Recap: Game of Thrones 6.6: Blood of my Blood

Es ist kein Spoiler wenn es ein Flashback ist! © HBO
Und da sind wir schon wieder, nun offiziell im zweiten Teil der sechsten Staffel von "Game of Thrones". Wie ihr am Bild oben unschwer erkennen könnt gibt es auch hier wieder Flashbacks. Ich will ja nichts sagen, aber ich habe bei dieser Episode ein paar Mal vor Freude rumgejault wie ein räudiger Straßenköter. etwas lauter gejubelt. Ähm....also. Nach der fulminanten letzten Episode kommen die Dinge wieder ein wenig zur Ruhe, jedenfalls für einen kurzen Moment. Doch dann läuft unsere liebste Serie mal wieder zur Höchstform auf. Wenn es darum geht, so viel Chaos wie möglich vorzubereiten. Und einige lang vermisste Mitstreiter tauchen wieder auf der Bildfläche auf. Alles beim Alten, sozusagen. Wie immer geht es nach dem Jump Break weiter, ihr kennt das ja mittlerweile. 
Ich bin ja bei weitem kein Fan der Sam-und Gilly Storyline. Alles, was auf Belohnungssex nach Rettung vor Vergewaltigungen aufbaut hat bei mir einen schweren Stand (einfach weils unrealistische Kackscheisse ist), und Gilly ist jetzt auch nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte, während Sam größtenteils einfach zu gutmütig ist. Aber! Diese Woche war einfach mal wieder zu viel des Guten. Sam bringt Gilly und das Baby zu seiner Familie. Zumindest seine Frau und seine Schwester sind gleich ganz verzaubert, muss diese komische Babymagie sein. Oder es gibt tatsächlich entspannte Tarlys. Denn, meine Lieben, SO sieht kein entspanntes Essen im Kreise der Familie aus. Und wir alle wissen, dass "das Abendessen, bei dem man die Eltern kennenlernt", oft ein einziger Spießrutenlauf ist.
 Eine schrecklich nette Familie. © HBO
Papa Tarly ist jedenfalls Wildlingen gegenüber ein ziemlich unfreundlicher Genosse, und auch seinen Sohn macht er fertig. Hat der Junge nicht genug mitgemacht? Enterbt werden und mit dem Tod bedroht werden, falls man sich nicht der Nachtwache anschließt rangiert selbst in Westeros auf der Liste der Arschloch-Väter ziemlich weit oben. Ich wette, er war mal best buddies mit Tywin Lannister. Wobei, nein. Selbst Tywin fand damals, dass Lord Tarly ein kleines bisschen übertreibt. Ihr merkt, ich tue mich immer noch schwer mit diesem Teil der Story, aber wenigstens greift Gilly dann mal ein und verteidigt Sam vor seiner Familie. Damit macht sie zunächst einmal alles schlimmer. Doch Sam fasst sich endlich mal ein Herz und haut mit seiner kleinen Familie mitten in der Nacht ab. Und er nimmt das Familienerbstück, ein ziemlich schickes (und sehr valyrisches) Schwert mit. Wir erinnern uns, diese Schwerter sind sehr selten und sie machen White Walker kaputt. Immer schön, wenn jemand auch mal praktisch denkt. Und mal ehrlich, die andere Option, nämlich Gilly zurückzulassen, hätte vermutlich mit ein paar Leichen geendet. 

Der Exkurs zu Sams Familie zeigt uns auch eine andere Seite im von Krieg gebeutelten Westeros. Die größte Sorge hier scheint, das frisch gefangene Wild verzehrfertig zu machen. Der Winter ist weit weg, es ist nicht einmal richtig Herbst. White Walker sind hier noch Gegenstand von Märchen und Erzählungen am Kaminfeuer. Es ist ein geschützter Bereich, in dem die Heldentaten von Sam keinerlei Glaubwürdigkeit zugesprochen bekommen. Hier wird auf der kleinstmöglichen Ebene bereits vorbereitet, was später zum Problem werden könnte: Niemand wird den Hauptfiguren glauben, wenn sie von Eiszombies und dergleichen erzählen. 
Black Jack Randall....äh....Edmure! © HBO
Auch Walder Frey taucht wieder auf. Ich brauche dringend eine ganze Serie, in der er nichts anderes macht als auf alles und jeden zu scheißen. Hochgradig unterhaltsam, wie er seinen beiden strunzdummen etwas langsameren Söhnen erklärt, wie das so ist wenn man Dinge verliert. Der Blackfish ist jedenfalls nach der Red Wedding entkommen und hat sich nun Riverrun zurückerobert. Die Brotherhood without Banners streunert ebenfalls herum, und einige Häuser sind den Freys gegenüber nicht mehr loyal. Aber Walder Frey hat ein Ass im Ärmel, beziehungsweise im Kerker. Edmure Tully, der scheinbar eine ausgedehnte Hochzeitsreise in einem miefigen Keller verbrachte. Er soll nun als Köder herhalten, aber wenn wir uns zurückerinnern, dann war der Blackfish niemals sonderlich angetan von seinem Neffen. Der Junge kann ja nicht mal einen Pfeil ins Ziel bringen. Die Väter in Westeros haben hohe Ansprüche, soviel ist mal sicher. Ich glaube allerdings nicht, dass dieser Plan aufgehen wird, denn Tobias Menzies ist ja doch recht involviert in Sachen "Outlander". Solltet ihr übrigens schauen, falls ihr das noch nicht macht, denn es ist großartig. Jedenfalls, Walder Frey ist sauer, und das ist nicht gut. Ein Glück, dass Jaime unterwegs ist, um zu helfen. 

Hier liegt das Problem vor allem darin, dass so lange nichts passiert ist. Die Red Wedding beendete mehr oder weniger die dritte Staffel. Die meisten Zuschauer schauen die einzelnen Folgen wohl nicht alle halbe Jahre, und längst nicht alle lesen die Bücher oder können sie auswendig. Hier ist rückwirkender Aufbau seitens Walder Frey nötig, es braucht eine gute Portion Exposition, um alle wieder auf den gleichen Stand zu kriegen. 
Nee. Nein. NEIN. © HBO
Jaime hat nämlich seine Stelle bei der Kings Guard verloren. Das, weil Tommen erneut das Gefühl hat, das Richtige zu tun. Ich kann mir nicht helfen, aber dieser Junge ist wie ein willenloses Werkzeug in den Händen gieriger Menschen, die ihre eigenen Interessen verfolgen. Brav wie ein Lämmchen zur Schlachtbank folgt er jeder Idee. Margaery kommt niemals dazu, nackt durch die ganze Stadt zu laufen. Zwar rückt die Armee der Tyrells zur Rettung an, und auch Jaime macht einen imposanten Auftritt, der High Sparrow hat aber an einer ganz anderen Front einen Sieg errungen. Tommen findet als König den Weg zum Glauben. Nun glaube ich ihm gerne, dass er das aufrichtig meint, doch Margaery verfolgt sicher ihr eigenes Ziel in dieser Angelegenheit. Sie zeigt hier gleich auf zwei Arten, dass mit ihr nicht zu scherzen ist. Sie kontrolliert Tommen, was ihr nicht nur Macht, sondern sicher auch mehr Ärger mit Cersei einbringen wird. Und sie verfolgt weiter ihr eigenes Spiel, was sie zu einem insgeheim wohl recht gefährlichen Charakter macht. Ich bin gespannt, was da noch auf uns zukommt. Jedenfalls hat diese Geschichte nun wenigstens vorläufig ein Ende, weitere Gespräche in dieser kargen Kammer ertrage ich jedenfalls nicht. Jaime ist nun ebenfalls frei und kann sich um wichtigere Dinge kümmern. Oh, und wir bekommen noch einmal von Cersei die Bestätigung, dass es sich bei dem mysteriösen Ritter tatsächlich um den Mountain handelt. Jaime und seine bunte Truppe aus Tyrells hätten in diesem Szenario sowieso nur verlieren können. Mach einen Fanatiker zum Märtyrer und er hat gewonnen. Lass dich unterbuttern und er hat ebenfalls gewonnen. Mich überrascht höchstens, dass Olenna überrascht war. Die Frau, die bis jetzt mit dem Mord an Joffrey davongekommen ist hat wohl keine Spione innerhalb der Kirche. 
Gesund sieht das nicht aus. © HBO
Noch mehr Bestätigung gibt es auf der anderen Seite der Wall. Meera und Bran haben keinen sonderlich guten Tag. Bran holt im Schnelldurchlauf die Geschichte seiner Welt nach, während Meera sich im Schnee abkämpft. Dass der Junge dann kurz aus seiner Starre erwacht um ihr mitzuteilen dass die Zombies sie gefunden haben, macht es auch nicht besser. Verständlicherweise kriegt Meera einen Nervenzusammenbruch. Doch dann eilt ein mysteriöser Reiter mit einem ziemlich heißen, weil brennenden Morgenstern (oder so) zur Rettung. Die Enthüllung lässt dann auch kaum auf sich warten: Benjen Stark ist zurück, meine Damen und Herren! Ich bin froh, dass die Serie nicht versucht, uns mehrere Folgen lang rätseln zu lassen, wer sich hinter der Gesichtsverhüllung versteckt. Nun wird auch die Erklärung aus der letzten Folge, wie die White Walker entstanden sind, wichtig. Denn dieser Prozess scheint auch umgekehrt zu funktionieren. Benjen wurde gerettet, nachdem dieser mit einem Schwert aus Eis verwundet wurde, und zwar mit einer guten Ladung Dragonglass, mitten ins Herz. Scheint ein Allzweckmittel zu sein.
Stark Reunion #2 © HBO
Jedenfalls, Benjen Stark ist wieder am Start, und er hat gleich ein paar Infos für Bran und Meera. Über den Dreiäugigen Raben weiß er ebenfalls Bescheid. Wir lernen indes, dass Bran nun vermutlich nicht mehr nur menschlich ist. Und dass man jede Menge sagen kann, ohne wirkliche Informationen rauszurücken. Benjen jedenfalls hat das recht gut im Griff, hier ein paar düstere Prophezeiungen, da ein paar geheimnisvolle Andeutungen. Ich bin verwirrt, und ich denke, dass auch Bran verwirrt ist. Prima, das sind gute Voraussetzungen für weitere, magische Abenteuer. 
Die nettere Version von Cersei Lannister. © HBO
In Braavos gehen die Dinge derweil endlich mal vorwärts. Arya hält sich nach wie vor im Theater auf. Dort geht der Meta-Kommentar auf die Serie in die nächste Runde. Und hier wird es nun interessant. Denn in der Darstellung der Cersei erkennt Arya vieles von sich selbst wieder. Niemals würde Cersei Lannister einfach nur trauern, sie würde zur Tat schreiten und ihr Kind rächen. Im Gespräch mit der Darstellerin lässt sie dies anklingen. Lady Crane ihrerseits findet Arya sehr sympathisch, fragt sie, ob sie gerne in andere Rollen schlüpft. Es ist ein toll geschriebenes Stück Dialog, an dessen Ende die Schauspielerin versucht, Einfluss auf die Geschichte zu nehmen, ihre Rolle stärker auszubauen. Auch sie wird daran durch einen Mann gehindert. Die Parallelen zum Stück reichen noch weiter, denn auch hier ist es (geplanter) Mord durch Gift im Getränk. Und nun entscheidet Arya, dass sie nicht als Auftragsmörderin leben kann. In letzter Sekunde bewahrt sie Lady Crane vor dem sicheren Tod, offenbart die mutmaßliche Auftraggeberin und verschwindet, um ihre versteckten Sachen zu holen.
Needle ist zurück! © HBO
Nach den deutlichen Worten von Jaqen aus der letzten Folge ist klar, was nun passieren wird. Entweder das Gesicht der Schauspielerin wird die unterirdische Halle zieren, oder das von Arya. Um den Standpunkt noch einmal zu untermauern dürfen wir sehen, wie Jaqen tatsächlich ein Gesicht von einem Schädel entfernt. Yummy. Er autorisiert den Mord an Arya, doch die ist vorbereitet. Im Schutz der Dunkelheit wartet sie, gemeinsam mit ihrem Schwert, auf die Dinge, die da kommen mögen. Das ist ein erfreulicher Endspurt in der Geschichte um Arya in Braavos, und wir können uns nun Gedanken machen, wo sie als nächstes hingehen wird. Vielleicht gabelt Daenerys sie unterwegs auf. 
Drogon ist auch zurück. © HBO
Stichwort Daenerys: Da war theoretisch gar nicht so viel los. Drogon tauchte in einer ziemlich gut gemachten Szene wieder auf. Es dauerte eine Weile, bis wir ihn in seiner ganzen Pracht sehen durften, davor wurde mächtig angeteasert, wie groß die kleine Flausch-Echse geworden ist. Niemand fragt, was mit Danys Pferd passiert ist, als sie auf dem Rücken des Drachen zurückkehrt, um eine weitere Rede zu halten. Die Dothraki finden's geil, Daario geht tierisch einer ab, Alles beim Alten also. So langsam muss die Drachenmutter mal wirklich Taten folgen lassen, vorzugsweise auf dem Kontinent, der nicht Essos ist. 

Insgesamt also eine Episode, in der die Grundlagen für die restlichen vier Folgen gelegt wurden. Die einzelnen Figuren fallen so langsam an die richtigen Stellen, es brauen sich Konfliktherde zusammen. Da tut ein bisschen Ruhe vor dem unausweichlichen Sturm ganz gut. Erfreulich ist vor allem die Rückkehr von so vielen, teilweise lang vermissten Charakteren. Mal sehen, was nun mit ihnen allen passiert.


Notizen aus dem Goldenen Buch
  • Gilly und Sam waren diese Woche wie so Leute aus einer dieser Makeover-Shows. Es war ALLES dabei! Neue Kleidung, das langsame Umdrehen, die große "Offenbarung". Heieiei.  
  • You hang in there, Gendry!
  • Gaststars in dieser Episode (und der letzten, aber da hab ichs verpennt): Essie Davis aus "The Babadook" als Lady Crane, Richard E. Grant (unter anderem "Doctor Who") als weiterer Schauspieler in Braavos, James Faulkner ("Downton Abbey") als Randyll Tarly sowie Samantha Spiro als Lady Tarly und Rebecca Benson als Sams Schwester. Freddie Stroma ("UnREAL", "Harry Potter") ist als Dickon Tarly mit an Bord. 
  • Wenn Brienne auf Jaime trifft, wird Tormund sicher ziemlich traurig sein. Das könnte Ärger geben. 
  • Drei Furzwitze in vier Folgen. Quo vadis?
  • 1000 Schiffe braucht Dany, um ihre bunte Armee aus Unsullied, Dothraki und Söldnern über das Meer zu bekommen. Meine Frage: Woher wollen die auf Pyke all das Holz nehmen? Schätze Theon und Yara haben da bessere Chancen, die beiden haben nämlich schon Schiffe.
  • Niemand ist in dieser Folge gestorben. 
  • Fünf Folgen ohne Dorne. Hoffentlich hat irgendwer den Laden einfach vergessen, damit ich das auch irgendwann tun kann.
  • Erklärt mir jemand, wieso dieses Mädchen bei den Faceless Men so dermaßen rachsüchtig ist, wenn es um Arya geht? Wer ist sie? Also, wer steckt unter diesem Gesicht? Gut, dass Arya weiß, wie man im Dunklen kämpft. Ich bereite mich auf seriöses Ärschetreten in dieser kleinen Kammer vor. Willkommen zurück, Needle!

Flauschiges Zuhause für Buchleser 
  • Während die Buchtheorie, dass Coldhands = Benjen Stark ist, ja bereits wiederlegt wurde (oder ist es eine Falle?), fühl ich mich jetzt einfach erst mal bis auf weiteres im Recht. Willkommen zurück in der Show, Coldhands /Coldface Benjen Stark!
  • Ich warte jetzt auf Lady Stoneheart. Nun, da Walder Frey wieder im Spiel ist, Jaime und Brienne auf dem Weg nach Riverrun sind und die Brotherhood wenigstens erwähnt wurde besteht aller Grund zur Hoffnung. 
  • Es wird also einen Trial by Combat geben. Lebt der Hound noch? Wurde er von den religiösen Fanatikern zusammengeflickt? Wird er gegen den Mountain kämpfen? Was meint ihr?
  • Bonusrunde!
     "Du hast da was zwischen den Rippen" © HBO

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