Filmkritik: Doctor Strange

© Marvel Studios

Story


Das Leben des weltberühmten Neurochirurgen Dr. Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ändert sich unwiederbringlich, als er nach einem schweren Autounfall seine Hände nicht mehr benutzen kann. Da die klassische Medizin ihm nicht helfen kann, sucht er Heilung an einem ungewöhnlichen Ort – dem geheimnisvollen Kamar-Taj. Schnell merkt er, dass es sich dabei nicht nur um ein Heilungszentrum handelt, sondern von hier der Kampf gegen unsichtbare dunkle Mächte gefochten wird, die unsere Realität zerstören möchten. Ausgestattet mit neuerworbenen magischen Fähigkeiten, muss Dr. Strange sich entscheiden: Kehrt er in sein altes Leben als angesehener reicher Arzt zurück, oder gibt er dieses auf, um als mächtigster Magier aller Zeiten die Welt zu retten…



Kritik


Mit "Doctor Strange" begibt sich Marvel nach einem ersten Ausflug in die Weiten des Weltalls nun in magische Gefilde. Als wirkliches Risiko kann das aber keinesfalls betrachtet werden. Denn mittlerweile breitet sich einerseits das Gefühl aus, dass Marvel dem Publikum wirklich alles servieren kann. Und zweites hat man mit Benedict Cumberbatch auf genau den richtigen Hauptdarsteller gesetzt. Mit einer mächtigen Portion Charisma, einer kleinen Dosis unausstehlicher Arroganz und einer ab und an durchblitzenden Humorader trägt er das magische Vehikel locker auf seinen Schultern.
Mordo und Doctor Strange. © Marvel Studios
Unterstützung auf dem Selbstfindungstrip bekommt er von einer wie immer gut aufgelegten Tilda Swinton, die hier den Lehrmeister mit der ihr fast schon natürlich innewohnenden Eleganz gibt. Sicherlich könnte man darüber streiten, ob es korrekt ist, einen tibetischen Charakter durch einen (wie im Film erklärt wird) keltischen zu ersetzen. Vielleicht ist es aber auch für einmal angenehm, sich nicht im ewigen Stereotyp des weisen Asiaten zu ergehen und stattdessen eine Frau in der Rolle zu sehen. Und natürlich will aktuell kaum ein Filmstudio den großen, stetig wachsenden chinesischen Markt verärgern, und dass China und Tibet... nun ja, nennen wir es vorsichtig "Differenzen" haben, ist bekannt.
The Ancient One bringt Doctor Strange Geheimnisse bei. © Marvel Studios
Chiwetel Ejiofor als weiterer Schüler namens Mordo (der übrigens in den Comics ein Weißer ist, hier fiel die Entrüstung scheinbar deutlich weniger heftig aus) scheint etwas unterfordert, ebenso wie Mads Mikkelsen als leider etwas farblos geratener Gegenspieler Kaecilius. Wirklich vorwerfen kann man ihm das allerdings nichts, der Fokus liegt überdeutlich auf Cumberbatch und seiner Figur. Antagonisten sind weiterhin keine Stärke im MCU. Ebenfalls verschenkt ist Rachel McAdams als Freundin des Protagonisten, sie fällt viel zu sehr in das unerfreuliche Nebenfeld der unwichtigen Frauenrollen, die nur dazu dienen, den Hauptcharakter irgendwie vorwärts zu bringen. Von eigenen Plänen und Zielen ist bei ihr nicht viel zu merken. Für mich ist dies besonders schade, scheint man es bei Marvel leider nach wie vor nicht auf die Reihe zu bekommen, wirklich gute Frauenfiguren zu schreiben.

Inhaltlich liefert "Doctor Strange", wie es sich für einen ersten Auftritt gehört, eine astreine Origin Story ab. Auffällig ist hier nur der bereits erwähnte Einsatz von Magie, ansonsten hält man sich strikt an das Handbuch für solche Geschichten. Das ist aber nicht weiter verwerflich, denn es lohnt sich, den Doctor genauer kennenzulernen. Stephen Strange ist kein besonders sympathischer Zeitgenosse, das macht einen guten Teil der Spannung aus. Am Ende muss natürlich mal wieder die Welt gerettet werden, im Hinblick auf den Infinity War geht sich der Arzttermin aber gut aus und liefert die Geschichte für einen weiteren Helden, der dort mitwirken wird.
Doctor Strange nutzt sein magisches Potenzial. © Marvel Studios
So weit, so solide also. Wo "Doctor Strange" vollends punkten kann ist auf der visuellen Ebene. Nicht nur werden hier ganze Häuserschluchten gefaltet, so dass man in stillen Momenten Christopher Nolan leise weinen hören kann. Der Einsatz von Magie ist spektakulär in Szene gesetzt und entfaltet auch in 3D wirklich atemberaubend gute Effekte. Da werden Runen geformt, Portale geöffnet, Einblicke in fremde Welten und die Astralebene riskiert. Das Alles kann sich sehen lassen und sorgt für wirklich schicke Momente. Kombiniert mit einem angemessen epischen Soundtrack ergibt sich ein rundum stimmiges Bild, dem man die eine oder andere, fast schon marveltypische, Kinderkrankheit gerne verzeihen mag.


Fazit



"Doctor Strange" bringt Benedict Cumberbatch in magischer Form, was definitiv eine gute Castingentscheidung war. Visuell beeindruckend wird am Ende zwar vorerst nur eine weitere, marveltypische Originstory serviert, dank des spektakulären Einsatzes der im Marveluniverum neuen Magie ist diese Geschichte aber im wahrsten Sinne des Wortes sehenswert gelungen.


Die Blu-ray


Die Blu-ray im Vertrieb von Disney / Marvel kommt im Amaray-Keepcase, leider ohne Wendecover, ins Haus. Auf der Disc liegen neben der englischen Originaltonspur in sattem DTS-HD MA 7.1 noch deutsch in ebenfalls klangstarkem DTS-HD HR 5.1 sowie Italienisch in DTS Digital Surround 5.1 vor. Besonders beeindruckend ist das Bild geraten, die Farben sind knallig und gut ausbalanciert, auch die Kontraste sowie die Schwarzwerte überzeugen. Richtig ins Zeug gelegt hat man sich bei den Extras. Neben Audiokommentaren und zahlreichen kleinen Featurettes gibt es einen Überblick über Phase 3 der Marvel Studios, einige erweiterte und zusätzliche Szenen sowie einen zweiten Teil der herrlich schrägen WG von Thor und seinem menschlichen Mitbewohner sowie ein Gag Reel mit Pannen vom Set.  

Infos zum Film


Originaltitel: Doctor Strange
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Comicverfilmung, Action, Mystery
FSK: 12
Laufzeit: 130 Minuten
Regie: Scott Derrickson
Drehbuch: Scott Derrickson u.a.
Darsteller: Benedict Cumberbatch, Tilda Swinton, Mads Mikkelsen, Chiwetel Ejiofor, Benedict Wong, Rachel McAdams u.a.
 

Trailer


Kommentare:

  1. Genau die Art Filme die ich liebe! Kannte ich noch gar nicht und wird auf jeden Fall geschaut! Danke und liebe Grüße

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Dann hoffe ich, dass er dir gefällt :) Liebe Grüsse zurück!

      Löschen
  2. Ich liebe diesen Film! Ich finde er gehört definitiv zu den besten Marvel-Filmen! Wusstest Du, dass die Macher die Dreharbeiten um sechs Monate verschoben haben, damit Benedict Cumberbatch die Hauptrolle spielen kann?! Ein Glück, kann ich da nur sagen. Ohne ihn, wäre der Film vermutlich nur halb so gut :)
    Lieben Gruß
    Jil
    PS: Wenn Du Lust hast, kannst Du ja mal meine Kritik dazu lesen: http://jilsblog.com/2016/10/filmkritik-doctor-strange/

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Naja, für Benedict Cumberbatch darf man ruhig auch mal Dinge verschieben :D Er ist irgendwie auch für mich von Anfang an die logische Besetzung der Rolle gewesen, passt einfach wie die Faust aufs Auge. Marvel hat da eh ein Händchen für, ich bin schon mega auf Brie Larson als Captain Marvel gespannt. Ich schau gleich mal bei dir vorbei :)

      Löschen

Bitte seid nett zueinander. Beleidigungen jeder Art, Spam und Kommentare die nichts zum Thema beitragen werden entfernt.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...