Filmkritik: Paterson

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Story


Paterson arbeitet als Busfahrer in einem Ort namens Paterson. Sein Leben verläuft relativ ereignislos, die Alltagsroutine hat ihn fest im Griff. Die Stadt mit ihren Bewohnern inspiriert ihn zu allerhand Gedichten, die er niemandem zeigen will. Er schreibt vor seiner Schicht am Lenkrad seines Buses oder in der Mittagspause auf der Parkbank. Abwechslung in sein Leben bringt seine Frau Laura. Jeden Tag hat sie ein neues künstlerisches Projekt, dem sie nachgehen will. Trotz ihrer Unterschiede lieben die beiden sich innig und bestreiten ihren Alltag gemeinsam. 



Kritik


Das poetische Murmeltier grüßt in "Paterson" täglich. Wie setzt man sich mit dem weitläufigen Thema der Poesie als solche in einem Film auseinander? Es braucht nicht viel um festzustelllen, dass Jim Jarmusch für eine solche Betrachtung geradezu prädestiniert ist. Denn im Film kommt die poetische Ader auf zahlreichen Ebenen zum Tragen, und Jarmusch verbindet sie gekonnt zu einem großen Ganzen. Und überhaupt, wer außer ihm scheint den ganz banalen Alltag so gut zu verstehen, wie er? Das, was sich immer wiederholt, immer und immer wieder das gleiche, und doch mit leichten Abwandlungen, wird hier ergründet.
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Da wäre einmal die Stadt Paterson, die in New Jersey liegt. Viel aufregendes passiert in dieser alten Industriestadt nicht. Aber für Literaturliebhaber ist sie eine Art Mekka, denn der von dort stammende Dichter Williams Carlos Williams schrieb 1926 ein Gedicht über Paterson, eine fünf Bände umfassende Sammlung folgte später. Wieso das wichtig ist? Weil der Protagonist von "Paterson", der ebenfalls Paterson heißt, auch Dichter ist. Ganz im Stillen, ganz für sich allein. Ron Padgett schrieb die Gedichte für den Film, die Adam Drivers introvertierter Figur aus der Feder fließen. Er teilt sie mit niemandem, seine Observationen des Alltags bleiben sein wohlgehütetes kleines Geheimnis.

Viel passiert dann auch nicht. Oder anders gesagt, es passiert eine ganze Menge, doch wenig davon ist weltbewegend. Wie der Alltag eben so ist. Paterson geht zur Arbeit, hört sich das Leid eines Kollegen an, dichtet in der Pause, macht Feierabend, isst mit seiner Frau und geht am Abend in seine Lieblingskneipe. Danach geht es ab nach Hause, ins Bett, bis er am nächsten Morgen pünktlich von allein aufwacht.

Unterbrochen wird diese Routine von den künstlerischen Eskapaden seiner Frau. Laura, ganz bezaubernd und einnehmend von Golshifteh Farahani gespielt, entdeckt jeden Tag ein neues Hobby. Ein neues Ventil, um kreativen Dampf abzulassen. Die wenigsten Einfälle zieht sie durch, alles was Paterson an Stabilität vorweist, ist bei ihr vollkommen abwesend. Ihrer herzlichen Überschwänglichkeit steht Adam Drivers reduzierte, dabei aber doch so vielfältige Mimik und Ausdruckskraft gegenüber. Ein ungewöhnliches, weil so unterschiedliches Filmpaar. Aber vielleicht passen sie deswegen so gut zusammen? Jim Jarmusch fängt diese Beziehung der beiden jedenfalls unaufgeregt, aber einnehmend intim ein. 

Fazit


"Paterson" dreht sich um die Poesie, und wie sich das für einen Film von jim Jarmusch gehört, verschmelzen Geschichte und Bilder letztendlich auch genau dazu: Poesie. Adam Driver spielt wunderbar zurückhaltend, während seine Mimik auf subtile Weise Bände spricht. Golshifteh Farahani ist pure Lebensfreude und ein Lichtblick im trüben Herbst. Heimlicher Held dürfte aber Bulldogge Marvin sein, die sich als komödiantisches Gegenstück zu Driver in die Herzen spielt. Ein wundervolles Werk über die Schönheiten des Alltags, eingefangen in traumhafte Bilder.

Infos zum Film


Originaltitel: Paterson
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Drama, Komödie
FSK: 0
Laufzeit: 113 Minuten
Regie: Jim Jarmusch
Drehbuch: Jim Jarmusch
Darsteller: Adam Driver, Golshifteh Farahani, Chasten Harmon, William Jackson Harper u.a. 

Trailer

 

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