Filmkritik: Arlo & Spot

© Pixar
Story: Arlo hat es nicht leicht. Der kleine Apatosaurier ist der Nachzügler der Familie, die sich als Farmer betätigt. Nicht einmal den kleinen Menschenjungen, der heimlich die Vorräte der Familie stiehlt kann er vertreiben. Doch beim erneuten Versuch wird Arlo vom Fluß davongetragen und muss, gemeinsam mit dem Menschenkind Spot, den Weg nach Hause finden. Auf der abenteuerlichen Reise treffen sie auf viele andere Dinosaurier und es entwickelt sich eine innige Freunschaft zwischen den beiden ungleichen Wesen. 

Kritik: Pixar hat 2015 wirklich einen Lauf. "Alles steht Kopf" entpuppte sich nicht nur als bester Film des Studios seit langem, sondern als generell großartiges Meisterwerk über den Umgang mit unseren Gefühlen. Nun ist "Arlo & Spot" zu sehen, und der Film kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Der Regisseur wurde ausgetauscht, der Film ging zurück ans Zeichenbrett und kam mit 18 Monaten Verspätung ins Kino. Mit diesem Hintergrundwissen kommt man kaum darum herum sich zu fragen, welche Szenen im Film ausgetauscht wurden, oder wie die Originalfassung ausgesehen hätte. Denn "Arlo & Spot" ist nett. Mehr aber irgendwie auch nicht. Die Kritik enthält vermutlich Spoiler, der Film ist aber tatsächlich so vorhersehbar und ereignislos dass diese vermutlich nicht wirklich zu Buche schlagen. Dennoch, ihr wurdet gewarnt.
© Pixar
Besonders gelobt gehört der Animationsstil. Nicht unbedingt von den Figuren, ich zumindest frage mich wieso  die Dinosaurier so extrem verniedlichen musste. Sicher, zu einem gewissen Anteil müssen sie verniedlicht werden, schon allein damit man ihnen die Emotionen im Gesicht ablesen kann, aber die Kollegen hier sind schon arg überzogen. Arlo, der kleine und besonders ängstliche Apatosaurus ist aber natürlich trotzdem überaus putzig geraten, man gewöhnt sich überraschenderweise doch sehr schnell an die eigenwillige Optik. Aber der heimliche Star sind ganz klar die Landschaften. Was hier aus dem Computer herausgezaubert wurde trotzt einfach jeder Form der Beschreibung, die Landschaften sehen aus wie abfotografiert. Auch der Humor passt größtenteils. Die Slapstickeinlagen sind vermutlich vor allem für die kleineren Zuschauer witzig, treffen aber auch die Erwachsenen. Interessante Nebenfiguren, wie beispielsweise ein Rudel Tyrannosaurier mit einer eigenwilligen Berufswahl, gibt es ebenfalls. Ein wenig schwer zu erklären ist eine kurze, aus dem Nichts kommende Sequenz in der die beiden Hauptfiguren vor sich hin halluzinieren, sie erinnert ein wenig an "Pinocchio". Und zwischendrin wird es dann auch emotional, beispielsweise wenn Dino- und Menschenkind versuchen sich gegenseitig zu erklären wie es dem Rest ihrer jeweiligen Familie ergangen ist. Auch die Idee dass der Meteorit einfach an der Erde vorbeigerauscht ist und die Dinosaurier mit den Menschen gemeinsam auf dem Planeten leben ist witzig, wird aber im Film kaum genutzt.

© Pixar
Leider sind das aber auch beinahe schon alle Höhepunkte, die der Film zu bieten hat. Vor allem für Disneykenner gibt es hier absolut nichts Neues zu entdecken. Schlimmer noch, einige Szenen sind schrecklich offensichtlich aus anderen Filmen geklaut. Besonders der Einfluss von "König der Löwen" ist spürbar. So wie es eigentlich für Disney und weniger für Pixar typisch ist darf man sich zum Beginn des Films von einem Elternteil verabschieden, und hier wurde eine Herde Gnus einfach durch Wassermassen ersetzt. Später gibt es dann eine Stampede, natürlich mit einem Stein, hinter dem sich der verschreckte kleine Dinosaurier verstecken kann. Die Flugsaurier erinnern zu sehr an die Hyänen, vielleicht auch die Geier aus "Robin Hood", obwohl sie netterweise ihre ganz eigenen Spleens mitbringen und ihr Glaube, es handle sich bei schlechtem Wetter um eine anzubetende Gottheit, fast schon niedlich ist, weil sie natürlich keinerlei Sinn ergibt. Und am Ende steht, ganz wie im Dschungelbuch, die Erkenntnis dass Menschen und Tiere besser bei ihren jeweiligen Herden aufgehoben sind. Was sowieso ein wenig verwundert, denn davor ist nicht genug passiert um die starke Bindung zwischen den beiden Figuren zu rechtfertigen. Auch fühlt die Geschichte sich unbefriedigend an, denn mit Arlo passiert einfach zu wenig. Er wird in ein Abenteuer geworfen, er wird ein wenig erwachsener, ist am Ende mutiger und der Dino, den sein Vater in ihm gesehen hat. Was schön und gut ist, wäre da nicht seine Familie. Zu Beginn wird lange davon erzählt wie wenig sie mit der drohenden Hungersnot zurechtkommen, und man erwartet beinahe schon das Arlo unterwegs etwas findet um seiner Familie zu helfen. Dem ist aber nicht so, und seine schlussendliche Heimkehr unterstreicht diese Tatsache beinahe schon schmerzhaft. Nun, wenigstens sind nun alle überlebenden Familienmitglieder beisammen um gemeinsam nicht durch den harten Winter zu kommen. "Arlo & Spot" merkt man an zu vielen Stellen einfach an, dass die Geschichte nicht rundläuft, dass viel mehr Potential da gewesen wäre und man sich am Ende wohl nur darauf geeinigt hat den harmlosesten, weil nichtssagendsten Pixar-Film seit langem zu machen. 

Fazit: Besonders bei der Animation der Landschaften hat Pixar sich hier selbst übertroffen. Teilweise ist kaum noch zu unterscheiden ob man nun ein Panoramafoto anschaut oder eine animierte Landschaft, so realistisch sieht das alles aus. Würde es sich hier um ein reines Projekt handeln in dem gezeigt werden soll was Pixar momentan leisten kann, man müsste Höchstwertungen vergeben. Leider ist dem aber nicht so, und "Arlo & Spot" krankt dann auch an der ganz falschen Stelle. Die Figuren sind zu eindimensional, die Geschichte zu banal erzählt. Entschleunigung ist schön und gut und auch jederzeit willkommen, doch dieser Film lässt sich mit "Dino geht verloren, Dino findet Mensch, Dino geht nach Hause" in einem Satz vollumfänglich erklären. Herzig ist das natürlich trotzdem irgendwie, hier und da sitzt der Humor und wer nahe am Wasser gebaut ist wird hier sicher auch Taschentücher verbrauchen, denn stellenweise ist "Arlo & Spot" traurig. Aber unterm Strich fühlt sich das alles an wie dreimal recycelt und das drücken auf die Tränendrüsen erfolgt so dermaßen berechnet dass man sich hinterher ärgert, darauf hereingefallen zu sein. Ein schön anzusehender, netter Film, aber leider auch nicht mehr als das.


Infos zum Film

Originaltitel: The Good Dinsaur
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Komödie, Animation, Abenteuer
FSK: 6
Laufzeit: 94 Minuten
Regie: Peter Sohn 
Drehbuch: Meg LeFauve
Sprecher: Raymond Ochoa, Jack Bright, Frances McDormand, Jeffrey Wright, Anna Paquin, Sam Elliott u.a.

Trailer

1 Kommentar:

  1. Ich weiß, die Handlung ist zu einfach, die Parallelen zum KÖNIG DER LÖWEN sind zu offensichtlich, irgendwo habe ich auch gelesen, es habe Probleme bei der Herstellung des Films gegeben, aber ich hab trotzdem geheult wie ein Baby. ;-) Außerdem muss ich mal lobend hervorheben, dass der Film keinerlei Anstalten macht den Übergang zu einem Sequel möglichst leicht zu gestalten, soll heißen, es ist eine abgeschlossene Geschichte - und das ist angesichts dieser Remakewelle tatsächlich mal erwähnenswert.

    Hier meine Review zum Film: https://filmkompass.wordpress.com/2015/12/02/the-good-dinosaur-2015/

    AntwortenLöschen

Bitte seid nett zueinander. Beleidigungen jeder Art, Spam und Kommentare die nichts zum Thema beitragen werden entfernt.

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...