werden. Einzig die Ladezeiten könnten etwas kürzer ausfallen.

Fazit


"Horizon Zero Dawn" begeistert mit einer tiefgründigen, fesselnden Geschichte, einwandfreier Mechanik, atemberaubenden Bildern und Landschaften und vor allem der Protagonistin Aloy, die mich mit Mut, Geschick und ganz viel Herz in ihren Bann gezogen hat. Das Gefühl, in eine so gut durchdachte, faszinierende Welt geschickt zu werden, lässt sich jedenfalls kaum beschreiben, aber es macht unverschämt viel Spaß, hier auf Entdeckertour zu gehen.  


Infos zum Spiel

Originaltitel: Horizon Zero Dawn
Erscheinungsjahr: 2017
Plattformen: PS4
USK: 12
Entwickler: Guerilla Games

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