Filmkritik: Hell or High Water

© Paramount Pictures Germany

Inhalt


Die zwei Brüder Toby (Chris Pine) und Tanner (Ben Foster) rauben in Texas kleine Bankfilialen aus, um Schulden abzubezahlen. Ein kurz vor der Rente stehender Texas Ranger (Jeff Bridges) heftet sich an ihre Fersen, um die Brüder aufzuhalten. 



Kritik


In unregelmäßigen Abständen findet das in meinen Augen völlig unterbewertete Genre des Neo-Western seinen Weg auf die Kinoleinwand. Nun versucht sich David Mackenzie, der mit "Perfect Sense" einen meiner absoluten Allzeit-Favoriten erschaffen hat, mit "Hell or High Water" am Thema. Und das ist gleich auf mehrere Arten eindrucksvoll geraten.
Ben Foster und Chris Pine in "Hell or High Water" © Paramount Pictures Germany
Da wäre zum Beispiel der stimmige Soundtrack, für den sich Nick Cave verantwortlich zeigt. Treffend untermalt und gestaltet er einige Szenen und setzt sich so im Gehörgang fest, dass die Füße fast schon automatisch im Takt mit dabei sind. Überraschend im besten Sinne ist Chris Pine als Toby in einer der beiden Hauptrollen. Sein sonst so augenzwinkernder Charme weicht hier einer durchdrungenen Ernsthaftigkeit, die ihm gut zu Gesicht steht. Ben Foster überzeugt als unberechenbarer Tanner, Jeff Bridges liefert als abgehalfterer, kurz vor der Rente stehender Texas Ranger ebenfalls gute Arbeit ab. Generell sind die Nebenfiguren hier zwar mit breiten Pinselstrichen gezeichnet, dennoch aber faszinierend genug geraten, um auch mit ihnen mitzufiebern.
Ben Foster und Chris Pine in "Hell or High Water" © Paramount Pictures Germany
Angenehm ist, dass der Film es schafft, seine Hauptfigur trotz der Banküberfälle sympathisch wirken zu lassen. Sobald sich die Geschichte entfaltet und die Motive deutlicher werden, kommt noch eine gehörige Portion Systemkritik dazu. Niemals mit der Moralkeule, aber "Hell or High Water" stellt die richtigen Fragen und legitimiert das Handeln seiner Figuren aus den Antworten heraus. Zeit zum Nachdenken wird in den immer wieder prominent in Szene gesetzten Landschaftsaufnahmen geliefert, welche die heruntergekommenen kleinen Städte als integren Teil der texanischen Landschaft verstehen und inszenieren. So wird eine bedrückende Stimmung erzeugt, die der Thematik des Films gerecht wird.

Jeff Bridges und Gil Birmingham in "Hell or High Water" © Paramount Pictures Germany
Das Drehbuch von Taylor Sheridan (Sicario) hingegen wirkt stellenweise etwas arg konstruiert oder zumindest sehr konventionell. So kommt der Film nahezu vollständig ohne überraschende Wendungen aus, auch wenn einige Dinge erst im Verlauf der Geschichte klar werden. Besonders im Hinblick auf das übergeordnete Genre ist dies aber schwerlich ein Vorwurf, den man "Hell or High Water" tatsächlich machen kann. Viel schwerer wiegt die Tatsache, dass ein Darsteller wie Ben Foster erneut beinahe komplett verschenkt wird. So viel Potenzial bleibt ungenutzt, es tut beinahe schon weh. Gemeinsam mit ein paar Längen im Handlungsverlauf sind das aber auch schon die einzigen Kritikpunkte, die sich hier anbringen lassen.


Fazit

 

David Mackenzie schafft es, mit "Hell or High Water" einen stimmungsvollen Neo-Western auf die Leinwand zu zaubern. Ben Foster und Jeff Bridges glänzen wie gewohnt. Überraschend gut gefällt auch Chris Pine, dem die Ernsthaftigkeit gut zu Gesicht steht. Ein denkwürdiger Ausflug nach Texas, der noch eine Weile nachhallt.

Infos zum Film


Originaltitel: Hell or High Water
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Neo-Western
FSK: 12
Laufzeit: 102 Minuten
Regie: David Mackenzie
Drehbuch: Taylor Sheridan
Darsteller: Chris Pine, Ben Foster, Jeff Bridges, Gil Birmingham u.a.
 

Trailer

 

 

1 Kommentar:

  1. Taylor Sheridan hat auch "Sicario" ziemlich konventionell erzählt. Da reißt es dann aber der visuelle und musikalische Part wieder raus. Ich glaub, den hier werde ich mir nicht unbedingt im Kino geben. Da reicht eine Sichtung in den eigenen vier Wänden. ;)

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