Filmkritik: Desierto - Tödliche Hetzjagd

© Ascot Elite
Story: 14 illegale mexikanische Migranten und ein US-Redneck mit Gewehr und Spürhund – diese Einwanderer haben keine Chance! Abgeknallt wie Kaninchen bleiben sie in der staubigen Hitze der Badlands im Grenzgebiet liegen. Nur eine verletzte junge Frau und Moises, der den Weg schon einmal gegangen ist und unbedingt wieder zu seinem kleinen Sohn nach Oakland will, können zunächst entkommen. Zwischen dem Illegalen mit dem Mut des Verzweifelten und dem Menschenjäger beginnt ein brutales Duell auf Leben und Tod.

Kritik: Fast könnte man meinen, die Geschichte zu "Desierto" hat sich irgendein Betrunkener mitten in einer durchzechten Nacht in einer zwielichtigen Kneipe irgendwo in den Südstaaten ausgedacht. Aber in Zeiten, in denen ein US-Präsidentschaftskandidat ernsthaft verspricht, eine Mauer zwischen die USA und Mexiko zu bauen (auf Kosten der Mexikaner, scheissegal was die davon halten), scheint die Hetzjagd eines einzelnen, selbsternannten Grenzschützers inklusive wenig flauschigem Schäferhund fast schon wie ein feuchter Traum eines xenophoben Rednecks. Jonás Curaón inszeniert sein Erstlingswerk als Regisseur dann auch passend zum Wüstensetting: staubtrocken und unerbittlich.
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Willkommen in Amerika, so oder so ähnlich schreit es aus jeder verdreckten, staubigen Pore von "Desierto". Die Figuren sind dabei auf ein Minimum beschränkt. Über die meisten Einwanderer erfährt man gar nichts, sie wirken wie aus der Schablonenfabkrik für belanglose Nebenfiguren. Moises sticht mit einer erkennbaren Motivation deutlich aus dieser Gruppe heraus. Gael García Bernal spielt dann auch extrem sympathisch, wer hier ernsthaft auf der Seite des Jägers ist, der dürfte wohl auch sonst eher fragwürdig rüberkommen. Der wiederum wird bitterböse und aufs wesentliche reduziert von einem unterforderten Jeffrey Dean Morgan verkörpert. Lässig und cool in der Aufmachung, mit stylischem Halstuch ist die Sache für ihn und seinen Hund Tracker ganz klar: Die Mexikaner haben nichts auf seiner Seite der Grenze zu suchen, und wenn sie sich doch mal dorthin verirren, dann muss sich jemand darum kümmern.
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Treffenderweise trägt der selbsternannte Retter der Wüste dann auch den Namen Sam. Sam hat eine Südstaatenflagge am Auto, mag Bier und billigen Whisky, hört gerne Country und hat ein Faible für billige Tätowierungen. Mehr muss man über ihn nicht wissen, mehr erfährt man auch nicht. Mit etwas mehr Hintergrundgeschichte wäre das hier sicherlich eine vielschichtigere Angelegenheit mit Hang zur Sozialstudie geworden. Doch daran besteht seitens Cuarón gar kein Interesse. Sam wird mit den breitestmöglichen Pinselstrichen gezeichnet, und damit wird die Bühne dann auch rasend schnell freigegeben für das, was Cuarón wirklich interessiert. Und das ist eine gnadenlose Hetzjagd durch die Wüste.

Hier trumpft "Desierto" dann auch vollends auf. Gleich zu Beginn gibt es einen brutalen Rundumschlag, die restliche Laufzeit über gibt es immer wieder Momente, die dem Zuschauer zusetzen. Wer einen empfindlichen Magen hat, dürfte wohl spätestens beim Aufeinandertreffen des extrem gut abgerichteten Hundes mit den Flüchtlingen das Weite suchen. Passend dazu gibt es bedrückend weitwinklige Aufnahmen der kargen Landschaft, in der die Figuren beinahe schon verloren wirken. Abgerundet mit einem angenehm reduzierten, aber dennoch stimmigen Soundtrack von Woodkid wird das Grenzland zu einer Todeszone, aus der es scheinbar kein Entkommen gibt.
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Fazit: "Desierto" ist beinahe schon brutal beklemmend und stellenweise furchtbar kompromisslos. Zwar bleiben die Figuren teils schmerzhaft flach, doch besonders in den intensiven Actionszenen beweist Jonás Cuarón ein geschicktes Händchen. Jeffrey Dean Morgan ist mit seiner Rolle ein wenig unterfordert, lässt den treffend benannten Sam aber zu einem dennoch erinnerungswürdigen Bösewicht werden. Dies hauptsächlich auch, weil das übergreifende Thema der illegalen Einwanderer und Flüchtlinge nach wie vor brandaktuell ist. Man darf gespannt sein, wie sich Mexikos Beitrag für die Oscars 2017 schlagen wird.

Die Blu-ray: Die Blu-ray ist seit dem 21. Oktober 2016 im Vertrieb von Ascot Elite im Handel erhältlich. Sowohl die deutsche als auch die englische Tonspur liegen in DTS-HD MA 5.1 vor, zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit, deutschsprachige Untertitel zuzuschalten. Der Ton ist in beiden Sprachversionen gut abgemischt, wobei in der synchronisierten Fassung das Verhältnis von Dialogen zu Hintergrundgeräuschen ein klein wenig besser wirkt. Das Bild ist gestochen scharf, die Kontraste sowie Schwarzwerte sind ebenfalls gut gelungen und tragen maßgeblich zur beklemmenden Atmosphäre bei. Ein Wendecover liegt für die Hülle selbst bei, der mitgelieferte Pappschuber hat allerdings leider ein aufgedrucktes FSK-Logo. Als weitere Extras gibt es noch ein paar Trailer.

Infos zum Film

Originaltitel: Desierto
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Action, Thriller
FSK: 18
Laufzeit: 88 Minuten
Regie: Jonás Cuarón
Drehbuch: Jonás Cuarón, Mateo Garcia
Darsteller: Jeffrey Dean Morgan, Gael García Bernal, Marco Pérez, Oscar Flores, Alondra Hidalgo  u.a.

Trailer


1 Kommentar:

  1. Allein schon wegen des Soundtracks muss ich den sehen! Das Beige erinnert auch sehr an die Aufmachung von Sicario

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