Filmkritik: Assassin's Creed

© Twentieth Century Fox Film Corporation

Story


Mit einer revolutionären Technologie, die seine genetischen Erinnerungen entschlüsselt, erlebt Callum Lynch (Michael Fassbender) die Abenteuer seines Vorfahren Aguilar im Spanien des 15. Jahrhunderts. Callum erkennt, dass er von einem mysteriösen Geheimbund, den Assassinen, abstammt und sammelt unglaubliches Wissen und Fähigkeiten, um sich dem unterdrückenden und mächtigen Templerorden in der Gegenwart entgegenzustellen.


Kritik

Mit "Assassin's Creed" wird zum Jahresende noch einmal eine Spieleverfilmung auf das Publikum losgelassen. Nachdem zuletzt "Warcraft - The Beginning" an den Kinokassen floppte (China mal ausgenommen, die haben den Karren quasi im Alleingang aus dem unprofitablen Dreck gezogen), geht es nun zurück ins späte, spanische Mittelalter. Also, so zu etwa 30 %. Dann dafür aber so richtig. Es wird spanisch gesprochen, was die Immersion in die Geschichte tatsächlich leichter macht.

In Spanien kämpft es sich gut. © Twentieth Century Fox Film Corporation
Nicht, dass "Assassin's Creed" das wirklich nötig hätte. Denn der Film macht tatsächlich einiges her. Wohlgemerkt, mir persönlich hat auch "Warcraft" enorm gut gefallen, wobei ich mir nicht sicher bin wieviel davon auf mittlerweile 12 Jahre mehr oder weniger exzessives "World of Warcraft" zocken zu schieben ist. Meine Berührungspunkte mit der "Assassin's Creed" Reihe, die mittlerweile über ziemlich viele Ableger verfügt, waren bis "Syndicate" auch eher flüchtig. Die Faszination aus der Ferne war aber immer vorhanden. Ich meine, wer kann sich denn bitte nicht für Assassinen mit coolen Outfits begeistern? Die haben es erfreulicherweise auch in den Film geschafft.

Wie bereits erwähnt, machen die Szenen, in denen wir Michael Fassbender als seinen eigenen Vorfahren namens Aguilar im Einsatz bewundern dürfen, nicht einmal die Hälfte des Filmes aus. Was durchaus schade ist, denn hier macht Regisseur Justin Kurzel genau das, was er schon bei "Macbeth" so gut raushatte: Umwerfende Optik kreieren. Gerne hätte ich in diesen Szenen etwas länger verweilt, alles noch tiefergehend erkundet, doch es hagelt stylische Kampfszenen ohne Atempause. Wem, so wie mir, beim hinterhältigen Einsatz versteckter Klingen ordentlich einer abgeht, der kommt jedenfalls auf seine Kosten. Ein klein wenig mehr Durchblick hätte allerdings nicht geschadet, so wird mich wohl noch eine Weile verfolgen, wie das verdammte Pferd auf das Dach gekommen ist. Aber naja, Details. Und wer interessiert sich schon für Details, wenn jede Reise in die Vergangenheit mit einem epischen Adlerflug, unterlegt von enorm basslastigen Soundtrack, beginnt? Hier lohnt sich die Investition in einen möglichst gut ausgestatteten Kinosaal, denn in Sachen Sound braucht sich "Assassin's Creed" wahrlich nicht im Schatten zu verstecken.
Der Morgen nach der eigenen Exekution. © Twentieth Century Fox Film Corporation
Auch die Darsteller machen einen guten Job. Michael Fassbender setzt ein weiteres Werk auf seine lückenlose "In diesem Film war ich gut" Liste. Callum Lynch ist auf den ersten Blick nicht gerade der zugänglichste Zeitgenosse, mit entsprechendem Ernst verkörpert Fassbender ihn dann auch. Über Aguilar de Nerha, seinen spanischen Vorfahren mit dem schicken Outfit, erfährt man hingegen nur wenig. Aber sind wir mal ehrlich, Fassbender wertet sowieso jeden Film auf, und ihm zwei Stunden beim Nichtstun zuzusehen wäre eine Offenbarung. Marion Cotillard bleibt über den ganzen Film hinweg sonderbar distanziert und gleichzeitig in ihre Forschung investiert. Sie verfolgt ihre eigenen Ziele, die sich nicht unbedingt mit denen ihres Vaters (herrlich schleimig und fies: Jeremy Irons an einem vermutlich durchschnittlichen Tag) übereinstimmen. Mit dem Edenapfel gibt es einen theoretisch spannenden Auslöser für die ganze Geschichte. Was wäre, wenn es gelänge, den freien Willen der Menschheit zu manipulieren? Leider bleibt die Idee schemenhaft gezeichnet, zu viel theoretische Auseinandersetzung wollte man dem Publikum wohl nicht zumuten.
Spähen vom Dach aus. © Twentieth Century Fox Film Corporation
Wer mit den Spielen vertraut ist, der wird im Film dann auch zahlreiche weitere Anspielungen auf das Franchise von Ubisoft finden. Der Leap of Faith hat einen etwas unglücklich geschnittenen Auftritt, der Animus hat ein Makeover bekommen. Statt einem röhrenähnlichen Aufbau handelt es sich hier um einen überdimensionalen Roboterarm, der freie Bewegung im Raum zulässt. Das erscheint mir nicht immer zu 100 % praktikabel, es sorgt aber im Verlauf des Films für visuell spektakuläre Überlappungen der beiden Zeit- und Erzählebenen. Was in Sachen Optik investiert wurde, scheint bei den zahlreichen Nebenrollen teils eingespart zu sein. Ob man hier auf eine Fortsetzung spekuliert, oder absichtlich blasse Begleiter in die Geschichte mit einbrachte, wird wohl so leicht nicht in Erfahrung zu bringen sein. Wer darüber hinaus noch nie mit der Reihe zu tun hatte, der wird vermutlich besonders zum Ende hin ein paar Fragen haben, die der Film nicht unbedingt beantwortet. Es empfiehlt sich, fachkundige Begleitpersonen mit ins Kino zu nehmen, denn für Fassbender-Fans und Anhänger von opulent inszenierten Fights vor historischer Kulisse gibt es hier doch einige Schauwerte, die nach einer großen Leinwand schreien.
Manchmal muss man ein Machtwort schiessen sprechen.© Twentieth Century Fox Film Corporation

Fazit


"Assassin's Creed" lässt dem Zuschauer kaum Zeit, um zwischendurch mal Luft zu holen. Fulminante Actionszenen treffen auf eindrucksvolle Kampf-Choreografien. Eingebettet sind die in eine mittelmäßig spannende Geschichte, die sich aber immerhin voll und ganz auf ihre Darsteller verlassen kann. Abstergo-Neulinge werden zum Ende hin ein wenig allein gelassen, Fans der Serie dürfen sich über jede Menge Wiedererkennungswerte freuen. 

Infos zum Film


Originaltitel: Assassin's Creed
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Fantasy, Abenteuer, Sci-Fi, Action
FSK: 12
Laufzeit: 134 Minuten
Regie: Justin Kurzel
Drehbuch: Bill Collage, Adam Cooper, Michael Lesslie
Darsteller: Michael Fassbender, Marion Cotillard, Jeremy Irons, Brendan Gleeson, Essie Davis, Ariane Labed, Charlotte Rampling, Michael Kenneth Williams u.a.
 

Trailer

 

 

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