Filmkritik: Ghostbusters (2016)

© Sony Pictures Releasing GmbH
Story: Erin Gilbert steht kurz vor der Promotion an der Columbia University. Doch es taucht unliebsamer Ballast aus ihrer Vergangenheit in Form eines Buches über Geister auf, welches sie mit ihrer damaligen, besten Freundin Abby zusammen geschrieben hat. Die steckt nach wie vor mitten in ihrer Forschung über Geister, gemeinsam mit der Wissenschaftlerin Jillian Holtzman. Doch plötzlich wird die unfreiwillige Gruppe mit einem richtigen Geist konfrontiert. Die Vorkommnisse häufen sich. Unterstützung bekommt das Team von Patty, die sich wie keine andere in New York auskennt, und dem Sekretär Kevin, der in erster Linie sein Aussehen im Kopf hat. Können die "Ghostbuster" New York retten?

Kritik: Beinahe, aber nur beinahe, hätten ja all die Menschen, die sich im Vorfeld so auf den Film eingeschossen haben, meine Vorfreude auch getrübt. Schlimmer aber war noch, dass der erste Trailer ja nun wirklich einfach mies war. Ich musste also massive Überzeugungsarbeit leisten, um die bessere Hälfte ins Kino zu bewegen. Arbeit, die sich aber gelohnt hat, denn er fand den Film fast genauso grandios wie ich. Aber fangen wir mal von vorne an. Und ich werde versuchen, nicht weiter auf das ganze negative Gehacke einzugehen, einfach weil es keinerlei Grund für die Negativität gibt. Wenn überhaupt, dann erleben die "alten" Ghostbuster grad einen riesigen Aufschwung, und das ist doch super. Die Filme ranken recht weit oben bei Amazon und der Markt wird mit Merchandise überschwemmt. Eine ganz neue, junge Generation entdeckt Ghostbuster grad neu. Yay! So, nun aber wirklich genug, ab zur Kritik. Wo soll ich nur anfangen? Hmm...
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Reden wir über die Figuren und vor allem über die Darstellerinnen. Klar, nicht jeder mag Melissa McCarthy (was vollkommen ok ist, aber bitte mögt sie nicht, weil ihr sie unlustig findet, und nicht weil ihr Aussehen euch nicht passt, niemand schuldet irgendwem Schönheit, ok?), ich finde sie grandios. Nicht nur in lustigen Rollen, sondern vor allem auch, weil sie eine gewisse Wärme in ernstere Rollen mitbringt. Kristen Wiig, Kate McKinnon (meine klare Favoritin, Holtzman ist pure Liebe) und Leslie Jones sind ebenfalls komödiantische Schwergewichte und mir von Grund auf sympathisch. Ich war also gespannt, wie diese vier Ladies harmonieren würden. Und das Ergebnis kann sich weitestgehend auch sehen lassen. Vor allem McKinnon als grenzgeniale, aber irgendwie auch leicht debil-gefährliche Jillian Holtzman, ist eine Offenbarung. Irgendwo im Film macht sie sich über eine Dose Pringles her, so ganz am Rande des Geschehens, und es wäre genug Material für einen eigenen Film. Der Wahnsinn schlummert bei ihr ganz nah unter der Oberfläche, und hier und da blitzt er durch, und es sorgt jedes Mal für teils ungläubige Lacher. Leslie Jones bringt als Stadtkennerin und Metro-Angestellte Patty die nötige Bodenhaftung mit und gibt skeptischen Zuschauern eine Chance, in die ganze Geisterangelegenheit so schmerzlos wie möglich reinzurutschen.
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Kristen Wiig spielt Erin Gilbert, die gerne ihre geisterlastige Vergangenheit hinter sich lassen würde und auf eine Beförderung an ihrer Uni wartet. Doch ihre Jugendfreundin Abby (McCarthy) zieht sie, wenn auch unfreiwillig, wieder mitten ins Geschehen rein. Auch die beiden sind sympathisch. Wiig stellt sich schnell als eine Art Ghostbuster-Mutter heraus, die immer ein Auge auf das restliche Team hat. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Freundschaft und das Geisterjagen vielleicht nicht gerade auf traumatischen Kindheitserinnerungen fußt. Lasst die Ladies doch einfach unbeschwert ihren Job erledigen, Frauen und Figuren im Allgemeinen können auch andere Motivation als "Trauma" für ihr Handeln haben. Abseits davon harmonieren die vier aber wirklich gut miteinander, es werden erstaunlich oft ruhige Töne angeschlagen. Das verpasst dem Film eine schöne, persönliche Note und setzt einen guten Kontrast zum unweigerlichen Haudrauf-Finale, vor dem uns in diesem Sommer irgendwie kein Blockbuster verschonen will.

Der Film schafft es dabei, ganz wie das Original, eine tolle Mischung aus Humor und Grusel zu liefern. In meiner Kinovorstellung (in den USA, am frühen Nachmittag und ein paar Wochen nach dem Starttermin) waren um die 30 Leute, bunt gemischtes Publikum: Paare, Einzelgänger, Eltern mit Kindern, ich schätze die Besucher waren zwischen 10 und 45 Jahren alt. Ein guter Schnitt also. Und es wurde sich bei einigen Stellen schön im Kollektiv erschreckt. Natürlich muss man hier keine expliziten Splatterszenen oder ausgefeilte Schockeffekte erwarten, der Film richtet sich ja an ein gemischtes Publikum. Und auf der Humorschiene trift er dabei wirklich ins Schwarze. Ein paar Slapstick-Einlagen fanden besonders bei den jüngeren Besuchern großen Anklang, einige Sprüche erfreuten dafür die Erwachsenen im Saal umso mehr. Es ist ja typisch für Komödien, dass nicht jeder Gag sitzt, dass nicht jeder Zuschauer über jeden Witz lacht und so weiter, aber hier würde ich die Mischung als gut ausgewogen bezeichnen. Ich hätte mir klar gewünscht, dass die bereits im Trailer so herübergekommen wäre, da hat man sich im Hause Sony meiner Meinung nach echt selbst ins Bein geschossen. Hätten die Witze darüber hinaus gerne noch eine Spur krasser sein dürfen? Bei den Darstellerinnen auf jeden Fall, so fühlt es sich zwischenzeitlich ein wenig gedämpft an. Ich schiebe das mal auf die breit gestreute Zielgruppe, oder anders gesagt: es sind Kinder anwesend. Wobei sich tatsächlich der eine oder andere Witz südlich der Gürtellinie eingeschlichen hat, der Eltern vielleicht in Erklärungsnot bringen könnte.
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Voll in die Humorschiene fällt auch der Auftritt von Chris Hemsworth als liebenswert-trotteliger Sekretär Kevin. Wer ihn nur als hammerschwingenden Donnergott kennt, der dürfte hier sein blaues Wunder erleben. Sein Timing in Sachen Comedy ist jedenfalls präzise und er scheint sich auch nicht zu schade, Witze auf Kosten seines guten Aussehens mitzutragen. Das ist erfreulicherweise aber niemals herablassend, und die Ghostbuster setzen alles daran, klarzumachen, dass niemand Kevin irgendwas antun darf. Jedenfalls stiehlt er beinahe jede Szene, in der er vorkommt, und es ist herrlich. Frisch aus dem New York Urlaub zurückgekommen lasse ich mich mal dazu hinreißen zu behaupten, dass New York (wo der Film spielt, auch wenn vieles in Boston gedreht wurde) voll von Typen wie Kevin ist.  Und wer sich davon nicht überzeugen lässt, der kriegt im Abspann eine Tanzszene serviert, die... ach, bleibt einfach zum Abspann sitzen, er ist sehr gut. Auch, weil es dort einen Cameo hat, der mich in höchstem Maße erfreut hat.

Cameo ist generell ein gutes Stichwort, denn "Ghostbusters" ist voll davon. Fast alle Darsteller aus dem Original tauchen auf, und Billy Murray ist tatsächlich nicht der witzigste von ihnen (die Rolle würde ich Dan Aykroyd mit seiner herrlichen "fuck this" Attitüde zuschreiben). Irgendwo taucht Andy Garcia auf, und Steve Higgins demonstriert eindrucksvoll, wie beschissen ein Chef sein kann. Als jemand, der mit dem alten Film aufgewachsen ist, war dieses Wiedersehen toll, auch weil die Darsteller gut in die Geschichte eingebunden werden. Es gibt einen oder zwei Momente, wo auf einen Cameo hingearbeitet wird, nur um dann dem Zuschauer vorzugaukeln, dass er nicht kommen wird, und man fiebert automatisch mit. Doch bis auf Murray, der seltsam lustlos daherkommt, sitzen die Gastauftritte. Teilweise bremsen sie die Handlung des Films ein wenig aus, dafür feuern sie aus allen Rohren pure Nostalgie. Hier wurde vermutlich versucht, einen Kompromiss zu finden, in meinen Augen sehr gelungen. Dies gilt generell für die meisten Teile des Films. Die Geschichten sind sich ähnlich, aber es handelt sich nicht um eine exakte Kopie. Vielmehr wird eine andere, mögliche Version gezeigt. Statt sich auf nur eine Figur zu konzentrieren (sind wir ehrlich, damals drehte sich alles um Bill Murray), steht hier das Team als Ganzes im Vordergrund. Und da ist sie dann auch wieder zu spüren, diese Wärme, die den meisten anderen Blockbustern zurzeit einfach fehlt. 
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Und dann wäre da noch die generelle Optik des Films. Hier offenbart sich eine schicke Mischung aus Oldschool-Look, mit sanften Updates. Es gibt viel, viel mehr Gadgets, weil Holtzman einfach nicht aufhören kann, neues Zeug zu entwickeln, jetzt wo sie ihren Freiraum gefunden hat. Hab ich schon erwähnt, wie sehr ich Holtzman liebe? Ehm, ja. Ihre neuen Gadgets machen die Geisterjagd dann auch deutlich mobiler und vielseitiger. Die Geister sind zu Beginn noch eine Mischung aus irgendwie liebenswert-schrullig-altmodisch, zum Ende hin wird dann aber das Gaspedal durchgedrückt und es wird richtig schön abgedreht. Die Effekte sind wirklich schick gelungen. Wenn man jetzt wollen würde, könnte man "Ghostbusters" vermutlich vorwerfen, dass die Geschichte altbacken ist. Missverstandener Kerl beschwört die Hölle auf Erden, weil... aus Gründen eben. Natürlich hat es irgendwann diesen einen Moment, in dem ein hell leuchtendes Etwas in den Himmel emporsticht. Aber kommt es darauf wirklich an? Oder steht vielleicht viel mehr im Vordergrund, dass die vier Ladies sich behaupten, Freundschaft schließen, aufeinander aufpassen? Und das (und hier kommt eines meiner persönlichen Highlights!) ganz ohne krampfhaft eingebaute Lovestory, unpraktische Kostüme und mit High Heels und Tonnen von Make-up verdeckt. Ich weiß, für viele Leser mögen das seltsame Kritikpunkte sein. Für mich persönlich erdet er die Ghostbusters und macht deutlich, dass es sich dort in erster Linie um normale Menschen handelt, die gemeinsam ein Problem lösen. Find ich in höchstem Maße sympathisch, und wenn ich mich an all die begeisterten Kinder nach der Kinovorstellung erinnere, die nun auch unbedingt Ghostbuster werden wollen, dann kann ich nur sagen: Alles richtig gemacht. 
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So richtig meckern möchte ich am Ende aber doch noch: Der Titelsong ist ein Verbrechen an der Menschheit, in all seinen Variationen, die im Film vorkommen. Ganz furchtbare Sache, dürfte gerne durch etwas anderes ersetzt werden. Irgendwas. Meinetwegen auch Stille. Das wäre es dann aber auch schon, ich bin fest davon überzeugt, dass man an dem Film viel liebenswertes entdecken kann, wenn man nicht schon mit einer vorgefertigten Meinung an die Sache rangeht.

Fazit: Meine Kindheit ist noch intakt, meine Blu-ray der beiden alten Teile ist nicht zu Staub zerfallen. Paul Feig und sein Team schaffen es, gleichzeitig respektvoll mit dem Ursprungswerk umzugehen und etwas Eigenes zu erschaffen. Humortechnisch richtet sich der Film an ein breites Publikum: Slapstick für die Kleineren, Witze der etwas härteren (und teilweise vielschichtigen) Art für die Erwachsenen. Tolle visuelle Effekte, vor allem aber sowohl die vier Hauptdarstellerinnen (hab ich eigentlich schon erwähnt, wie sehr ich Holtzman...oh, never mind) als auch so ziemlich jede einzelne Nebenrolle sind perfekt besetzt. Da entsteht so viel Verbundenheit im Team, harmonieren die Ladies so herrlich miteinander, dass es glatt über die ein bisschen zu langweilige Story hinwegtäuscht. Macht aber nichts, ich habe mich prächtig unterhalten gefühlt und hier meinen perfekten Sommerblockbuster gefunden.

Infos zum Film

Originaltitel: Ghostbusters
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Komödie, Horror, Action
FSK: 12
Laufzeit: 117 Minuten
Regie: Paul Feig
Drehbuch:  Paul Feig, Katie Dippold
Darsteller: Kate McKinnon, Melissa McCarthy, Leslie Jones, Kristen Wiig, Chris Hemsworth, Andy Garcia, Charles Dance, Neil Casey u.a.

Trailer

Kommentare:

  1. Nachdem ich wirklich alle Trailer absolut schrecklich fand, bin ich mit einem ziemlich unguten Gefühl ins Kino gegangen. Die Kritiken waren ja auch sehr durchwachsen, schon vor Release. Ich muss aber sagen, dass ich sehr gut unterhalten war. Klar war das nicht die beste Story aller Zeiten, aber ich finde der Film hat das Ghostbusters-Gefühl toll eingefangen, dass ich von damals kenne :)

    McCarthy habe ich vorher tatsächlich als Problem gesehen. Genauso wie Feig. Der Humor der beiden funktioniert für mich eigentlich selten. Daher war ich um so überraschter, dass es hier geklappt hat. Muss zu meiner Freude sagen, dass sie doch nicht mein großes Problem mit dem Film war.
    Das war nämlich Kevin. Seine Art war die ersten 5 Minuten echt lustig, aber dann hat es mich persönlich nur noch genervt. Für den Humor, den er mitbringt, war ich ganz klar nicht mehr die Zielgruppe.

    Die Gastauftritte fand ich auch überwiegend ziemlich lieblos. Gelungen fand ich eigentlich nur die Taxi-Szene. Stimme dir aber voll zu, dass Bill Murray der Tiefpunkt in der Runde war. Der hatte ja mal gar keinen Bock ^^"

    Alles in allem aber ein sehr gelungener Film. Schade, dass das mit der Fortsetzung wohl nichts wird.

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  2. Sag mal, kann es sein, das du Holtzman magst?

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    1. Wie kann man Holtzman auch nicht mögen? *lach*

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