Filmkritik: High Rise

© DCM


Story: Dr. Robert Laing (Tom Hiddleston) zieht nach seiner Scheidung in ein neu gebautes Hochhaus. Die vierzig Etagen des glamourösen Gebäudes sind klar aufgeteilt: Die Upperclass hat die oberen Stockwerke für sich reserviert, während Familien sich mit den Untergeschossen zufrieden geben müssen. Der 30-jährige Laing hat sein Apartment im mittleren Bereich und freundet sich mit dem Fernsehjournalisten Richard Wilder (Luke Evans) aus dem zweiten Stock an. Seine große Faszination gilt aber Anthony Royal (Jeremy Irons), dem Architekten, der ganz oben über allen residiert. Schon bald beginnt es, hinter der glitzernden Oberfläche des Wolkenkratzers zu rumoren. Mysteriöse Schlafprobleme machen den Bewohnern zu schaffen. Dazu kommen Konflikte zwischen den Schichten, die sich immer weiter ausdehnen. Während eines Stromausfalles brechen die Aggressionen dann offen aus.  



Kritik: Regisseur Ben Wheatley macht mit seinen Filmen gerne mal auf sich aufmerksam, denn sie bewegen sich immer ein kleines, wohldosiertes bisschen abseits jeder Norm. Und sie überraschen, mehr als jede Wundertüte vom Kiosk es je könnte. Gewissermaßen ist er also genau der richtige, um den eigenwilligen Roman von J.G. Ballard zu verfilmen. Mit Tom Hiddleston und Jeremy Irons sind zwei Schwergewichte mit an Bord, Sienna Miller und Luke Evans sind einem Großteil des Publikums wohl auch bekannt. Die Prämisse des Hochhauses, in dem man je nach Schichtzugehörigkeit entweder oben oder unten lebt, erinnert entfernt an Filme wie "Snowpiercer", allerdings legt Wheatley den Fokus eindeutig auf eine andere Art des Zerfalls.

© DCM



Zu viel sollte man über den Film eigentlich gar nicht erst verraten. Die Ausgangslage sorgt natürlich für einen umfassenden Konflikt, doch der Weg bis zur Eskalation und darüber hinaus ist spannend. Nicht, weil er unbedingt etwas Neues zu erzählen hat. Es ist mehr das "wie", das fasziniert. Als Zuschauer wird man mehr und mehr mit dem Wahnsinn, der im Haus herrscht, alleingelassen. Szenen voller Ruhe wechseln sich mit brutalen Einstreuungen ab, kommentiert wird dies nicht. Man bleibt in der Passivität gefangen, so wie die Figuren im Haus gefangen sind. Der Ausbruch erfolgt auf der kleinstmöglichen Ebene. Das Geschehen bleibt ungreifbar, stellenweise auch unerklärbar. Die Darsteller, der Soundtrack von Clint Mansell und die kühlen, distanzierten Bilder verschmelzen zu etwas Größerem. Etwas, das im einen Moment sein Publikum sicher in seinen Armen wiegt, nur um dann im nächsten zuzudrücken, bis die Luft wegbleibt. Die dystopische Vision der (großartig ausgestatteten) 70er Jahre, die sich problemlos auch auf die heutige Zeit anwenden lässt, hält jedenfalls nichts zurück und frisst sich ins Gedächtnis der Zuschauer hinein.  



Fazit: "High Rise" setzt sich zielsicher zwischen Indie- und Mainstreamkino nieder und besticht durch die schleichende Faszination, die er ausstrahlt. Fühlt man sich als Zuschauer zu Beginn noch sicher (nach einem kleinen Exkurs in den Wahnsinn, der dort lauert), bricht nach und nach die Fassade weg. Was bleibt ist ein tiefer Einblick in die Gesellschaft, den man so vielleicht lieber nicht gesehen hätte. Mit Glanz, Gloria und Exzess fährt hier alles vor die Wand und man wird mitgerissen, ob man nun will oder nicht. 


Infos zum Film

Originaltitel: High Rise
Erscheinungsjahr: 2015
Genre: Sci-Fi, Thriller, Drama
FSK: 16
Laufzeit: 118 Minuten
Regie:
Drehbuch:
Darsteller: Tom Hiddleston, Jeremy Irons, Sienna Miller, Luke Evans u.a.

Trailer

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...