Filmkritik: London has Fallen

© Universum Film
Story: Nach dem überraschenden Tod des britischen Premierministers ist seine Beerdigung ein Pflichttermin für alle Staatsoberhäupter. Selbstverständlich nimmt auch US-Präsident Benjamin Asher daran teil, begleitet von seinem Leibwächter Mike Banning. Doch was als die bestgeschützte Veranstaltung auf dem Planeten beginnt, entwickelt sich schnell zu einem tödlichen Hinterhalt. Nur mit knapper Not kann Banning das Leben des US-Präsidenten schützen und mit ihm in den Londoner Untergrund fliehen. Doch die Hintermänner der Verschwörung verlangen seine Auslieferung und nehmen die britische Hauptstadt ins Visier. Während Vizepräsident Trumbull versucht, das gnadenlose Ultimatum hinauszuzögern, nimmt Banning den Kampf auf...

Kritik:Wer mich kennt, der weiß vermutlich, dass ich mit "Die USA retten die Welt", inklusive epischer Helikopterflüge vor untergehender Sonne, wehenden Flaggen und dem ganzen Trara wenig bis gar keine Probleme habe. Probleme habe ich allerdings, wenn diese Begebenheiten einfach komplett sinnlose Gewaltdarstellungen untermalen. Oder anders gesagt: wenn amerikanische Flaggen und Effizient als Begründung für unreflektiertes Abschlachten in hanebüchenen Filmen herhalten müssen. Aber fangen wir am Anfang an, wie sich das so gehört.
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Wenn ein Film "London has Fallen" heißt, dann ist das auch in etwa das, was ich davon erwarte: Londons Sehenswürdigkeiten, wie sie eindrucksvoll in Schutt und Asche zerlegt werden. Denn einerseits mag ich London, andererseits habe ich jedes Mal eine kindliche Freude daran, wenn große Dinge in die Luft gesprengt werden. Ja, ich weiß, das wirkt recht simpel. Aber hey, viele Menschen mögen auch Feuerwerk. Und zu Beginn bekomme ich auch, was der Titel verspricht. Jedenfalls mehr oder weniger. Gleich am Anfang geht es ordentlich rund. Doch schnell lassen sich zwei Dinge feststellen: es war wenig Geld für Special Effects da, und der Film wurde größtenteils in Bulgarien gedreht. Beides sieht man, leider viel zu deutlich. Unweigerlich stellt sich die Frage, wofür die 100 Millionen Dollar Budget ausgegeben wurden. Alkohol vielleicht? Doch leider entpuppt sich diese Enttäuschung noch als der mildeste Kritikpunkt, denn darüber hinaus ist "London has Fallen" einfach nur blöd. Nennt mir nur einen einzigen anderen Film, der es schafft, Morgan Freeman langweilig klingen zu lassen? Eben.

Hier stimmt einfach nichts. Billige Effekte treffen auf lustlose Darsteller und völlig austauschbare Sets. Szenen, die eigentlich unmöglich in den Sand gesetzt werden können, wirken wie frisch von Rudis Resterampe bei Asylum herausgepickt. Nur, dass jede Asylumproduktion mehr Laune macht, weil man da wenigstens vorher weiß, was einen erwartet. "London has Fallen" nimmt sich nämlich ernst, sehr ernst sogar. Mit wilder, grimmig entschlossener Miene meuchelt sich Gerard Butler durch gesichtslose Horden böser, arabischer Terroristen. Die wiederrum bringen in großem Stil Staatsoberhäupter um, weil der amerikanische Präsident einen Drohnenangriff anordnete, bei dem die Tochter eines Terroristen (bei ihrer Hochzeit, schockschwerenot!) getötet wurde. Alles läuft auf eine simple Aussage hinaus: Böse Terroristen machen bösen Terror und es ist böse, wenn sie Menschen töten. Dem steht gute (in diesem Fall amerikanische) Gewalt gegenüber. Der Film ist so dermaßen randvoll mit fragwürdigen Aussagen, man könnte eine ganze Arbeit darüber verfassen.
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Munter wird sich mit Messern, Pistolen und allerhand anderen Waffen durch die Horden gemetzelt, die lahmen Sprüche fliegen durch den Raum und sorgen für Unwohlsein durch Fremdscham. Wie es Regisseur Babk Najafi darüber hinaus schafft, einen One-Take so unübersichtlich zu gestalten, dass man keine Ahnung hat was gerade passiert, ist da fast schon Nebensache. Der überaus deutlich sichtbare Gebrauch von Lückenfüller-Bildmaterial verursacht ebenfalls Kopfschmerzen und lässt den Film herrlich emotionslos wirken. Niemand interessiert sich für die Anschläge oder die Toten, es ist als ob jemand zwei verschiedene Filme zusammengeschnitten hätte. Wie die zahlreichen, durchaus namhaften Nebendarsteller in diesem Film gelandet sind, ist ebenfalls unerklärlich. Knebelverträge vielleicht? Wobei, so genau will ich es eigentlich gar nicht wissen, hier ist wirklich jeder Gedankengang einer zuviel.

Fazit: Nein. Einfach nur nein. Nichtmal als Fan von überschwänglichem, amerikanischen Patriotismus lässt sich hier etwas erfreuliches finden. Hier stimmt von vorne bis hinten einfach gar nichts, stattdessen gibt es fragwürdige "Unterhaltung", die zum Fremdschämen einlädt.

Die Blu-ray: Die Blu-ray im Vertrieb von Universum Film (seit dem 29. Juli im Handel erhältlich) kommt mit sauberem und klarem Bild daher. Abgesehen von den schlechten Effekten stimmen die Kontraste sowie die Schwarzwerte, hier wurden sich keine Patzer erlaubt. Bei den Tonspuren kann man zwischen deutsch und englisch wählen, beide kommen in klangstarkem, sattem DTS-HD MA 5.1 daher. Ein Wendecover liegt leider nicht bei, Sammler müssen also mit dem fetten, blauen FSk 16 Aufkleber leben. Bei den Extras hat man sich ebenfalls ins Zeug gelegt. Insgesamt warten 69 Minuten Bonusmaterial auf den interessierten Zuschauer. Ein 13 Minuten langes Making-of gibt einen Einblick hinter die Kulissen, zwei Featurettes mit insgesamt 11 Minuten vertiefen den Einblick noch. Obendrauf gibt es noch rund 45 Minuten Interviews mit den Darstellern und anderen Beteiligten. Ein paar Trailer gibt es noch obendrauf.

Infos zum Film

Originaltitel: London has Fallen
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Action
FSK: 16
Laufzeit: 99 Minuten
Regie: Babak Najafi
Drehbuch: Chreighton Rothenberger, Katrin Benedikt u.a.
Darsteller: Gerard Butler, Aaron Eckhart, Morgan Freeman u.a.

Trailer
 

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