Filmkritik: Stolz und Vorurteil und Zombies

© Square One Entertainment / Universum
Story: England, 1811. Das Land ist im Begriff, von einer neuen Zombie-Welle überrannt zu werden. Für Mrs. Bennet besteht jedoch das größere Problem darin, ihre fünf heiratsfähigen Töchter unter die Haube zu bringen. Eine davon ist Liz (Lily James), die wie der Rest ihrer Schwestern die Kampfkunst der Shaolin beherrscht und eine leidenschaftliche Kämpferin ist. Neben den Zombies ist ihre größte Herausforderung wiederum, der seltsamen Anziehung zu dem Kämpfer Mr. Darcy (Sam Riley) und dem Charme des manipulativen Mr. Wickham (Jack Huston) zu widerstehen. Liz und Darcy müssen erst persönliche Vorurteile überwinden, bevor sie im Kampf gegen die Zombies die wahre Liebe füreinander entdecken...

Kritik: Leicht ist es vermutlich nicht, einer so oft verfilmten und erzählten Geschichte wie "Stolz und Vorurteil" von Jane Austen noch etwas Neues hinzuzufügen. Da muss schon tief in die Trickkiste gegriffen werden. Dachte sich auch ein findiger Autor und fügte der ganzen Sache kurzerhand ein paar Untote hinzu. Das klappte seinerzeit bei "Abraham Lincoln, Vampire Hunter" nur leidlich gut, doch hier macht man sich den übernatürlichen Gegner gut zu Nutze. 
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Die Grundprämisse des Romans bleibt dabei erfreulich unberührt. Trotz der Zombies handelt es sich in erster Linie um eine weitere Adaption von Austens Gesellschafts- und Beziehungsdrama. Auch hier geht es in erster Linie darum, die zahlreichen Bennett-Töchter möglichst aussichtsreich zu verheiraten. Doch die anhaltende Zombieplage zwingt alle zu besonderen Maßnahmen, und so können die jungen Frauen gut auf sich selbst aufpassen. Es ist auch eine willkommene Umkehr der angestammten Rollen, die Frauen behaupten sich gegen die Untoten und die männlich geprägte Gesellschaft gleichermaßen. Dies irritiert natürlich die Männer das eine oder andere Mal, aber es wird als Normalität akzeptiert. Hier wartet jedenfalls keine hilflose Maid auf Rettung. 

Lily James stattet ihre Version der Liz Bennett mit einem kühlen Eifer aus. Schlagfertig in jeder Hinsicht, vor allem in den (Wort-)Gefechten mit Sam Rileys Mr. Darcy. Alle Darsteller gehen mit einer gehörigen Portion Ernst an die Sache, was dem Film ebenfalls gut tut. Niemand wirkt dabei ungewollt unsympathisch, selbst der Mutter nimmt man die aufrechte Sorge um die Zukunft ihrer Töchter als Motivation ab. Einzig Lena Headey ist ein bisschen verschenkt in ihrer Rolle, von ihr hätte ich gerne mehr gesehen. Doch der Fokus liegt woanders. So sind dann auch die Zombies mehr als nur ekliges Schauwerk. Sie zeigen uns den Umgang einer Gesellschaft mit dem Anderen, dem Fremden. Sie funktionieren aber auch als permanente, unterschwellige Bedrohung in alltäglichen Situationen. Ein spannender Twist, wenn man sich darauf einlassen kann. 
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Die schönen Kulissen und die wundervollen, detailreichen Kostüme machen es jedenfalls leicht, in diese Welt einzutauchen. Es ist vermutlich der Umsichtigkeit des Regisseurs und einer gewissen Harmonie unter den Darstellern zu verdanken, dass dieses Experiment (und sind wir ehrlich, die Ausgangslage ist irgendwie dreist) nicht nur nicht scheitert, sondern stellenweise wirklich unterhaltsam ist, der Geschichte etwas neues hinzufügen kann und eine ziemlich gelungene Adaption von "Stolz und Vorurteil" ist. Wenn man Zombies allerdings nicht ausstehen kann, dann sollte man wohl einen Bogen um die ganze Angelegenheit machen, denn wenn sie auftauchen, dann sind sie wirklich fies anzusehen.

Fazit: Lily James und vor allem Sam Riley glänzen in dieser eigenwilligen Adaption des Kultromans von Jane Austen. Überraschend dialogtreu am Originalwerk gibt es allerhand fiese Zombiebrut zu eliminieren. Matt Smith sorgt für ein paar willkommene Lacher zwischendurch, andere Darsteller sind vom Potenzial her arg verschenkt. Doch falls hier keine hochtragende Literaturverfilmung erwartet wird, sondern eben wunderschön ausgestattetes 18. Jahrhundert, gepaart mit Ärsche tretenden Protagonistinnen und ein oder zwei Liebschaften, so macht "Stolz und Vorurteil und Zombies" sicherlich glücklich. Näher an Austens Vorlage als an einem richtigen Gruselstück kommt den Zombies hier die besondere Aufgabe zuteil, anderweitig für Horror zu sorgen. Ihre unterschwellige Bedrohung zieht sich dann auch durch den ganzen Film und ergänzt die eigentliche Aussage des ursprünglichen Werkes treffend. 

Die DVD: Die DVD im Vertrieb von Square One Entertainment / Universum Film ist seit dem 28. Oktober 2016 im Handel erhältlich.  Neben der deutschen Tonspur befindet sich auch die englische Originaltonspur mit auf der Scheibe. Beide kommen in einem guten Klangverhältnis daher, wobei die synchronisierte Fassung ein leicht besseres Verhältnis von Dialogen zu Geräuschen aufweisen kann. Insgesamt ist der Ton bei beiden Dolby Digital 5.1 Spuren aber gut ausbalanciert. Das Bild ist dem Format entsprechend scharf und auch farblich stimmig. Die Kontraste sowie Schwarzwerte überzeugen. Als Extras gibt es ein paar entfallene Szenen, einige Featurettes die sich mit den Hintergründen der Produktion auseinandersetzen sowie ein paar Interviews mit den Darstellern und der restlichen Crew.

Infos zum Film

Originaltitel: Pride and Prejudice and Zombies
Erscheinungsjahr: 2016
Genre: Horror, Drama, Komödie
FSK: 16
Laufzeit: 108 Minuten
Regie: Burr Steers
Drehbuch:  Burr Steers
Darsteller: Lily James, Sam Riley, Jack Huston, Matt Smith, Charles Dance, Lena Headey, Bella Heathcote u.a.

Trailer


1 Kommentar:

  1. Nachdem mir der Comic so gar nicht gefiel, bin ich tatsächlich mal gespannt!

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